Iranische Geschichte, geschrieben durch CIA und Wall Street

Von Lars Schall
März 9, 2026

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Von Mossadegh über Pahlewi zu Khomeini: Wie kam es zur Iranischen Revolution, die das Regime des Ayatollah Khomeini an die Macht brachte und für den politischen Islam eine Art Big Bang bedeutete, dessen Auswirkungen noch heute zu spüren sind?

„Politik ist der Schattenwurf auf die Gesellschaft durch das Big Business.“1

— John Dewey —

Ausgangspunkt: CIA & Wall Street

Der Auslandsgeheimdienst der USA, die Central Intelligence Agency (CIA), wurde auch und gerade zur Wahrung langfristiger Wirtschaftsinteressen der Wall Street kreiert. Diese Schlussfolgerung liegt jedenfalls nahe, wenn sich vor Augen gehalten wird, welches Personal an der Schaffung der CIA im Jahre 1947 und ihrer nachfolgenden Entwicklung beteiligt war.

Bevor im heutigen Sinne Geheimdienste existierten, beschäftigten Banken, Konzerne und Rechtsanwaltskanzleien in ihren Unternehmen Mitarbeiter eigens „als unabhängig angestellte Agenten, um Informationen über Konkurrenten und Geschäftsmöglichkeiten im Ausland zu sammeln“. Viele der ersten Geheimdienst-Rekruten der USA wurden entsprechend „von Ölfirmen, Wall Street-Banken und Eliteuniversitäten genommen“, und es war kaum überraschend, dass diese „häufig die Interessen ihrer mächtigen Businesspartner mit den nationalen Interessen“ gleichstellten – oder in den Worten, welche dem einstigen US-Präsidenten John Calvin Coolidge zugeschrieben werden: „Das Geschäft Amerikas ist das Geschäft.”2

So war es eigentlich nur konsequent, wenn der Vorgänger der CIA, das Office of Strategic Services (OSS), im Laufe des Zweiten Weltkriegs von William „Wild Bill“ Donovan geleitet wurde, dem Gründer der bis 1998 bestehenden Wall Street-Anwaltskanzlei Donovan, Leisure, Newton & Irvine. Denn vergleicht man die Dinge, dann „erreicht ein vertrauenswürdiger Unternehmensanwalt im Wesentlichen das für seine Klienten, was eine zentrale Anlaufstelle für nachrichtendienstliche Informationen für ihren Auftraggeber erreichen kann: er handelt die Deals aus, er dämpft Paniken und beruhigt Krisen, er begleitet den Prozess so vertraulich wie möglich. Er findet allesmögliche heraus und verwendet jedes erdenkliche Mittel, um das Resultat zu beeinflussen.“3 Daraus ergeben sich freilich Folgen: „Ein Nachrichtendienst, der von Anwälten ausgeheckt wurde – Männern, die es gewohnt sind, Probleme nicht nur zu erkennen, sondern sie auch zu definieren und ihren Klienten Lösungsvorschläge zu unterbreiten –, wird weitaus wahrscheinlicher die Politik beeinflussen als ein traditioneller militärischer Nachrichtendienst. Anwälte haben eine verführerische Art, ihre Klienten unterzuordnen und ihre Kunstgriffe anzuwenden, bis sie die Dinge bewegen. So ergibt es sich, dass in vielen strategischen Verwicklungen die Anwälte mindestens so viel Kontrolle über das Geschehen haben wie die gewählten Amtsträger.“4

Ein Großteil der OSS-Führung war von der Wall Street rekrutiert. In einem Bericht von Colonel Richard Park aus dem Jahr 1945 über den Vorläufer der CIA wurde vorgebracht, dass „die Einstellung und Beförderung leitender Beamter nicht auf Verdiensten beruhte, sondern auf einem alten Netzwerk der Wall Street“.5 So leitete beispielsweise Allen Dulles von der Wall Street-Anwaltskanzlei Sullivan & Cromwell die Geschäftstätigkeiten des OSS im schweizerischen Bern (Herrengasse Nr. 23), nachdem er zuvor noch für den Wall Street-Thinktank Council on Foreign Relations (CFR) an den Nachkriegsplanungen der USA mitarbeitete, welche im September 1939 unter dem Namen War Peace Studies mit Finanzierungsmitteln der Rockefeller Foundation begannen. Dulles leitete die OSS-Stelle in Bern von November 1942 bis zum Kriegsende. Ein anderes Beispiel: William J. Casey, der zuvor als Rechtsanwalt und Partner der Anwaltskanzlei Buckner, Casey, Doran & Siegel in New York City arbeitete, gehörte zum OSS-Mitarbeiterstab von Behörden-Chef Donovan und führte ab 1944 die OSS-Geheimdienstabteilung in Europa an.6

Anwälte und Banker der Wall Street hatten ihre Hände ebenso im Spiel, als es nach dem Zweiten Weltkrieg galt, eine Nachfolgeorganisation des OSS zu gründen. Im. Oktober 1945 berief US-Kriegsminister Robert Patterson das sogenannte Lovett-Komitee – so benannt nach dem Vorsitzenden des Gremiums, Robert A. Lovett. Das Komitee sollte die US-Regierung bei der Organisation der künftigen Geheimdienstaktivitäten beraten – ein Weg, der hin zur Gründung der CIA führte. Welcher Profession war Lovett zuvor nachgegangen? Er hatte zu den Gründungspartnern der Wall Street-Investmentbank Brown Brothers Harriman gehört. An der Entwicklung des National Security Act, aus dem im Sommer 1947 die CIA hervorging, wirkte Clark Clifford mit. Clifford war Berater von Präsident Harry S. Truman (und später Verteidigungsminister der USA unter Lyndon B. Johnson). Welcher Profession ging Clifford außerdem nach? „Wall Street-Rechtsanwalt und Banker.“7 Bei der Ausarbeitung des National Security Act folgten Clifford und andere Berater den Vorgaben von Allen Dulles, der unter Dwight D. Eisenhower ab Frühjahr 1953 die Funktion des CIA-Direktors bekleidete (und von John F. Kennedy nach dem Schweinebucht-Fiasko 1961 als solcher entlassen wurde). Welcher Profession ging Allen Dulles außerdem nach? „Partner bei Sullivan and Cromwell, der – bis heute – mächtigsten Anwaltskanzlei der Wall Street“,8 die sich insbesondere aufs Auslandsgeschäft verlegt hatte und u.a. Standard Oil-Firmen; Chase National Bank (bzw. Chase Manhattan); United Fruit Company; Mellon; Dupont; U.S. Steel; Merck & Co.; I.G. Farben; Remington, ITT, General Motors; J.P. Morgan & Co.; Kuhn, Loeb & Co.; J. Henry Schroder Banking Corporation (und die eng mit ihr verbundene Schroder, Rockefeller & Co.); Lee, Higginson & Co.; Brown Brothers, Harriman (und die eng mit ihr verbundene W. A. Harriman & Co.); Dillon, Read & Co.; und Guaranty Trust Company of New York vertrat.

Mit Blick auf den National Security Act erzählt Richard Helms, der CIA-Direktor in den Jahren 1966 bis 1973 (und Enkel von Gates McGarrah, einem früheren Vorsitzenden der Federal Reserve Bank of New York und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich), dass Allen Dulles im Jahre 1946 die Aufgabe zugeteilt bekam, „,Vorschläge für … die Organisation dessen zu entwerfen, was 1947 die Central Intelligence Agency werden sollte.‘ Dulles bildete umgehend eine beratende Gruppe von sechs Männern, von denen alle bis auf einen Wall Street-Investmentbanker und -Rechtsanwälte waren. 1948 ernannte [US-Verteidigungsminister James] Forrestal Dulles zum Vorsitzenden eines Ausschusses mit zwei anderen New Yorker Rechtsanwälten, um die Leistung der CIA zu überprüfen. ,Die drei Anwälte beratschlagten fast ein Jahr lang in einem der Sitzungsräume von J.H. Whitney‘, einer anderen Wall Street-Investmentfirma.“9

Recht bald nach Verabschiedung des National Security Acts wurde die CIA die am schnellsten expandierende Behörde innerhalb des US-Regierungsapparats und ihre Berichte nahmen größere Bedeutung für das Weiße Haus an, als die des Außenministeriums.10 „Die Agency operierte zunehmend verselbstständigt, als ein praktisch autonomer Arm der außenpolitischen Bürokratie, fast eine Regierung innerhalb einer Regierung.“11 Um den US-Regierungsapparat zu straffen, berief Präsident Harry S. Truman im Frühjahr 1948 eine Kommission, die von Ex-Präsident Herbert Hoover geleitet wurde. Der Kommission sollte eine Task Force bei Angelegenheiten der Verteidigung und der Geheiminformationsgewinnung zuarbeiten. Geführt wurde diese Task Force von Ferdinand Eberstadt. Weitere Mitglieder waren u.a.: US-Verteidigungsminister James Forrestal und der damalige Weltbankpräsident John J. McCloy. Welcher Profession ging Eberstadt nach? Wall Street-Anwalt und Investmentbanker bei Dillon, Read & Co. Welcher Profession ging Forrestal nach, bevor er Verteidigungsminister wurde? Investmentbanker bei Dillon, Read & Co. Welcher Profession ging McCloy nach? Rechtsanwalt und Partner bei der Wall Street-Kanzlei Milbank, Tweed, Hadley & McCloy.

„Bis Ende 1948 hatte die Eberstadt-Arbeitsgruppe ihre Vorschläge parat. Beim kritischen Punkt der verdeckten Geheimoperationen schlussfolgerten McCloy und die anderen Mitglieder der Arbeitsgruppe, dass ,jene, die für Operationen in der CIA verantwortlich sind, weitgehende Autonomie erhalten müssten.‘ Die CIA, so glaubten sie, müsse mehr tun, insbesondere hinsichtlich verdeckter Propaganda. ,Die Schlacht um die Herzen der Menschen könnte den Kampf für die Menschheit entscheiden. Das Komitee empfand die existierenden Einrichtungen und Mechanismen für psychologische Kriegsführung als ungenügend.‘”12 Mit der Unterstützung von Council on Foreign Relations-Mitglied George F. Kennan, dem Direktor des Policy Planning Staff des US-Außenministeriums, wurde daraufhin eine wichtige Abteilung innerhalb der CIA auf den Weg gebracht, das Office of Policy Coordination (OPC). Der erste Chef des OPC hieß Frank Wisner. Welcher Profession ging Wisner zuvor nach? „Wall Street-Rechtsanwalt.”13 „Unter Wisners energischer Führung begann das OPC sehr schnell mit umfangreichen, andauernden, weltweiten Geheimdienstoperationen. Er arbeitete mit der größtmöglichen administrativen Freiheit, wobei er nur sporadisch Berichte an die Führungsetage des Außenministeriums, des Verteidigungsministeriums und der CIA liefern musste. Das Wachstum von Wisners Einheit lässt sich am deutlichsten mit dessen Wachstum von 302 Mitgliedern im Jahre 1949 auf 2812 Mitarbeiter plus 3142 Auftragsagenten in Übersee im Jahre 1952 verdeutlichen. Bald [nach der OPC-Gründung] machte sich Wisner regionale Währungsgegenwertmittel zunutze, die vom Marshall-Plan generiert wurden, um seine Aktivitäten in Europa zu finanzieren. 1949 belief sich sein Budget auf $4,7 Millionen; drei Jahre später war es auf $82 Millionen angewachsen. Durch ihre Empfehlung trugen McCloy und seine Kollegen aus der Eberstadt-Arbeitsgruppe eine schwere Verantwortung für das, was Wisner nunmehr seinen ,mächtigen Wurlitzer‘ nannte.“14

Die enge Liaison zwischen Wall Street und CIA, auf die wir hier stoßen, vermag kaum als Zufall abgetan zu werden. Schließlich stammten in den ersten beiden Jahrzehnten seit ihrer Gründung alle „sieben der bekannten stellvertretenden Direktoren der CIA (…) aus denselben New Yorker Anwalts- und Finanzkreisen; sechs von ihnen wurden darüber hinaus im New York Social Register geführt“ – einem Verzeichnis der High Society in New York.15

Dazu wollte ich etwas mehr von Peter Dale Scott erfahren, welcher die letztgenannten Fakten für sein Buch The Road to 9/11 recherchierte.16 Ihn fragte ich in einem Interview, ob es eine Übertreibung wäre, wenn man annehmen würde, die CIA sei mehr oder weniger geschaffen wurde, um langfristige Interessen der Wall Street in der Welt zu unterstützen. Daraufhin sagte Scott, dass „hinter den Kulissen Leute von der Wall Street und der Finanzwelt die gleiche Kontrolle über die Geheimdienste wiedererlangen [wollten], die sie während des Zweiten Weltkriegs durch das OSS hatten. Wir könnten ein ganzes Interview nur darüber führen, aber die amerikanischen Finanzinvestitionen in Europa wurden vom OSS geschützt, es wurden wichtige Entscheidungen getroffen, um Fabriken, Staudämme etc. nicht anzugreifen, und das war das OSS. [US-Präsident Harry S.] Truman hat immer versucht, eine Person zu bekommen, die nicht von der Wall Street war, um die CIA anzuführen, und das traf zu, bis Allen Dulles von der Wall Street die Leitung unter Eisenhower übernahm, doch darunter waren fast alle von Truman ernannten stellvertretenden Direktoren Leute von der Wall Street. Sie müssen sich die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg vorstellen: eine weitestgehend zerstörte Weltwirtschaft, man hatte private Geheimdienst-Unternehmen, etwas, das sich die World Commerce Corporation nannte, mit lauter Ex-Kriegszeit-Geheimdienstlern aus England und Amerika, die mit privaten Ressourcen versuchten – und jetzt hören wir möglicherweise mit beschlagnahmten Finanzmitteln der SS in Deutschland oder Österreich17 –, den Welthandel in einer Weise anzuschieben, dass Amerika und Großbritannien ihn dominieren würden.“18

In seinem Buch American War Machine kommt Peter Dale Scott auf einen konkreten Einsatz von Nazi-Finanzmitteln durch das umrissene Milieu zu sprechen, indem er auf den „mysteriösen“ E. P. Barry verweist. Barry sollte nach dem Zweiten Weltkrieg Investitionspartner von Paul Helliwell und Bruce Rappaport werden. Helliwell war ein früherer OSS-Mitarbeiter, der Drogenbanken gründete, die mit der CIA kooperierten. Rappaport, ein Mann aus dem Erdölgeschäft, war Eigentümer der wichtigen Schweizer (Drogen-)Banken Inter Maritime Bank und Banque de Commerce et de Placements (BCP), letztere ein Tochterunternehmen der berühmtesten Drogenbank der 1980er Jahre: der pakistanischen Bank of Credit and Commerce International (BCCI). Überdies war E. P. Barry wohl auch ein enger Verbündeter von William J. Casey, dem CIA-Direktor unter US-Präsident Ronald Reagan.19 Scott schreibt: „Eine der sehr wenigen Sachen, die über Barry bekannt sind, ist, dass er während des Zweiten Weltkriegs im OSS war und dass Donovan ihn gegen Ende des Krieges zum Leiter der OSS-Gegenspionage (X-2) in Wien ernannte. Die OSS-X-2 oder -Gegenspionage war die geheimste und am höchsten klassifizierte der OSS-Abteilungen und diejenige, deren genaue Mission darin bestand, den deutschen Sicherheitsdienst (SD) zu durchdringen. Laut einem OSS-Report von 1946: ,Eine gleichermaßen interessante X-2-Aktivität war die Untersuchung von RSHA (SD) Finanztransaktionen‚ (Operation Safehaven). Im Laufe dieser Untersuchungen nahm die Dritte US-Armee einen SD-Major ,auf mehrere Reisen nach Italien und Österreich mit, und als Resultat dieser vorausgehenden Reisen wurden über $500.000 an Gold und auch Juwelen gesichert.‘ Einiges von dem unter der Oberaufsicht von Barry gesicherten Nazi-Gold wurde daraufhin benutzt, um US-Geheimdienstoperationen in den unmittelbaren Nachkriegsjahren in Deutschland zu finanzieren.“20

Hinzu kam die direkte Indienstnahme gewisser Nazi-Persönlichkeiten. Beispielsweise konspirierten zwischen 1945 bis 1947 „Elemente in der US-Armee, um Kontakte mit früheren deutschen Anti-Kommunisten in Europa und ihrem deutschen Kommandanten Reinhard Gehlen aufrechtzuerhalten. Fünf Männer waren beteiligt, von denen drei (William J. Donovan, Allen Dulles und Frank Wisner) Repräsentanten der Wall Street-Oberwelt und auch des New York Social Register waren, das die Mitglieder der New Yorker High Society listete.“21

Der US-Autor Carl Oglesby berichtete 1976 in seinem Buch The Yankee-Cowboy War, dass nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen dem Leiter der „Abteilung Fremde Heere Ost“ (FHO), dem Generalmajor der Deutschen Wehrmacht Reinhard Gehlen, und ranghohen Vertretern der USA ein geheimes Übereinkommen getroffen wurde. Zuvor hatte sich Gehlen am 22. Mai 1945 dem Counter Intelligence Corps (CIC) der U.S. Army ergeben und war daraufhin nach Fort Hunt im US-Bundesstaat Virginia gebracht worden. Dort sollen ihm als Ergebnis von Verhandlungen Versprechungen unterbreitet worden sein: Im Gegenzug dafür, dass sich Gehlen bereit erklärte, ein antisowjetisches Nachrichtendienstnetzwerk für die USA in Europa zu organisieren, gab sich die US-Seite damit einverstanden, dass er sich „nur mit Kommunisten befassen würde und nicht gezwungen sein würde, die Entnazifizierungsbemühungen der Vereinigten Staaten zu unterstützen“. Ferner wurde Gehlen zugesagt, dass er nichts unternehmen müsse, „was er als gegen die Interessen des souveränen Deutschlands gerichtet erachten könnte“. Sollte Deutschland wieder souverän sein, so wurde ihm in Aussicht gestellt, würde die US-Kontrolle über ihn enden und er könne ein Teil der deutschen Regierung werden – zusammen mit seiner intakten Organisation. Laut Oglesby dauerte die US-Kontrolle daraufhin zehn Jahre an, ehe die Gehlen-Organisation als Bundesnachrichtendienst (BND) in der Bundesrepublik Deutschland offiziell Fuß fasste.22

Nach Veröffentlichung von The Yankee-Cowboy War forschte Carl Oglesby über die Geschichte von Reinhard Gehlen weiter. Im August und September 1985 reichte er Anfragen in Rahmen des Freedom of Information Act (FOIA) bei der Central Intelligence Agency (CIA), National Security Agency (NSA), dem Federal Bureau of Investigation (FBI), dem Heeresamt (U.S. Department of the Army), US-Außenministerium und der National Archives and Records Administration (NARA) ein. Oglesby fragte bei den Behörden nach Aufzeichnungen zu Reinhard Gehlen für den Zeitraum der Jahre 1944 bis 1956 – und zwar: zu den Besprechungen in Fort Hunt, Virginia, an denen im Sommer 1945 General George Strong (U.S. Army) und Allen Dulles (Office of Strategic Services, OSS) beteiligt waren; zur „Operation Rusty“, die die U.S. Army zwischen 1945 und 1948 in Europa durchführte; zur „Operation Rusty“ in Papieren der Central Intelligence Group (CIG), zu deutschen NS-Untergrundorganisationen der Nachkriegszeit wie „Odessa“, „Kameradenwerk“, „Bruderschaft“, „Werwölfe“ und „Die Spinne“; zur Nazi-Untergrundorganisation „La Arana“; zur „Operation Sunrise“ des OSS im Jahre 1945; zur Beziehung, die Gehlen zu den OSS-Führungsfiguren William J. Donovan und Allen Dulles unterhielt.

Nachdem die Behörden seine Anfragen abblockten, zog Oglesby 1987 vor Gericht. Bis heute ist der Rechtsstreit nicht beigelegt – das heißt: die Dokumente sind immer noch nicht freigegeben. Oglesby starb im September 2011, weswegen seither in dem von ihm angefangenen Gerichtsverfahren seine Tochter Aron DiBacco und seine Partnerin Barbara Webster als Kläger auftreten („Aron DiBacco, et. al. vs. U.S. Dep’t of Army, et. al.” Civil Action No. 87-3349 am US-Bundesgericht in Washington, D.C.) – juristisch beraten durch das Assassination Archive and Research Center (AARC).

Reinhart Gehlen war im Zweiten Weltkrieg an den Planungen der „Operation Barbarossa”, dem Angriff Hitlers auf die Sowjetunion im Sommer 1941, involviert und avancierte im Zuge des Stalingrad-Desasters zum Chef der Ostspionage („Abteilung Fremde Heere Ost“). Nach Kriegsende baute er zunächst die „Organisation Gehlen“ („Org“) und dann den Bundesnachrichtendienst in Pullach auf; mit freundlicher Hilfe der CIA. Die Aktivitäten der „Fremde Heere Ost“, die Gehlen zuvor beaufsichtigte, standen nicht bloß im militärischen Zusammenhang der Ostfront, sondern auch in dem der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“, welche „Teil des Kontextes“ war, „in dem Entscheidungen, die mit dem ,Osten‘ verbunden waren, in Nazi-Deutschland getroffen wurden“.23

Im Kalten Krieg, der nach 1945 West und Ost teilte, brachten „[s]elbsternannte Pragmatiker innerhalb der US-Geheimdienste (…) immer wieder“ vor, „dass der ansonsten fragwürdige Einsatz von Gehlen und selbst reuelosen Nazis durch die Org wegen ihrer wichtigen Unterstützung gegen einen mächtigen und rücksichtslosen Rivalen gerechtfertigt war: die Sowjetunion. ,Er ist auf unserer Seite‘, sagte CIA-Direktor Allen Dulles später über Gehlen, ,und das ist alles, was zählt.‘“24 Die Informationen, welche von der „Org“ kamen, schätzte Park Armstrong, lange Jahre Leiter des Office of Intelligence and Research des US-Außenministeriums, als „essentiell für amerikanische Interessen” ein. „Der Beitrag unseres deutschen Verbündeten zum Verständnis des sowjetischen Militärs war oftmals ein Standard, gegen den wir unsere eigene Arbeit verglichen.“25 Tatsächlich wurden die Berichte und Analysen, die von Gehlens „Org“ stammten, in den ersten Jahren der CIA „manchmal einfach nur neu auf CIA-Briefpapier abgetippt und Präsident Truman bei den morgendlichen Sicherheitsbriefings ohne jeden weiteren Kommentar vorgelegt. Gehlens Organisation ,prägte, was wir über die Sowjets in Osteuropa und insbesondere in der DDR wussten‘.“26

Vom praktischen Standpunkt aus gesehen war die Abhängigkeit von Gehlen „ein Schnitzer“, insofern das Einsetzen von Gehlens „Org“ prinzipiell für sich eine Eskalation des Kalten Krieges darstellte, die von der Gegenseite propagandistisch ausgeschlachtet werden konnte. Nicht minder zum Nachteil gereichte, dass es die „Org“ den sowjetischen Spionen einfacher gestaltete, die westlichen Geheimdienste zu infiltrieren.27 Wichtiger noch: „Gehlens Leute bestärkten die Vorliebe der US-Geheimdienste, dem Kommunismus und der Sowjetunion mit Paranoia zu begegnen. Dies trug stark dazu bei, weitverbreitete Desinformationen über sowjetisches Verhalten zu verankern. ,Gehlen musste sein Geld verdienen, indem er eine Bedrohung schuf, vor der wir Angst hatten‘, sagt Victor Marchetti“, ein ehemaliger CIA-Analyst im Bereich sowjetischer Kriegspläne und Fähigkeiten. Die CIA habe ihm mehr Geld gezahlt, und entsprechend habe Gehlen der CIA mehr davon erzählt, doch „Gehlens Organisation hat uns nichts Substantielles zum Verständnis oder zur Einschätzung militärischer oder politischer Fähigkeiten der Sowjets in Osteuropa oder irgendwo sonst gegeben“, so Marchetti.  Es sei „eine Verschwendung an Zeit, Geld und Aufwand“ gewesen, Gehlen zu beschäftigen. Er und seine „Org“ hätten vielleicht „einen gewissen Gegenspionage-Wert“ besessen, „weil jeder in seiner Organisation die Hände in beiden Töpfen hatte.“ Der US-Historiker Christopher Simpson: „Mit anderen Worten, Gehlen hat keine der von ihm erwarteten verlässlichen Informationen geliefert, für die er beschäftigt wurde, aber das vorsichtige Überwachen der Org könnte möglicherweise Hinweise über sowjetische Spionageaktivitäten geliefert haben, weil die Gruppe stark von Doppelagenten durchsetzt war. Es war also eine sehr teure, aber nicht sehr effektive Art für die USA, sowjetische Spione im Auge zu behalten.”28 Im Frühjahr 1948 lieferte Gehlens „Org” besonders ernsthafte Falschdarstellungen der „sowjetischen Gefahr“, wodurch dem Kalten Krieg erheblicher Zunder gegeben wurde.29 Kraft seiner Beeinflussung von Informationen solcherart, die ihrerseits „das Weltgeschehen beeinflussten, spielte er eine gewichtige Rolle in der Weltpolitik. Seine Unterstützung für einen endlos feindseligen, kalten Krieg mit der UdSSR … hinterließ eine dauerhafte Spur in der europäischen Geschichte.”30 Die CIA habe Gehlen geliebt, räumt Marchetti ein, „weil er uns mit dem fütterte, was wir hören wollten. Wir haben sein Zeug immer wieder verwendet und haben es an jeden weiterverfüttert: ans Pentagon; ans Weiße Haus; an die Zeitungen. Die haben’s auch geliebt. Es war aber überdrehter russischer Schreckgespenster-Unsinn, und das hat diesem Land sehr geschadet.”31

„Operation Ajax“

Dass die CIA auch und gerade zur Unterstützung langfristiger Wall Street-Interessen geschaffen wurde, zeigte sich im Zuge der „Operation Ajax“, die 1953 im Iran durchgeführt wurde.

Anfang der 1950er Jahre regierten im persischen Reich vor allem zwei Männer: auf der einen Seite der von den Briten im September 1941 inthronisierte Schah,32 der sich später zum Shah-an-shah („König der Könige“) krönen sollte, und auf der anderen der populäre Premierminister Mohammad Mossadegh. Der Schah war, wie er auf einer Dinnerparty im Speisesaal des New Yorker Council on Foreign Relations (CFR) im November 1949 gesagt hatte, gegen jedwede Verstaatlichungen der iranischen Industrie eingestellt.33 Entsprechend musste es ihm ein Dorn im Auge sein, als Mossadegh noch als Oppositionspolitiker im Jahr 1951 ein Gesetz zur Verstaatlichung der iranischen Erdölfelder im Parlament einbrachte. Anlass hierfür war die Haltung des britisch geführten AIOC-Konzerns (später BP) gegenüber der Frage, wie die Gewinnanteile, die durch das Erdölgeschäft im Iran erzielt wurden, mit dem Gastgeberland neu zu verteilen seien. Zuvor hatten die Briten „mit Hilfe des Schahs und dessen loyaler Gefolgschaft“ versucht, „den politischen Aufstieg der Nationalen Front zu verhindern“ – was aber nicht gelang. Die von Mossadegh angeführte Nationale Front „unterbreitete der AIOC einen Vorschlag zur angemesseneren Aufteilung der Erdöleinnahmen. Die aber lehnte Verhandlungen ab.“34 Erst danach erhob sich im Iran die Forderung nach einer Verstaatlichung der AIOC; eine Forderung, der sich die Nationale Front anschloss.

Um die Lage zu entschärfen, die durch die drohende Verstaatlichung verursacht wurde, sandte US-Präsident Harry S. Truman einen seiner engsten Berater nach London und Teheran, den New Yorker Investmentbanker W. Averell Harriman. Allerdings musste Harriman die Rückreise nach Washington ohne konkrete Verhandlungsergebnisse antreten.

Großbritannien war – nicht zuletzt durch den Weitblick des damaligen ersten Lords der Admiralität, Winston Churchill – seit den 1910er Jahren verstärkt in Persien tätig geworden, nachdem dort am 26. Mai 1908 bei Masjid-i-Sulaiman riesige Erdölvorkommen entdeckt worden waren. Verantwortlich hierfür zeichnete der australische Geschäftsmann William Knox D’Arcy. Sogleich horchte der britische Geheimdienst auf und schickte seine Vertrauensmänner Sidney Reilly und Lord Strathcona in die Region, um Verkaufsgespräche mit D’Arcy aufzunehmen.35 Was Churchill betraf, so „blickte [dieser] mit Sorge und Misstrauen auf die internationale Situation. Er fürchtete eine russische Expansion im Nahen Osten und misstraute dem Plan der Deutschen, eine Bahn von Berlin nach Bagdad zu bauen.“36

Die sogenannte „Bagdadbahn“, die der deutsche Historiker Golo Mann als „etwas Großartig-Kompaktes und ganz im Sinn der schönsten Traume von 1848“ bezeichnete,37 scheint bei der britischen Führungsschicht in der Tat arge Gedanken freigesetzt zu haben. Der US-amerikanische Finanzhistoriker Stephen Zarlenga gibt in seinem Buch Der Mythos vom Geld diesbezüglich zum Besten, dass die deutsche Industrie durch Verwirklichung der von der Reichsbank finanzierten Bagdadbahn „mit noch weiter östlich gelegenen Märkten direkt verbunden werden und auf diese Weise die überlegene Seemacht Großbritannien umgehen“ hätte können. „Hjalmar Schacht, eine der Schlüsselfiguren im Finanzwesen Deutschlands des 20. Jahrhunderts, bemerkte, dass die Finanzierung der Bagdadbahn den Engländern ,ein Dorn im Auge‘ war. Und Francis Neilson, ehemaliger Abgeordneter des britischen Parlaments und Autor des Buches The Makers of War, vertritt die Ansicht, dass sich die Altherrenriege der englischen Industrie nicht imstande sah, der deutschen Konkurrenz in industrieller Hinsicht Paroli zu bieten.

1907 erhielt der allgemein geachtete amerikanische Diplomat Henry White den Auftrag, die britische Haltung zu ermitteln. Er traf sich mit seinem Freund Arthur Balfour:

Balfour (etwas abfällig): ,Wir sind wahrscheinlich Narren, dass wir keinen Grund finden, um den Deutschen den Krieg zu erklären, bevor sie zu viele Schiffe bauen und uns unseren Handel streitig machen.‘

White: ,Wenn Sie es mit dem deutschen Handel aufnehmen wollen, müssen Sie sich eben mehr anstrengen.‘

Balfour: ,Das würde bedeuten, dass wir eine Senkung unseres Lebensstandards hinnehmen müssten. Vielleicht wäre es für uns einfacher einen Krieg zu führen.‘ Und dann, als Reaktion auf Whites Schock nach dieser Aussage: ,Geht es denn um richtig oder falsch? Vielleicht geht es nur darum, dass wir unsere Vormachtstellung behaupten.’“38

Damit Kehrtwende und zurück zu den in dieser Ära gerade entdeckten iranischen Ölquellen bei Masjidi-Sulaiman und den Sorgen von Winston Churchill, dem damaligen ersten Lord der Admiralität: „Auch im eigenen Land gab es Druck, denn der eigenwillige Admiral Fisher bestand darauf, die britische Flotte von Kohle auf Öl umzustellen. Da Großbritannien noch keine eigene Ölquelle hatte – das Nordseeöl war noch nicht entdeckt –, wurde die Frage der Belieferung immer kritisch bleiben, und Churchill wollte sich weder auf das amerikanische Öl noch auf Shell mit seinen holländischen Verbindungen verlassen müssen. Mittlerweile konkurrierten folgende Ölkonzerne miteinander: Royal Dutch/Shell, Gulf, Texaco und Standard Oil Company. Die Vorstellung, Zugriff auf diese Ölquelle in Persien zu haben, gefiel Churchill, und deshalb überredete er die britische Regierung, sich mit 50 Prozent am Unternehmen von D’Arcy zu beteiligen. Die Anglo-Persian Oil Company, ein Vorläufer der British Petroleum (BP), wurde im Sommer 1914 mit königlicher Zustimmung gegründet, just zu der Zeit, als die ersten Anzeichen eines neuen Krieges auftauchten. Die Anglo-Persian Oil Company war im Vergleich zu den anderen Ölkonzernen also kein privates Unternehmen, sondern ein Regierungskonzern, der die Aufgabe hatte, die Royal Navy mit Öl zu versorgen.“39

Nachdem die britische Regierung die Monopol-Konzession von D´Arcy gekauft und die Anglo-Persian Oil Company gegründet hatte, errichtete das neue Unternehmen die größte Raffinerie der Welt am Hafen von Abadan am Persischen Golf. 1935 wurde aus der Anglo-Persian Oil Company die Anglo-Iranian Oil Company (AIOC). Zwei Jahre zuvor war eine neue Konzessionsvereinbarung in Kraft getreten, die Anfang der 1950er Jahre noch immer galt und üppige Gewinne aus dem Geschäft im Iran generierte. Bis zum Zweiten Weltkrieg allein „waren etwa 800 Millionen Pfund Sterling Gewinn nach Großbritannien geflossen, während der Iran lediglich 105 Millionen Pfund erhielt“.40

Als er Großbritannien als Premierminister diente, bezeichnete Churchill die AIOC als einen „Preis aus dem Märchenland, jenseits unserer kühnsten Träume“.41 Noch bis in die 1950er Jahre hinein kamen rund 90 Prozent allen Öls, das in Europa gehandelt wurde, aus der Raffinerie in Abadan.42

Begleitet von Streiks, Unruhen und der Ermordung von Ali Razmara, dem bisherigen Premierminister des Iran, wurde das eingebrachte Verstaatlichungsgesetz bezüglich der iranischen Ölquellen schließlich verabschiedet und Mossadegh zum neuen Premierminister ernannt. Obwohl das Gesetz Entschädigungsleistungen zugunsten der Briten vorsah, hieß die Konsequenz, dass auf dem internationalen Markt kaum noch iranisches Erdöl abgesetzt werden konnte. Den Ausfall, den AIOC im Iran zu beklagen hatte, kompensierte der Konzern, indem er kurzerhand die Produktionsraten im Irak und in Kuweit erhöhte (beide Länder waren Geschöpfe Großbritanniens aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und nach wie vor intakter Teil der britischen Interessensphäre).43 Darüber hinaus erhielt die AIOC sämtliche Unterstützung der übrigen Ölgiganten und der britischen Regierung, was unter anderem zur Einfrierung iranischer Auslandskonten führte.

Die Vereinten Nationen wollten sich des Streitfalls derweil nicht annehmen, obschon Mossadegh persönlich nach New York City gereist war, um für die legitimen iranischen Interessen zu werben. Nachdem der britische Auslandsgeheimdienst bereits den Direktor des US-amerikanischen Pendants, Allen Dulles, von der Notwendigkeit eines Staatsstreichs im Iran überzeugen konnte, versuchte der britische Premier Winston Churchill auf diplomatischer Ebene den neuen US-Präsidenten, Ex-General Dwight D. Eisenhower, „davon zu überzeugen, dass Mossadegh letztlich dem Kommunismus in Iran Tür und Tor öffnen würde“.44 Die alsbald einsetzende Propaganda war denn auch klare „Kalte-Kriegs-Rhetorik“, die immer wieder in den folgenden Jahrzehnten auftauchte, wo englische und amerikanische Wirtschaftsinteressen auf dem Spiel standen. Aber nicht nur das. Es handelt sich um „ein Grundmuster, das die USA und ihre Verbündeten noch immer bei angestrebten Regimewechseln anwenden: die Dämonisierung des Gegners im Vorfeld der eigentlichen Operation.“ Der damalige Außenminister Großbritanniens Anthony Eden „verglich Mossadegh wiederholt mit Hitler“. Und ein CIA-Dokument beschrieb ihn „in einer Sprache, die sich später fast wortgleich gegenüber Diktatoren wie Saddam Hussein, Gaddafi oder Bashar al-Assad wiederfindet, als ,unberechenbar, irre, gerissen, provokant (…) Einer der gefährlichsten Gegner, mit denen wir es je zu tun hatten.‘ Das iranische Volk habe er gegen die Briten aufgehetzt, indem er sie als ,böse‘ bezeichnet habe.“45

Trotz der erheblichen Einbußen, die im Iran aufgrund der Exportausfälle am Ölmarkt zu verzeichnen waren, gewann Mossadegh im August 1953 ein Volksreferendum, das ihn mit weitreichenden Kompetenzen ausstattete. Der einflussreichste Mann der iranischen Streitkräfte, Mohammed Reza Pahlewi, wurde in den königlichen Palästen unter Hausarrest gestellt. Zu diesem Zeitpunkt waren Churchills Bemühungen in der Pennsylvania Avenue in Washington, D.C. schon von Erfolg gekrönt gewesen: US-Präsident Eisenhower hatte im Weißen Haus einen Putschplan bewilligt, der von Kermit Roosevelt Jr., einem ranghohen Mitarbeiter der CIA, in die Tat umgesetzt werden sollte. CIA-Direktor Allen Dulles stellte hierfür eine Summe von circa einer Million US-Dollar bereit, während sein Bruder, der amtierende Außenminister John Foster Dulles, den US-Botschafter in Teheran anwies, kraft der freigemachten Finanzmittel bereitwillige Iraner anzuwerben.46 (Nicht ganz unerheblich in der ganzen Konstellation: Bevor Allen Dulles 1953 CIA-Direktor wurde, hatte er im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg und seiner Zeit bei der CIA-Vorgängerorganisation Office for Strategic Services wieder bei der Anwaltskanzlei Sullivan & Cromwell an der Wall Street gearbeitet – wo einer seiner Mandanten Mohammad Reza Pahlewi war, der persische Schah.47 Außerdem war Dulles mit der in London ansässigen J. Henry Schroder Banking Corporation verbandelt, welche als Hausbank der Anglo-Iranian Oil Company fungierte.48)

Peter Dale Scott macht darauf aufmerksam, dass das US-Justizministerium unter Eisenhowers Vorgänger Harry S. Truman zuvor den Versuch unternommen hatte, „die Kartellvereinbarungen auseinanderzubrechen, durch die Standard Oil of New Jersey (heute Exxon) und vier weitere Ölkonzerne die globale Ölverteilung kontrollierten. (Die anderen vier waren Standard Oil Company of New York, Standard Oil of California oder Socony, Gulf Oil und Texaco; zusammen mit Royal Dutch Shell und Anglo-Iranian bildeten sie die sogenannten Sieben Schwestern des Kartells). Konfrontiert mit einer Regierung, die die Aushändigung relevanter Unterlagen forderte, weigerte sich Exxon-Anwalt Arthur Dean von Sullivan und Cromwell, wo Foster Dulles ein Senior-Partner war: ,Wenn es nicht um eine Frage der nationalen Sicherheit ginge, wären wir durchaus bereit, einem Strafverfahren oder einer Zivilklage entgegenzublicken. Aber das ist die Art von Informationen, die der Kreml gerne in seine Hände bekäme.‘ Zu diesem Zeitpunkt arbeitete das Ölkartell eng mit der britischen Anglo-Iranian Oil Company (AIOC, später BP) zusammen, um die Verstaatlichung von AIOC durch den iranischen Premier Mossadegh zu verhindern, und zwar durch die Einführung eines erfolgreichen Boykotts iranischer Öl-Exporte im Mai 1951. ,Im Mai 1951 sicherte sich AIOC die Unterstützung der anderen Ölkonzerne, die jedes Interesse an einer Entmutigung von Verstaatlichungen hatten …. Keines der großen Unternehmen würde iranisches Öl anrühren; trotz ein oder zwei malerischer Episoden hielt der Boykott.‘ Im Ergebnis fiel die iranische Ölproduktion von 241 Millionen Barrel im Jahre 1950 auf 10.6 Millionen Barrel im Jahre 1952. ,Dies wurde erreicht, indem dem Iran die Fähigkeit verweigert wurde, sein Erdöl exportieren zu können. Zu dieser Zeit kontrollierten die sieben Schwestern fast 99% der Rohöltanker der Welt für solche Exporte, und noch wichtiger ist, die Märkte, die sie ansteuerten.‘ Aber Truman lehnte eine Beteiligung der CIA bei Bemühungen zum Sturz von Mossadegh ab, trotz eines direkten persönlichen Appells von Churchill, und schickte stattdessen Averell Harriman nach Teheran, um in gescheiterten Bemühungen um eine friedliche Beilegung der Differenzen mit Mossadegh zu verhandeln. All dies änderte sich mit der Wahl von Eisenhower im November 1952, gefolgt von der Ernennung der Dulles-Brüder, Außenminister und Chef der CIA zu sein. Die Strafanzeige des Justizministeriums gegen das Öl-Kartell wurde schnell durch eine Zivilklage ersetzt, aus der das Öl-Kartell schließlich unbeschadet hervorging. ,Eisenhower, ein offener Freund der Ölindustrie … veränderte die Anklage von strafrechtlich auf zivilrechtlich und übertrug die Verantwortung für den Fall vom Justizministerium ans Department of State – das erste Mal in der Geschichte, dass ein Kartellverfahren zur Strafverfolgung an das Außenministerium gegeben wurde. Wenn man sieht, dass der Außenminister John Foster Dulles war, und dass der Verteidiger für das Öl-Kartell Dulles’ ehemalige Kanzlei (Sullivan und Cromwell) war, war der Fall bald so gut wie tot.‘“49

Im Anschluss daran, so Peter Dale Scott, „[blieb die] kooperative Steuerung des Weltmarktes durch die großen Ölgesellschaften mit unterschiedlichem Erfolg bis zum Öl-Embargo von 1973 bis 1974 in Kraft. Dass die Zusammenarbeit mehr als stillschweigend war, kann durch die Tatsache ersehen werden, dass die kartellrechtlichen Regelungen speziell im Zeitraum 1950-1973 oftmals beiseitegeschoben wurden, was den großen Unternehmen erlaubte, als Gruppe mit verschiedenen Nahost-Ländern zu verhandeln, und nach ihrer Gründung [1960] mit der Organisation der Erdöl exportierenden Länder oder OPEC.“50

Die Planungen von CIA-Beamten, um die CIA „an den Bemühungen des MI6 und der Ölgesellschaften im Iran“ zu beteiligen, begannen im November 1952, und das, „obwohl ihre berüchtigte Operation TP / AJAX, um Mossadegh zu stürzen, von Eisenhower erst am 22. Juli 1953 endgültig genehmigt wurde. Die Ereignisse von 1953 stärkten die Rolle des Ölkartells als eine strukturelle Komponente des amerikanischen tiefen Staats, sich dabei auf seine starke Verbindungen sowohl zur Wall Street als auch zur CIA stützend. (Eine weitere solche Komponente war die Arabian-American Oil Company oder ARAMCO in Saudi-Arabien, die die Ölproduktion in den Jahren 1951 bis 1953 erhöhte, um den Verlust von Öl aus dem Iran wettzumachen. Bis sie vollständig 1980 verstaatlicht wurde, hielt ARAMCO Undercover-CIA-Personal wie William Eddy unter seinen Top-Beratern.) Die fünf amerikanischen Ölkonzerne waren insbesondere gestärkt durch den Erfolg von AJAX, da Anglo-Iranian (später umbenannt in BP) fortan gezwungen wurde, 40 Prozent des Öls aus seinen iranischen Raffinerien mit ihnen zu teilen. Nahezu alle jüngeren Darstellungen des Mossadegh-Sturzes behandeln ihn als eine verdeckte Geheimdienstoperation, bei dem das Öl-Kartell eine (wenn es überhaupt erwähnt wird) untergeordnete Rolle spielte. Doch die Chronologie, und vor allem die verspätete Genehmigung von Eisenhower, deuten darauf hin, dass es die CIA war, die 1953 verspätet zu einer früheren Ölkartell-Operation hinzustieß, und nicht umgekehrt. Was den tiefen Staat betrifft, initiierte das Öl-Kartell oder der tiefe Staat im Jahre 1951 einen Prozess, den der öffentliche Staat Amerikas erst zwei Jahre später genehmigte. Doch die unvermeidlichen Verzerrungen in der akademischen oder Archivierungs-Geschichtsschreibung, die nur mit den primären Quellen arbeitet, die öffentlich zugänglich sind, besteht darin, die Mossadegh-Tragödie schlicht als ,CIA-Coup‘ zu betrachten.“51

Was diesen „CIA-Coup“ betraf, so reiste Kermit Roosevelt Jr. im Juli 1953 in den Iran ein. Zusammen mit General Fazlollah Zahedi, einem Nazi-Sympathisanten, der während des Zweiten Weltkriegs größtenteils unter britischem Arrest gestanden hatte, organisierte er die geplante „Operation Ajax“, bei der iranische Offiziere und Zivilisten eingesetzt wurden. Mohammed Reza Pahlewi, der Welt besser als Schah von Persien bekannt, setzte Mossadegh am 13. August 1953 per Dekret ab, ehe er, vom Mut verlassen, über Bagdad nach Rom floh und von dort aus die weitere Entwicklung abwartete.52 Wie es der „Zufall“ so wollte, traf der Schah zum gleichen Zeitpunkt in seinem Hotel in Rom ein, als dort auch Allen Dulles eincheckte. „,Sie traten beide im selben Moment vor die Rezeption des Excelsior‘, erzählte [Frank] Wisner einem CIA-Kollegen augenzwinkernd. ,Und Dulles musste sagen: ,Nach Ihnen, Ihre Majestät.‘“53 Indes Dulles die Operation im Untergrund der US-Botschaft in Rom verfolgte und der Schah mit seiner Ehefrau Soraya – von Paparazzi verfolgt – auf der Via Condotti shoppen ging, benutzten CIA-Agenten im Iran „Koffer voller Bargeld, um das Regime zu destabilisieren“. Es gelang ihnen, „Zeitungsredakteure und Gangster zu kaufen“, außerdem brachten sie „Kundgebungen in verschiedenen Städten“ zustande „und gründeten eine falsche kommunistische Partei, um Unruhe zu stiften“.54 Als der Staatsstreich dennoch zu scheitern drohte, brachen drei Tage nach der Flucht des Schahs Schießereien vor dem Privathaus von Mossadegh aus. Aufgewiegelte Demonstranten, die „Lang lebe der Schah“ skandierten, besetzten verschiedene Behörden und über die Rundfunkstationen liefen Aufrufe zur Unterstützung der Proteste. „,Man wunderte sich über die Menschen, die da gegen Mossadegh demonstrierten‘, erzählt Bahman Nirumand, der den Putsch als Schüler in Teheran aus nächster Nähe miterlebte: ,Da waren ganz schlimme Killerbanden darunter, und arme Menschen aus dem Süden der Stadt, die man mit Geld bestochen hatte.‘“55 Die von General Zahedi befehligten Truppen, dem Schah treu ergeben, griffen in die blutigen Kämpfe ein und obsiegten, Mossadeghs Regierungszeit war jäh beendet, der Schah kehrte (in Begleitung von Allen Dulles) zurück,56 und am 28. Oktober 1954 wurde unter dem neuen Premierminister Zahedi ein Nachfolgevertrag mit einer Laufzeit von 25 Jahren unterschrieben, der die eingeführte Verstaatlichung des persischen Erdöls rückgängig machte. Der Gewinnanteil an den Erdöleinnahmen für den Iran wurde gegenüber der Vergangenheit angehoben, der Rest ging an ein internationales Konsortium, dem neben AIOC/BP weitere namhafte Vertreter des Mineralölgeschäfts angehörten: Standard Oil of New Jersey/Esso und Mobil Oil, die später zu ExxonMobil fusionierten; Standard Oil of California, woraus später Chevron wurde; Texaco, woraus durch den Zusammenschluss mit Chevron wiederum ChevronTexaco wurde; Gulf Oil; sowie Royal Dutch/Shell und die in den 1920er Jahren gegründete Compagnie Francaise des Petroles, ein Vorläufer von Total Elf Aquitaine.57

Die Mitglieder des Konsortiums trafen darüber hinaus eine vor den Iranern geheim gehaltene Übereinkunft, wonach die Ölmenge, die jedes Mitglied förderte, durch ein ausgeklügeltes Quotensystem begrenzt sein würde, welches die Produktion (und damit die Zahlungen an die iranische Regierung) niedrig hielt, solange andernorts genügend Öl vorhanden war. „Irans Öl wurde von den Wechselfällen der Politik des Mittleren Ostens gefangengenommen, ein Machtmittel, auf das sich das Erdölkartell stützen konnte, um die Scheichs auf Linie zu halten.“58

Als er die CIA im Jahre 1958 verließ, heuerte Kermit Roosevelt Jr. bei Gulf Oil an, das großen wirtschaftlichen Nutzen aus dem Staatsstreich im Iran zog. Zwei Jahre später wurde Roosevelt zum stellvertretenden Vorsitzenden des Unternehmens ernannt. Während der Gala, welche zum Anlass seiner Re-Inthronisation veranstaltet wurde, hatte der Schah das Glas zu Ehren von Roosevelt erhoben und gesagt: „Ich verdanke meinen Thron Gott, meinem Volk, meiner Armee und Ihnen!“59 Zuvor schon hatte ihm Englands Premierminister Churchill erklärt: „Junger Mann, wenn ich nur ein paar Jahre jünger gewesen wäre, hätte ich nichts lieber getan, als unter Ihrem Kommando in diesem großen Unternehmen zu dienen!“60

Mossadegh wurde später ein Schauprozess bereitet. Er erhielt drei Jahre Gefängnisstrafe und stand bis zu seinem Tod unter Hausarrest. „Mossadegh ist sicher die tragischste Figur in diesem Drama: Er war ein überzeugter Anhänger des Parlamentarismus, ein Bewunderer Mahatma Gandhis, von Abraham Lincoln und der amerikanischen Demokratie. Heute hieße es wohl: Er teilte die westlichen Werte. Was ihm allerdings nichts nutzte, im Gegenteil.“61

Langfristige westliche Wirtschaftsinteressen schienen durch die Intervention der CIA gesichert, wobei es nicht sonderlich schwerfällt, folgende Verbindungen herzustellen: Begünstigte des Staatsstreiches von 1953 waren nicht zuletzt Standard Oil-Firmen. Standard Oil gehörte zur Klientel der Kanzlei Sullivan & Cromwell, für die Allen Dulles tätig gewesen war, Die Gelder von Standard Oil flossen insbesondere auf Konten der Hausbank der Familie Rockefeller, der Chase Bank in New York City, welche wiederum zu den größten Eignern der New York Fed zählte (und heute als J.P. Morgan Chase noch immer zählt). Außerdem wurde die Chase Bank nach den Ereignissen von 1953 zur „bevorzugtesten Bank“ des Schahs.62 Auf ihre Konten wanderte ein Großteil der Gelder der nationalen iranischen Erdölgesellschaft und insgesamt geriet der Iran „zum Kronjuwel im internationalen Bankportfolio von Chase“.63 Mit den Jahren entwickelte sich Chase zudem zum größten Kreditgeber des Iran. Ohne den Staatsstreich von 1953 wäre es dazu nicht gekommen.

Vier Jahre nach dem Putsch gegen Mossadegh führte ein US-Geheim-Komitee eine Untersuchung der verdeckten Aktivitäten der CIA im Mittleren Osten durch. Der von dem Komitee produzierte „Bruce Lovett Report“ berichtete von Staatsstreichplänen, die für Ägypten, Jordanien, Syrien, Iran und Irak entwickelt wurden, und kam zum Schluss, dass die CIA-Eingriffe in die Angelegenheiten anderer Nationen dem Ansehen der USA erheblich schadeten.64

Dem „CIA-Coup“ im Iran folgte unterdessen in New York City eine Zeit vermehrter Bankenfusionen. „Rockefellers Chase National Bank hatte sich mit der Bank of Manhattan zur Chase Manhattan Bank zusammengeschlossen“, und zwar im Jahr 1955. „Deren Direktor wurde Rockefellers Anwalt und Treuhänder der Rockefeller-Stiftung, John J. McCloy, damals Vorsitzender des New Yorker Council on Foreign Relations, der erst kurz zuvor von seinem Posten als Hoher Kommissar der USA in Deutschland nach New York zurückgekehrt war. Die National City Bank of New York übernahm die First National Bank of New York und bildete unter Vorsitz von James Stillman die City Bank of New York, die spätere Citibank. … Andere große New Yorker Banken, darunter die Chemical Bank, Manufacturers Hanover und Banker‘s Trust durchliefen ähnliche Fusionen und Zusammenschlüsse, bis schließlich – wie es in einem Bericht des US-Justizministeriums von 1961 formuliert wurde – die fünf größten Banken von New York unter Führung der beiden Banken der Rockefeller-Interessen 75 Prozent aller Einlagen in der größten Stadt der USA kontrollierten, die gleichzeitig das Finanzzentrum der Welt war.“65

Pahlewi – ein weiterer Bauer im großen Nah-Ost-Schach

Der inthronisierte Schah von Persien war von Anfang an „ein ,schwacher König‘, und das wusste er. Doch versuchte er sich darüber hinweg zu träumen, dass er nur ein weiterer Bauer im großen Nah-Ost-Schach war. Er fantasierte davon, sich durch die Schaffung eines modernen Persischen Reiches freikaufen zu können. Schließlich schuf er mit den Öleinnahmen einen Zwei-Klassen-Staat – eine französisch sprechende Elite auf der einen Seite – und eine entfremdete Masse auf der anderen.“ Zwar stieg das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im nächsten Vierteljahrhundert unter der „Regentschaft des Schahs (…) drastisch, doch blieb das Land nicht weniger gespalten als zuvor.“66 Am Ende trugen ihn nur die Oberschicht und der Geheimdienst wirklich – und „diese Machtbasis erwies sich als zu dünn“.67

Anfang der 1960er Jahre gedachte der Schah die Entwicklung seines Landes mit gezielten Reformen voranzubringen („Weiße Revolution“ genannt). Über dieses Vorhaben wurde im Januar 1963 ein Referendum abgehalten, zu dessen Boykott ein schiitischer Geistlicher und Großgrundbesitzer namens Ruhollah Musavi Khomeini aufrief. Er war ein Jahrzehnt zuvor ein Gefolgsmann des Ayatollah Kashani gewesen, eines schiitischen Mullahs, der bereitwillig nach CIA-Geld gegriffen hatte, um den Sturz von Mohammad Mossadegh mitvoranzutreiben. Als das Referendum eine überwältigende Mehrheit aller abgegebenen Stimmen erzielte, nahm Khomeini am 3. Juni 1963 die Aschura-Feierlichkeiten zu Ehren des Imam Hussein, welcher im Kampf gegen den Kalifen Jasid zu Tode kam, zum Anlass, um in Ghom, einer der heiligen Städte der Schia, gegen den Schah zu wettern. Diesen bezeichnete er als den „Jasid unserer Zeit“. (Jasid war ein Kalif, der als Tyrann galt.) Die Geheimpolizei SAVAK verhaftete Khomeini am nächsten Tag, woraufhin Proteste ausbrachen. Zunächst wurde der Geistliche in die Türkei abgeschoben; doch dort wollte man ihn nicht behalten. Der dem Iran nicht wohlgesinnte Irak sprang ein: für fünfzehn Jahre durfte Khomeini in Nadschaf, einer weiteren heiligen Stadt der Schia, ins Exil gehen.68 Im November 1963 ließ Khomeini die US-Regierung via Mittelsmann Haj Mirza Khalil Kamarei wissen, dass er amerikanischen Interessen im Iran nicht ablehnend gegenüberstünde und eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Islam und anderen Weltreligionen wünsche.69 Wir werden später auf Khomeini zurückkommen.

Bleiben wir vorerst beim Schah. Während er im Inneren Reformen antrieb, wurde Mohammed Reza Pahlewi international „ein dankbarer Empfänger amerikanischer Militärhilfen und großzügiger Einkäufer ihrer Waffen“.70 Umso mehr Erstaunen erregte es in den USA, als der Schah zusammen mit dem irakischen Vize-Präsidenten Saddam Hussein auf dem OPEC-Gipfel im März 1975 alle Differenzen beilegte, die bis dahin zwischen den Regierungen des Iran und Irak bestanden hatten. „Ihr erklärtes Ziel war es, ,ihre Reihen als Öl-Produzenten zu schließen‘, und vor allem ,sowohl die USA als auch die Sowjetunion von der strategischen Golfregion fernzuhalten‘. … Ein CIA-Analyst hielt das damals ,in der Ära für eine der überraschendsten Wendungen nach dem Zweiten Weltkrieg‘.“71

An der Erdöl-Front sorgte der Schah für einige Irritationen, als er zunächst Mitte der 1960er Jahre eine Neuaufteilung der Gewinne aus dem iranischen Erdölgeschäft erzwang und dann in den 1970er Jahren mit den internationalen Erdölgesellschaften noch einmal grundsätzlich über den Ölförderkonzessionsvertrag von 1954 verhandeln ließ. Von iranischer Seite berief man sich hierbei auf Verstöße der Konsortialpartner gegen die Interessen des Iran. In einer Rede, die er am 23. Januar 1973 hielt, machte der Schah unmissverständlich klar, dass der alte Vertrag über das Jahr 1979 hinaus nicht verlängert werden würde. Schließlich wurde im Sommer ‘73 ein neues Vertragswerk unterzeichnet, welches vorsah, dass die National Iranian Oil Company die Kontrolle über die Förderung und den Verkauf der iranischen Öl- und Gasvorkommen erlangte. So waren aus den internationalen Mineralölkonzernen eher Kunden geworden, denen das wertvolle Gut zu Vorzugspreisen verkauft wurde. Von 1975 an drängten die ausländischen Ölunternehmen wegen ihrer Einnahmeverluste dann ihrerseits auf eine Neuverhandlung der Vertragsbedingungen des sogenannten Purchase and Sale Agreement vom Juli 1973, jedoch konnte über die nächsten Jahre hinweg keinerlei Einigung erzielt werden.

Auf dem Energiesektor hegte der Schah darüber hinaus die Absicht, im großen Umfang europäische „Nuklear-Technologie gegen Öl einzutauschen“, um sich weniger abhängig vom – wie man erwartete – knapper werdenden Erdöl zu machen.72 Ein beträchtlicher Teil der Gelder, die durch das iranische Petroleumgeschäft generiert wurden, floss bis dahin auf Bankkonten, die in den USA beheimatet waren, und die US-Oil Majors hatten, wenn die Atomenergie-Pläne des Schahs Wirklichkeit werden sollten, große Marktanteile zu verlieren. Zusammen mit British Petroleum und Royal Dutch Shell kontrollierten die sogenannten Big Five der US-Erdölindustrie – namentlich: Exxon, Mobil, Gulf, Texaco und Standard Oil of California (später: Chevron) – im Jahre 1972 noch rund 83 Prozent der Erdölproduktion im Mittleren Osten.73 Drei Unternehmen dieser Big Five – Exxon, Mobil und Standard Oil of California – gingen direkt auf das Erdöl-Imperium von John D. Rockefeller zurück – dem Großvater von David Rockefeller, welcher zu dieser Zeit den Vorsitz bei Chase Manhattan innehatte. Sämtliche Unternehmen der Big Five waren intensiv mit den sieben größten Geschäftsbanken der USA verbandelt, insofern Firmen wie Exxon mit Geldhäusern wie Chase Manhattan, Citibank und Chemical Bank ein und dieselben Führungsmitglieder teilten.74 Zudem waren die Banken bedeutende Aktieninhaber der Öl-Unternehmen – welche ihrerseits reichlich Nutzen aus dieser Allianz zogen: „Die engen Verbindungen zwischen den beiden Branchen stellten nicht nur sicher, dass eine Interessengemeinschaft zwischen ihnen bestand, sondern verlieh diesen Öl-Unternehmen auch einen starken Kontrollhebel. Jene, die sonst womöglich in der Lage gewesen wären, ihre Kontrolle über die Weltmärkte herauszufordern, waren vom Verlust an Krediten bei den größten Banken bedroht. Nur wenige waren in der Lage, diese Einheitsfront herauszufordern.“75

Nehmen wir als ein Beispiel für diese „Einheitsfront“ die Familie Rockefeller, welche 1979 jeweils folgende Prozentanteile der Stimmrechtaktien hielt: 1,74 Prozent bei Exxon, 1,82 Prozent bei Mobil und 2,11 Prozent bei Standard Oil of California.76 Die Prozente, die im gleichen Zeitraum jeweils von Chase Manhattan direkt und allein mit Stimmrecht an diesen Firmen gehalten wurden, fielen kaum geringer aus – wobei die Familie Rockefeller 1979 wiederum 2,4 Prozent der Stimmrechtaktien von Chase Manhattan in Besitz hielt.77 Durchschnittlich besaßen die sieben größten Banken der USA (Bank of America, Banker‘s Trust, Chemical Bank of N.Y., Citibank, Chase Manhattan, Manufactures Hanover und Morgan Guaranty) im Jahre 1979 knapp 5,5 Prozent aller Aktien der Big Five-Unternehmen.78 Untereinander kontrollierten diese Banken wiederum durchschnittlich je 5,63 Prozent der Aktien, die sie selbst herausbrachten.79

Überdies war der größte Kreditgeber, über den der Iran Mitte / Ende der 1970er Jahre international verfügte, Chase Manhattan. „Ende 1978 hatte Chase Kredite in Höhe von beinahe zwei Milliarden Dollar an den Iran vergeben, eine gewaltige Summe für eine einzelne Bank und einen einzelnen Kreditnehmer. Käme es bei der Rückzahlung durch den Iran zu Schwierigkeiten, so säße die Chase tief in der Patsche.“80

Die Kredite aus dem Ausland waren dringend nötig, da der Iran zu jener Zeit ein wachsendes Staatsdefizit aufwies. Im Land wuchs der öffentliche Unmut „gegen die verschwenderisch hohen Ausgaben des Schah-Regimes, besonders für amerikanische Rüstungsgüter“.81

Die Einkäufe von militärischem Gerät waren zwar enorm, doch in zunehmender Weise wurden die Gelder des Staates auch für den Aufbau einer modernen Infrastruktur herangezogen, insbesondere zur Entwicklung eines landesweiten, sich aus Kernenergie speisenden Energieversorgungsnetzes. Partner dafür waren Frankreich und Deutschland. Mit französischer Seite existierte beispielsweise seit 1974 ein Vertrag „über den Bau einer Kernforschungsanlage und von fünf kommerziellen Kernkraftwerken. 1975 wurde der Vertrag erweitert. Nun umfaßte er den Bau von acht Kernkraftwerken für 8,6 Milliarden Dollar. Gleichzeitig kaufte sich der Schah mit zehn Prozent der Aktien in die französische Urananreicherungsanlage von Tricastin ein und unterstützte ihren Bau mit einem Kredit von einer Milliarde Dollar.“82 Drei Jahre später verkündete der Iran noch ehrgeizigere Ziele, indem er „das viertgrößte Kernenergieprogramm der Welt“ startete; bis Mitte der 1990er Jahre gedachte Teheran jetzt „20 Kernkraftwerke mit insgesamt 23000 Megawatt elektrischer Leistung“ zu verwirklichen.83 Zu diesem Zeitpunkt waren bei der deutschen Kraftwerk Union (KWU), einem Tochterunternehmen von AEG und Siemens, allein sechs Kernkraftwerke in Bestellung gegeben worden.84

Gegen Ende des Jahres 1978 scheiterten die Verhandlungen des Nachfolgers der Anglo-Iranian Oil Company (AIOC), der British Petroleum Company, mit dem Iran über einen neuen Erdölvertrag. Das hatte schwerwiegende Folgen: „London reagierte auf den Abbruch der Gespräche mit einer Abnahmeweigerung, die einem Boykott iranischen Öls gleichkam. Durch einen provozierten Streik wurde zusätzlich noch die Ölproduktion lahmgelegt.“85 Im Dezember 1978 stand die Erdölförderung im Iran praktisch komplett still, wodurch dem Golfstaat gleichsam das Öl für den einheimischen Verbrauch wie auch für die benötigten Exporteinkünfte ausging.

Zusammen mit einer spürbaren Inflation schürte das die Protestwelle, die seit Anfang des Jahres durchs Land zu schwappen begonnen hatte. Am 9. Januar 1978 machten Studenten in der Stadt Ghom ihre Sympathien für Ruhollah Khomeini auf den Straßen lautstark kund, nachdem tags zuvor in Teherans größter Tageszeitung Ettela’at ein Anti-Khomeini-Artikel veröffentlicht worden war. Die staatlichen Sicherheitskräfte griffen ein, vier Demonstranten kamen zu Tode. Im Gedenken an die vier Getöteten kam es daraufhin in einem Abstand von je 40 Tagen in Ghom und anderswo zu weiteren Protesten, und von Mal zu Mal schlossen sich mehr und mehr Menschen den Kundgebungen an.86

In der westlichen Presselandschaft machte sich Empörung über die iranische Geheimpolizei SAVAK breit, die nach den Ereignissen von 1953 mit Hilfe amerikanischer, britischer und israelischer Geheimdienste neuorganisiert worden war. „Die Akte der SAVAK war wahrscheinlich genau so schmutzig wie die irgendeines anderen orientalischen ,Sicherheitsapparats‘. Doch die westliche Presse bestand darauf, dass diese Organisation über ein Budget von Millionen von Dollar und eine Arbeitskraft Zig-Tausender verfüge, Zehntausende ermordet und Hunderttausende als politische Gefangene inhaftiert habe, was von Amnesty International aufgegriffen wurde.“87

Das Schah-Regime reagierte mit zunehmender Gewalt auf die öffentlichen Unmutsbekundungen, die durchs Land gingen. „Amerikanische ,Berater‘ trieben die gefürchtete SAVAK … bei wachsender Unruhe und steigenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu einem immer brutaleren, provokativeren Vorgehen an.“ Sogleich kam es in den USA zu öffentlichem Unmut, insofern „sich die Regierung Carter über die ,Verletzung der Menschenrechte‘ im Iran [beschwerte]. Dabei wussten [der Nationale Sicherheitsberater Zbigniew] Brzezinski und die CIA sehr genau, was da gespielt wurde.“88

Ein Höhepunkt des gegenseitigen Aufeinanderhetzens von Regierung und Opposition ereignete sich am 8. September 1978; ein Datum, welches als „Schwarzer Freitag“ in die Geschichte des Iran eingehen sollte. Zuvor war am Ende einer von Großdemonstrationen geprägten Woche für den 8. September ein Ausgehverbot über Teheran verhängt worden. „Eine große Menge von Leuten, darunter zahlreiche Frauen und Kinder, hatten sich am gleichen Tag gegen Nachmittag“ in der Innenstadt von Teheran „auf dem Jaleh-Platz versammelt. Sie sassen auf der Erde und hörten sich Reden an. Nach ihren Angaben wussten sie noch nichts von dem Ausgehverbot. [General Gholam Ali] Oveissi liess nach einer kurzen Warnung mit Maschinengewehren das Feuer eröffnen. Dies jedenfalls war die Version der Opposition, die allgemein Glauben fand. Die Überlebenden flohen in die engen Gassen der Altstadt. Die Soldaten verfolgten sie schiessend, doch stiessen sie dort auf Widerstand durch Leute mit Molotow-Cocktails und einigen Pistolen. Es gab eine grosse Zahl von unschuldigen Opfern, Hunderte müssen es gewesen sein. Die genaue Zahl wurde nie bekannt.“89

Während die SAVAK und der Schah im Westen denkbar schlechte Presse erhielten, erfreute sich Ruhollah Khomeini, der als eine Art „Heiliger“ im irakischen Exil lebte, eines stetig größer werdenden Zuspruchs. Ohne genaue Einsicht in seine Schriften genommen zu haben, priesen die westlichen Medien den Mullah als „einen brillanten Philosophen und Theologen“ an. „,Das sorgfältig gestaltete Bild‘ von Khomeini war die Arbeit von PR-Profis gewesen. Es kam weltweit im gesamten Spektrum der öffentlichen Meinung gut an: die Aureole der Heiligkeit sprach fromme Konservative an, die revolutionäre Neigung gewann die Linke und die demokratische, antidiktatorische Einstellung gefiel den Liberalen.“90

In Frankreich fanden sich bei Le Monde und in der Person des „Star-Philosophen“ Michel Foucault prominente publizistische Unterstützer, indes der britische Radiosender BBC gar „Programme in persischer Sprache“, die Khomeinis Propaganda zum Inhalt hatten, „bis in die hintersten Winkel Persiens ausstrahlte“.91 Mehrfach bat der Schah persönlich die britische Regierung und die Verantwortlichen der BBC, derlei Einmischungen in die Angelegenheiten seines Landes, die über dem britischen Staatsrundfunk stattfanden, einzustellen. Doch ohne Erfolg: Ausländische Medien „strahlten weiterhin gegen das Regime gerichtete Propaganda aus und verbreiteten diese auch im Land des offiziellen Verbündeten. Das war bisher beispiellos.“92

Der chinesische Staatspräsident, der im September in Teheran zu Gast war, ließ den Schah wissen, dass die USA und die Sowjetunion gleichermaßen „sein Regime zu sabotieren“ beabsichtigten. Auch der Chef des französischen Nachrichtendienstes Alexandre de Marenches sowie „gut informierte Kreise“ in der Türkei warnten ihn auf konsularischem Wege, „sich vor der Carter-Administration in Acht zu nehmen. Diese, sagte man ihm vertraulich, betreibe im Einverständnis ,mit bestimmten religiösen Autoritäten‘ seinen Sturz.“93 Der Schah, der schwer an Krebs erkrankt war (was aber damals nur er und seine französischen Ärzte wussten), schlug die Warnungen in den Wind. Nachdem Alexandre de Marenches ihm mitgeteilt hatte, dass gewisse Amerikaner daran arbeiteten, ihn zu ersetzen, entgegnete er nur, dass es dumm wäre, dies zu tun. „Ich bin der beste Verteidiger des Westens in diesem Teil der Welt; ich habe die beste Armee und die größte Macht; die ganze Sache ist so absurd, dass ich sie unmöglich glauben kann.“94

Im selben Monat des „Schwarzen Freitags“, am 28. September, vermeldete die U.S. Defense Intelligence Agency ähnlich überzeugt, „es werde ,erwartet, dass der Schah in den nächsten zehn Jahren aktiv an der Macht bleibt‘“.95

Da man im Nachbarsstaat Irak befürchtete, dass er zu großen Einfluss über die schiitische Minderheit im eigenen Land erlangen könne, wurde Ruhollah Khomeini Anfang Oktober von der irakischen Regierung des Landes verwiesen. Nachdem er keinen Zutritt nach Kuweit erhielt, fand sich Frankreich zur Aufnahme von Khomeini bereit – wo er dann schließlich in Neauphle-le-Château in der Nähe von Paris Quartier bezog. Vom Oktober 1978 bis zum Januar 1979 begannen währenddessen 100.000 Menschen den Iran zu verlassen.96

Erst einige Zeit später, als er selber ins Exil gegangen und wegen seiner Krebserkrankung bereits sicher dem Tod geweiht war, sah Mohammed Reza Pahlewi den Prozess, der vor sich ging, deutlicher vor Augen: „Damals wußte ich es nicht oder wollte es vielleicht auch nicht wissen“, ließ er in einem Interview durchblicken, „aber jetzt ist es mir klar: Es waren die Amerikaner, die mich weg haben wollten. Es besteht gar kein Zweifel mehr, das war es, was die Advokaten der Menschenrechte im State Department wollten. … Was sollte ich von der plötzlichen Entscheidung halten, den früheren Staatssekretär im Außenministerium George Ball als Sonderberater für Iran-Angelegenheiten ins Weiße Haus zu holen? Ball gehörte zu jenen jungen Amerikanern, die mich und auch mein Land loswerden wollten.“97

Im Dezember 1978 entstand fürs Weiße Haus eine umfassende Analyse der Iran-Lage, die der erwähnte George W. Ball bereitstellte. In der achtzehnseitigen Schrift namens Issues and Implications of the Iranian Crisis behauptete Ball, „dass die autoritäre Herrschaft des Schahs keine Chance hatte, wieder hergestellt zu werden. Deshalb … sollten die Vereinigten Staaten den Iran bei der Bildung einer breiten Koalitionsregierung unterstützen.“98 Öffentlich beteuerte Washington zwar weiterhin, dass seine Kaiserliche Hoheit, der Shah-an-shah, auch zukünftig eine wichtige Rolle „als Symbol der Einheit und Kontinuität“ habe; doch im Hintergrund nahm der Druck auf den persischen Herrscher, seine Macht abzutreten, immer weiter zu.99

Schon im November 1978 hatte der US-Botschafter in Teheran, William H. Sullivan, eine Botschaft gen Washington geschickt, welche Thinking the Unthinkable betitelt war. Sullivan legte nahe, dass es für das amerikanische Führungspersonal „gesund” sei, einige Optionen zu überdenken, die bislang nicht tunlich erschienen. Das Vertrauen in den Schah, der Khomeini-Bedrohung Einhalt gebieten zu können, war immer noch gegeben; sollte dies allerdings fehlschlagen, müsste Washington „das Undenkbare denken“ und mit einer kohärenten Politik reagieren, um die vitalen Interessen der USA zu schützen.100 Tatsächlich hatte Sullivan „das Undenkbare“ bereits im Mai 1978 zu denken begonnen, als er „die Überlebenschance des Schah auf weniger als 50 Prozent“ bezifferte.101

Nachdem im Laufe des Jahres immer wieder Ölarbeiter an verschiedenen Orten des Landes die Arbeit niedergelegt hatten, streikten ab November 1978 insgesamt 37.000 Arbeiter in den Ölraffinerien des Iran. Ausländische Facharbeiter flohen mit ihren Familien außer Landes. Von Dezember 1978 bis März 1979 fielen die Exporte von bis dahin 5.5 Millionen Barrel pro Tag auf null.102

Mit dem Beginn des schiitischen Trauermonats Muharram setzte im Dezember 1978 eine neue heftige Demonstrationswelle ein. Khomeini hatte zuvor in seinem französischen Exil „für den Trauermonat zu verstärkten Bemühungen zum Sturz des Schahs aufgerufen“.103 Allein am 2. Dezember kamen rund um den Teheraner Freiheitsturm über zwei Millionen Protestierer zusammen. „Mit Maschinengewehren und teilweise auch mit Panzerkanonen und Granaten ging die iranische Armee gegen unzählige Demonstranten in den Straßen Teherans vor. Die Menschen hatten sich fast auf die Minute genau zu Beginn der Ausgangsperre um 21 Uhr versammelt. Sie riefen in Sprechchören Parolen wie ,Gott ist groß‘ und ,Tod dem Schah‘.“104

In der folgenden Woche begannen unter westlichen Botschaftern Gerüchte die Runde zu machen, dass der Schah zurücktreten werde. Zwar veröffentlichte das persische Informationsministerium ein Dementi; doch die Frage blieb, wie es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 7. Dezember 1978 hieß, ob der Schah „den erst am 31. Dezember endenden islamischen Trauermonat Muharram ohne wesentliche Machtverluste durchstehen“ könne. Wenn ja, „hätte er im Ringen um die innere Stabilität Irans eine Feldschlacht gewonnen“.105

Wenige Tage später, als mit dem Aschura-Fest der Höhepunkt des Trauermonats Muharram anstand, gingen am 10. Dezember mehr Iraner denn je zum Demonstrieren auf die Straßen. Die Protestierer trugen schwarze und grüne Fahnen mit sich, hielten Schilder mit religiösen Aufschriften und Portraitbilder der Mullahs hoch, und riefen: „Wir grüßen Khomeini“. Die Demonstration in Teheran verlief friedlich, und „gerade weil die Demonstration friedlich verlief, wurde deutlich, dass vor einer solchen Bewegung alle Eingriffsmöglichkeiten einer Regierung, und seien sie noch so despotisch und rücksichtslos, nichts bewirken. Hätte der Schah eine Panzerdivision dagegen anrollen lassen, wären vor den Kanonen und unter den Ketten Zehntausende verblutet, die Massen hätten die Truppen einfach aufgeschluckt. Es mögen zwei Millionen oder vier Millionen Menschen gewesen sein, die dem Demonstrationsaufruf gefolgt waren, und es ist möglich, dass die wirkliche Zahl vier Millionen noch übersteigt.“106

Am nächsten Tag das gleiche Bild: „,Es lebe Chomeini, nieder mit dem Schah, Tod dem Kommunismus, Tod dem Imperialismus‘ – diese Rufe schallten am Aschura-Tag millionenfach durch Teheran. Unzählbar war die Menschenmenge, die, wie am Vortag, dem Aufruf der religiösen Führer und der oppositionellen ,Nationalen Front‘ gefolgt war, um für den exilierten Schiitenführer Chomeini und gegen den Schah und seine Politik zu demonstrieren.“107

Konferenz auf Guadeloupe, oder: Khomeini ante portas

Die Proteste rissen nun nicht mehr ab und die Lage im Lande wurde zunehmend vertrackter: Aufgrund des Ölarbeiterstreiks, den der iranische Klerus unterstützte, musste Ende Dezember eine landesweite Treibstoffrationalisierung eingeführt werden, die staatliche Fluggesellschaft des Iran konnte keine Flüge mehr durchführen, das Brot wurde knapp, die Einfuhr von Konsumgütern kam zum Erliegen. „Alle dreißig Minuten appellierte der Rundfunk an die streikenden Ölarbeiter und die religiösen Führer des Landes, der Ölindustrie die Produktion von zumindest so viel Öl zu erlauben, wie für den Verbrauch im Lande erforderlich sei.“108

Allmählich war der Schah bereit, sich mit einer Machtbeschränkung und Regierungsneubildung einverstanden zu geben, und am 31. Dezember machte er Schapur Bachtiar, ein Führungsmitglied der Nationalen Front, zum neuen Premierminister.

Genau ein Jahr zuvor, am letzten Tag des Jahres 1977, war US-Präsident Jimmy Carter noch auf Staatsbesuch im Niavaran-Palast gewesen und „lobt den autoritär regierenden Schah mit den Worten: ,Unter Ihrer großartigen Führung, Majestät, ist Iran eine Insel der Stabilität.‘ In den Abendnachrichten trinkt der Schah auf Carters Wohl Champagner. Es ist das erste Mal, dass eine muslimische Nation im Fernsehen zusieht, wie ihr Führer Alkohol trinkt.“109

Ein Jahr nach diesem Staatsbesuch aus Washington erhielt die Opposition rund um die Exil-Figur Khomeini, welcher sowohl geheimdienstliche Kontakte in den Osten wie auch in den Westen nachgesagt wurden,110 nunmehr entscheidende Hilfe vom Westen, insbesondere von Frankreich: „Aus der ersten großen, die Mächte bis heute beschäftigenden iranisch-islamischen Revolution wäre ohne den Exilboden Frankreich nichts geworden. Paris unterstützte die Islamische Revolution gastfreundlich, finanziell, sicherheitsmäßig, motorisch, mit Kassettenrekordern zwecks Verbreitung der islamischen Botschaften. Der wahrhaft charismatische Theokrat Ruhollah Musavi Khomeini organisierte im französischen Neauphle-le-Château mit Mullahs, Bürgerlichen, Führern der Nationalen Front, der Tudeh-Partei, der Linken – lauter Persern – den Sturz des Monarchen.“111 Der französische Journalist Dominique Lorenz schrieb in seinem Buch Une Guerre, dass sich den Amerikanern die Aufgabe stellte, Khomeini aus dem Irak herauszubringen, ihn mit Ehrbarkeit zu kleiden und in Paris anzusiedeln – letztlich „eine Abfolge von Ereignissen, die nicht hätte auftreten können, wenn die Führung in Frankreich dagegen gewesen wäre“.112

Dabei blieb es nicht seitens des Westens: „Die Regierungschefs Giscard d’Estaing, Jimmy Carter, James Callaghan, Helmut Schmidt griffen dem ,rachsüchtigen Greis‘ Khomeini (Eric Hobsbawm) Anfang Januar 1979“ im Zuge der Gipfelkonferenz von Guadeloupe „unter die Arme und schieden sich vom Schah“.113

Bei der Konferenz auf der Karibikinsel Guadeloupe, die als „informelles Treffen“ galt,114 stand die Frage im Raum, ob der Shah weiterhin Unterstützung vom Westen erhalten sollte oder aber ob Ayatollah Khomeini, der in Paris bereits die Koffer gepackt hatte, das Startsignal zum Aufbruch gen Teheran bekommen würde. Im Vorfeld der Konferenz, die vom 4. bis 7. Januar 1979 stattfand, hatte US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski verlautbart, dass die USA den Schah nach wie vor voll unterstützten. Zu Beginn der Konferenz vollzog US-Präsident Carter vor den anderen drei Staatschefs dann eine Kehrtwende. Valéry Giscard d’Estaing, der Gastgeber der Konferenz, schrieb darüber in seinen Memoiren Le Pouvoir et La Vie: „Präsident Jimmy Carter erklärte uns überraschenderweise, dass die Vereinigten Staaten entschieden hätten, das Regime des Schahs nicht länger zu unterstützen. Ohne die Unterstützung der Vereinigten Staaten ist das Regime verloren. Ich hatte noch den Bericht von Michel Poniatowski gegenwärtig, der mir mitgeteilt hatte, dass der Schah voll handlungsfähig sei, allerdings voller Trauer, müde und desillusioniert. Er war davon ausgegangen, dass die USA ihn weiter unterstützen würden. Aber innerhalb einer Woche, hatte sich der Wind gedreht. … Jimmy Carter erklärt uns die weitere Entwicklung. Das Militär werde die Macht an sich reißen und die Ordnung im Land wiederherstellen. Die militärischen Anführer seien alle pro-westlich, die meisten von ihnen seien in den USA ausgebildet worden.“115 Frankreich schien ohnehin „aus der zuvor eingegangen Verpflichtung, dem Iran kerntechnisches Wissen zu Verfügung zu stellen“, in der Zwischenzeit abgerückt zu sein und „sich neu aufgestellt“ zu haben.116 Helmut Schmidt soll von den vier Staatsoberhäuptern dagegen das „am wenigsten begeisterte“ gewesen sein.117

Mit Ende der Konferenz von Guadeloupe, auf der zwar keine offiziellen Beschlüsse gefasst wurden, der Sturz des Schahs aber dennoch einen kräftigen Vorwärtsschub erhielt, wurde Giscard d’Estaing die Aufgabe zuteil, die Fühler zu Ajatollah Khomeini auszustrecken, um mit ihm auf diskrete Weise einen möglichen Regierungswechsel im Iran zu diskutieren.

Das Bild eines desillusionierten Schahs wurde für den 8. Januar vom britischen Botschafter in Teheran Sir Anthony Parsons überliefert, mit dem Pahlewi über die Angelegenheiten des Landes „ruhig und unberührt“ sprach, „als wären sie nicht mehr länger von Bedeutung für ihn“.118

Die Carter-Regierung (die man auch eine Regierung der Trilateralen Kommission von David Rockefeller nennen könnte),119 beauftragte unterdes den Vier-Sterne-General Robert E. Huyser, Vizechef der amerikanischen Streitkräfte in Europa, eine längere Reise gen Teheran anzutreten. Der Schah erfuhr von der Anwesenheit Huysers im Iran erst, nachdem dieser bereits über mehrere Tage hinweg ab 10 Uhr morgens „die Spitzen der kaiserlichen iranischen Streitkräfte zu treffen“ pflegte.120 Der Schah, immerhin deren Oberbefehlshaber, reagierte erstaunt, als er über den Besucher aus den USA in Kenntnis gesetzt wurde. Wann immer Huyser zuvor nach Teheran gekommen war, legte Pahlewi später in seinen Memoiren dar, hatte jener „vor seiner Ankunft um eine Audienz nachgesucht“.121 Nicht so diesmal. Was den Schah verwunderte. „Er fragte sich: ,Was tat dieser amerikanische General im Iran? Ein Mann von solchem Rang spielt nicht Versteck, ohne einen triftigen Grund zu haben.‘“122

Huyser war sich einige Tage lang selbst nicht im Klaren darüber, weshalb er in Teheran weilte. Am 3. Januar hatte US-Präsident Carter beschlossen, einen Emissär in den Iran zu schicken. Die Wahl fiel auf Huyser, da er gute Beziehungen zum iranischen Generalstab besaß – und seine Reise sollte in der Tat auf die Militärführung des Iran abzielen; allerdings waren die US-Offiziellen zurückhaltend, was genaue, schriftlich gegebene Instruktionen anging. Erst als Huyser protestierte, erhielt er einen Text, dessen Angaben aber auch nur „grundlegend und unvollständig“ waren, wie Huyser später in seinem Tagebuch schrieb.123 Längst in Teheran angekommen und bei General Gast wohnend, dem Leiter der dortigen US-Militärmission, kabelte Huyser am 12. Dezember eine Nachricht an US-Verteidigungsminister Harold Brown und General David Jones, dem Vorsitzenden des US-Generalstabs. Darin brachte er sechs Punkte vor, von denen er glaubte, dass er sie im Auftrag von Präsident Carter mit der iranischen Generalität besprechen sollte. „Erstens sei es von entscheidender Bedeutung für die USA und den Iran, ,starke und stabile Regierungsbeziehungen zu haben‘. Zweitens sei Carter ,tief beeindruckt‘ von den kaiserlich-iranischen Streitkräften. Drittens glaube der Präsident, ,die besten Interessen aller könnten durch eine starke und stabile Zivilregierung verwirklicht werden‘. Viertens müsse Bachtiars neue zivile Regierung ,die volle Unterstützung des Militärs haben‘. Fünftens könne diese Unterstützung ,nur erreicht werden, wenn die Militärs bei ihren Jobs bleiben‘: sie sollten das Land nicht verlassen und ,als ein Team arbeiten‘. Sechstens stünde die US-Regierung ,vom Präsidenten abwärts‘“ nach wie vor hinter den Generälen.124 Überdies teilte Huyser in dem Kabel mit, dass er gegenüber den Generälen wiederholt betont habe, „dass die Unterstützung der USA für einen zukünftigen Staatsstreich abhängig von ihrer vorherigen Unterstützung für Bachtiar sei: ,Ich habe ihnen gesagt, dass ich einen Militärputsch als absolut letztes Mittel erachte.‘“125

In den Worten von Alexandre de Marenches stattete Huyser den „Speisälen“ der Generäle eine Tour ab,126 ehe er mehrfach auf Repräsentanten der Opposition traf – und dann zusammen mit US-Botschafter William Sullivan schließlich auch auf den Schah. „Beide waren nur interessiert daran das Datum herauszufinden, an dem ich gehen würde“, meinte jener später zu der Unterredung.127

Die Tatsache, dass das Weiße Haus den Präsidentenpalast nicht über die Anwesenheit Huysers in Kenntnis gesetzt hatte, stellte einen blanken Protokollbruch dar.128 Ebenfalls recht unüblich waren die Kontakte, die Botschafter Sullivan zu Khomeinis Vertretern in Teheran knüpfte. Zudem kam dem Schah zu Ohren, dass Sullivan an Verhandlungen beteiligt war, die über die Rückkehr Khomeinis in den Iran geführt wurden.129

Bereits Anfang Januar fiel Sullivan die Rolle zu, den Schah „so höflich wie möglich“ zu unterrichten, dass Washington es für das beste halten würde, wenn er den Iran verließe. „Der Schah, schreibt der Diplomat in seinen Erinnerungen ,Mission to Iran‘, breitete seine Arme aus und fragte ,fast flehentlich‘: ,Ja, aber wohin soll ich denn gehen?‘ Das wußte Sullivan auch nicht. Seine Instruktionen sagten nichts zu diesem Problem.“130

In den nächsten Monaten sollte das eine entscheidende Frage bleiben: Wo würde Mohammad Reza Pahlewi, einst „Sonne der Arier“ genannt, Exil finden?

Wie aus ehemals geheimen diplomatischen Depeschen, Sitzungsprotokollen und Memos hervorgeht, über die der persische Dienst der BBC im Sommer 2016 berichtete, unterhielt die Carter-Regierung in den folgenden Wochen einen Kommunikationskanal zu Ayatollah Khomeini in Frankreich. Khomeini ließ in einer Nachricht an Carter ausrichten, man hege keine „besondere Feindschaft“ gegenüber den Amerikanern, woraufhin das Weiße Haus signalisierte, dass man Verfassungsänderungen im Iran nicht ablehnend gegenüberstünde, ehe wiederum Khomeini versicherte: „Der Ölfluss wird nach der Gründung der Islamischen Republik fortgesetzt werden.“131

Pahlewi konnte unterdessen vorerst bei einem Freund Station machen, dem ägyptischen Staatspräsidenten Anwar el-Sadat, nachdem er anfangs auf die Einladung aus Kairo misstrauisch reagiert hatte.132 Am 16. Januar 1980 flog Pahlewi vom Teheraner Flughafen los und landete mit seinem privaten Jet auf dem Flughafen Assuan, wo Sadat „einen vollen militärischen Empfang befohlen hatte, denn obwohl im Iran eine Interimsregierung eingesetzt worden war, galt der Schah noch immer als das offizielle Staatsoberhaupt“.133 Sogleich nach Begrüßung des Schahs bot Sadat den iranischen Streitkräften einstweiliges Asyl an. „,Warum ziehst du nicht die Maschinen deiner Luftwaffe und deine Flotteneinheiten ab?‘, schlug er vor. ,Ägypten wird sie beherbergen, bis sich die Lage im Iran stabilisiert hat.‘ Die Antwort des Schahs bewies, daß er alle Hoffnung verloren hatte. ,Weil die Amerikaner es nicht erlauben werden‘, sagte er traurig. ,Sie haben mich gezwungen, das Land zu verlassen; der Botschafter hat auf dem Flughafen immer wieder auf seine Uhr gesehen und erklärt, daß jede Minute, die ich noch zögere, weder in meinem noch im Interesse des Iran sein könne.‘“ Jehan Sadat, die Ehefrau Sadats, beschreibt „das Entsetzen, das Anwars Miene ausdrückte. Später vertraute er mir an, er vermöge einfach nicht zu fassen, warum ein Staatschef, vor allem der Schah, duldete, daß die Politik seines Landes von einer ausländischen Macht dirigiert werde. In diesem Augenblick wußte er, daß der Schah verloren war.“134

General Huyser blieb noch einige Tage lang in Teheran, nachdem der Schah die Hauptstadt seines Reiches für immer verlassen hatte, „und die Beamten der US-Botschaft beteiligten sich während dieser Zeit gar an Besprechungen über die Ankunft und Begrüßung Khomeinis in Teheran. (…) Francois Charles-Roux, ehemals französischer Botschafter im Iran – und ein Mann, der das Land gut kannte –, wurde zu dieser Zeit vom Élysée-Palast konsultiert, und er hörte dort mehrfach den französischen Präsidenten im Zusammenhang mit der Entscheidung von Guadeloupe befriedigt sagen: ,Endlich werden wir mit Khomeini Stabilität im Iran haben!‘“135

Am 31. Januar 1980 war es dann so weit: Khomeini begab sich nur dreieinhalb Wochen nach der Konferenz von Guadeloupe mit 200 Journalisten (darunter Peter Scholl-Latour, der in seinem Handgepäck die neue Verfassung des Iran mitbrachte) und seinen engsten Gefolgsleuten in einer Air-France-Boeing 747 auf die Reise nach Teheran, wo er von Millionen Iranern jubelnd begrüßt wurde.

Die Iranische Revolution, die mit Hilfe des Westens entfesselt worden war und ohne den Putsch von 1953 undenkbar ist, stellte letztlich den Durchbruch des islamischen Fundamentalismus dar, und „dabei spielte es keine Rolle, dass der Iran ein schiitisches Land ist, die Mehrheit der Muslime aber aus Sunniten besteht. Für den politischen Islam wurde Khomeini zum Big Bang – fast möchte man ironisch anmerken: Mit freundlichen Empfehlungen von CIA und MI6, in memoriam Kermit ,Kim‘ Roosevelt Junior (1916-2000).“136

Project Alpha

Als der Schah von Persien den Iran im Januar 1979 für immer verlassen musste, folgte steigender Druck, ihm die Einreise in die USA zu gewähren – ausgeübt „von ,einer Handvoll mächtiger Leute inner- und außerhalb der Regierung. Besonders intensiv waren der Nationale Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski, der Bankmagnat David Rockefeller, der frühere Außenminister Henry Kissinger, und der geschätzte Elder Statesman John J. McCloy, eine Clique, die Brzezinski als ,einflussreiche Freunde des Schahs‘ bezeichnete.“[i]

Das Team Rockefeller-Kissinger-McCloy repräsentierte Chase Manhattan: David Rockefeller war Vorstandsvorsitzender bei Chase, Henry Kissinger, seit langem ein Protegé von Nelson und David Rockefeller, saß im internationalen Aufsichtsrat der Bank, und John J. McCloy, der ehemalige Chase-Vorsitzende, zählte die Rockefeller-Hausbank zu den Mandanten, die er als Partner der Rechtsanwaltskanzlei Milbank Tweed Hadley & McCloy betreute. (Ein weiterer Mandant: der Schah.)[ii]

Keine andere westliche Bank war von den Vorgängen, die im Iran nach der Ankunft des Ayatollah Khomeini Anfang 1980 eintraten, so betroffen wie Chase Manhattan.

Seit dem Staatsstreich, der 1953 im Iran stattfand, waren die Privatgelder und -investitionen von Mohammad Reza Pahlavi zu einem guten Teil von Chase Manhattan gehandhabt worden. Auf Konten der gleichen Bank flossen in substanziellem Maße ebenso die Ölgewinne der iranischen Ölgesellschaft. Chase Manhattan war „des Shahs bevorzugteste Bank“,[iii] und der Iran wiederum „wurde zum Kronjuwel im internationalen Bankportfolio von Chase“.[iv]

Die Chase International Investment Corporation, welche in den 1950er Jahren von John J. McCloy initiiert worden war, schloss viele langfristige Joint Ventures im Iran ab. Laut McCloy hielt der Schah 2.5 Milliarden US-Dollar seines Privatvermögens auf einem Konto von Chase Manhattan. Der Familien-Trust der Pahlavis besaß ebenfalls ein Konto bei Chase. Auf dem Chase-Konto, das der Iran selber unterhielt, lagen 6 Milliarden US-Dollar. Dieser Betrag mag „nicht viel im Verhältnis zu den Gesamteinlagen von Chase“ gewesen sein. „Allerdings ist es im Spiel der globalen Finanzen nicht immer die Größe, die zählt, sondern die Position und die Gelegenheiten, die mit den Einlagen einhergehen.“[v]

Am Ölgeschäft im Iran waren die amerikanischen Oil Majors beteiligt. Zusammen mit British Petroleum und Royal Dutch Shell kontrollierten die sogenannten Big Five der US-Erdölindustrie – Exxon, Mobil, Gulf, Texaco und Standard Oil of California (später: Chevron) – im Jahre 1972 noch rund 83 Prozent der Erdölproduktion im Mittleren Osten.[vi] Drei Unternehmen dieser Big Five – Exxon, Mobil und Standard Oil of California – gingen direkt auf das Erdöl-Imperium von John D. Rockefeller zurück – dem Großvater von David Rockefeller, welcher zu dieser Zeit den Vorsitz bei Chase Manhattan innehatte. Sämtliche Unternehmen der Big Five waren intensiv mit den sieben größten Geschäftsbanken der USA verbandelt, insofern Firmen wie Exxon mit Geldhäusern wie Chase Manhattan, Citibank und Chemical Bank ein und dieselben Vorstandsmitglieder teilten.[vii] Zudem waren die Banken bedeutende Aktieninhaber der Öl-Unternehmen – welche ihrerseits reichlich Nutzen aus dieser Allianz zogen: „Die engen Verbindungen zwischen den beiden Branchen stellten nicht nur sicher, dass eine Interessengemeinschaft zwischen ihnen bestand, sondern verlieh diesen Öl-Unternehmen auch einen starken Kontrollhebel. Jene, die sonst womöglich in der Lage gewesen wären, ihre Kontrolle über die Weltmärkte herauszufordern, waren vom Verlust an Krediten bei den größten Banken bedroht. Nur wenige waren in der Lage, diese Einheitsfront herauszufordern.“[viii]

Nehmen wir als ein Beispiel für diese „Einheitsfront“ die Familie Rockefeller, welche 1979 jeweils folgende Prozentanteile der Stimmrechtaktien hielt: 1,74 Prozent bei Exxon, 1,82 Prozent bei Mobil und 2,11 Prozent bei Standard Oil of California.[ix] Die Prozente, die im gleichen Zeitraum jeweils von Chase Manhattan direkt und allein mit Stimmrecht an diesen Firmen gehalten wurden, fielen kaum geringer aus – wobei die Familie Rockefeller 1979 wiederum 2,4 Prozent der Stimmrechtaktien von Chase Manhattan in Besitz hielt.[x] Durchschnittlich besaßen die sieben größten Banken der USA (Bank of America, Bankers Trust, Chemical Bank of N.Y., Citibank, Chase Manhattan, Manufactures Hanover und Morgan Guaranty) im Jahre 1979 knapp 5,5 Prozent aller Stimmrechtaktien der Big Five-Unternehmen.[xi] Untereinander kontrollierten diese Banken wiederum durchschnittlich je 5,63 Prozent der Stimmrechtaktien, die sie selber herausbrachten.[xii]

Überdies war der größte Kreditgeber, über den der Iran Mitte / Ende der 1970er Jahre international verfügte, Chase Manhattan. „Ende 1978 hatte Chase Kredite in Höhe von beinahe zwei Milliarden Dollar an den Iran vergeben, eine gewaltige Summe für eine einzelne Bank und einen einzelnen Kreditnehmer. Käme es bei der Rückzahlung durch den Iran zu Schwierigkeiten, so säße die Chase tief in der Patsche.“[xiii]

Diese Situation trat ein, als es Anfang 1979 zu einem Regierungswechsel in Teheran kam. Gleich im Februar, der Schah hatte das Land kaum verlassen, wurde die Kooperation zwischen dem Iran und den westlichen Ölfirmen über die Rechte am persischen Öl durch Teheran aufgekündigt. Die National Iranian Oil Company (NIOC) riss das Monopol über die Produktion und Vermarktung des iranischen Öls komplett an sich und binnen weniger Monate produzierte der Iran wieder so viel Öl wie unter dem Schah. Die westlichen Ölkonzerne vermochten dagegen wenig auszurichten: Unter den Marktbedingungen der späten 1970er Jahre konnte kein Sanktionsregime ins Feld geführt werden, wie dies noch zu Beginn der 1950er Jahre gegen Premierminister Mohammad Mossadegh möglich gewesen war. Seinerzeit hatte der Iran vergleichsmäßig wenig Öl exportiert, und so konnte es leicht wettgemacht werden. „Aber in den späten 1970er Jahren exportierte der Iran nicht nur eine große Menge an Öl, er hatte auch ausreichend Devisen, um dem Verlust an Öleinnahmen einige Zeit lang widerstehen zu können. Die Devisenreserven des Iran betrugen Anfang 1979 beispielsweise über 12 Mrd. US-Dollar und es wurde geschätzt, dass sie im Januar 1980 20 Mrd. US-Dollar erreichen würden. Der Öleinnahmeverlust hätte keine unmittelbare Bedrohung für die Wirtschaft des Iran aufgeworfen. Eine andere Weise, den Ölexport für den Iran schwierig zu machen, musste gefunden werden. Ein Einfrieren der iranischen Vermögenswerte wäre – für die Ölgesellschaften – eine attraktive Möglichkeit.“[xiv] Immerhin hätte ein solcher Schritt die starke Devisenposition der neuen Machthaber in Teheran schlagartig geschwächt.

Ein von den Iranern unabhängig durchgeführter Ölverkauf konnte auch jenen Banken nicht gefallen, die mit den Oil Majors verbündet waren. Diese Gefahr bestand durch ihre engen Verbindungen zu drei Konzernen der damaligen Big Five-Ölunternehmen (Exxon, Mobil und Standard Oil of California) in schärferer Weise für Chase Manhattan als für andere Banken, und man dürfte so „ein größeres Interesse an Handlungen gehabt haben – einschließlich einem Einfrieren der Vermögenswerte –, die einen solchen Schritt zu blockieren versprachen.“[xv]

Das sich neuformierende Regime in Teheran gab sich währenddessen nicht durchweg antiamerikanisch. Geschäfte mit US-Unternehmen waren immer noch willkommen. „Die meisten US-Unternehmen waren durch den Regierungswechsel nicht finanziell bedroht. Tatsächlich profitierten einige Unternehmen, insbesondere eine Reihe von großen amerikanischen Banken mit Ausnahme von Chase, stark vom Zustrom an Kontoguthaben, die Chase verlor.“[xvi]

Die Wahrheit ist: das neue Regime war gegen weitere Geschäfte mit Chase Manhattan eingestellt, und diese Feindschaft, die der Iran dem Bankgiganten in New York City zunehmend zu spüren gab, trennte Chase „von jenen Banken, die ansonsten bei Versuchen, den unabhängigen Ölvertrieb des Iran zu durchkreuzen, womöglich bereitwillige Verbündete gewesen wären. Der Stachel, den jene anderen Banken wegen Irans Ölpolitik empfanden, wurde gemildert, als der Iran die Erlöse aus solchen Verkäufen in diese Banken einzahlte.“ Chase dagegen gewann keine neuen iranischen Einlagen hinzu, stattdessen verlor sie sie nur. „Somit wurde sie zweifach durch die Politik des neuen iranischen Regimes bedroht.“[xvii]

Ein Einfrieren des iranischen Vermögens hätte zur Folge gehabt, dass einem weiteren Verlust von iranischen Kontoguthaben bei Chase ein Riegel vorgeschoben worden wäre.

Die ultimative Macht einer Bank besteht darin, dass sie die Einlagen eines Kreditnehmers beschlagnahmen kann, wenn dieser nicht in der Lage ist, den Kredit zurückzuzahlen.[xviii] Den Krediten, die Chase an den Iran vergeben hatte, standen iranische Guthaben bei Chase gegenüber. Würde der Iran einmal nicht in der Lage sein, seine fälligen Kreditschulden zu bedienen, wäre Chase in der Lage, den entsprechenden Betrag aus den Kontoguthaben zu beschlagnahmen. An und für sich befand sich Chase in einer guten Ausgangslage im Februar 1979. Dann begann der Iran jedoch, zwar nur allmählich, dafür aber konstant Kontoguthaben bei Chase aufzulösen.[xix] Das Risiko, die Kredite nicht durch die Einlagen wettmachen zu können und dadurch Verluste von Hunderten von Millionen Dollar verbuchen zu müssen, wuchs stetig.

Es bedarf eines guten Grunds, um Kontoguthaben beschlagnahmen zu können, damit säumige Kredite ausgeglichen werden. „Nur unter bestimmten Umständen, die in jedem Kreditvertrag niedergelegt sind, kann der Kredit als in Verzug befindlich bezeichnet werden“ – und nur dann kann eine Bank aus den Einlagen des Kontoinhabers den Gegenwert des ausgefallenen Kredits entnehmen. „Die Verträge für Kredite an den Iran in den 1970er Jahren spezifizierten eine Reihe von Situationen, in denen die kreditgebenden Banken vom Zahlungsverzug der Kredite sprechen konnten. Das Offensichtlichste war natürlich die Nichtbegleichung von Tilgungs- und Zinszahlungen, aber es gab auch viele andere. Praktisch alle iranischen Kredite enthielten beispielsweise so genannte Cross-Default-Clauses [Drittverzugsklauseln], wonach der Zahlungsverzug bei einem Kredit ein hinreichender Grund war, andere Kredite ebenfalls als in Verzug zu betrachten. Darüber hinaus enthielten viele der Kreditverträge Klauseln zu ,wesentlichen nachteiligen Veränderungen‘, die es den Banken ermöglichten, den Zahlungsverzug von Krediten zu deklarieren, wenn sich die Bedingungen im Iran so drastisch veränderten, dass die Rentabilität des Kredits in Frage gestellt wurde. Weil die Banken letztendlich selbst darüber urteilten, was eine ,wesentliche nachteilige Veränderung‘ darstellte, räumten solche Klauseln den Banken in Geschäften mit dem Iran enorme Vorteile ein.“ Als Vermittler vieler iranischer Kredite besaß die Chase Bank „eine besondere Macht“, um „den Zahlungsverzug eines Kredits zu deklarieren“, denn bei Eintritt einer der im Vertrag festgelegten Verzugsvoraussetzungen „kann der Vermittler den Zahlungsverzug eines Kredits deklarieren, auch wenn dies die anderen Konsortialbanken nicht wünschen. Gleichzeitig ist die kreditabwickelnde Bank nicht verpflichtet, den Zahlungsverzug zu deklarieren, nur weil eine der Verzugsvoraussetzungen eintritt – entscheidet sie, dies nicht zu tun, kann sie nur durch Mehrheitsbeschluss der anderen Konsortialbanken überstimmt werden. Weil andere amerikanische Banken weniger gewillt waren als die Chase, den Zahlungsverzug des Iran zu deklarieren, hätte dies ein enormes Hindernis sein können, wäre die Chase nicht Vermittler für so viele Kredite gewesen.“[xx]

Ein Vorwand, die iranischen Vermögen zu beschlagnahmen, fand sich letztlich, wie wir sehen werden, als dem Schah die Einreise in die USA bewilligt wurde.

Eigentlich hatte man in Washington erwartet, dass der Schah schon bald nach seiner Ausreise gen Ägypten im Januar 1979 um Asyl in den USA ersuchen würde. Stattdessen legte der Schah nach seinem Aufenthalt in Ägypten eine weitere Zwischenstation ein, diesmal in Marokko bei König Hassan II., und es vergingen Wochen.

Zwischenzeitlich kam es am 14. Februar zu einer kurzen Besetzung der US-Botschaft in Teheran durch militante Gruppierungen. War man anfangs bereit gewesen, dem Schah Exil in den USA zu gewähren, führte dieser Vorfall zu einem Umdenken im Weißen Haus. Ein Betreten amerikanischen Bodens durch den Schah stellte möglicherweise eine Gefahr für die Sicherheitslage in Teheran dar, und die US-Botschaft würde längere Zeit benötigen, um sich auf eine etwaige Wiederholung der Vorfälle vom 14. Februar vorzubereiten. Bruce Laingen, der Chargé d’Affaires der US-Botschaft, riet davon ab, dem Schah Eintritt in die USA zu genehmigen, bis die Botschaft eine Schutztruppe haben würde, weil „die Gefahr von Geißelnahmen im Iran bestehen bleiben wird.“[xxi]

Da der Schah von König Hassan gebeten wurde, das Königreich Marokko beizeiten wieder zu verlassen, blieb sein weiterer Aufenthalt ein Punkt auf der Agenda. US-Außenminister Cyrus Vance bat Botschafter Sullivan um seine Ansicht bezüglich einer Einreise des Schahs in die Vereinigten Staaten. Sullivan unterstützte das Urteil, dass dem Schah die Einreise verweigert werden sollte – sowohl aufgrund des unzureichenden Schutzes der US-Botschaft wie auch zugunsten der Verbesserung der politischen Beziehungen zwischen Washington und Teheran.

Das Außenministerium der USA hörte sich diskret um, welche Staaten zur Aufnahme des Schahs bereitstanden. Die beiden einzigen Kandidaten, die sich bereitfanden, waren Südafrika und Paraguay. Der Schah weigerte sich, dort Asyl zu nehmen. Außenminister Vance telefonierte daraufhin „mit David Rockefeller und Henry Kissinger und fragte, ob einer von ihnen willens war, dem Schah mitzuteilen, dass es das Beste wäre, wenn er jede Reise nach Amerika verschöbe. Beide Männer lehnten entrüstet ab und begannen ihre eigenen Telefonate rund um die Welt in Ausschau nach einem Hafen für den Schah zu tätigen.“[xxii]

David Rockefeller und Henry Kissinger konnten für den Schah Ende März einen einstweiligen Stopp auf den Bahamas arrangieren, wo er fortan von Robert Armao betreut wurde, der zuvor PR-Agent von Nelson Rockefeller gewesen war. Joseph Reed, David Rockefellers persönlicher Assistent bei Chase Manhattan, kümmerte sich um die Finanzen des Schahs, seine Reise-Arrangements und die Logistik seiner Sicherheitsbedürfnisse. Zusammen mit dem Vize-Präsidenten der Nahost-Abteilung von Chase, Archibald Bulloch Roosevelt, einem ehemaligen CIA-Mitarbeiter (und Bruder jenes Kermit Roosevelt Jr., welcher 1953 den „CIA-Coup“ im Iran durchgeführt hatte), starteten Rockefeller, Kissinger, McCloy und Reed das sogenannte „Project Alpha“, um für den Schah die Einreise in die USA zu bewirken. Ab sofort fanden im Hauptquartier von Chase Manhattan regelmäßige Treffen statt, und David Rockefeller bezahlte die Angestellten von Chase und Milbank Tweed, die Extrastunden für „Project Alpha“ leisteten, aus eigener Tasche.

Anfang April führte Kissinger ein Telefonat mit Carters Nationalem Sicherheitsberater Brzezinski, in dem er die Wünsche des „Project Alpha“ anklingen ließ. Kissinger konnte Brzezinski nicht leiden, doch Brzezinski teilte seine Meinung, dass Carters politische Linie in Sachen Iran „naiv“ sei. „Er stimmte auch überein, dass dem Schah hätte Zuflucht angeboten werden sollen. Am Ende ihrer Unterredung ermutigte Brzezinski Kissinger, den Präsidenten direkt anzurufen. Kissinger tat dies beinah sofort und erinnerte Carter, dass er eine Verabredung hätte, um zwei Tage später David Rockefeller zu treffen. Er sagte dem Präsidenten, dass er hinter allem stehen würde, was Rockefeller über des Schahs Dilemma zu sagen habe.“[xxiii]

Der Besuch Rockefellers im Weißen Haus fand am 9. April statt. In seinem Tagebuch schrieb Carter darüber: „David Rockefeller. . . kam vorbei, um Zeit mit mir zu verbringen. … Der Hauptzweck des Besuchs ist offenbar zu versuchen, den Schah in unser Land kommen zu lassen. Rockefeller, Kissinger und Brzezinski scheinen das als ein gemeinsames Projekt zu übernehmen.“[xxiv]

Rockefeller, der Carter mitgeteilt hatte, dass sich „eine große Macht wie unsere“ keiner Form von „Erpressung“ beugen dürfe, verließ das Weiße Haus mit dem „Eindruck, dass der Präsident davon nichts hören wollte“.[xxv]

Anderthalb Wochen später erfuhr Carter von Außenminister Vance, dass die Kampagne, um die Position des Weißen Hauses in der Frage des Schah-Aufenthalts zu ändern, fortschritt. „McCloy … ruft weiterhin einflussreiche Leute im ganzen Land an. Wir denken, dass McCloys Bemühungen weiterhin von Henry Kissinger und durch die Bemühungen von Ardeshir Zahedi [dem iranischen Botschafter in den Vereinigten Staaten] angeregt werden.“[xxvi]

Noch im April bekam Vance eine neue Bewertung der Lage aus der US-Botschaft in Teheran zugeschickt, welche die bisherige Annahme des Außenministeriums bestätigte, dass die Sicherheit von US-Beamten und sonstigen US-Bürgern im Iran gefährdet wäre, sollte dem Schah Eintritt in die USA gewährt werden.

Rockefeller befand sich über solche Sicherheitsbedenken im Bilde. David Newsom, der im US-Außenministerium zu der Zeit die dritthöchste Position bekleidete, hatte ihn bereits Mitte März per Telefon darüber informiert, dass Geheimdienstberichte davor warnten, den Schah in die USA einreisen zu lassen, da in dem Fall die US-Botschaft in Teheran gestürmt werden könnte. Dennoch ging „Project Alpha“ unbeirrt weiter, indem Rockefeller bald nach seiner persönlichen Unterredung mit Carter auch mit Außenminister Vance zusammentraf, während Kissinger das persönliche Gespräch mit Vize-Präsident Walter Mondale suchte. Die Position der Carter-Administration änderte sich dadurch nicht.

Stattdessen vermochte man bei Chase Manhattan die Beobachtung anzustellen, wie in den folgenden Wochen mit jedem Tag die iranischen Guthaben dahinschmolzen. Bis Mitte des Sommers hatte der Iran „vollständig die Mechanismen in Gang gesetzt, um die NIOC-Konten bei Chase zu umgehen. Alle Zahlungen für Öl gingen nun direkt in Bank Markazi-Konten bei einer Reihe von Banken ein, nicht nur Chase.“[xxvii] Alle weiteren Zahlungen, die von Ölunternehmen auf NIOC-Konten bei Chase eingingen, flossen sofort auf Konten ab, die die NIOC bei anderen Banken zu führen begann. Zudem nahmen die Transfers, die mit bestehenden Guthaben bei Chase vorgenommen wurden, bis August an Tempo zu. „Indem sich das NIOC-Konto erschöpfte und neue Zahlungen für Öl zu anderen Banken geleitet wurden, sah Chase einige ihrer lukrativsten Konten schwinden.“[xxviii] Der Tag rückte näher, ab dem die noch vorhandenen Einlagen die ausstehenden Kredite nicht mehr decken würden.

Die Carter-Regierung versuchte in jenen Tagen die Unterstützung von Henry Kissinger bei den Gesprächen über den SALT II-Vertrag zur nuklearen Rüstungsbegrenzung zu erhalten, und im Juli teilte Kissinger dem Nationalen Sicherheitsberater Brzezinski mit, dass seine Unterstützung abhängig von einer entgegenkommenderen Haltung bei der Schah-Frage sei.[xxix] John McCloy, von dem die Carter-Regierung ebenfalls Unterstützung beim SALT II-Vertrag erwünschte, telefonierte nicht minder mit Brzezinski und setzte darüber hinaus Außenminister Cyrus Vance, seinem Stellvertreter Warren Christopher, dem dritten Mann im Außenministerium David Newsom und dem UN-Botschafter Donald McHenry zu.[xxx] Außerdem wies er Anwälte seiner Kanzlei Milbank Tweed an, Beweise für die sogenannte „Mullah-Theorie“ zusammenzutragen. Bei dieser Theorie spielte der Einfluss des iranischen Klerus eine Rolle, und zwar im Sinne der in den Kreditverträgen enthaltenen Klauseln bezüglich „wesentlich nachteiliger Veränderungen“„Die Theorie war notwendig, um das zu unterstützen, was die Rockefeller-Reed-McCloy-Strategie wurde“, nämlich das Herbeiführen eines technischen Zahlungsverzugs des Irans bei einem der Chase-Kredite, um diesen Zahlungsverzug sodann dafür zu benutzen, sämtliche Kredite und Einlagen des Iran sperren zu können.[xxxi]

Ob die internationalen Gerichte die „Mullah Theorie“ je akzeptiert hätten, sei dahingestellt; „der springende Punkt ist, dass die Vorbereitungen bei Chase zur Verrechnung der iranischen Kredite und Einlagen bis zum Sommer 1979 bereits ziemlich weit fortgeschritten waren.“[xxxii]

Beim vorrangigen Adressaten des „Project Alpha“, US-Präsident Jimmy Carter, stießen die Bemühungen der „einflussreichen Freunde des Schahs“ zunehmend übel auf. Die New York Times berichtete, dass Carter mehr als einmal bei dem Thema die Beherrschung verlor. Als ihn sein Berater Hamilton Jordan darauf hinwies, dass sein Widerstand gegenüber dem Druck, der von Kissinger und den „Project Alpha“-Leuten ausgeübt wurde, politisch gefährlich sei, entfuhr es Carter: „Zur Hölle mit Henry Kissinger, ich bin der Präsident dieses Landes!“[xxxiii]

„Es stimmte, dass Carter der Präsident war, und Kissinger nur Teil des Rockefeller-Teams. Aber dieses Team behielt die Oberhand.”[xxxiv]

Der Schlüssel, um sich durchzusetzen, bestand darin, den schlechten Gesundheitszustand des Schahs ins Spiel zu bringen. Benjamin H. Kean, ein persönlicher Arzt von David Rockefeller, flog zweimal nach Mexiko, wo sich Mohammad Reza Pahlewi mit seiner Familie seit dem 10. Juni 1979 in Cuernavaca aufhielt. Zuvor war Kissinger im April nach Mexiko geflogen, „um die mexikanischen Behörden zu bitten, den Schah aufzunehmen“, wie „Der Spiegel“ später berichtete. „Nach anfänglichem Zögern gewährten die Mexikaner schließlich ein Visum, das allerdings auf drei Monate beschränkt war. Daraufhin bemühten sich das Büro David Rockefellers und Kissinger erneut, das Verbot einer Einreise in die Vereinigten Staaten aufzuheben. Ende Juli richtete das State Department eine dringende Botschaft an [den Geschäftsträger der US-Botschaft in Teheran] Laingen, in der es hieß, daß mehr und mehr auf eine Aufnahme des Schah noch vor Oktober gedrängt werde. Bald danach jedoch gaben die Mexikaner nach und erklärten, Beamten des State Department zufolge, der Schah könne länger bleiben.“[xxxv]

Dr. Kean, ein Mediziner am New York Hospital-Cornell Medical Center, kam nach Untersuchung des Schahs zum Ergebnis, dass dieser unter Lymphdrüsenkrebs leide, und riet, „dass es für den Schah ,vorzuziehen‘ war, in einem amerikanischen Krankenhaus behandelt zu werden.“[xxxvi] Dr. Keans Report wurde von Robert Armao an Dr. Eban H. Dustin im Außenministerium weitergegeben – woraufhin zuerst Cyrus Vance und dann auch Jimmy Carter kleinbeigaben: dem Schah wurde der Eintritt in die Vereinigten Staaten bewilligt.

Carter erinnerte sich später gegenüber der New York Times an den Bericht von Dr. Kean dahingehend, „dass das medizinische Gerät und die Behandlung, die der Schah benötige, nur in New York verfügbar sei, und dass der Schah ,an der Schwelle zum Tod stehe‘.“ Dr. Kean dagegen meinte, dass dies nicht das gewesen sei, was er Dr. Dustin mitgeteilt habe – nämlich dass eine Behandlung des Schahs in New York „vorzuziehen“ sei, wenngleich sie auch „in Mexiko oder praktisch überall gemacht werden könnte. Trotz dieser Tatsache argumentierte Armao kurz nachdem der Schah in New York eintraf, dass sein Arbeitgeber Mexiko verlassen habe, weil solches Gerät dort nicht vorhanden sei, und dass die Ärzte behauptet hätten, dass die besondere Strahlenbehandlung, der er sich unterziehen müsse, nirgendwo sonst auf der Welt verfügbar wäre.“[xxxvii]

„Der Adler“, wie der „Project Alpha“-Codename für den Schah lautete, landete am 22. Oktober 1979 in New York City, um sogleich unter dem Pseudonym „David D. Newsom“ ins New York Hospital-Cornell Medical Center gebracht zu werden. Newsom wurde erst durch Zeitungsberichte über den Missbrauch seines Namens in Kenntnis gesetzt.[xxxviii]

Als die Einreise des Schahs kurz bevorstand, fragte Präsident Carter bei einer Stabsbesprechung in die Runde seiner Berater hinein: „Und was raten Sie mir, wenn die Iraner unsere Leute in Teheran als Geißeln nehmen?“[xxxix]

Ratschläge konnten im Weißen Haus gut gebraucht werden, als am Morgen des 4. November knapp 400 militante Studenten die US-Botschaft in der iranischen Hauptstadt stürmten: Fortan befanden sich mehrere Dutzend US-Diplomaten bis zum 20. Januar 1981 durchgehend in ihrer Hand. „Sie forderten die Auslieferung des Schahs, der sich vor Gericht verantworten sollte. Ihre Aktion wurde vom neuen Führer des Irans, Ayatollah Chomeini, unterstützt. Die Beziehungen zwischen dem Iran und den USA erreichten einen neuen Tiefpunkt.“[xl]

Unterdessen hatte sich die Lage für Chase Manhattan weiter verschärft. Die neue Regierung in Teheran zog in den ersten acht Monaten des Jahres 1979 „etwa 6 Mrd. US-Dollar von Konten der Chase ab. Im Sommer 1979 wurde offensichtlich, dass die Chase bald nicht mehr über genug iranische Einlagen verfügen würde, um die Kredite der Bank für das Pahlewi-Regime zu decken. Die Chase war Konsortialführer eines 500-Millionen-Dollar-Kredits, der von der Revolutionsregierung problemlos hätte zurückgewiesen werden können. Die Chase hatte den Kredit 1977 genehmigt, obwohl ihre eigenen iranischen Anwälte darauf hinwiesen, dass der Schah nicht die Unterstützung des Parlaments hatte, wie von Artikel 25 der iranischen Verfassung verlangt. Technisch gesehen war das verfassungswidrig. Sollte Teheran den Kredit zurückweisen, müsste die Chase den anderen an dem Konsortium beteiligten Banken gegenüber Rechenschaft ablegen. Der gute Ruf der Chase stand ebenso auf dem Spiel wie ihre Kredite.“[xli]

Pulitzerpreisträger Kai Bird streicht in seiner Biographie über John J. McCloy heraus, dass Chase trotz dieser Probleme „als unmittelbare Folge des Geiseldramas erstaunlich erfolgreich“ davonkam. Gleiches galt für die Anwaltskanzlei von McCloy, „welche die Chase repräsentierte und in einigen Fällen ihre Strategie steuerte. An dem Tag, als die Botschaft eingenommen wurde, erhielt die Chase ein Telex von der iranischen Regierung, mit dem die Zahlung von 4,05 Millionen Dollar an fälligen Zinsen für den 500-Millionen-Kredit autorisiert wurde. Die Chase sollte die Zahlung, die am 15. November fällig wurde, von einem der iranischen Konten ihrer Londoner Filiale buchen. Die Chase setzte diese Anweisung jedoch nicht um.“ Zeitgleich drängten die Anwälte von Milbank, Tweed beim Finanzministerium der USA darauf, die iranischen Guthaben einzufrieren. „Diese Möglichkeit war schon im Februar 1979, als Khomeini an die Macht kam, sowohl vom Finanzministerium als auch von Mitarbeitern der Chase in Betracht gezogen worden. Doch nun gewann sie ausgesprochen an Dringlichkeit. Und als am frühen Morgen des 14. November gemeldet wurde, dass Irans amtierender Außenminister Abol Hassan Bani Sadr angekündigt hatte, sein Land würde alle Einlagen von amerikanischen Banken abziehen, fror die Carter-Regierung alle iranischen Guthaben ein, die sich im In- und Ausland bei amerikanischen Banken befanden. Die ausländische Bankengemeinschaft war überrascht von der Pauschalität der Order. Es war eine Sache, iranische Guthaben in den Vereinigten Staaten einzufrieren, aber dies auf amerikanische Banken auszuweiten, die unter ausländischer Gerichtsbarkeit operierten, war äußerst ungewöhnlich.“

Chase ging noch einen Schritt weiter, wie Bird fortfährt: „Da Carters Einfrierorder einen Tag vor Fälligkeit der iranischen Zinszahlung von 4,05 Millionen Dollar in Kraft getreten war, wurde die Zahlung von der Londoner Filiale der Chase nicht vorgenommen. Gegen die energischen Einwände der ausländischen Banken des Konsortiums deklarierte die Chase dann den Zahlungsverzug des 500-Millionen-Dollar-Kredits. Mit bewusster Hast – und sogar noch vor Erhalt der erforderlichen Autorisierung durch das Finanzministerium – pfändete die Chase sämtliche ihrer iranischen Konten und nutzte diese Gelder, um sie mit ausstehenden iranischen Krediten zu ,verrechnen‘.“

Der Finanzanalyst Mark Hulbert konstatierte: „Nachdem sich der Staub gelegt hatte, gab es keine iranischen Kredite mehr in den Büchern der Chase.“ Dieses Vorgehen erfolgte mit rechtsberatender Aufsicht von Milbank Tweed – wozu denn auch McCloy zählte. Für McCloy waren „die Interessen der Chase Bank und die Interessen des Landes sehr ähnlich“, denn die USA sollten mit dem Iran  „nicht schwach oder defensiv“ umgehen. „Er ging sogar so weit, 1980 einem Mitarbeiter des Außenministeriums zu sagen, dass ,nationale Ehre wichtiger ist als amerikanische Leben‘. Gleichzeitig erforderte die treuhänderische Verantwortung für Chase, alles in der Macht stehende zu tun, um ihre iranischen Kredite zurückzuerlangen.“

Auf den ersten Blick mag das Geiseldrama in Teheran den Anschein gemacht haben, als sei es „von tief verwurzelten, antiamerikanischen Neigungen und schiitisch religiösen Intrigen geprägt“ gewesen, meint Bird. „Mit der Zeit wurde jedoch klar, dass das Schicksal der Geiseln eng mit Teherans Wunsch verbunden war, die eingefrorenen Guthaben wiederzuerlangen, und mit den Forderungen der amerikanischen und europäischen Banker, angeführt von der Chase, ihre iranischen Kredite zurückgezahlt zu bekommen.“ Ohne eine solche finanzielle Einigung würde es keine Freilassung der Geiseln geben. „Am Ende konnten nicht nur die Chase, sondern alle Banken eine großzügige Einigung für sich verbuchen. Der Iran zahlte schließlich 3,7 Milliarden Dollar aus. Als die amerikanischen Banker erfuhren, dass ihre Kredite vollständig zurückgezahlt werden würden, ,fielen sie fast von ihren Stühlen‘. Die Anwälte der Wall Street – und besonders die von Milbank, Tweed – verdienten Millionen von Dollar an Anwaltsgebühren.“ Tatsächlich war das Geiseldrama für die Anwälte, so der Gerichtsreporter Paul Hoffman, nichts weniger als eine „Goldgrube“.[xlii]

1 Zit. wie Robert Brett Westbrook: John Dewey and American Democracy. Cornell University Press, 1991, S. 440. Der ehemalige CIA-Beamte John Stockwell beschreibt die Beziehung zwischen der finanziellen / unternehmerischen Elite und der CIA, wie wir sie hier in diesem Aufsatz betrachten, dergestalt: „Die CIA und die großen Konzerne befanden sich meiner Erfahrung nach im Gleichschritt miteinander. Später wurde mir klar, dass sie vielleicht über Einzelheiten der Strategie streiten – einen kleinen Krieg hier oder dort. Allerdings sind beide nachhaltig auf die Unterstützung des Systems eingeschworen.“ Vgl. Bill Blunden: Is There a ’Triple Government’ at Work? WhoWhatWhy, 4. Januar 2015; http://whowhatwhy.org/2015/01/04/triple-government-work/.

2 Russ Baker: Family of Secrets. Bloomsbury Press, 2009, S. 15.

3 Burton Hersh: The Old Boys – The American Elite and the Origins of the CIA. Tree Farm Books, 2002, S. 4.

4 Ebd.

5 Tim Weiner: Legacy of Ashes – A History of the CIA. Doubleday Press, 2007, S. 7.

6 Caseys Vorgänger als OSS-Leiter in London war der New Yorker Investmentbanker James Russel Forgan. Nachdem er in späteren Jahren u.a. der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) vorgesessen hatte, war Casey in den Jahren 1981-87 Leiter der CIA.

7 Vgl. Michael C. Ruppert: Crossing the Rubicon – The Decline of the American Empire at the End of the Age of Oil. New Society Publishers, 2004, S. 53. Ruppert erwähnt, dass Clark Clifford zusammen mit Geschäftspartner Robert Altman auf illegale Weise zum Kauf der US-amerikanischen Bank First American Bankshares durch die „Drogengeld- und Terror-Bank“ BCCI beitrug. Der National Security Act, an dessen Entstehung Clifford mitwirkte, enthielt keine „Covert Operations“-Aufgaben für die CIA. Diese kamen erst mit einer Direktive des Nationalen Sicherheitsrats vom 18 Juni 1948 hinzu, der NSC 10/2. Die Autorisierung von „Covert Operations“ stützt sich auf die Befugnisse des US-Präsidenten gemäß Artikel 2 der US-Verfassung und auf die indirekte Genehmigung durch den Kongress, welche sich dadurch ergibt, dass der Kongress Budgetmittel bewilligt, um verdeckte Operationen zu finanzieren. Es gibt kein Gesetz, das verdeckte Operationen tatsächlich erlauben würde. Vgl. Memorandum von Lawrence R. Houston, CIA General Counsel, an den Director of Central Intelligence, John McCone, Legal Basis for Cold-War Activities, 15. Januar 1962. National Security Archivehttps://nsarchive2.gwu.edu//dc.html?doc=5754592-National-Security-Archive-Doc-04-Memorandum-from. Interessant ist, dass der frühere US-Präsident Harry S. Truman, unter dem die CIA geschaffen und die NS 10/2 autorisiert wurde, einen Meinungsartikel in der Washington Post am 22. Dezember 1963 veröffentlichte. Darin schrieb Truman einen Monat nach dem Attentat auf John F. Kennedy: “I think it has become necessary to take another look at the purpose and operations of our Central Intelligence Agency—CIA. (…) For some time I have been disturbed by the way CIA has been diverted from its original assignment. It has become an operational and at times a policy-making arm of the Government. This has led to trouble and may have compounded our difficulties in several explosive areas. (…) We have grown up as a nation, respected for our free institutions and for our ability to maintain a free and open society. There is something about the way the CIA has been functioning that is casting a shadow over our historic position and I feel that we need to correct it.“ Der Artikel von Truman ist zitiert in Raymond Marcus: Truman’s Warning, veröffentlicht in E. Martin Schotz: History Will not Absolve Us – Orwellian Control, Public Denial, and the Murder of President Kennedy. Kurtz, Ulmer & Delucia, 1996, S. 237-38.

Die Direktive des Nationalen Sicherheitsrats vom 18 Juni 1948 – NSC 10/2 – besagt im Ganzen:

Office of Special Projects

Washington, June 18, 1948.

  1. The National Security Council, taking cognizance of the vicious covert activities of the USSR, its satellite countries and Communist groups to discredit and defeat the aims and activities of the United States and other Western powers, has determined that, in the interests of world peace and US national security, the overt foreign activities of the US Government must be supplemented by covert operations.
  2. The Central Intelligence Agency is charged by the National Security Council with conducting espionage and counter-espionage operations abroad. It therefore seems desirable, for operational reasons, not to create a new agency for covert operations, but in time of peace to place the responsibility for them within the structure of the Central Intelligence Agency and correlate them with espionage and counter-espionage operations under the over-all control of the Director of Central Intelligence.
  3. Therefore, under the authority of Section 102(d)(5) of the National Security Act of 1947, the National Security Council hereby directs that in time of peace:
  4. A new Office of Special Projects shall be created within the Central Intelligence Agency to plan and conduct covert operations; and in coordination with the Joint Chiefs of Staff to plan and prepare for the conduct of such operations in wartime.
  5. A highly qualified person, nominated by the Secretary of State, acceptable to the Director of Central Intelligence and approved by the National Security Council, shall be appointed as Chief of the Office of Special Projects.
  6. The Chief of the Office of Special Projects shall report directly to the Director of Central Intelligence. For purposes of security and of flexibility of operations, and to the maximum degree consistent with efficiency, the Office of Special Projects shall operate independently of other components of Central Intelligence Agency.
  7. The Director of Central Intelligence shall be responsible for:

(1) Ensuring, through designated representatives of the Secretary of State [1] and of the Secretary of Defense, that covert operations are planned and conducted in a manner consistent with US foreign and military policies and with overt activities. In disagreements arising between the Director of Central Intelligence and the representative of the Secretary of State or the Secretary of Defense over such plans, the matter shall be referred to the National Security Council for decision.

(2) Ensuring that plans for wartime covert operations are also drawn up with the assistance of a representative of the Joint Chiefs of Staff and are accepted by the latter as being consistent with and complementary to approved plans for wartime military operations.

(3) Informing, through appropriate channels, agencies of the US Government, both at home and abroad (including diplomatic and military representatives in each area), of such operations as will affect them.

  1. Covert operations pertaining to economic warfare will be conducted by the Office of Special Projects under the guidance of the departments and agencies responsible for the planning of economic warfare.
  2. Supplemental funds for the conduct of the proposed operations for fiscal year 1949 shall be immediately requested. Thereafter operational funds for these purposes shall be included in normal Central Intelligence Agency Budget requests.
  3. In time of war, or when the President directs, all plans for covert operations shall be coordinated with the Joint Chiefs of Staff. In active theaters of war where American forces are engaged, covert operations will be conducted under the direct command of the American Theater Commander and orders therefor will be transmitted through the Joint Chiefs of Staff unless otherwise directed by the President.
  4. As used in this directive, “covert operations” are understood to be all activities (except as noted herein) which are conducted or sponsored by this Government against hostile foreign states or groups or in support of friendly foreign states or groups but which are so planned and executed that any US Government responsibility for them is not evident to unauthorized persons and that if uncovered the US Government can plausibly disclaim any responsibility for them. Specifically, such operations shall include any covert activities related to: propaganda, economic warfare; preventive direct action, including sabotage, anti-sabotage, demolition and evacuation measures ; subversion against hostile states, including assistance to underground resistance movements, guerrillas and refugee liberation groups, and support of indigenous anti-communist elements in threatened countries of the free world. Such operations shall not include armed conflict by recognized military forces, espionage, counter-espionage, and cover and deception for military operations.
  5. This Directive supersedes the directive contained in NSC 4-A, which is hereby cancelled.

8 Vgl. Michael C. Ruppert: Crossing the Rubicon, S. 53. Zur Kundschaft von Sullivan & Cromwell zur Jahrtausendwende, so Ruppert, gehörten Enron, AIG und das Harvard Endowment. Für die Dienste, die Sullivan & Cromwell den Oil Majors der USA erbrachte, siehe Peter Dale Scott: Der Staat, der tiefe Staat und die Wall Street-Oberwelt. LarsSchall.com, 14. März 2014; http://www.larsschall.com/2014/03/14/der-staat-der-tiefe-staat-und-die-wall-street-oberwelt-2/, und ders.: Der US-Geheimdienstapparat und das Schicksal des privaten internationalen Bankensystems der Vorkriegszeit. LarsSchall.com, 30. April 2014; http://www.larsschall.com/2014/04/30/der-us-geheimdienstapparat-und-das-schicksal-des-privaten-internationalen-bankensystems-der-vorkriegszeit/.

9 Peter Dale Scott: The Road to 9/11 – Wealth, Empire, and the Future of America. University of California Press, 2007, S. 12. Der Beratergruppe, die Dulles 1946 leitete, gehörten u.a. Robert A. Lovett (Brown Brothers Harriman), Paul Nitze (Dillon, Read & Co.), Kingman Douglass (Dillon, Read & Co.) und Wall Street-Anwalt Frank Wisner an.

10 Vgl. Kai Bird: The Chairman: John J. McCloy – The Making of the American Establishment. Simon and Schuster, 1992, S. 301.

11 Ebd.

12 Ebd., S. 304.

13 Peter Dale Scott: The Road to 9/11. S. 13. Wisner war übrigens Mitglied des Geheimbunds The Seven Society, ansässig an der University of Virginia, wo er vor seiner Zeit an der Wall Street studierte.

14 Kai Bird: The Chairman, S. 304. Die Missionen, in denen sich das OPC engagierte, wählte Wisner vierteljährig mit dem ehemaligen Investmentbanker Paul Nitze (Dillon, Read & Co.) und Brigadier General John Magruder, dem Vertreter des Verteidigungsministers, aus. Vgl. Burton Hersh: The Old Boys, S. 271-272.

15 Peter Dale Scott: The Road to 9/11. S. 12.

16 Vgl. Peter Dale Scott: The Road to 9/11. S. 11-14.

17 Vgl. Amy B. Zegart: Flawed by Design – The Evolution of the CIA, JCS, and NSC. Stanford University Press, 1999, S. 189.

18 Zit. wie Lars Schall: Amerika, würdest du bitte aufwachen! Interview mit Peter Dale Scott, LarsSchall.com, 12. August 2011; http://www.larsschall.com/2011/08/12/amerika-wurdest-du-bitte-aufwachen/.

19 Vgl. Peter Dale Scott: American War Machine. Deep Politics, the CIA Global Drug Connection, and the Road to Afghanistan. Rowman & Littlefield, 2010, S. 163.

20 Ebd., S. 164.

21 Peter Dale Scott: The Road to 9/11, S. 12. Als weitere Beispiele für die dubiose Nähe zwischen „OSS / CIA – Wall Street“ einerseits und faschistischem Personal andererseits, dürfen dem interessierten Leser am Rande Stichworte wie Overcast, Ratline, Paperclip, Alsos, Surgeon und TICOM (Target Intelligence Committee) an die Hand gegeben werden. Die New York Times berichtete im November 2010 von einer 2006 abgeschlossenen, aber vier Jahre lang geheim gehaltenen Untersuchung des Office of Special Investigations (OSI) des US-Justizministeriums über die Bereitstellung eines „sicheren Hafens“ in den Vereinigten Staaten für führende Nazis und deren Kollaborateure durch US-Ministerien und insbesondere seitens der CIA. Vgl. Eric Lichtblau: Nazis Were Given “Safe Haven“ in U.S., Report Says. The New York Times, 13. November 2010. Man war sich in den USA keineswegs zu schade, jemanden wie Otto von Bolschwing, einem fleißigen Handlanger Adolf Eichmanns bei der Ausarbeitung der „Endlösung der Judenfrage“, nach dem Zweiten Weltkrieg Einlass in die USA zu gewähren und für die CIA arbeiten zu lassen. Ende der 1960er Jahre wurde von Bolschwing gar der Vorsitzende der Hightech-Rüstungsfirma Trans-International Computer Investment Corporation, die Geheimaufträge vom Pentagon ausführte. Der Veterinärmediziner Erich Traub arbeitete als Laborchef für das Dritte Reich an der Entwicklung von Biowaffen; nach dem Zweiten Weltkrieg durfte er seine Forschungen erst in Fort Detrick in Maryland und dann auf Plum Island in New York fortsetzen. Der für Zwangsexperimente an Konzentrationslagerinsassen verantwortliche Mediziner Hubertus Strughold wurde nach dem Krieg in die USA gelassen, wo er sich zum Helden der NASA entwickelte. Es gibt zahlreiche andere Beispiele für Nazi-Verbrecher, die von der CIA und weiteren US-Behörden im Dienste der „nationalen Interessen“ jahrzehntelang verdeckt verwendet wurden. Und so kann etwa der Folterskandal, der 2004 über das irakische Gefängnis Abu Ghraib publik wurde und das Ansehen der USA beschädigte, durchaus mit einer Vorgeschichte in Verbindung gebracht werden, „die bis auf das Ende des 2. Weltkriegs und die stillschweigende Integration deutscher KZ-Ärzte und Folterspezialisten in amerikanische Dienste zurückgeht.“ Zit. wie Mathias Bröckers: Eine neue Inquisition. Der CIA-Folterreport – Teil 2. Telepolis, 18. Januar 2015; http://www.broeckers.com/2015/01/18/eine-neue-inquisition/. Bröckers verweist in diesem Zusammenhang auf die Forschungsergebnisse in den Büchern „Die CIA-Lüge – Foltern im Namen der Demokratie“ von Egmont R. Koch (2008) und „Foltern und Foltern lassen – 50 Jahre Folter-Forschung und -Praxis von CIA und Militär“ von Alfred McCoy (2005).

22 Vgl. Carl Oglesby: The Yankee-Cowboy War – Conspiracies from Dallas to Watergate and Beyond. Berkley Publishing Corp., 1976, S. 39-43.

23 Vgl. Christopher Simpson: Blowback – America’s Recruitement of Nazis and Its Effects on the Cold War. Weidenfeld & Nicolson, 1988, S. 158.

24 Ebd., S. 53.

25 Ebd.

26 Ebd., S. 53-54.

27 Vgl. ebd., S. 54.

28 Ebd., S. 54-55. Die Wissenschaftler Armin Wagner und Matthias Uhl kommen zu anderen Schlussfolgerungen, insofern der BND – auch aufgrund seines „Fremde Heere Ost“-Vorwissens – sehr wohl in der Lage gewesen sei, erfolgreiche Militärspionage gegen die Sowjetunion durchzuführen. Der BND habe ein realistisches Bild der militärischen Stärke der Sowjetarmee in der DDR besessen und qualifizierte Berichte darüber verfasst. Vgl. Armin Wagner / Matthias Uhl: BND contra Sowjetarmee – Westdeutsche Militärspionage in der DDR. C.H. Links-Verlag, 2007.

29 Vgl. ebd., S. 61-65.

30 Ebd., S. 282.

31 Ebd., S. 65. Die Gruppen, die an einem Eskalationskurs gegenüber der Sowjetunion interessiert waren, umriss der damalige Handelsminister und vorherige Vize-Präsident der USA, Henry A. Wallace, in einer wenig beachteten Tagebuchnotiz vom 29. Dezember 1945. Dort schrieb er: “My brother-in-law, Charles Bruggmann, told me about some friends who were in Dublin, Ireland, recently. At a social gathering were present several Jesuit priests who indicated that one of their supreme purposes was to bring about a war between the United States and Russia. Later on I began to speculate about the forces that are interested in trying to bring about such a war. In addition to a small group in the Catholic hierarchy there is also a small group among the English Tories and a small group in the American Army.“ Für die Fraktion innerhalb der US-Armee wäre auf Leslie R. Groves, den Wallace als „Faschisten“ bezeichnete, oder auch auf Curtis LeMay, einem späteren Mitbegründer der RAND Corporation, zu verweisen. Ferner nannte Wallace “a small group among the American big-business hierarchy, a substantial group among the Chinese Nationalists, the London Poles, and in general the more wealthy people who live in the countries close to Russia. Also there is a small group in the Navy (note for example Admiral Stark’s statement in the Pearl Harbor hearings with regard to communism being a greater danger than Nazism); also there should be included in this group a very strong element in the Republican Party. All of these people feel that it is only by the United States whipping Russia that they have a chance to maintain their present position in life. Against this group is found the peace-loving people everywhere. Unfortunately, the love of peace is a general sentiment and doesn’t bind people together in the same way as hatred binds together those who are intent on producing war between specific countries. The bulk of the Catholics, the bulk of the British, and the bulk of the common people everywhere do not want a third world war. These various groups that want a third world war in order to lick Russia are not at the present time working together but as time goes on they will tend more and more to coalesce. This is the great danger of the future.“ Vgl. Peaceful Atomic Abundance – Excerpts from the Diary of Henry A. Wallace 1945 – Into the Cold War. Studien von Zeitfragenhttp://druckversion.studien-von-zeitfragen.net/Wallace%20Into%20the%20Cold%20War%201945.pdf

32 Kurz nachdem Hitler seinen Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion im Sommer 1941 begonnen hatte (Unternehmen Barbarossa), besetzte Großbritannien gemeinsam mit der UdSSR Teile des Iran und entfernte die gegenüber Hitler-Deutschland neutral gestimmte Regierung in Teheran. „Churchill hatte den britischen Vertreter in Teheran Anfang September gewarnt, dass die Hauptstadt besetzt und Maßnahmen gegen den Herrscher ergriffen würden, wenn die Forderungen Großbritanniens und der Sowjetunion nicht vollständig erfüllt würden. Da das neue iranische Kabinett wenig Energie bei der Umsetzung der Bedingungen der Alliierten zeigte (zu denen die Schließung der deutschen, italienischen, ungarischen und rumänischen Gesandtschaften sowie die Auslieferung aller deutschen Staatsangehörigen gehörten), startete der britische Rundfunk alsbald eine Propagandakampagne gegen Reza Schah. Dies gipfelte in der Besetzung Teherans durch britische und sowjetische Truppen am 17. September und der Abdankung des Schahs zugunsten seines jugendlichen Sohnes, der sich umgehend bereit erklärte, die Forderungen der Alliierten zu erfüllen.“ Zit. wie William L. Langer / S. Everett Gleason: The Undeclared War, 1940-1941. Harper, 1953, S. 809. Infolge der Besetzung des Iran wurde der sogenannte „Persische Korridor“ gesichert, über den die Sowjetunion mit wichtigem Nachschub für ihren Kampf gegen Hitler-Deutschland versorgt werden konnte. Der Hauptverkehrsknotenpunkt des „Persischen Korridors“ lag in Stalingrad. Im Laufe der Sommeroffensive 1942 ging es Hitler durch die Weisung Nr. 45 darum, u.a. Stalingrad als zentralen Umschlagplatz dieses „Persischen Korridors“ auszuschalten. Zu den Beziehungen des Iran zum Dritten Reich siehe Jennifer Jenkins: Iran in the Nazi New Order, 1933-1941. Iranian Studies, 49, 5, November 2016, S. 727-751. Zur britisch-sowjetischen Invasion des Iran siehe Mohammed Gholi Maid: August 1941 – The Anglo-Russian Occupation of Iran and the Change of Shahs. University Press of America, 2012.

33 David Talbot: The Devil’s Chessboard – Allen Dulles, the CIA, and the Rise of America’s Secret Establishment. William Collins, 2015, S. 230-231. Wie Talbot darstellt, war der Gastgeber des Dinners beim CFR dessen Mitglied Allen Dulles.

34 Vgl. Michael Lüders: Wer den Wind sät – Was westliche Politik im Orient anrichtet. C.H.Beck, 2015, S. 16.

35 Vgl. F. William Engdahl: Mit der Ölwaffe zur Weltmacht. Der Weg zur neuen Weltordnung. Kopp, 2006, S. 42.

36 Colin J. Campbell: Ölwechsel! Deutscher Taschenbuch Verlag, 2007, S. 130.

37 Golo Mann: Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Fischer Verlag, 2003, S. 518.

38 Zit. wie Stephen Zarlenga: Der Mythos vom Geld. Die Geschichte der Macht. Conzett Verlag, 2008, S. 450.

39 Campbell: Ölwechsel!, S. 130.

40 Lüders: Wer den Wind sät, S. 15.

41 Vgl. ebd.

42 Vgl. ebd., S. 16.

43 Die Schöpfung des Irak war Resultat des Vertragswerks, das 1919 in Versailles zur Verhandlung stand. Die Grenzen des Irak „wurden von den Verhandlungspartnern in Paris mit dem Lineal gezogen, ein künstliches Gebilde aus verschiedenen Volksstämmen. Im Süden, im Gebiet des unteren Tigris, lebten die so genannten Marscharaber, die sich eher am schiitischen Teheran orientierten als am sunnitischen Bagdad. Im Norden des Landes lebten die Kurden in einem Berggürtel, der sich von der Türkei über den nördlichen Irak bis zum Iran erstreckt. Ihre Interessen blieben bei der Neuordnung ebenfalls unberücksichtigt, eine konfliktreiche Situation, die sich bis heute nicht entschärft hat.“ Colin Campbell: Ölwechsel!, S. 137. Den Raum des Nahen und Mittleren Osten betreffend, galt es in Versailles mehreren Wünschen gleichzeitig Rechnung zu tragen. So sollte unter anderem auch der nationalen Entwicklung Saudi-Arabiens Vorschub geleistet werden, um die dortigen Stämme zu befriedigen, die durch die bisweilen arg untreu auftretende „Doppeldiplomatie“ der Briten enttäuscht zu werden drohten. Vgl. Helmut Mejcher: Der arabische Osten im zwanzigsten Jahrhundert 1914-1985, in: Ulrich Haarmann (Hg.): Geschichte der arabischen Welt. C. H. Beck, 1987, S. 432-501. Insbesondere musste jedoch ein Weg freigemacht werden, der „die britischen, französischen und ganz neu erwachten amerikanischen Interessen am Öl nicht behinderte. In keinem Fall wollten die Politiker in London, Paris und Washington den neu entstandenen Staaten ihre wertvollen Ölvorkommen allein überlassen. Mit dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten 1917 war klar geworden, dass es sich bei Rohöl nicht nur um eine industriell nutzbare Ressource handelte, sondern um einen wichtigen strategischen Stoff.“ Colin Campbell: Ölwechsel!, S. 137. Diese Erkenntnis und den Wettbewerb, den sie hervorbrachte, fasste der französische Unternehmer und Politiker Henri Berenger um genau jene Zeit herum wie folgt zusammen: „Derjenige, der das Erdöl besitzt, wird die Welt besitzen. Denn er wird das Meer durch das Schweröl beherrschen, die Luft durch die feinstraffinierten Öle und das Land durch Benzin und die Leuchtöle. Außerdem wird er seine Mitmenschen wirtschaftlich beherrschen aufgrund des phantastischen Reichtums, den er vom Erdöl herleiten wird – dieser wundervollen Substanz, welche heute gesuchter und wertvoller ist als selbst Gold.“ Zit. wie Mohssen Massarrat: Amerikas Weltordnung. Hegemonie und Kriege um Öl. VSA, 2003, S. 80. Massarrat zitiert aus Ludwell Denny: „Ölquellen, Kriegsquellen“ (1930). Außerdem muss vermerkt werden, dass die USA mittels der großen Ölvorkommen, die sie beisteuern konnten, den Sieg der Alliierten garantierten. Nicht von ungefähr stellte der britische Außenminister Lord Curzon, der der Milner-Gruppe nahestand, im November 1918 anlässlich einer Sieges-Rede vor dem Inter-Allied Petroleum Council fest: „Die Alliierten wurden auf einer Erdölwelle zum Sieg getragen.“ Vgl. Mohssen Massarrat: Amerikas Weltordnung, S. 134. Mitten im Krieg, als sie sich „ihrer Übermacht und ihres Sieges in Europa sicher waren“, hatten Großbritannien und Frankreich damit begonnen, den Golfraum insgeheim neu zu ordnen: „In bilateralen Gesprächen wurde die Teilung des Gebietes für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg verhandelt. Der Unterhändler für Frankreich war Charles George Picot, Englands Interessen vertrat Sir Mark Sykes. Der Vertrag, auf den man sich 1916 einigte, ist nach ihnen benannt.“ Colin Campbell: Ölwechsel!, S. 135. Zu diesem Geheimabkommen darf sogleich gesagt werden, dass die Franzosen den eindeutig schlechteren „Deal“ machten, da die Gebiete, die sie nach dem Ersten Weltkrieg als Einflusssphäre zugeteilt bekamen, keine nennenswerten Ölvorkommen aufwiesen. Diese sollten allesamt in den Gebieten der Briten zutage treten, sprich im Süden des Irak, in Kuwait und dem späteren Saudi-Arabien. Nach dem Sykes-Picot-Abkommen positionierte sich Großbritannien bereits während des Ersten Weltkriegs im Nahen Osten mit Militär. Man könnte auch praktisch sagen: es setzte sich militärisch ab – denn immerhin fehlte genau dieses Militär fortan auf den französischen Schlachtfeldern. Die Zahl der getöteten und verwundeten Soldaten auf Seiten Frankreichs waren entsprechend sehr viel höher im Vergleich zu dem, was England an Opfern zu beklagen hatte. Mit dem geheimen Sykes-Picot-Vertrag begannen England und Frankreich also, die Golfregion in neue Protektorate und Mandatsgebiete aufzuteilen. Ein vorrangiges Motiv der USA, dem Krieg beizutreten, war gewiss, den beiden europäischen Führungsnationen die „Ölpfründe“ nicht gänzlich allein zu überlassen. Obwohl die Vereinigten Staaten der größte Ölproduzent der Welt waren, wurden sie bereits damals von der Furcht umgetrieben, „dass die nationalen Reserven nicht für alle Ewigkeit ausreichen würden.“ Das hätte eine eklatante Abhängigkeit von Großbritannien bedeutet, (allzumal das Britische Empire mehr oder minder die uneingeschränkte Kontrolle über die Erdölvorkommen in Lateinamerika innehatte) – weswegen „die Vereinigten Staaten einen rein europäischen Weg nicht akzeptieren (konnten). Alles war in Gefahr – das Business der amerikanischen Ölkonzerne ebenso wie die nationalen und globalen Interessen als Siegermacht.“ Vgl. Campbell: Ölwechsel!, S. 138, 139. Auf diplomatischem Wege wurde in den kommenden Jahren durch die USA großer Druck ausgeübt, um amerikanische Firmen an den zu erwartenden Ölvorkommen in der Golfregion beteiligt zu sehen. Vgl. Mohssen Massarrat: Amerikas Weltordnung, S. 136-137. Bei diesem Ringen begegnen wir auch Allen Dulles, dem späteren CIA-Chef, in seiner Funktion als Leiter der Abteilung für Angelegenheiten im Nahen Osten des State Departments – ehe er als Anwalt in die auf das Auslandsgeschäft spezialisierte Wirtschaftskanzlei Sullivan & Cromwell wechselte.

44 Vgl. Wilfried von Bredow: Spätfolgen. Der Putsch im Iran 1953. Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 12. Februar 2009.

45 Lüders: Wer den Wind sät, S. 17.

46 Vgl. Rainer Traub: Im Namen der Demokratie. Spiegel Spezial Geschichte, Nr. 3, 29. Juli 2008, S. 57. Zur persönlichen Rolle von John Foster Dulles als US-Außenminister im Iran 1953 siehe bspw. Richard H. Immerman: John Foster Dulles – Piety, Pragmatism, and Power in U.S. Foreign Policy. Scholarly Resources, 1999, S. 65-68.

47 Vgl. Talbot: The Devil’s Chessboard, S. 230.

48 Vgl. ebd. Im Zusammenhang mit dem Putsch im Iran 1953 gab es notabene eine interessante Entwicklung an der Börse bzgl. des Aktienkurses der Anglo Iranian Oil Company (AIOC), denn just als der MI6, die CIA unter Allen Dulles sowie Churchill und Eisenhower „top-secret“ beschlossen hatten, Mossadegh zu stürzen, „begann der Aktienkurs der AIOC zu steigen“. Nachdem Mossadegh zum Rücktritt gezwungen worden war, erhielt die Anglo-Iranian Oil Company schließlich „40 Prozent von Irans Ölfeldern“. Zit. wie Philip Plickert: Die Börse bekam frühzeitig Wind von CIA-Coups – Noch vor dem Sturz linker Regierungen stiegen die Aktienkurse. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. April 2011 (nicht mehr länger online). Der Artikel bezog sich auf wissenschaftliche Ergebnisse der Ökonomen Arindrajit Dube, Ethan Kaplan und Suresh Naidu, in: Coups, Corporations, and Classified Information, NBER Working Paper Nr. 16952, April 2011; https://www.nber.org/system/files/working_papers/w16952/w16952.pdf. Dazu hieß es: „Ihre Studie wirft ein neues Licht auf die Frage, wie Aktienkurse auf politische Ereignisse reagieren. ,Wir zeigen, dass Firmen nicht nur von öffentlich angekündigten Ereignissen profitieren, sondern auch von streng geheimen, was nahelegt, dass die Information über verdeckte Informationen in die Märkte einfließt.‘“ Im Übrigen soll bspw. David Rockefeller von der Chase National Bank über exzellente Kontakte zur CIA verfügt haben. Cary Reich zitiert den ehem. CIA-Beamten Tom Braden mit den Worten, Rockefeller sei „ein Freund und Vertrauter von Allen Dulles“ gewesen, den er auf Dulles‘ Geheiß hin über geheimdienstliche Dinge informiert habe. „Und ich denke, er tat dies mit anderen Abteilungsleitern ebenso. Er war der nachrichtendienstlichen Arbeit eng verbunden.“ Zit. wie Cary Reich: The Life of Nelson A. Rockefeller – Worlds to Conquer, 1908-1958. Doubleday, 1996, S. 559.

49 Peter Dale Scott: Der Staat, der tiefe Staat und die Wall Street-Oberwelt. Lars Schall.com; 14. März 2014; http://www.larsschall.com/2014/03/14/der-staat-der-tiefe-staat-und-die-wall-street-oberwelt-2/

50 Ebd.

51 Ebd. Für Dokumente, die Ende 1952 im Vorfeld des Putsches gegen Irans Premierminister Mohammad Mosaddeq entstanden, siehe Malcolm Byrne /Mark Gasiorowski: 1953 Iran Coup – New U.S. Documents Confirm British Approached U.S. in Late 1952 About Ousting Mosaddeq. National Security Archive, 8. August 2017; http://nsarchive.gwu.edu/NSAEBB/NSAEBB601-British-appealed-to-US-in-1952-for-coup-against-Mosaddeq-in-Iran/. Die Geschichte des Coups im Iran 1952/53 aus der internen CIA-Sicht, geschrieben im März 1954 von Donald N. Wilber, findet sich als Cladestine Service History – Overthrow of Premier Mossadeq Of Iran, November 1952- August 1953 online unter: https://archive.org/details/OverthrowOfPremierMossadeqOfIranNovember1952August1953.

52 „Zu Beginn des Coups hatte Kim Roosevelt fieberhaft versucht, den Schah von der Flucht aus dem Land abzuhalten … [d]och dem ,König der Könige‘ versagte der Mut. Er war nach der freimütigen Einschätzung des furchtlosen Agenten Roosevelt … ein ,Waschlappen‘.“ Zit. wie Talbot: The Devil’s Chessboard, S. 235-236.

53 Ebd., S. 229.

54 Zit. wie Declassified Documents Reveal CIA Role In 1953 Iranian Coup. NPR, 1. September 2013; https://www.npr.org/2013/09/01/217976304/declassified-documents-reveal-cia-role-in-1953-iranian-coup

55 Zit. wie Thomas Latschan: 1953 – Irans gestohlene Demokratie. Deutsche Welle, 16. Juni 2017; https://www.dw.com/de/1953-irans-gestohlene-demokratie/a-17008768

56 „Als er an Bord seiner gecharterten KLM-Maschine ging, war dem Schah klar, dass er in ein aufgewühltes Land zurückkehrte, wo ihn seine Untertanen weithin als Marionette der Westmächte schmähten. Laut einigen Berichten stärkte jedoch Dulles selbst dem schwankenden Herrscher den Rücken und begleitete ihn auf den Flug nach Teheran. Außerdem verteilte die CIA noch mehr Geld, um dafür zu sorgen, dass er von einer jubelnden Menschenmenge empfangen wurde.“ Zit. wie Talbot: The Devil’s Chessboard, S. 237.

57 Nach Unterzeichnung des neuen Vertrages über das iranische Öl benannte sich AIOC in British Petroleum Company um. Aus British Petroleum wurde nach der Übernahme durch Amaco (zuvor Standard Oil of Indiana) zunächst BP Amaco, um heutzutage nur noch unter dem Akronym BP zu firmieren. Für ChevronTexaco gilt ähnliches: der Beisatz Texaco wurde in der Zwischenzeit wieder fallen gelassen, seither heißt das fusionierte Unternehmen nur noch Chevron.

58 Burton Hersh: The Old Boys, S. 313.

59 Zit. wie Guido Giacomo Preperata: Die Ideologie der Tyrannei – Neognostische Mythologie in der amerikanischen Politik. Duncker und Humblot, 2015, S. 266.

60 Zit. wie Zara Steiner: A Question of Intelligence. The New York Times, 22. Februar 1998; https://www.nytimes.com/1998/02/22/books/a-question-of-intelligence.html

61 Lüders: Wer den Wind sät, S. 19.

62 Mark Hulbert: Interlock – The untold story of American banks, oil interests, the Shah’s money, debts, and the astounding connections between them. Richardson & Snyder, 1982, S. 112.

63 Zit. wie Kai Bird: The Chairman, S. 642. Die Chase International Investment Corporation bspw., welche in den 1950er Jahren von John J. McCloy initiiert worden war, schloss viele langfristige Joint Ventures im Iran ab. Laut McCloy hielt der Schah 2.5 Milliarden US-Dollar seines Privatvermögens auf einem Konto von Chase Manhattan. Der Familien-Trust der Pahlewis besaß ebenfalls ein Konto bei Chase. Auf dem Chase-Konto, das der Iran selber unterhielt, lagen 6 Milliarden US-Dollar. Dieser Betrag mag „nicht viel im Verhältnis zu den Gesamteinlagen von Chase“ gewesen sein. „Allerdings ist es im Spiel der globalen Finanzen nicht immer die Größe, die zählt, sondern die Position und die Gelegenheiten, die mit den Einlagen einhergehen.“ Zit. wie Nomi Prins: All the Presidents’ Bankers – The Hidden Alliances that Drive American Power. Nation Books, 2014, S. 305. Vize-Präsident der Nahöst-Abteilung von Chase wurde später übrigens der ehemalige CIA-Mitarbeiter Archibald Bulloch Roosevelt, ein Bruder von Kermit Roosevelt Jr.

64 Allen Dulles fasste Eingriffe in fremde Länder als Mission der CIA auf. Als er einmal von einem Journalisten die Frage gestellt bekam, was die CIA sei, gab Dulles die Auskunft, es handele sich um „das Außenministerium für unfreundliche Länder“. Vgl. Stephen Kinzer: The Brothers – John Foster Dulles, Allen Dulles, and Their Secret World War. Times Books, 2013, S. 164. Welche Art von Leuten sind bei der CIA gefragt gewesen? Der CIA-Beamte, der das Phoenix-Programm in Vietnam entwickelte, Nelson Brickham, sagte über seine Kollegen: „Ich habe den Nachrichtendienst als eine gesellschaftlich akzeptierte Art und Weise beschrieben, kriminelle Tendenzen auszudrücken. Jemand, der starke kriminelle Neigungen hat, aber zu feige ist, um einer zu sein, würde bei der CIA landen, wenn er die Ausbildung dazu hätte.“ Brickham beschrieb CIA-Beamte ferner als Möchtegern-Söldner, „die einen gesellschaftsfähigen Weg gefunden haben, diese Dinge zu tun und, wie ich hinzufügen möchte, sehr gut dafür bezahlt werden.“ Zit. wie Lars Schall: The CIA: 70 Years of Organized Crime. CounterPunch, 22. September 2017; https://www.counterpunch.org/2017/09/22/the-cia-70-years-of-organized-crime/. US-Senator Frank Church definierte sogenannte „verdeckten Aktivitäten“ der CIA in den 1970er Jahren als „eine semantische Verkleidung für Mord, Nötigung, Erpressung, Bestechung und die Verbreitung von Lügen, was immer als nützlich erachtet wird, um andere Länder unserem Willen zu unterwerfen“. Zit. wie John Nichols: Frank Church and the Abyss of Warrantless Wiretapping. The Nation, 26. April 2006; https://www.thenation.com/article/archive/frank-church-and-abyss-warrantless-wiretapping/. Ralph Walter McGehee erklärte als Ex-CIA-Beamter in einem TV-Interview: „Die CIA ist kein Geheimdienst, sondern eine Behörde für verdeckte Aktionen – verdeckte Aktionen sind der Sturz oder die Unterstützung ausländischer Regierungen. Ein weiterer Teil von verdeckten Aktionen ist die Desinformation, und das amerikanische Volk ist nach meiner Einschätzung die Hauptzielgruppe der Desinformationsoperationen der Behörde.“ Vgl. https://youtu.be/Vx_2L_eYVjU?t=72. Wenn man schaut, wie oft die USA weltweit in den demokratischen Prozess anderer Nationen eingriffen, landet man für die Jahre zwischen 1946 und 2000 bei über 80 direkten Eingriffen allein über eine Einflussnahme auf den Ausgang von Wahlen. Das ist das Ergebnis von Dov Levin, Forscher an der Carnegie Mellon University. Staatsstreiche wie 1953 im Iran lässt Levin bei seiner Auflistung außen vor; ansonsten wäre die Anzahl der Eingriffe noch höher. Vgl. Ari Shapiro: Database Tracks History Of U.S. Meddling In Foreign Elections. National Public Radio, 22. Dezember 2016; http://www.npr.org/2016/12/22/506625913/database-tracks-history-of-u-s-meddling-in-foreign-elections.

65 F. William Engdahl: Der Untergang des Dollar-Imperiums. Kopp, 2009, S. 306.

66 Preperata: Die Ideologie der Tyrannei, S. 266.

67 Lüders: Wer den Wind sät, S. 21.

68 Vgl. Preperata: Die Ideologie der Tyrannei, S. 266-267.

69 Vgl. Khomeini’s secret dialogue with “The Great Satan“. BBC, 2. Juni 2016; http://www.bbc.com/news/world-us-canada-36438556. Zu den Beziehungen / Kommunikationen Khomeinis mit dem Westen, insbesondere mit Großbritannien, siehe Mark Curtis: Secret Affairs – Britain’s Collusion with Radical Islam. Serpent’s Tail, 2010, S. 123-130.

70 F. William Engdahl: Mit der Ölwaffe zur Weltmacht, S. 219.

71 Preperata: Die Ideologie der Tyrannei, S. 267-268.

72 Ebd., S. 268.

73 Hulbert: Interlock, S. 27.

74 Vgl. ebd., S. 27-28.

75 Ebd., S. 28.

76 Vgl. ebd., S. 41.

77 Vgl. ebd.

78 Vgl. ebd., S. 42.

79 Vgl. ebd., S. 43.

80 F. William Engdahl: Es klebt Blut an Euren Händen. FinanzBuch Verlag, 2012, S. 126.

81 Ebd.

82 F. William Engdahl: Mit der Ölwaffe zur Weltmacht, S. 219.

83 Ebd.

84 Vgl. ebd., S. 220.

85 Ebd., S. 260.

86 Anlässlich des ersten rituellen 40. Tags der Trauer nach den Ausschreitungen in Ghom brach bspw. im Norden des Iran, in Täbris, ein Volksaufstand aus: „Banken und Regierungsgebäude brennen. Soldaten schießen in die Menge, es gibt etwa 60 Tote.“ Zit. wie Charlotte Wiedemann: Iran – Wie alles begann. Die Zeit, 28. Juli 2009; http://www.zeit.de/2008/48/Iran-Chronologie.

87 Preparata: Die Ideologie der Tyrannei, S. 269.

88 Engdahl: Mit der Ölwaffe zur Weltmacht, S. 260.

89 Arnold Höttinger: Islamische Welt – Der Nahe Osten: Erfahrungen, Begegnungen, Analysen. Ferdinand Schöningh Verlag, 2004, S. 636.

90 Preparata: Die Ideologie der Tyrannei, S. 270.

91 Engdahl: Mit der Ölwaffe zur Weltmacht, S. 261.

92 Preparata: Die Ideologie der Tyrannei, S. 270.

93 Ebd.

94 Vgl. Houchang Nahavandi: The Last Shah of Iran. Aquilion Ltd, 2005, S. 228. Bereits ein Jahr zuvor soll Giscard d’Estaing den Schah gewarnt haben, dass Frankreich und die USA ihn fallen lassen würden, wenn der Iran und seine Freunde in der OPEC ihre Haltung gegenüber den westlichen Mächten nicht änderten. Vgl. ebd., S. 246.

95 Engdahl: Es klebt Blut an Euren Händen, S. 127.

96 Vgl. Charlotte Wiedemann Iran – Wie alles begann.

97 Zit. wie Engdahl: Mit der Ölwaffe zur Weltmacht, S. 261.

98 Barbara Zanchetta: The Transformation of American International Power in the 1970’s. Cambridge University Press, 2013, S. 259-260.

99 Vgl. ebd., S. 260. Zum Entscheidungsprozess der Carter-Regierung während der Krise im Iran, die zum Fall des Schahs führte, siehe Alexander Moens: President Carter’s Advisers and the Fall of the Shah. Political Science Quarterly, Vol. 106, No. 2, 1991, S. 211-237; https://www.jstor.org/stable/2152227?seq=1&cid=pdf-reference#references_tab_contents. Zu den verschiedenen Positionen von Zbigniew Brzezinski und Cyrus Vance siehe ferner Peter Dale Scott: The Road to 9/11, S. 66-67. Brzezinski hielt zu dieser Zeit eine Rede, in der er vorbrachte: „Entlang der Küste des Indischen Ozeans spannt sich ein Krisenbogen. Die zerbrechlichen sozialen und politischen Strukturen in einer für uns lebenswichtigen Region drohen zu zersplittern. Das daraus resultierende politische Chaos könnte von Elementen gefüllt werden, die unseren Werten feindlich gegenüberstehen und mit unseren Gegnern sympathisieren.“ Der Bogen der Krise (Arc of Crisis) habe sein Gravitationszentrum im Iran – „dem viertgrößten Ölproduzenten der Welt und seit mehr als zwei Jahrzehnten eine Zitadelle der militärischen und wirtschaftlichen Stärke der USA im Nahen Osten.“ Nunmehr aber wolle es so scheinen, als ob die Herrschaft des Schahs „fast zu Ende“ sei, „beendet durch Monate zunehmender ziviler Unruhen und Revolution.“ Vgl. Iran: The Crescent of Crisis. Time Magazine, 15. Januar 1979; http://content.time.com/time/subscriber/article/0,33009,919995,00.html. Einen Monat bevor Brzezinski seine Rede hielt, wurde George Ball (sowohl Mitglied der Bilderberg-Gruppe als auch der Trilateralen Kommission) von Präsident Carter ernannt, eine spezielle Iran-Task-Force zu leiten. Auf geheimer Mission bereiste Ball den Iran. Vgl. Manouchehr Ganji: Defying the Iranian Revolution – From a Minister to the Shah to a Leader of Resistance. Greenwood Publishing Group, 2002, S. 41. Der Schah stand währenddem unter dem Eindruck, dass die Carter-Regierung plane, sein Regime zu stürzen. Der US-Botschafter im Iran, William H. Sullivan, glaubte, dass die Revolution gelingen würde, und teilte dies Ramsey Clark und Richard Falk mit, als sie Sullivan 1978 im Iran besuchten. Clark und Falk reisten sodann vom Iran aus nach Paris, um Khomeini in dessen Exil zu treffen. James Bill, ein Berater von Carter, vertrat die Ansicht, dass „eine religiöse Bewegung, die mit Hilfe der Vereinigten Staaten entstanden ist, ein natürlicher Freund der Vereinigten Staaten sein würde“. Vgl. Ganji: Defying the Iranian Revolution, S. 39, 41.

100 Zanchetta: The Transformation of American International Power in the 1970’s, S. 259.

101 Vgl. Zeitgeschichte – Lektion erteilt. Der Spiegel, Nr. 5, 28. Januar 1980, S. 143.

102 Vgl. Prins: All the President’s Bankers, S. 305.

103 Vgl. Wieder Tote und Verletzte bei Unruhen in Teheran. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Dezember 1978, S. 1.

104 Ebd.

105 Vgl. Harald Vocke: Gerüchte in Teheran – Der islamische Trauermonat wird über die Zukunft des Schahs entscheiden. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Dezember 1978, S. 10.

106 Vgl. Jürgen Busche: Chomeini ist unser Führer, Nieder mit dem Schah. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Dezember 1978, S. 2.

107 Vgl. Jürgen Busche: Chomeini kämpft wie ein Märtyrer – Wir wollen ein unabhängiges Iran. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Dezember 1978, S. 3.

108 Vgl. Die Lage in Iran spitzt sich weiter zu. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Dezember 1978, S. 1.

109 Charlotte Wiedemann: Iran – Wie alles begann.

110 Vgl. Houchang Nahavandi: The Last Shah of Iran, S. 76-77, 232-233.

111 Herbert Kremp: Der lange Marsch von Khomeini zu Charlie Hebdo. Die Welt, 16. Februar 2015; http://www.welt.de/debatte/kommentare/article137479675/Der-lange-Marsch-von-Khomeini-zu-Charlie-Hebdo.html.

112 Vgl. Houchang Nahavandi: The Last Shah of Iran, S. 235.

113 Herbert Kremp: Der lange Marsch von Khomeini zu Charlie Hebdo.

114 In einer Meldung auf der Titelseite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hieß es im Vorfeld des Treffens: „Der französische Staatspräsident Giscard d’Estaing hat Bundeskanzler Schmidt, den amerikanischen Präsidenten Carter und den britischen Premierminister Callaghan für den 5. und 6. Januar zu einem Gipfeltreffen auf die Karibikinsel Guadaloupe eingeladen. Wie am Donnerstag in Paris ein Sprecher des Staatspräsidenten sagte, soll bei diesem Treffen ,die Weltlage am Ende des Jahres 1978‘ erörtert werden. Das Treffen werde ,informeller Natur‘ sein. Es würden weder Erklärungen abgegeben noch würde ein Kommuniqué veröffentlicht. Auch sollten keine Entscheidungen erwartet werden. Bei den Gesprächen sollte es den vier Politikern ermöglicht werden, ungezwungen die allgemeine internationale Situation zu diskutieren.“ Vgl. Einladung Giscards zu Gipfeltreffen Anfang Januar. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Dezember 1978, Seite 1.

115 Zit. wie Mike Evans: Jimmy Carter – The Liberal Left and World Chaos. Time Worthy Books, 2009, S. 219.

116 Preparata: Die Ideologie der Tyrannei, S. 271.

117 Vgl. Houchang Nahavandi: The Last Shah of Iran, S. 379.

118 Vgl. ebd., S. 365.

119 Als Jimmy Carter 1977 Präsident wurde, berief er über zwei Dutzend Mitglieder der Trilateralen Kommission in seine Regierung, einer 1973 von David Rockefeller und Zbigniew Brzezinski gegründeten internationalen Denkfabrik. Brzezinski hatte Carter eingeladen, der Trilateralen Kommission beizutreten, und als Carter Präsident wurde, wurde Brzezinski Nationaler Sicherheitsberater; Cyrus Vance, ebenfalls ein Mitglied der Kommission, wurde Außenminister; und Samuel Huntington, ein weiteres Kommissionsmitglied, wurde Koordinator für nationale Sicherheit und Stellvertreter von Brzezinski.

120 Vgl. Zeitgeschichte – Lektion erteilt, S. 143.

121 Ebd.

122 Ebd.

123 Vgl. Andrew Scott Cooper: Declassified diplomacy – Washington’s hesitant plans for a military coup in pre-revolution Iran. The Guardian, 11. Februar 2015; http://www.theguardian.com/world/iran-blog/2015/feb/11/us-general-huysers-secret-iran-mission-declassified.

124 Ebd.

125 Ebd.

126 Vgl. Houchang Nahavandi: The Last Shah of Iran, S. 380.

127 Vgl. ebd.

128 Vgl. Andrew Scott Cooper: Declassified diplomacy.

129 Vgl. ebd.

130 Wie eine tote Ratte aus dem Land geworfen. Der Spiegel, Nr. 42, 13. Oktober 1986, S. 218.

131 Vgl. Khomeini’s secret dialogue with “The Great Satan“.

132 Vgl. Jehan Sadat: Ich bin eine Frau aus Ägypten – Die Autobiographie einer außergewöhnlichen Frau unserer Zeit. Heyne, 2005, S. 357.

133 Ebd., S. 357-358.

134 Vgl. ebd., S. 358-359.

135 Houchang Nahavandi: The Last Shah of Iran, S. 381-382.

136 Lüders: Wer den Wind sät, S. 22.

[i] Vgl. Scott: The Road to 9/11, S. 81.

[ii] Vgl. Kai Bird: The Chairman, S. 642. Ferner hatte McCloy in seiner Funktion bei Milbank Tweed im Laufe der Jahre für sämtliche Mitgliederunternehmen der führenden Ölkonzerne, den sogenannten Sieben Schwestern gearbeitet. Vgl.  Mark Hulbert: Interlock, S. 31.

[iii] Hulbert: Interlock, S. 112.

[iv] Vgl. Bird: The Chairman, S. 642.

[v] Nomi Prins:All the President’s Bankers, S. 305.

[vi] Hulbert: Interlock, S. 27.

[vii] Vgl. ebd., S. 27-28.

[viii] Ebd., S. 28.

[ix] Vgl. ebd., S. 41.

[x] Vgl. ebd.

[xi] Vgl. ebd., S. 42.

[xii] Vgl. ebd., S. 43.

[xiii] Engdahl: Es klebt Blut an Euren Händen, S. 126.

[xiv] Hulbert: Interlock, S. 34.

[xv] Ebd., S. 37.

[xvi] Ebd., S. 112.

[xvii] Vgl. ebd., S. 113.

[xviii] Vgl. ebd., S. 114.

[xix] Vgl. ebd.

[xx] Ebd., S. 114 – 115.

[xxi] Vgl. Scott: The Road to 9/11, S. 309.

[xxii] Bird: The Chairman, S. 645.

[xxiii] Vgl. Prins: All the President’s Bankers, S. 308.

[xxiv] Bird: The Chairman, S. 645.

[xxv] Vgl. Prins: All the President’s Bankers, S. 308.

[xxvi] Vgl. Hulbert: Interlock, S. 136.

[xxvii] Ebd., S. 143.

[xxviii] Ebd., S. 144.

[xxix] Vgl. Scott: The Road to 9/11, S. 82.

[xxx] Vgl. ebd.

[xxxi] Vgl. ebd.

[xxxii] Hulbert: Interlock, S. 117-118.

[xxxiii] Scott: The Road to 9/11, S. 83.

[xxxiv] Ebd.

[xxxv] Vgl. Bernard Gwertzman: Kissinger machte seinen Einfluß geltend. Der Spiegel, Nr. 49 / 1980, 3. Dezember 1980, S. 158-159.

[xxxvi] Vgl. Scott: The Road to 9/11, S. 83.

[xxxvii] Vgl. ebd., S. 83-84.

[xxxviii] Vgl. Terrence Smith: The Shah’s Health: A Political Gamble. The New York Times, 17. Mai 1981; http://www.nytimes.com/1981/05/17/magazine/the-shah-s-health-a-political-gamble.html?pagewanted=all.

[xxxix] Vgl. Gwertzman: Kissinger machte seinen Einfluß geltend, S. 158.

[xl] Engdahl: Es klebt Blut an Euren Händen, S. 131. Der Besetzung der US-Botschaft gingen weitere wichtige Ereignisse voraus, die im Iran auf Unmut stießen und mit zur Geiselnahme beitrugen, darunter eine Resolution des US-Senats vom 17. Mai 1979 und das Treffen von Zbigniew Brzezinski mit Mehdi Bazargan in Algier am 1. November 1979. Vgl. Malcolm Byrne: 1979 Iran Hostage Crisis Recalled. National Security Archive, 4. Nov. 2019; https://nsarchive.gwu.edu/briefing-book/iran/2019-11-04/1979-iran-hostage-crisis-recalled.

[xli] Bird: The Chairman, S. 653.

[xlii] Vgl. ebd., S. 653-654.

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