Historische Zitate zum Angriff auf Pearl Harbor

Von Lars Schall
März 19, 2026

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Winston Churchill, Großbritanniens Premierminister, teilte seinem Kriegskabinett am 18. August 1941 mit, der US-Präsident habe gesagt, er würde Krieg führen, ihn aber nicht erklären. Churchill fügte hinzu: „Alles sollte getan werden, um einen Vorfall zu erzwingen.“ – Es folgt eine kleine bescheidene Zitat-Sammlung.

Von Lars Schall

US-Präsident Donald Trump spielte heute im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg auf den japanischen „Überraschungsangriff“ auf Pearl Harbor an – siehe hier. Der nachfolgende Artikel vertritt die These, dass der Angriff auf Pearl Harbor ein provozierter Angriff war – und ein provozierter Angriff kann kaum ein Überraschungsangriff sein…

Vor und seit Beginn der „Operation Barbarossa“, dem Überfall des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion im Sommer 1941, war Adolf Hitler fest entschlossen, die Vereinigten Staaten von Amerika zumindest bis zu jenem Zeitpunkt aus dem Krieg gegen Deutschland herauszuhalten, da die UdSSR niedergerungen sein würde – wenn sich die Gefahr, mit den USA aneinanderzugeraten, dann nicht ohnehin auflöste. Franz Halder, der damalige Generalstabschef, hielt über Hitlers Gedankengänge fest: „Englands Hoffnung ist Rußland und Amerika. Wenn Hoffnung auf Rußland wegfällt, fällt auch Amerika weg, weil Wegfall Rußlands eine Aufwertung Japans in Ostasien in ungeheurem Maße folgt… Entschluß: … Je schneller wir Rußland zerschlagen, um so besser.“[i] Hitler verfolgte eine doppelgleisige Amerika-Politik: einerseits „äußerste Zurückhaltung Deutschlands im Atlantik“, wovon mehrere Weisungen an die Admiralität zeugen,[ii] andererseits eine „Mobilisierung einer japanischen Drohung an der pazifischen Flanke der USA“.[iii] Am 5. März 1941 entschied er, die Weisung Nr. 24 zu erteilen: „,,Das Ziel … muß es sein, Japan sobald wie möglich zum aktiven Handeln im Fernen Osten zu bringen‘ – also zum Krieg gegen die USA.“[iv] Aus der Drohgebärde sollte tödlicher Ernst werden.

Daran, dass Franklin D. Roosevelt den Eintritt seines Landes in den Krieg wollte, besteht wenig Zweifel. Am 18. August 1941 traf Großbritanniens Premierminister Winston Churchill mit seinem Kabinett in der Downing Street Nr. 10 zusammen und eröffnete den Mitgliedern, der Präsident habe gesagt, er würde Krieg führen, ihn aber nicht erklären. Churchill fügte hinzu: „Alles sollte getan werden, um einen Vorfall zu erzwingen.“[v] Von einem „Vorfall“ zwischen den USA und Japan versprach sich Churchill einiges. Am 28. April 1941 hatte er eine geheime Richtlinie an sein Kabinett geschrieben: „Es kann als fast sicher gelten, dass der Eintritt Japans in den Krieg vom sofortigen Eintritt der Vereinigten Staaten auf unserer Seite gefolgt werden würde.“[vi]

Am 11. Mai 1941 traf Australiens Premierminister Robert Menzies auf Roosevelt. Dieser schien ihm „,ein wenig neidisch‘ auf Churchills Platz im Zentrum des Kriegs“ zu sein. Menzies glaubte, Roosevelt warte „auf einen Vorfall, der die USA auf einen Schlag in den Krieg bringen“ würde, um ihn „aus seinem törichten Wahlversprechen“ zu lösen, er werde die USA aus dem Krieg heraushalten.[vii]

Genauer betrachtet nahmen die USA bereits rege Anteil am Kriegsgeschehen. Im Tausch für US-Stützpunkte „in britischen Territorien wie Jamaika, Neufundland und den Bahamas“ lieferten sie etwa dem Britischen Empire ab September 1940 50 US-Zerstörer aus dem Ersten Weltkrieg.[viii] Die juristischen Weichen für diesen Transfer wurden in der Wall-Street-Kanzlei von William Donovan gestellt.[ix] Fünf Monate später kam das „Gesetz über die Leih und Pacht von Kriegsgerät“, und noch einmal fünf Monate später „lösten US-Truppen britische Einheiten ab, die das strategisch wichtige Island besetzt hielten“.[x]

Im August 1941 trafen Roosevelt und Churchill einander an Bord des britischen Schlachtschiffes HMS Prince of Wales und vereinbarten die Atlantik-Charta, die „Grundlage einer neuen Weltordnung – erkennbar auf die Zeit nach Hitler ausgerichtet. Das war faktisch eine Kriegserklärung.“[xi] Der Zusammenstoß zwischen dem deutschen U-Boot U 652 und dem amerikanischen Zerstörer USS Greer auf dem Nordatlantik gab Roosevelt dann den Anlass, am 11. September 1941 den sogenannten „Schießbefehl“ zu geben: Von nun an sollten US-Flotteneinheiten gegen Schiffe der Achsenmächte Offensivmaßnahmen ergreifen.[xii] Das war „der Beginn der Feindseligkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und dem Reich“.[xiii]

Bereits damals existierten Gerüchte, Japan könnte den USA einen Überraschungsschlag versetzen – in Pearl Harbor im Pazifik. Immerhin hatte sich Joseph Grew, US-Botschafter in Japan, im Januar 1941 zu folgender Bemerkung in seinem Tagebuch veranlasst gesehen: „Es gibt viele Gespräche in der Stadt, die darauf hindeuten, dass die Japaner im Falle eines Bruchs mit den USA planen, bei einem Überraschungsangriff auf Pearl Harbor aufs Ganze zu gehen. Natürlich habe ich meine Regierung informiert.“[xiv] Und Admiral Harold R. Stark, Chef des Admiralstabs in Washington, schrieb am 24. Januar 1941 an den Marineminister Frank Knox: „Wenn es zum Krieg mit Japan kommen sollte, ist es durchaus möglich, daß die Kriegshandlungen mit einem Überraschungsangriff auf die Flotte oder den Marinestützpunkt in Pearl Harbor eröffnet werden.“[xv]

Der Journalist und Historiker William Henry Chamberlin prophezeite am 31. Mai 1941 beim pazifistisch-sozialistischen Kongress „Keep America Out of War“: „Ein totaler Wirtschaftsboykott Japans, etwa die Unterbrechung der Öllieferungen, würde Japan in die Arme der Achse treiben. Der Wirtschaftskrieg wäre ein Vorspiel für den Marine- und den Militärkrieg.“[xvi] Knapp einen Monat später merkte Roosevelt an, ein Abschneiden der Erdöllieferungen an Japan hätte dazu führen können, dass „die Japaner vermutlich schon vor einem Jahr in Niederländisch-Ostindien reingegangen“ wären; in dem Fall „hätte man einen Krieg gehabt“, und es sei „aus unserem eigenen egoistischen Verteidigungsansatz“ sehr wichtig gewesen, „einen Krieg im Südpazifik zu verhindern. Also versuchte unsere Außenpolitik, einen Krieg davon abzuhalten dort auszubrechen.“ Zwei Tage darauf, am 26. Juli 1941, unterschrieb Roosevelt die Executive Order 8832, woraufhin japanische Vermögenswerte eingefroren wurden, des Weiteren schnitten die USA und Großbritannien Japan am 1. August von Erdöl- und Altmetalllieferungen ab. „Radhabinod Pal, ein indischer Jurist, der nach dem Krieg dem Kriegsverbrechertribunal diente, nannte die Embargos eine ,klare und starke Bedrohung für Japans Existenz‘, und schloss, die Vereinigten Staaten hätten Japan provoziert.“[xvii]

Japan musste mit ansehen, wie Erdölverschiffungen an Russland gingen, wohingegen es ausgesperrt wurde vom Zugang zu diesem überlebensnotwendigen Stoff. In Zeitungen war im September 1941 zu lesen, das Land „sterbe einen langsamen Tod durch ,wirtschaftlichen Krieg‘“.[xviii] Ende Oktober 1941 sprach US-Agent Edgar A. Mowrer in Manila mit Ernest Johnson, einem Mitglied der Maritime Commission. Johnson teilte mit, er gehe davon aus, die Japaner würden Manila einnehmen. Als Mowrer sichtlich überrascht reagierte, fragte Johnson: „Wussten Sie nicht, dass die japanische Flotte nach Osten gezogen ist, vermutlich um unsere Flotte in Pearl Harbor anzugreifen?“[xix] Und einige Tage später schickte der US-Botschafter in Japan Joseph Grew ein Telegramm ans State Department, in dem er warnte, die verhängten Wirtschaftssanktionen „könnten Japan dazu zwingen, ,nationales Harakiri‘ zu begehen“.[xx] Ende November hielt US-Kriegsminister Henry Stimson im Tagebuch fest: „Die Frage war, wie wir sie in die Position des Abfeuerns des ersten Schusses manövrieren sollten, ohne zu viel Schaden für uns zu erlauben. Es war ein schwieriges Unterfangen.“[xxi] Schon Mitte Oktober hatte er nach einer Unterredung mit Roosevelt eingetragen: „Wir stehen vor dem delikaten Problem, unsere diplomatische Spiegelfechterei so elegant zu vollführen, daß Japan ins Unrecht gesetzt wird und die erste feindselige Handlung unternimmt.“[xxii]

Nur wenige in Japans Regierung wollten tatsächlich einen Krieg. Dennoch war niemand bereit, vom eingeschlagenen Kurs abzukehren. Wie der Politikwissenschaftler Maruyama Masao nach dem Krieg bemerkte, gab es eine paradoxe Gemengenlage: Fragte man, ob die Regierenden den Krieg wollten, sei „die Antwort ja; und wenn wir fragen, ,Wollten sie den Krieg verhindern?‘, lautet die Antwort immer noch ja. Obwohl sie den Krieg wollten, versuchten sie ihn zu verhindern, und obwohl sie ihn verhindern wollten, wählten sie wohlüberlegt den Pfad, der zu ihm führte.“[xxiii]

Elf Tage vor Japans Angriff ordnete Roosevelt an, „innerhalb kürzester Zeit eine Liste mit den Namen und Adressen aller in den USA lebenden Japaner“ zu erstellen, ebenso die der amerikanischen Bürger japanischer Abstammung.[xxiv]

Die Roosevelt-Regierung taktierte auf der Basis eines Memorandums („Eight Action Memo“), das im Oktober 1940 durch Marineoffizier Arthur H. McCollum entstand und zu acht konkreten Handlungen aufrief, welche Japan eventuell zum Kriegseintritt gegen die USA bringen würden („If by these means Japan could be led to commit an overt act of war, so much the better“). Dazu zählten die Nutzung von Militärbasen in Singapur und Niederländisch-Ostindien, die Entrichtung von Hilfsleistungen an China, die Versendung von U-Booten in den Pazifik, das Abschneiden von Öllieferungen an Japan und das Verhängen eines Handelsembargos über Japan im Verbund mit Großbritannien.[xxv] Dies wurde Schritt für Schritt in die Tat umgesetzt, auch die Empfehlung, die Flottenstärke in Pearl Harbor beizubehalten. Admiral James O. Richardson, der sich persönlich dagegen ausgesprochen hatte, sagte später, Roosevelt habe prophezeit, „früher oder später würden die Japaner eine offene Handlung gegen die Vereinigten Staaten begehen und die Nation wäre bereit, in den Krieg einzutreten“.[xxvi]

Am 28. November 1941 erhielt Konteradmiral Kimmel, der Oberbefehlshaber der US-Pazifikflotte, eine Nachricht von Admiral Stark, dem Chef des US-Admiralstabs. Die Nachricht lautete: „Wenn die Feindseligkeiten nicht vermieden werden können, (…) wünschen die Vereinigten Staaten, dass Japan die erste offene Handlung begeht.“[xxvii] Der Marine-Kryptograph Joseph J. Rochefort kommentierte den Angriff, der einige Tage darauf auf Pearl Harbor stattfand, lapidar, doch zutreffend: „Es war ein ziemlich billiger Preis, der zu bezahlen war, um das Land zusammenzuführen.“[xxviii]

Wenige Stunden nach dem japanischen Überfall hatte Präsident Roosevelt zwei Gäste zum Dinner im Weißen Haus: den CBS-Journalisten Edward R. Murrow und den Auslandsgeheimdienstchef William Donovan. Von beiden wurde ihm versichert, dass das amerikanische Volk nunmehr bereit sei, in den Krieg einzutreten. Donovan erzählte hinterher, Roosevelts Überraschung habe sich von der seiner Umgebung unterschieden, denn er begrüßte offenbar den Angriff.[xxix] Nichtsdestoweniger sprach der US-Präsident am nächsten Tag vor dem Kongress von einem „Tag der Schande“. Man werde sich für immer „an den Charakter des Ansturms gegen uns erinnern“, und das amerikanische Volk, so Roosevelt weiter, werde von nun an „in all seiner rechtschaffenen Kraft“ bis zum „absoluten Sieg“ kämpfen. Daraufhin stimmte der Kongress für eine entsprechende Resolution, die Roosevelt mit seiner Unterschrift zum Gesetz machte – womit der Kriegseintritt der USA gegen Japan offiziell geworden war.

Am 11. Dezember 1941 folgte die Kriegserklärung Deutschlands an die Vereinigten Staaten, wenngleich sich beide Länder „bereits in der Praxis im Atlantik im Kriegszustand befanden“.[xxx] Hitler, der sich über die Nachricht des Kriegsausbruchs zwischen Japan und den USA „entzückt“ zeigte, wie Joseph Goebbels notierte, sagte im Reichstag, Roosevelts provokante Politik habe das „Bestreben Deutschlands und Italiens, (…) eine Erweiterung des Krieges zu verhüten und die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten aufrechtzuerhalten, zum Scheitern gebracht.“ Deutschland und Italien sähen sich gezwungen, getreu den Bestimmungen des Dreimächtepaktes „Seite an Seite mit Japan den Kampf zur Verteidigung und damit Erhaltung der Freiheit und Unabhängigkeit ihrer Völker und Reiche“ gegen die USA und England zu führen.

Anders als dargestellt, sah der Pakt mit Japan und Italien von 1940 allerdings gar keine Verpflichtung vor, den Japanern gegen die USA militärisch beizustehen; eine solche Pflicht hätte nur existiert, wenn die USA Japan angegriffen hätten. Als Hitler die Sowjetunion überfallen ließ, lehnte es Japan standhaft ab, der UdSSR den Krieg zu erklären. Indem er nach Pearl Harbor eine der einsamsten Entscheidungen seines – daran nicht ganz armen – Lebens traf, erwies Hitler Roosevelt einen ungeheuren Gefallen: Ohne sein Entgegenkommen „wäre der US-Präsident gezwungen gewesen, sich nur auf Japan konzentrieren zu können, während Deutschland sich dem Kampf gegen die UdSSR und Großbritannien hätte widmen können. Diese Konstellation machte Hitler zunichte.“[xxxi]

Quellen:

[i] Zit. wie Weisung 24, Der Spiegel, 28. Febr. 1966; http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46265842.html.

[ii] Wiederholt wurde Marine-Oberbefehlshaber Admiral Erich Raeder im Sommer und Herbst 1941 befohlen, Zwischenfälle mit Schiffen der Vereinigten Staaten müssten unter allen Umständen vermieden werden. Vgl. Saul Friedländer: Auftakt zum Untergang – Hitler und die USA, 1939–1941. S. 172 f, 199 f., 201.

[iii] Zit wie. Weisung 24.

[iv] Zit. wie ebd.

[v] Zit. wie David Swanson: 75 Years of Pearl Harbor Lies, 30. Nov. 2016; http://davidswanson.org/node/5367. Schon im Januar 1941 hatte Roosevelt seinen Berater Harry Hopkins nach London gesandt, um Churchill die Botschaft zu übermitteln: „Der Präsident ist entschlossen, dass wir den Krieg gemeinsam gewinnen werden. Da können Sie sicher sein. Er hat mich hierhergeschickt, um Ihnen zu sagen, dass er Sie um jeden Preis und mit allen Mitteln durchbringen wird, egal was ihm geschieht – es gibt nichts, was er nicht tun wird, solange er menschliche Kraft hat.“ Zit. wie The Third Volume of Winston Churchill’s War Memoirs – The Grand Alliance, in Life, 6. Februar 1950, S. 47. Zwischen Januar und März 1941 kam es darüber hinaus zu einer Reihe von Geheimtreffen hochrangiger Regierungsvertreter der USA und Großbritanniens, mit dem Codenamen „ABC“ versehen. Die USA erklärten die Absicht, im Fall eines Eintritts in den Zweiten Weltkrieg an der Seite von Großbritannien zu kämpfen und sich zuerst auf einen Sieg gegen Hitler-Deutschland zu konzentrieren. Thema des Treffens, das am 27. Januar 1941 stattfand: „Die besten Methoden, mit denen die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und des Britischen Commonwealth mit seinen gegenwärtigen Verbündeten Deutschland und die mit ihm verbündeten Mächte besiegen könnten, sollten sich die Vereinigten Staaten genötigt sehen, zum Krieg zu schreiten.“ Vgl. Martin Gilbert: The Second World War – A Complete History, Kapitel „The widening war – January-March 1941“; https://erenow.net/ww/the-second-world-war-complete-history/12.php

[vi] Zit. wie Swanson: 75 Years of Pearl Harbor Lies.

[vii] Vgl. ebd.

[viii] Vgl. Sven Felix Kellerhoff: Warum Hitler den USA den Krieg erklärte. Die Welt, 10. Dez. 2016; www.welt.de/geschichte/article160151133/Warum-Hitler-den-USA-den-Krieg-erklaerte.html

[ix] Vgl. Christof Mauch: Schattenkrieg gegen Hitler, S. 41.

[x]  Kellerhoff: Warum Hitler den USA den Krieg erklärte. Im Zusammenhang mit dem Bezug von US-Kriegsgeräten ist anzumerken, dass die USA die Neutralität im Grunde bereits 1939 aufgaben, als sie die West-Mächte mit der „Cash-and-Carry“-Regelung gegenüber den Achsen-Mächten klar begünstigten.

[xi] Ebd. John Foster Dulles vom CFR meinte seinerzeit, die Atlantik-Charta sähe eine „angelsächsische militärische und wirtschaftliche Hegemonie“ voraus, während US-Senator Robert A. Taft das Papier anprangerte, weil es die „vollständige Macht über die territoriale Disposition der Welt“ beanspruche. Vgl. Wertheim: Tomorrow, the World, S. 127. Weniger beachtet wird, dass Churchill und sein Kriegskabinett aufgrund der Verabredungen, die an Bord der Prince of Wales getroffen wurden, den Beschluss fassten, Kriegsschiffe nach Singapur zu schicken, um Japan von einer Aggression abzuschrecken. Am 18. November 1941 sandte der südafrikanische Premierminister Jan Smuts ein Telegramm an Churchill, in dem er seine ernsthafte Besorgnis über die Aufteilung der alliierten Kräfte zwischen Pearl Harbor / Hawaii und Singapur in „zwei Flotten… jede für sich der japanischen Marine unterlegen…“ ausdrückte: „Wenn die Japaner wirklich flink sind, gibt es hier [eine] Öffnung für eine Katastrophe erster Klasse.“ Zit. wie Disaster in the Pacific, December 1941. Naval History and Heritage Command; https://www.history.navy.mil/research/library/online-reading-room/title-list-alphabetically/d/disaster-in-the-pacific.html

[xii] Vgl. Friedländer: Auftakt zum Untergang, S. 192. Am 11. September 1941 begannen notabene auch die Arbeiten am Hauptsitz des US-Verteidigungsministeriums, dem Pentagon, in das auf den Tag genau 60 Jahre später American Airlines Flug 77 hineinstürzte.

[xiii] Ebd., S. 198.

[xiv] Zit. wie Swanson: 75 Years of Pearl Harbor Lies.

[xv]Zit. wie John Toland: Wir müssen Japan ins Unrecht setzen. Der Spiegel, 12. April 1982; www.spiegel.de/spiegel/print/d-14343542.html. Die militärische Machbarkeit eines solchen Angriffs auf Pearl Harbor hatte der britische Luftangriff auf den Mittelmeer-Hafen von Tarent im November 1940 gezeigt („Operation Judgement“ bzw. „Operation M.B.8“) – und US-Marineminister Frank Knox war sich dessen vollauf bewusst. Im Zusammenhang mit dem Angriff auf Tarent und Pearl Harbor siehe auch die Spionage-Aktivitäten der Doppelagenten Dušan Popov und Johann Jebsen in Popovs Erzählungen, Der Spiegel, 18. August 1975; https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41458085.html

[xvi] Zit. wie Swanson: 75 Years of Pearl Harbor Lies.

[xvii] Ebd. US-Innenminister Harold Ickes hatte Roosevelt am 23. Juni 1941 in einem Memo die Verhängung eines Ölembargos gegen Japan empfohlen: Es werde sich den USA dazu kein günstigerer Zeitpunkt als der gegenwärtige bieten, und: „Aus dem Ölembargo gegenüber Japan könnte sich eine Situation entwickeln, die es nicht nur möglich, sondern auch leicht machen würde, auf effektive Weise in diesen Krieg einzusteigen.“ Vgl. Ickes-Memoranden an den US-Präsidenten vom 23. Juni 1941, veröffentlicht unter: www.sscnet.ucla.edu/polisci/faculty/trachtenberg/methbk/ickes.pdf.

[xviii] Zit. wie Swanson: 75 Years of Pearl Harbor Lies.

[xix] Zit. wie ebd.

[xx] Zit. wie ebd.

[xxi] Zit. wie ebd.

[xxii] Zit. wie Toland: Wir müssen Japan ins Unrecht setzen.

[xxiii] Zit. wie Klaus Schlichtmann: Japan in the World – Shidehara Kijūrō, Pacifism, and the Abolition of War. S. 99.

[xxiv] Vgl. Swanson: 75 Years of Pearl Harbor Lies.

[xxv] Ebd.

[xxvi] Ebd. Dazu, dass es sich in Pearl Harbor um einen provozierten Angriff handelte, vgl. Die hehre Kunst der Provokation: Der erste Schuß von Pearl Harbor, in Stefan T. Possony: Zur Bewältigung der Kriegsschuldfrage – Völkerrecht und Strategie bei der Auslösung zweier Weltkriege, S. 217-334.

[xxvii] Zit. wie Swanson: 75 Years of Pearl Harbor Lies.

[xxviii] Zit. wie ebd.

[xxix] Vgl. ebd.

[xxx] William Leonard Langer/S. Everett Gleason: The Undeclared War 1940-1941, S. 925. Roosevelt hatte öffentlich abgestritten, dass der „Schießbefehl” vom 11. September 1941 einen offensiven kriegerischen Akt darstellte. Roosevelt: Es ist keine Kriegshandlung, wenn wir beschließen, die Meere zu schützen, die für die amerikanische Verteidigung lebenswichtig sind. Die Aggression geht nicht von uns aus. Wir verteidigen uns bloß.“ Vgl. ebd., S. 745-746. Am 27. Oktober 1941 sagte Roosevelt im Mayflower Hotel in Washington, D.C., man habe vermeiden wollen, dass auf hoher See geschossen werde. „Aber das Schießen hat begonnen. Und die Geschichte hat aufgezeichnet, wer den ersten Schuss abgegeben hat. Auf lange Sicht wird es jedoch nur darauf ankommen, wer den letzten Schuss abgegeben hat.“ In seiner Rede merkte Roosevelt an, er besäße eine „Geheimkarte“ der deutschen Regierung, welche zeigen würde, wie Hitler sich eine Neuordnung in Zentral- und Süd-Amerika vorstellen würde – was darauf schließen ließe, dass Hitler auch diesbezügliche Pläne für die USA habe. Die Karte war tatsächlich eine Fälschung, die im Auftrag des MI6-Agenten William Stephenson angefertigt wurde. Der britische Secret Intelligence Service (MI6) hatte während des Zweiten Weltkriegs als eine Tarnfirma namens British Security Coordination, kurz BSC, im Rockefeller Center in New York City Unterschlupf gefunden. William Stephenson, der Initiator der Tarnfirma, war von Winston Churchill im Juni 1940 nach New York geschickt worden. Sein Auftrag bestand darin, alles Erdenkliche zu unternehmen, um „der Art des Isolationismus entgegenzuwirken, durch die Amerika 1940 ging. … Als ob das noch nicht genug war, sollte er britische Geheimnisse an Roosevelt und amerikanische Geheimnisse an Churchill übermitteln, Agenten für Arbeiten in Europa trainieren, US-Häfen hinsichtlich möglicher militärischer Güterladungen aus aller Welt beobachten, aber auch ein Auge auf die Stärken Deutschlands gerichtet halten.“ Burt A. Folkart: William Stephenson, 93; British Spymaster Dubbed ‚Intrepid‘ Worked in U.S. Los Angeles Times, 3. Februar 1989; http://articles.latimes.com/1989-02-03/news/mn-1806_1_william-stephenson. Konfrontiert mit einem isolationistisch gestimmten Amerika, soll Churchill um diese Zeit herum zu seinem Sohn Randolph gesagt haben: Ich werde die Vereinigten Staaten hineinziehen.“ Zit. wie Kenneth Roman: The King of Madison Avenue, S. 70. Neben Stephenson soll in New York City der britische Banker Sir William Wiseman (Partner bei Kuhn, Loeb & Co.) als Schnittstelle für den Geheimdienst zu einer Gruppe von New Yorker Englandfreunden” gedient haben. Diese illustre Gruppe, der Kermit Roosevelt, David K.E. Bruce, Vincent Astor, Winthrop W. Aldrich und Nelson Doubleday angehörten, kam in der Ära des Zweiten Weltkriegs monatlich an der 34 East Sixty-Second Street zusammen. Das Apartment, welches ihren Treffen diente, hatte „eine nicht aufgeführte Nummer und keinen offensichtlichen Bewohner.“ Vgl. Burton Hersh: The Old Boys, S. 49-50. Ein wahrscheinliches Mitglied der Gruppe war auch William (Wild Bill) Donovan, ein amerikanischer Held des Ersten Weltkriegs, der in den 1920er Jahren die Welt auf diplomatischen und geschäftlichen Missionen bereist hatte, bevor er im März 1929 eine eigene internationale Wall Street-Rechtsanwaltskanzlei gründete (Donovan, Leisure, Newton & Irvine). Der letztlich ausschlaggebende Grund, im Juli 1941 unter Leitung von Roosevelt-Intimus William Donovan einen US-Auslandsgeheimdienst zu etablieren (nämlich zunächst das Office of the Coordinator of Intelligence, und später dann das Office of Strategic Services), war die publizistisch geschürte Furcht vor deutschen Saboteuren; eine an und für sich unbegründete Angst: „Sabotage-Aktionen waren dem deutschen Geheimdienstchef Admiral Wilhelm Canaris eigens verboten worden, um Amerika keinen Vorwand zum Kriegseintritt zu liefern. Anschläge auf Schiffe in amerikanischen Häfen verübten 1940/41 vielmehr die Briten, um US-Lieferungen an Nazideutschland zu verhindern. (…) Die von der amerikanischen Öffentlichkeit akzeptierte Lüge über die deutschen Phantomterroristen ermöglichte politisch die Durchsetzung der Gründung des ‘Office of the Coordinator of Intelligence‘ (COI), das direkt dem Präsidenten unterstand und niemandem sonst Rechenschaft schuldig war.“ (Womit Roosevelt bereitwillig den Empfehlungen von William Donovan gefolgt war, der – zusammen mit William Stephenson – zu den Machern der in der US-Öffentlichkeit weit und breit vernommenen Propaganda zählte, dass in den Vereinigten Staaten eine gefährliche „Fünfte Kolonne“ der Nazis aktiv sei, vor der man sich in Acht nehmen müsse.) Vgl. Markus Kompa: Über einen Täuschungskünstler, der die Welt zu seiner Bühne machte: Die schmutzigen Tricks des Allen Dulles, Teil 1 von 4. Heise, 4. Oktober 2007; http://www.heise.de/tp/artikel/26/26326/1.html. Zu den Hintergründen des Eintritts der USA in den Zweiten Weltkrieg und der Rolle, die Großbritannien dabei einnahm, siehe Nicholas John Cull: Selling War – The British Propaganda Campaign against American ‚Neutrality‘ in World War II, Oxford University Press, 1995, und Henry Hemming: Agents of Influence – A British Campaign, a Canadian Spy, and the Secret Plot to Bring America into World War II, Public Affairs, 2019.

[xxxi] Kellerhoff: Warum Hitler den USA den Krieg erklärte.

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