Beim Aufdecken eines Kapitalverbrechens gilt es drei Dinge, die einer Tat zugrunde liegen, übereinstimmend zu klären, namentlich: das antreibende Motiv, die eingesetzten Mittel und die genutzte Möglichkeit zur Durchführung der Tat.
Motiv, Mittel, Möglichkeit
Eine wissenschaftliche und in sich stringente Methode, mit einem Kapitalverbrechen umzugehen, besteht darin, sich des kriminalistischen Prozederes zu bedienen, das bei einem Mordfall Anwendung findet. Die drei Grundpfeiler einer Morduntersuchung sind die Ermittlung von Motiv, Mittel und Möglichkeit. Einem Täter muss nachgewiesen werden, über alle drei Dinge verfügt zu haben: über das Motiv, um die Tat zu begehen, und über die Mittel und die Möglichkeit, um die Tat durchführen zu können. Nur wenn diese drei Komponenten allesamt plausibel zusammenkommen, vermag eine Beweisführung vor Gericht in einer Verurteilung jenseits allen Zweifels zu münden.
In diesem Sinne will ich auf den folgenden Seiten diesen Fragen nachgehen:
– Worin könnte die Motivation bestehen, den Goldpreis zu manipulieren?
– Was könnten die Mittel zur Durchführung der Goldpreismanipulation sein?
– Wenn der Goldpreis manipuliert wird, welche Möglichkeit besteht zur Durchführung der Manipulation?
Ein Phänomen namens „Finanzrepression“
In einem Aufsatz, der den Titel The Debasement of World Currency – It Is Inflation, But Not As We Know It trug, schrieb der britische Ökonom Peter Warburton zu Beginn des Monats April 2001, die Preise für Rohstoffe würden absichtlich niedrig gehalten, um zu verhindern, dass Rohstoffe zur Absicherung gegen eine monetäre Inflation zum Einsatz kämen.1 „Was wir derzeit sehen“, schrieb Warburton damals, „ist eine Schlacht der Zentralbanken gegen den Zusammenbruch des Finanzsystems, die an zwei Fronten geführt wird.“ An der einen Front säßen westliche Zentralbanken „an den Schalthebeln für die Schaffung zusätzlicher Liquidität für das Finanzsystem, um die Flutwelle fauler Kredite zurückzuhalten, die ansonsten [über die Märkte] hereinbrechen würde“. An der anderen Front stachelten die Zentralbanken „die Investmentbanken und andere bereitwillige Parteien dazu an, gegen einen Preisanstieg bei Gold, Öl, Basismetallen, weichen Rohstoffen oder allen möglichen sonstigen Werten zu wetten, die als Indikator für inhärenten Wert betrachtet werden könnten. Ihr Ziel ist es, den unabhängigen Beobachter jeder verlässlichen Benchmark zu berauben, anhand derer der erodierende Wert nicht nur des US-Dollars, sondern aller Papierwährungen gemessen werden kann.“ Im gleichen Maße versuchten die Zentralbanken „dem Anleger die Gelegenheit zu nehmen, sich gegen die Fragilität des Finanzsystems abzusichern, indem er in einen frei gehandelten Markt für nicht-finanzielle Vermögenswerte wechselt“. Die Schlacht an der zweiten Front fiele den Zentralbanken leichter, urteilte Warburton. Wenn man veranschlagte, dass „die Größe des Bruttobestands an globalen Schuldeninstrumenten zur Mitte des Jahres 2000 bei 90 Billionen US-Dollar“ lag, wieviel Kapital wäre dann nötig, „um die kombinierten Gold-, Öl- und Rohstoffmärkte zu kontrollieren? Bei Einsatz von Derivaten vielleicht nicht mehr als 200 Milliarden US-Dollar.“ Überdies müssten die Zentralbanken die Schlacht nicht selbst schlagen, „wenngleich ihre Goldverkaufs- und Goldleasinggeschäfte sicherlich ursächlich dazu beigetragen haben. Die meisten großen Investmentbanken haben ihr Kapital so schamlos überstrapaziert, dass, sollten die Zentralbanken den Kampf an der ersten Front verlieren, die Bestände der Investmentbanken wertlos wären. Weil ihr Schicksal mit dem der Zentralbanken verflochten ist, sind die Investmentbanken bereit, sich am Kampf gegen steigende Gold-, Öl- und Rohstoffpreise zu beteiligen.“2
In neuer Zeit wird für den beschriebenen Vorgang der Begriff der „finanziellen Repression“ (financial repression) benutzt. Kevin Warsh, der von Februar 2006 bis März 2011 dem Board of Governors des U.S. Federal Reserve Systems angehörte, gab eine Definition des Begriffs Ende 2011 im Wall Street Journal. Er schrieb dort: „[D]ie politischen Entscheidungsträger finden es verlockend, ‚Finanzrepression‘ zu betreiben – die Unterdrückung von Marktpreisen, die sie nicht mögen.“ Er fügte hinzu: „Anstrengungen, um Asset-Preise zu managen und zu manipulieren, sind nicht neu.“3
Ein Jahr später versuchte ich im Zuge meiner Recherchen zum Goldmarkt einige Fragen an Warsh zu stellen. Meine Fragen reichte ich bei den Pressestellen der Stanford University und der Hoover Institution ein, wo Warsh (ein damals aktuelles Mitglied der Group of 30 und des Steering Committee der Bilderberg-Gruppe) als Lehrkraft tätig war. In meinem Schreiben kam ich auf den bewussten Artikel im Wall Street Journal zu sprechen, um anschließend zu fragen: „Welche Preise meinten Sie, die der ,finanziellen Repression‘ unterliegen? Welche früheren ,Anstrengungen, um Asset-Preise zu managen und zu manipulieren‘, meinten Sie? Haben Sie von der ,finanziellen Repression‘ während und aufgrund Ihres Dienstes bei der Fed erfahren?“
Bis heute habe ich auf diese Fragen keinerlei Antworten erhalten.4
Philippa Malmgren, die 2001-2002 als oberste Wirtschaftsberaterin des US-Präsidenten ein Mitglied des sogenannten Plunge Protection Teams war, pflichtete ihrem früheren Kollegen bei, als ich sie in einem Interview gezielt zu Warshs Aussagen befragte; sie sei absolut seiner Meinung – die Regierungen seien „zurzeit definitiv interventionsorientierter. Man hat das Gefühl, dass die Federal Reserve und andere Zentralbanken tatsächlich glauben, dass sie das Niveau des Marktes steuern, am Temperaturregler drehen und entscheiden können, was das richtige Zinssatzniveau oder das richtige Niveau am Aktienmarkt ist. … Dieser Ansatz ist meiner Meinung nach sehr gefährlich. Ich meine, wir wissen aus der Vergangenheit, dass sich die Dinge nicht gut entwickeln, wenn Regierungen versuchen, die Preise zu kontrollieren, und heute höre ich, wie die politischen Entscheidungsträger sowohl in Russland als auch in China zu mir sagen: ,Hey, wer ist jetzt kommunistischer? Bei wem gibt es mehr staatliche Intervention, bei uns oder bei euch?‘ Angesichts dessen, dass die Federal Reserve 75% der emittierten US-Treasuries kauft, wer ist stärker an der Gestaltung der Preise beteiligt? Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der die Preisfindung durch den Markt erfolgt. Die Regierungen oktroyieren dem Markt die Preise auf. Ich halte das für gefährlich, wir sollten versuchen, so schnell wie möglich davon wegzukommen.“5
Gibt es bezogen auf den Prozess der „Finanzrepression“ Hinweise auf (verdeckte) Eingriffe westlicher Zentralbanken am Goldmarkt?
Jelle Zijlstra, der damalige Präsident der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), empfahl in einer Rede, die 1981 im IWF-Hauptquartier in Washington, D.C. gehalten wurde, die „Regulierung des Goldpreises im freien Markt“. Zijlstra versprach sich von „relativ kleinformatigen Eingriffen“ im Goldmarkt bessere Konditionen für das Goldmanagement seitens westlicher Zentralbanken.6 In seinen Memoiren, die 1992 erschienen, schrieb Zijlstra dann, dass der Goldpreis seit längerem gedeckelt worden sei: „Gold wird künstlich auf einem viel zu niedrigen Preis gehalten.“7
Dass die BIZ im Goldmarkt interveniert, ließ ihr leitender Ökonom William R. White im Juni 2005 durchblicken. Für White zählte zu den „unmittelbaren Zielen der Zusammenarbeit von Zentralbanken“, dass man mit „vereinten Anstrengungen“ die Preise für Vermögenswerte beeinflussen könne, „wo dies als nützlich erachtet wird“ – und das gälte insbesondere für Gold und Devisen.8 White umriss die Ziele der Zentralbanken-Zusammenarbeit dergestalt: „Erstens, bessere gemeinsame Entscheidungen in den relativ seltenen Fällen, in denen solche koordinierten Maßnahmen vonnöten sind. Zweitens, ein klares Verständnis für die politischen Fragen, da sie Zentralbanken beeinflussen. Hoffentlich spiegelt dies gemeinsame Überzeugungen wider, aber auch ein klares Verständnis von Meinungsverschiedenheiten kann manchmal nützlich sein. Drittens, die Entwicklung von robusten und effektiven Kontaktnetzen. Viertens, die effiziente internationale Verbreitung sowohl von Ideen als auch von Informationen, die die nationale Politikgestaltung verbessern können. Und zuletzt die Bereitstellung von internationalen Krediten und gemeinsame Anstrengungen, um Vermögenspreise (vor allem Gold und Devisen) in Fällen zu beeinflussen, in denen dies als sinnvoll erachtet wird.“9
In einer 24-seitigen Informationsbroschüre aus dem Juni 2008 präsentierte „die Zentralbank der Zentralbanken“ zudem ganz explizit folgenden Punkt: Gold & Forex Services – Interventions („Gold- und Devisenmarkt-Dienstleistungen – Eingriffe“).10
Der BIZ-Jahresbericht 2013 besagte, dass die BIZ im Auftrag ihrer Kunden „Devisen- und Goldgeschäfte“ tätige und „ihnen damit Zugang zu einer umfangreichen Liquiditätsbasis“ böte, „beispielsweise im Zusammenhang mit der regelmäßigen Neuausrichtung des Reserveportfolios oder erheblichen Veränderungen der Währungsallokation. Zu den Devisendienstleistungen der BIZ gehören Kassageschäfte in den wichtigsten Währungen und in Sonderziehungsrechten (SZR) sowie Swaps, Termingeschäfte, Optionen und Doppelwährungseinlagen. Ferner bietet die Bank Golddienstleistungen wie An- und Verkauf, Sichtkonten, Termineinlagen, Sonderdepots, Legierungsabscheidung, Erhöhung des Feingehalts und Transportdienste an.“11
Der irische Goldmarktanalyst Ronan Manly identifizierte gen Ende 2015 acht Zentralbanken, welche nicht offenlegen, wo sie ihre Goldreserven aufbewahren – darunter die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.12
Gold, das nur auf dem Papier existiert
Würde man hingehen und behaupten, Gold sei eine gute Geldanlage, würde man einen falschen Eindruck schinden. Eine gute Geldanlage ist Gold ganz und gar nicht. Warum? „Über viele Jahrzehnte bleibt sein Kurs gleich, während Immobilien, Anleihen und Aktien Erträge abwerfen oder auch im Preis steigen. Selbst in Zeiten moderater Geldentwertung schützt Gold entgegen einer weitverbreiteten Meinung oft nicht vor realen Wertverlusten.“ Hierzu gibt es jedoch eine positive Kehrseite, und zwar dann, „wenn die Risiken für die Geldstabilität erheblich sind. Hier kommt bei Gold eine Schutzfunktion zum Greifen, denn es ist weder von einem Zahlungsversprechen abhängig“, so es einem physisch zur Verfügung steht, „noch weginflationierbar. Gold schützt somit bei Finanzkrisen mit Ausfallrisiken und bei stärkerer Geldentwertung.“13 Das macht Gold in unseren Zeiten für einige attraktiv, wohingegen es für andere durchaus ein Stachel im Fleische ist.
Verglichen mit anderen Anlagewerten besitzt Gold die Eigenschaft, dass der Goldpreis sinkt, wenn die Aktienkurse steigen – oder umgekehrt. Eine strikte Regel ist das freilich nicht. Im Herbst 2008 etwa fiel der Goldpreis bei dem herrschenden Umfeld fallender Aktienkurse, obwohl die Edelmetallhändler der physischen Nachfrage nach Gold, die stattfand, nicht nachkommen konnten. Was etwas seltsam anmutet: denn ja, einerseits lag eine Problemlage vor, in der Liquidität um jeden Preis das Gebot der Stunde darstellte; andererseits kommen „Verkäufe aufgrund krisenbedingten Liquiditätsbedarfs“ für den Rückgang des Goldkurses „nicht in Frage, denn dann müsste dieses Gold auch verfügbar sein“. Stattdessen gab es 2008 „sogar einen Mangel an Münzen und Barren“.14
Tatsächlich vermag man von einer Entkoppelung zwischen dem Goldpreis und der physischen Nachfrage nach Gold zu sprechen. „Der Goldpreis wird im Terminmarkt über Papiergoldkontrakte gesetzt“, erklärte mir der österreichische Goldmarktanalyst Ronald Stöferle, „und mittlerweile hat sich der Papiergoldmarkt zu einem der am stärksten gehebelten Märkte entwickelt. Gemäß einer hochinteressanten Studie von Thomson Reuters GFMS belief sich das globale Handelsvolumen [im Jahr 2014] auf ca. 550.000 Tonnen. Dies entspricht dem dreifachen Allzeitgesamtbestand an Gold bzw. dem 188-fachen der jährlichen Minenförderung. Wertmäßig entspricht dieser Umsatz 22 Billionen US-Dollar und somit mehr als im Dow Jones, dem S&P500 oder am deutschen Anleihenmarkt gehandelt wird.“15
Zwei Dokumente sind in diesem Zusammenhang von besonderem Interesse. 1. In einem Jahresbericht (10-K Filing) von 2013 der CME Group, die große Terminbörsen in den Vereinigten Staaten betreibt, wurde offenbar, dass zu den Kunden der CME Group „Regierungen und Zentralbanken“ gehören. 2. Einem Brief vom Januar 2014, der vom Geschäftsführer der CME Group, Christopher Bowen, an die U.S. Commodity Futures Trading Commission geschickt wurde, ist zu entnehmen, dass die CME Group den Zentralbanken bei allen Future-Kontrakten Handelsmengenrabatte anbot – nicht nur bei Finanz-Future-Kontrakten, sondern auch bei jenen für Gold, Silber und Rohstoffe. 16 Darüber hinaus scheint die New Yorker Fed eigene Handelsbüros zu unterhalten, davon eines in der Nähe der Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME). In einem Buch zur Federal Reserve berichtet der US-Autor Christopher Leonard über die „Markets Group“ der New York Fed, und schreibt: „Der Konferenzraum der New Yorker Fed befand sich in unmittelbarer Nähe des Haupthandelsraums, und seine Türen standen während der Sitzungen offen, so dass die Leute leise hinein- und hinausgehen konnten. Der Raum war mit einem großen Tisch ausgestattet, an dessen Wand eine Couch stand, auf der die Mitarbeiter mit ihren Laptops sitzen und Notizen machen konnten. An einer Wand hing eine Reihe großer digitaler Monitore, von denen einer eine Live-Videoübertragung aus einem unheimlich identischen Raum in Chicago lieferte, in einem Satellitenbüro der Fed in der Nähe der wichtigen Chicago Mercantile Exchange.“ 17
Wenn Regierungen und Zentralbanken insgeheim Handel an der Börse treiben, wie diese Informationen nahelegen, sind die Konditionen gegeben, welche Peter Warburton in seinem Essay The Debasement of World Currency dargelegt hatte.
Am Terminmarkt wird über Goldderivate ein Gold-Angebot geschaffen, das nur auf Papier existiert. Und fast nie wird das Gold, das an der Terminbörse COMEX in New York gehandelt wird, vom Verkäufer in physischer Form an den Käufer geliefert. Stattdessen kommt es zumeist zu einem reinen Barausgleich.
Stärke und Schwäche zugleich: Das Stock-to-Flow-Verhältnis des Goldes
Gold unterscheidet sich von anderen Rohstoffen, die ebenfalls an Terminbörsen gehandelt werden, an einem Punkt wesentlich: Rohstoffe werden verarbeitet und verbraucht; Gold dagegen wird gehortet, wenn es den Zweck eines Wertaufbewahrungsmittels erfüllen soll. Als ein Wertaufbewahrungsmittel bietet sich Gold an, da zwischen dem Goldbestand, der in der Vergangenheit bisher gefördert wurde (Stock genannt), und der jährlichen Produktion, die an Gold stattfindet (Flow genannt), ein sehr günstiges Verhältnis besteht (Stock-to-Flow-Ratio genannt). Die gängigsten Schätzungen besagen, dass bisher rund 170.000 Tonnen Gold gefördert wurden.18 Zentralbanken halten davon offiziell etwa 31.000 Tonnen in ihren Tresoren vor. Die jährliche Minenproduktion beträgt etwa 2.800 Tonnen; der jährliche Verbrauch rangiert bei circa 2.400 Tonnen.19
Dieses Stock-to-Flow-Verhältnis, bei dem der Allzeitbestand den pro Jahr anfallenden Verbrauch signifikant übersteigt, trennt Gold von anderen Rohstoffen und Waren. Allenfalls beim Silber lässt sich ein annähernd ähnlich günstiges Verhältnis vorfinden. Günstig, weil: „Während bei anderen Waren der Bestand allenfalls für Monate reicht, könnte man bei Gold die Produktion für viele Jahre einstellen und dennoch den Verbrauch decken.“ Das heißt auch: „Von den beiden wichtigsten Geldfunktionen hat Gold … nur die Tauschmittelfunktion verloren“, und fungiert in diesem Sinne nicht mehr als Geld, aber „die Wertaufbewahrungsfunktion hat es weiterhin inne“.20
Rohstoffe wie Erdöl und Kupfer, die primär dem Verbrauch dienen, gewinnen ihren ökonomischen Nutzen, indem sie verwendet (bzw. zerstört) werden. Daraus folgt, dass Industrierohstoffe ein niedriges Stock-to-Flow-Verhältnis aufweisen, das die Verbrauchernachfrage für nur jeweils wenige Wochen oder Monate abdeckt. Gold dagegen wird als Investment gekauft, um gehalten und später weiterverkauft zu werden; im Aufbewahren besteht sein wirtschaftlicher Nutzen. Diesbezüglich rechnete mir der bereits erwähnte Ronald Stöferle in einem Interview vor: „Das Gesamtvolumen allen Goldes, das jemals produziert wurde, kommt offiziell auf etwa 170.000 Tonnen. Dies ist der Stock. Die jährliche Produktion war 2010 laut Angaben des World Gold Council 2.586 Tonnen. Dies ist der Flow. Das erste durch das letztere dividierend, erhalten wir das Stock-to-Flow-Verhältnis von 65 Jahren.“ Auf die Frage, was das bedeute, führte Stöferle aus: „Nun, die globalen Goldreserven wachsen jährlich um 1,5% und damit zu einer sehr viel langsameren Rate als alle anderen Geldmengenaggregate rund um den Globus. Die Wachstumsrate ist vage im Einklang mit dem Bevölkerungswachstum. Das Vertrauen in die aktuelle und zukünftige Kaufkraft des Geldes oder irgendeines Zahlungsmittels hängt nicht nur davon ab, wie viel jetzt verfügbar ist, sondern auch davon, wie sich die Menge im Laufe der Zeit ändern wird. Wenn sich die Minenproduktion um 50% erhöhte (was höchst unwahrscheinlich ist), würde sich dies nur in einer jährlichen Steigerung von 3% übersetzen. Diese Tatsache schafft ein Gefühl der Sicherheit, soweit es die Verfügbarkeit betrifft, und verhindert eine natürliche Inflation. Wenn die Produktion für ein Jahr fiele, würde dies auch nur geringe Auswirkungen auf die allgemeine Situation haben. Würde auf der anderen Seite die Kupfer-Produktion für längere Zeit unterbrochen werden, würden die Lagerbestände nach etwa 30 Tagen erschöpft sein. Zum Beispiel, wenn eine große neue Mine in Betrieb geht und das Angebot sich verdoppelte, wäre dies mit enormen Folgen für den Kupferpreis verbunden, aber kaum für Gold. Diese Stabilität und Sicherheit ist eine entscheidende Voraussetzung für die Schaffung von Vertrauen. Und es ist das, was Gold und Silber als Geld-Metalle deutlich von Rohstoffen und anderen Edelmetallen unterscheidet. Rohstoffe werden verbraucht, während Gold gehortet wird. Dies erklärt auch, warum traditionelle Angebot-und-Nachfrage-Modelle nur von begrenztem Nutzen für den Goldmarkt sind. Deshalb wird Gold als wertvoll erachtet, weil die jährliche Produktion so gering bezogen auf den Bestand ist. Dieses Merkmal wurde im Laufe der Jahrhunderte erworben und kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.“21
Aus dem besonderen Stock-to-Flow-Verhältnis ergibt sich die Eigenschaft, dass Gold unter allen Rohstoffen „wahrscheinlich das reinste Signal über künftige Preisentwicklungserwartungen“ gibt, wie mir der New Yorker Finanzanalyst David P. Goldman auseinandersetzte. „Es gibt einen ganz simplen Grund dafür: die Menge an Gold, die sich in Lagerreserve befindet, beträgt ein Vielfaches … des Jahresverbrauchs. Eine Änderung des Wunsches, Gold als Investment zu halten, ist also ein viel wichtigerer Faktor für den Goldpreis als Änderungen beim Minenangebot oder Veränderungen des gegenwärtigen Verbrauchs von Schmuck oder industriellen Anwendungen. Wenn Sie Kupfer oder Platin oder Bauxit oder andere Rohstoffe verwenden, sind die Lagerbestände extrem niedrig relativ zur aktuellen Nutzung. Und es könnte auch einen technologischen Wandel oder einen Konjunktureinbruch oder eine große Zunahme der Nachfrage geben, was die Preise drastisch beeinflussen würde. Drum ist es viel schwieriger, Preissignale von Industriegütern als Indiz für die Erwartungen des zukünftigen Preisniveaus zu interpretieren. Gold gibt Ihnen viel bessere Informationen. So es hat sicherlich einen Ehrenplatz unter allen Waren als Indikator für die Erwartungen über das Preisniveau und als Leitfaden für die Zentralbankaktivität inne.“ Auf meine Frage hin, ob es sich lohne, den Goldmarkt zu verfolgen, antworte Goldman: „Oh, absolut! Gold gibt einem extrem wichtige Signale.“ Allerdings müsse der Goldmarkt „sorgfältig interpretiert werden“, um seine Signale richtig zu verstehen.22
Wenn wir den Goldmarkt sorgfältig interpretieren wollen, müssen wir auch den Haken am Stock-to-Flow-Verhältnis aufzeigen, der elementar für den Goldpreis ist: „Geringe Teile des Bestandes würden reichen, um den Bedarf zu decken! Umgekehrt würde man viele Jahresproduktionen benötigen, um den Bestand nennenswert zu erhöhen. Sähe man Gold nur als Ware – was es physikalisch unzweifelhaft ist, nicht aber ökonomisch –, würde man sich bei fundamentalen Betrachtungen zum Preis auf Produktion und Verbrauch fokussieren. Was aber für Rohöl oder Weizen gilt, ist bei Gold bestenfalls sekundär.“ Von primärer Bedeutung für den Goldpreis ist vielmehr, dass dieser fällt, „wenn aus dem Bestand etwas Gold abgegeben wird, und er steigt, wenn es für den Bestand als Wertaufbewahrungsmittel nachgefragt wird“. Und „nur weil sein Bestand so groß und Gold Wertaufbewahrungsmittel ist, kann langjährig von den Finanzinstitutionen erfolgreich auf den Goldpreis Einfluss genommen werden“. Die Stärke, die Gold aus dem Stock-to-Flow-Verhältnis bezieht, wird zur Schwäche, denn über den Hebel des Bestandes können die Finanzhäuser die „Nachfrage bedienen, und sie können (potentielle) Anleger zu Bestandsänderungen veranlassen. Keine Regierung kann langjährig den Benzinpreis halbieren, ohne laufend die Differenz zum Weltmarktpreis aus anderen Quellen bezahlen zu müssen. Sie hat kein Öl für den Verbrauch vieler Jahre in ihren Lagerstätten. Bei Gold hat sie es! Und keine Regierung kann die Autofahrer ohne weiteres motivieren, halb so viel Benzin zu verbrauchen. Sie kann sie nur mühsam über den Preis und schon gar nicht über ,Alternativen zu Benzin-Anlagen‘ zu Verhaltensänderungen beeinflussen. Bei Gold kann sie es!“23
Überdies hat das Terminbörsen-Papiersystem ein imaginäres und elastisches, letztlich aber nie lieferbares Gold-Angebot hervorgebracht, wiewohl ja die Annahme von Goldkäufern gerade dahingeht, dass die Angebotsseite beim Gold – im Gegensatz zum Papiergeld der Banken – nicht elastisch ist, sondern sich auf die gesamte Goldherstellung der Vergangenheit plus die jährliche Minenproduktion beschränkt. Dieser Kernvorzug, den Anleger beim Gold erkennen, namentlich dass es nicht weginflationiert werden kann, wird durch eine Art umgekehrte Alchemie ausgehebelt.
Das Motiv des Goldpreis-Managements
Die Funktion von physischem Gold als Wertaufbewahrungsmittel, welches gehortet wird, bietet an und für sich die Chance, aus dem Finanzsystem auszusteigen. Das Geld wird dem System entzogen und in Gold umgetauscht, woraufhin das Gold bisweilen auf Jahre und Jahrzehnte herumliegt, ohne wieder in Geld umgetauscht zu werden und ins Finanzsystem zurückzukehren. Die Akteure des Finanzsystems mögen Gold von daher eher nicht. Ihre Aufgabe besteht darin, das Geld der Anleger von vornherein innerhalb des Systems zu halten – in Aktien, Anleihen, Devisen, Immobilien und diversen Finanzprodukten. Gold ist ihr Konkurrent.
Zu den Akteuren, denen Gold missfällt, zählt die Notenbank der USA, die Federal Reserve. Der US-Dollar, den sie zusammen mit dem US-Finanzministerium schöpft, korreliert negativ zu Gold: geht der Wert des Dollar nach oben, fällt der Goldpreis – und umgekehrt. Gold ist eine Art internationale Währung, die zur Bewertung anderer Währungen herangezogen wird. Die negative Korrelation zu Gold besteht auch bei Staatsanleihen: das Auf-und-Ab des Goldpreises läuft zumeist in die jeweils gegensätzliche Richtung des Hin-und-Her dieser Staatspapiere. Ein steigender Goldpreis wird an den Finanzmärkten obendrein als Krisenzeichen und Indikator für eine steigende Inflation bzw. Inflationsfurcht gewertet. Dem Finanzsystem kommt zugute, dass es manchen Finanzmarkt-Akteuren, beispielsweise Versicherungen, von vornherein per Gesetz untersagt ist, Investitionen in Gold tätigen zu dürfen. Stattdessen werden (in einer Manifestation des „Finanzrepression“-Phänomens) die Investitionsgelder in Staatspapiere gelenkt. Der Kauf von Staatsanleihen gilt als „sichere Investition“, gerade auch in Zeitläuften der Krise.24 Entgegen dem Ruf, den Gold als „sicherer Hafen“ genießt, geht der Goldkurs dagegen statistisch belegbar seit den 1990er Jahren im Laufe von Problemphasen an den Finanzmärkten zurück, „als gehörte Gold wie Aktien zu den in Krisenzeiten mit hohen Risiken behafteten Investments“.25 Mit diesem atypischen Verhalten trägt der Goldpreis zur Stabilität in solchen Krisensituationen bei: ein rückgängiger Goldkurs zeigt an, dass die Lage nicht so schlimm sein kann, wodurch Gold „als Krisen-Investment uninteressant“ wird, und „die Gelder strömen in die verbleibenden Anlageklassen, insbesondere in die Staatsanleihemärkte. Anschließend fließen sie auch wieder schneller in die Aktienmärkte zurück. Zudem wird der Eindruck einer unkontrollierten Krise vermieden.“26 Insofern dürften Zentralbanken wie die U.S. Federal Reserve durchaus „genügend Gründe“ besitzen, „sich gerade in schwierigen Marktphasen einen fallenden Goldpreis zu wünschen“.27
Dem Transkript eines Meetings des Federal Open Market Committee (FOMC) der U.S. Federal Reserve von Mitte Mai 1993 ist zu entnehmen, dass Wayne D. Angell, ein stimmberechtigtes Mitglied des FOMC, den Goldpreis ins Auge fasste, und sagte: „Ich meine nicht, dass wir die Zinssätze um 300 Basispunkte anheben sollten. Wenn wir es aber täten, bin ich ziemlich sicher, dass der Goldpreis sofort beginnen würde, rasch [und stark] [zu fallen]. Es würde so schnell geschehen, dass Sie nur zum Bildschirm gehen und zusehen müssten. Würden wir die Sätze für Federal Funds um 100 Basispunkte anheben, würde der Goldpreis sicher wieder nach unten gehen, außer die Lage ist schlimmer als ich denke. Wenn wir die Fed-Fund-Sätze um 50 Basispunkte anheben würden, weiß ich nicht, was mit dem Goldpreis passieren würde, aber ich würde es bestimmt gern herausfinden! [Gelächter]“28 Zum Goldpreis merkte Angell an: „Der Preis von Gold wird weitgehend durch das bestimmt, was Leute, die dem Papiergeldsystem nicht vertrauen, als Fluchtweg aus einer Währung nutzen wollen, und sie wollen Sicherheit gewinnen durch den Besitz von Gold.“29 Mit anderen Worten: Gold steht in Konkurrenz zum Kreditgeld. Ferner meinte Angell, der Goldpreis sei weniger eine Frage von Produktion und Verbrauch, sondern eher eine der Haltung gegenüber der Inflation. Eine Veränderung dieser Haltung bewirke auch eine Veränderung des Goldpreises.30
Im selben Meeting legte der damalige Fed-Vorsitzende Alan Greenspan dar: „Meine Neigung heute – und ich bin ehrlich gesagt, höchst neugierig auf die Meinung anderer – wäre, einen Schwenk in Richtung einer restriktiveren Haltung zu machen und die psychologische Wirkung, so gut wir können, zu beobachten. Mit Letzterem meine ich zu sehen, was mit dem Anleihemarkt, den Börsen und dem Goldpreis passiert.“ Wenig später brachte Greenspan „noch ein anderes Thema“ auf die Tagesordnung. „Ich zögere, es zu tun, aber lassen Sie mich einige der Problematiken beleuchten, die hier eine Rolle spielen. Wenn wir es mit Psychologie zu tun haben, kommt den Thermometern, die man benutzt, um sie zu messen, eine Wirkung zu. Ich habe bei Gouverneur Mullins am Rande die Frage aufgeworfen, was passieren würde, wenn das Schatzamt etwas Gold in diesem Markt verkauft. Es stellt sich hier eine interessante Frage, denn wenn der Goldpreis in diesem Zusammenhang einbrechen würde, wäre das Thermometer nicht nur ein Messinstrument. Es würde prinzipiell die zugrunde liegende Psychologie beeinflussen. Nun, wir haben kein gesetzliches Recht, Gold zu verkaufen, aber ich bin ehrlich ganz einfach neugierig, was die Leute über Situationen dieser Art denken, weil hier etwas Ungewöhnliches in die Politik hineinspielt. Wir bewegen uns nicht einfach im Rahmen der Standardpolitik, bei der die Geldmenge expandiert, die Wirtschaft expandiert und die Fed die Zügel anzieht. Dies ist etwas ganz anderes.“31
Die Federal Reserve hatte also durchaus ein Auge auf den Goldpreis gerichtet und fragte sich, ob der Goldpreis „die richtigen Signale“ an die Marktteilnehmer senden würde – ein Indiz der psychologischen Komponente, die Gold auf den Markt ausübt. Obendrein machte sich Greenspan Gedanken über eine Beeinflussung des Goldpreises: „…was passieren würde, wenn das Schatzamt etwas Gold in diesem Markt verkauft.“
Beim nächsten FOMC-Meeting, das Anfang Juli 1993 stattfand, stand Gold abermals zur Diskussion. Greenspan rief Angell zu einem Wortbeitrag auf, als das Gespräch um eine Erhöhung der Leitzinsen drehte. Angell war ein Fürsprecher einer Zinsanhebung. Im Zentrum seiner Überlegungen stand das Phänomen der Inflation und wie man es wirksam bekämpft. In diesem Zusammenhang sprach Angell den Goldpreis an, welcher seiner Meinung nach beispielsweise nicht von der Goldnachfrage in asiatischen Ländern bestimmt werden würde. Stattdessen ließ er seine Kollegen wissen: „Der Goldpreis wird weitgehend von uns bestimmt“, und erklärte ihnen weiter: „Auf viele Dinge, etwa Grundstückspreise, haben die langfristigen Zinsen einen hohen Einfluss. Aber den größten Einfluss auf den Goldpreis stellen die Opportunitätskosten dar, den US-Dollar zu halten.“32 Wer in der Welt anderen Währungen nicht vertraue, könne in den US-Dollar wechseln – wobei der US-Dollar, das machte er mit dem Hinweis auf die Opportunitätskosten klar, im Wettbewerb mit dem Gold steht: ist der Zins bei Investitionen in US-Dollar attraktiv, nimmt die Attraktivität des Goldes ab.33 „Wir sind in einer Phase“, urteilte Angell wenig später, „die von Inflationserwartung geprägt ist, und diese äußert sich im Goldpreis“ – der damals gestiegen war.34 Dann wies er auf die geringe jährliche Produktion von Gold im Vergleich zum weltweiten Bestand von Gold hin – jenes Stock-to-Flow-Verhältnis, das „eine der Voraussetzungen für direkte Interventionen ist“ – nämlich durch Verkauf- und Leihgeschäfte von Gold, das von Zentralbanken gehalten wird.35 Jedenfalls sagte Angell, dass „eine Menge“ des Goldbestandes „von Zentralbanken gehalten“ würde. Mit keinem Wort sprach Angell von direkten oder gar systematischen Eingriffen; aber die Möglichkeit, wie man das machen könnte, wenn man denn wollte, stand nun im Raum. Zudem wird in seinen Ausführungen klar, dass ihm der steigende Goldpreis (und die damit einhergehende Inflationsfurcht) ein Dorn im Auge war.
Die leidige Sache mit dem steigenden Goldpreis könne beendet werden, eröffnete Angell seinen Kollegen dann: „Wir können den Goldpreis sehr leicht halten“ – und zwar durch eine Erhöhung der Zinsen. „Wir müssen lediglich hohe Opportunitätskosten bei den Leitzinsen und [bei den Zinsen] der Treasury Bills verursachen, um es unrentabel zu machen, Gold zu halten“, denn das Wertaufbewahrungsmittel Gold wirft keine Zinsen ab.36 Den Effekt erhöhter Zinsen auf den Goldpreis hatte Angell, wie gesehen, schon beim vorherigen Treffen des FOMC im Mai erwähnt.
Mit seiner Auffassung, dass für höhere Zinsen zu stimmen sei, stand Angell zu jener Zeit im FOMC jedoch allein. Zu groß waren unter den anderen stimmberechtigten Mitgliedern die Bedenken, dass die wirtschaftliche Aktivität im Lande durch angezogene Zinsen negativ beeinträchtigt hätte werden können.
Beim nächsten FOMC-Meeting am 17. August 1993 zeigte sich Angell aufgrund der inzwischen beim Goldpreis eingetretenen Entwicklung recht glücklich gestimmt: „Ich stelle fest, dass der Goldpreis von 400 Dollar auf 371 Dollar zurückgekommen ist. Das ist wirklich ein Vorgang, der der Bewegung entspricht, die im Anleihemarkt stattfand. Und das hat sehr, sehr gut funktioniert.“37
Seltsam nur: „die von ihm in der vorherigen Sitzung vorgeschlagene Methode der Zinserhöhung war ja abgelehnt worden“. Das kann den Preisrückgang nicht bewirkt haben. Gleichwohl zieht er „die Verbindung … zum parallel stattgefundenen Rückgang der Renditen am Anleihemarkt. In der vorherigen Fed-Sitzung hatte er diesen Aspekt nur angesprochen, hier zeigt Angell, dass er den Rückgang der Renditen, also steigende Anleihekurse, für eine Folge des ,Haltens‘ des Goldes hält.“38
Wie ist dieses „Halten“ des Goldpreises aber zu erklären?
Handelsplatz New York
Seit vielen Jahren ist zu beobachten, dass der Goldpreis häufig während der Handelszeit der New Yorker Rohstoffbörse COMEX fällt – auch wenn sich der Goldpreis an den asiatischen und europäischen Börsen hält oder gar steigt. Typischerweise geht der Goldpreis besonders in den ersten beiden Handelsstunden und in zeitlicher Nähe zum PM-Fixing in London zurück, wo eine Art Weltgoldpreis gesetzt wird. Außerdem verliert der Goldpreis oft, wenn der New Yorker Schlusskurs ansteht. Anhand statistischer Untersuchungen der Kursbewegungen des Goldes im Innertagesverlauf vermag Zufall als Erklärung ausgeschlossen zu werden. Stattdessen lässt sich eine Anomalie nachweisen, namentlich „ein wiederkehrendes kurzfristiges Muster, das weit außerhalb eines markttypischen Verlaufs liegt“.39
Auf ersten Untersuchungen aufbauend, die von Harry Clawar und Michael Bolser jeweils im Jahre 2000 durchgeführt wurden,40 ging der Goldmarktanalyst Dimitri Speck in den Folgejahren mit einem verfeinerten Ansatz Zigtausende von Innertagesverläufe des Goldpreises durch, die zusammen nicht nur „eine hohe statistische Signifikanz“ aufweisen, sondern auch „eine taggenaue Datierung des Beginns“ der Goldkursanomalie erlauben.41 Etwaige Markteingriffe durch verdeckt getätigte Verkäufe „zielen auf den Kurs, sie müssen sich somit am Kurs bemerkbar machen. Wir messen die Intervention direkt, wenn wir den Kurs betrachten.“42
Und siehe da: die Schwäche des Goldpreises im Laufe der New Yorker Handelszeit ist ab dem 5. August 1993 nachweisbar. „An diesem Tag begannen die systematischen Interventionen gegen einen festen Goldpreis“, urteilt Speck. „Diese werden maßgeblich mit Hilfe des New Yorker Terminmarktes Comex durchgeführt. Seitdem entwickelte sich der Preis dort meist schlechter als zur übrigen Handelszeit. Der 5. August 1993 ist ein Schlüsseltag in der modernen Geschichte des Goldes. An diesem Tag begann die systematische Niederringung des einzigen bedeutenden Wettbewerbers des Papiergeldes.“43
Verfolgt man die Entwicklung der Interventionen, die seither geschahen, entpuppt sich ihre Intensität zu Beginn als besonders hoch. „Sie waren auch wirksam, denn der Goldpreis fiel nun schnell, nachdem er zuvor gestiegen war. Außerdem waren sie ein zweites Mal ab 1999 besonders stark, nachdem infolge des Washington Agreement on Gold (WAG) Gold sprunghaft stieg. … Die Interventionen wurden zudem nach einigen kleineren Anstiegen intensiviert.“ Ein Vergleich der Goldkursbewegung in New York gegenüber dem Rest der Welt lässt „sehr schön erkennen, dass Goldkursrückgänge in der Regel mit einer in New York beheimateten Schwäche des Goldes im Intraday-Verlauf einhergehen (für diesen Zusammenhang dürfte sich wohl auch nur schwerlich eine Erklärung jenseits von Interventionen finden lassen)“.44
Der Handelsplatz New York ist für eine US-geführte Manipulation des Goldpreises als Heimspielstätte erste Wahl, weil: „Kursinterventionen müssen wie alles Übrige auch praktisch organisiert werden, und da bietet sich der Heimatmarkt an. Man kennt sich aus, hat Kontakte, und es ist weniger aufwendig, als rund um die Uhr tätig zu sein. Es ist außerdem weniger kostspielig, sich auf Kursmarken wie das Nachmittagsfixing und den Schlusskurs in New York (und des Terminmarktes) zu konzentrieren, an denen sich die Marktteilnehmer orientieren. Diese Kursmarken bleiben in Erinnerung, Handelsentscheidungen werden weit öfter an ihnen orientiert getroffen als an irgendwelchen Kursen zwischendrin.“45
Ins Auge stechen bei der Intraday-Anomalie die schockartigen Rückgänge des Goldpreises, die aus heiterem Himmel geschehen. Speck: „Immer wieder fällt der Goldpreis wie ein Stein, binnen Minuten um Beträge von 10 Dollar oder mehr. Ohne jeden äußeren Grund wie eine Marktnachricht.“46 Am 5. August 1993 beispielsweise, dem Beginn der systematischen Intervention, fiel der Goldpreis um 8.27 Uhr New Yorker Zeit „in einer schnellen, für Investoren schmerzhaften Abwärtsbewegung. Binnen nur sieben Minuten verlor der Goldpreis 13 Dollar. Einen so plötzlichen und schnellen Rückgang hatte es zuletzt sechs Jahre zuvor, am … 27. April 1987, gegeben (bei dem auch einiges auf eine Intervention hindeutet).“47 Seither gehören schockartige Goldkurseinbußen zum New Yorker Handelsgeschehen.
Stutzig macht obendrein ein Vergleich der Schlusskurse der Jahre 1997 bis 1999 in New York: die Schlusskurse waren „bis auf 1,3 Dollar gleich und betrugen alle drei beinahe genau 288 Dollar! Dies kann nun wirklich kein Zufall mehr sein. Die Spanne engt sich sogar noch weiter ein, wenn man die Jahresschlusskurse des maßgeblichen Frontmonats, des Februar-Kontrakts, an der Comex nimmt“, dann nämlich liegt die Differenz gerade noch „bei maximal 0,7 Dollar! Da wird tagaus, tagein über Jahre fleißig gehandelt und eifrig spekuliert, nur damit am Jahresende immer wieder der gleiche Kurs herauskommt, als wären die Preise amtlich fixiert.“48 Rechnet man die Wahrscheinlichkeit aus, „mit der ein Kurs dreimal hintereinander auf diese Weise den gleichen Wert einnimmt“, fällt der Wert marginal aus, sodass „mathematisch und sachlich … klar“ wird: „es liegt kein normales Marktgeschehen vor. … Der ermittelte Wert ist insgesamt gut belastbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schlusskurse dreier aufeinanderfolgender Jahre so eng beieinanderliegen, wie sie es von 1997 bis 1999 taten, liegt bei oder unter 0,002 Prozent.“49
Das vorrangige Motiv, um im Jahre 1993 verdeckt aktiv zu werden, bestand darin, dass man die Inflationssorgen einschläfern wollte. Die Federal Reserve steckte in einem Dilemma: sie konnte die Leitzinsen nicht anheben, da ein solcher Schritt die Konjunktur unter Mitleidenschaft gezogen hätte. Ferner sah man sich primär einer von Erwartungen geschürten Inflation gegenüber. Während des FOMC-Treffens im Mai 1993 sagte Alan Greenspan: „Nun denn, das ist eine sehr kritische Periode für uns“, und: „Ich denke, wir können ausschließen, dass das übliche Geld- und Kreditphänomen die Inflation vorantreibt.“ Fed-Gouverneur Robert McTeer rätselte derweil: „Ich verstehe diese kürzliche Spaltung in der Wirtschaft nicht, bei der die Realwirtschaft nach unten zu driften und zur gleichen Zeit Inflation aufzukommen scheint. Für mich ist das ein Mysterium.“ Fed-Gouverneur Lawrence B. Lindsey erklärte ihm das Mysterium sodann: „Ich glaube, der Grund, warum wir die höhere Inflation hatten, war von Ihnen, Herr Vorsitzender, gut ausgeführt. Sie basiert auf Erwartungen.“50
Wenn man die Zinsen nicht anheben wollte, um auf die Inflation einzuwirken, die Inflation aber selbst „Folge einer hohen Inflationserwartung war, konnte die Inflation bekämpft werden, indem man auf die Inflationserwartung Einfluss nahm. Das ,Thermometer‘ war Gold, sein gestiegener Preis signalisierte die Gefahr einer Geldentwertung.“ Eingriffe im Goldmarkt boten den „Schlüssel zur Lösung dieses Spagats: Wie bekämpft man die Inflation, ohne die Leitzinsen anzuheben und damit die Wirtschaft zu gefährden? Indem man den Goldkurs drückt und den Leuten damit Geldwertstabilität signalisiert.“51
Über eine geringere Inflationserwartung sind Anleger eher geneigt, in Anleihen zu investieren – was dann wiederum deren Renditen fallen lässt und somit „den Aufwand für den Schuldendienst (insbesondere des amerikanischen Staates) reduziert“.52 Ein weiterer Vorteil: „Im Dreiergespann der Währungen (Gold – Dollar – übrige Währungen) stützt ein schwacher Goldpreis aber auch den Dollar. Der inverse Zusammenhang von Dollar zu Gold ist auch empirisch gut belegt. Ein fester Dollar hat wiederrum weitere Folgen, darunter erneut die Möglichkeit, sich günstig zu verschulden (da kein Währungsrückgang eingepreist werden muss).“53
Das Plunge Protection Team und offene Fragen
Die U.S. Federal Reserve kann nicht ohne Weiteres unmittelbar direkt an den Interventionen, die wir im Goldmarkt betrachten, beteiligt sein. Gesetzt, die Eingriffe fänden über den Verkauf und/oder den Verleih des US-Staatsgoldes statt, so wäre zu berücksichtigen, dass der Treuhänder des (zuletzt in den 1950er Jahren ordnungsgemäß auditierten) US-Goldhorts das US-Schatzamt ist.54 Außerdem fehlt ihr das rechtliche Mandat zu einer solchen Handlung. Der Exchange Stabilization Fund (ESF) des Schatzamtes besäße ein solches Mandat dagegen schon eher. Es ist ihm qua des Gold Reserve Acts von 1934 gegeben, der den ESF innerhalb des Finanzministeriums begründete. Das Gesetz, das in den 1970er Jahren erweitert wurde, besagt: „Im Einklang mit den Verpflichtungen der Regierung im Internationalen Währungsfonds bezogen auf geordnete Geldwechsel-Arrangements und einem geordneten Wechselkurs-System kann der Minister … mit Zustimmung des Präsidenten in Gold, Devisen und anderen Instrumenten von Kredit- und Wertpapieren handeln.“55 Zudem unterliegt der ESF kaum einer Kontrolle des Kongresses und Protokolle werden nicht veröffentlicht.56
„Für seine tatsächliche Involvierung gibt es ein starkes Indiz“, auf das Reginald Howe, der Anwalt der US-Bürgerrechtsgruppe Gold Anti-Trust Action Committee (GATA), im Jahre 2000 in der Bilanz der Federal Reserve stieß.57 „Zu der Zeit wies der Monatsbericht der Fed an einer Stelle (1.18) den Goldbestand des Schatzamtes aus, an anderer Stelle aber den des Schatzamtes und des ESF (3.12). Die Differenz der Zahlen weist also zwingend auf den Bestand des ESF. (…) Von 1974 bis 1995 waren die Werte in den meisten Jahren identisch. Später gab es häufig Differenzen. Da Gold im Zentralbankensystem der USA immer zum gleichen Kurs bilanziert wird, muss der Grund für die Differenzen in Goldhandelsaktivitäten liegen. Wiederholte Fehler in der Bilanz kann man wohl ausschließen (sie sollten außerdem allenfalls bei einem sehr aktiven Bestand vorkommen). Überaus auffällig hat die Fed dann reagiert, nachdem Howe diese Anomalie publiziert hatte und dies in einer Klage unterstrich: In der Folge wurde der ESF aus den Monatsberichten der Fed einfach herausgenommen und die Werte wurden korrigiert! Bereits in den Fed-Bulletins aus den Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts findet das Gold des ESF Erwähnung. Eine über fünfzigjährige Bilanztradition findet so ihr jähes Ende. Wenn bei einer Notenbank zwei Bilanzzahlen nicht zusammenpassen, möchte man eigentlich doch eine schlüssige Erklärung erwarten.“58
In Frage kommt außerdem an der Heimspielstätte USA die Arbeitsgruppe für Finanzmärkte des US-Präsidenten, auch Plunge Protection Team genannt. Erstmals offen in Erscheinung trat das Plunge Protection Team, als es 1998 galt, den ins Wanken geratenen Hedgefonds Long Term Capital Management (LTCM) zu retten. Zum damaligen Zeitpunkt zählten fünfzehn der größten Wall Street-Banken zu den Handelspartnern von LTCM. Während das Eigenkapital von LTCM weit unter zehn Milliarden US-Dollar lag, schwoll die gehaltene Position im OTC-Derivatemarkt auf über eine Billion US-Dollar an.59
OTC steht für Over the Counter. Der OTC-Markt bezeichnet den Finanzhandel, der nicht innerhalb des Verantwortungsbereichs der Börse vonstattengeht, sondern vielmehr einen Freiverkehrsmarkt im Interbankenhandel darstellt. OTC-Geschäfte weisen eine extrem geringe Transparenz auf, weswegen diese Art des Geschäfts bevorzugt wird, wenn die Teilnehmer weitestgehend unerkannt bleiben möchten (bspw. gegenüber den Aufsichtsbehörden). Im wesentlichen Maße sind die beteiligten Akteure so genannte Dark Pools, was letztlich versteckte Handelsplattformen sind, die anonyme Transaktionen großer Wertpapier-Pakete unter „dem Deckmantel der Dunkelheit“ erlauben. Alles in allem darf man den OTC-Bereich mit Fug und Recht eine besondere Spielart des Insider-Handels nennen. Der Markt für OTC-Transaktionen macht es ob seiner Intransparenz unmöglich, „ein aggregiertes Angebot und eine aggregierte Nachfrage zu bilden“, erklärt der Finanzwissenschaftler Marc Chesney. „Im Fall von derivativen Produkten, die meistens OTC gehandelt werden, gibt es ein grundlegendes Problem. Ihre Preise resultieren hauptsächlich aus mathematischen Formeln und nur teilweise aus Angebot und Nachfrage. Des Weiteren wird mit der Entwicklung der unregulierten OTC-Transaktionen auf derivativen Produkten das Risiko immer unbekannter und diffuser, was für die Realwirtschaft und die Gesellschaft gefährlich ist.“ Und so sehen wir uns heute zunehmend „mit dem Paradox einer Wirtschaft konfrontiert, die den Unternehmergeist und das damit verbundene Eingehen von Risiken hochhält und parallel dazu so viele derivative Produkte als sogenannte Absicherung einsetzt wie noch nie. Diese Produkte nehmen in einem solchen Ausmaß zu, dass sie ein systemisches Risiko für die Wirtschaft darstellen.“60
Ein systemisches Risiko stellte 1998 plötzlich der Hedgefonds LTCM dar. Als es in Russland zu einer Krise des Rubels kam, drohte LTCM eine Pleite. Durch eine Pleite von LTCM wären aber Kreditausfallversicherungen fällig geworden, wodurch andere Marktteilnehmer ebenfalls in Schieflage geraten wären. Um die Krise abzuwenden, wurde die Working Group on Financial Markets des US-Präsidenten alarmiert.
Diese Gruppe, bisweilen umgangssprachlich Plunge Protection Team betitelt, verdankte ihre Entstehung dem Crash vom 19. Oktober 1987, dem größten Verlust, der je an einem einzigen Tag an der New Yorker Börse verzeichnet wurde. Im Zeitalter der sogenannten „Junk Bonds“, womit „Anleihen mit hohen Ausfallrisiken und entsprechend hohen Zinskupons“ gemeint sind, hatte es im Vorfeld eine „zu große spekulative Spielfreude am Finanzmarkt“ gegeben. „Der Aufwärtstrend, der dann ein abruptes Ende fand, begann 1982. In der Phase vor dem Crash waren die Aktienmärkte getrieben von feindlichen Übernahmen, die zu größten Teilen mit ,Junk Bonds‘ finanziert wurden.“61
Im Vorfeld des Crashs zeigte der Autor des Klassikers The Great Crash 1929, der Ökonom John Kenneth Galbraith, mehrfach die Parallelen auf, die zwischen den Jahren 1929 und 1987 bestanden. Neun Monate vor dem Crash schrieb er beispielsweise in dem Artikel The Omnious 1929 Parallel, der in The Atlantic Monthly erschien:
„1. Parallele: Die spekulative Übertreibung. ,Wir wissen, dass spekulative Episoden nie harmlos enden. Die weise, wenn auch für die meisten unwahrscheinlichste Haltung ist, das Schlimmste zu befürchten.‘
- Parallele: Die Gewinnmultiplikation mit finanziellen Hebelinstrumenten. ,Ein Rückgang der Gewinne (wegen höherer Zinsen) wird die Schuldenlast unerträglich machen.‘ (Rekordwelle von Firmenübernahmen, Fusionen, Aufkäufen, ,Leveraged Buyouts‘, ,Junk Bonds‘)
- Parallele: Der Personenkult um die Geldmächtigen und Wunderknaben. ,Die älteste Regel von Wall Street wird wiederentdeckt werden: Finanzielles Genie kommt vor dem Fall.‘ (siehe Michael Milken & Co.)
- Parallele: Die Fehleinschätzung von (Reagans) Steuergeschenken. ,…ein grosser Teil der höheren persönlichen Einkommen geht an die Börse und nicht in produktives Kapital und wenig in Konsum.‘“62
In den Wochen, die dem Crash vorangingen, verdunkelte sich das konjunkturelle Bild zunehmend. „Das Bewertungsniveau der Aktien des S&P lag bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 und war ambitioniert. Inflation zog an. Zinserhöhungen standen im Raum. Steuervergünstigungen für Fusionen wurden gestrichen. Mithin wurde das Spielfeld für diesen Katalysator Übernahme via ,Junk Bonds‘ des Aktienanstiegs von allen Seiten unterminiert. Im Zuge des Ausverkaufs an den Börsen sind die technischen Handelssysteme überfordert worden. Mithin führte die technische Ineffizienz zu einer Eskalation der Krise.“63
Konsequenz des Crashs war die Executive Order 12631, die Ronald Reagan, der seinerzeit amtierende Präsident der Vereinigten Staaten, am 18. März 1988 in Kraft treten ließ. Unter der Überschrift Executive Order 12631 — Working Group on Financial Markets hieß es:
„Kraft der mir als Präsident von der Verfassung und der Gesetzgebung der Vereinigten Staaten von Amerika verliehenen Befugnis und zur Einrichtung einer Arbeitsgruppe über Finanzmärkte wird hiermit Folgendes angeordnet:
Abschnitt 1. Bildung. (a) Hiermit wird eine Arbeitsgruppe über Finanzmärkte (Working Group) eingerichtet. Der Arbeitsgruppe gehören an
(1) der Secretary of the Treasury (Minister für Finanzen) oder dessen Beauftragter,
(2) der Vorsitzende des Board of Governors des Federal Reserve Systems (Gouverneursrat der US-Notenbank) oder dessen Beauftragter,
(3) der Vorsitzende der Securities and Exchange Commission (Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde) oder dessen Beauftragter und
(4) der Vorsitzende der Commodity Futures Trading Commission (Aufsichtsbehörde für die Future- und Optionsmärkte) oder dessen Beauftragter.
(b) Den Vorsitz der Arbeitsgruppe führt der Secretary of the Treasury oder sein Beauftragter.
Abschnitt 2. Zweck und Aufgaben. (a) In Anerkennung der Ziele zur Verbesserung der Integrität, Effizienz, Ordnungsmäßigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Finanzmärkte unserer Nation und zum Erhalt des Vertrauens der Anleger obliegt der Arbeitsgruppe die Identifizierung und Erörterung (1) der zentralen, von den zahlreichen Studien zu den Ereignissen an den Finanzmärkten um den 19. Oktober 1987 aufgeworfenen Fragen sowie all jener Empfehlungen, die das Potenzial besitzen, die vorgenannten Ziele zu erreichen, und (2) der Maßnahmen, einschließlich staatlicher Interventionen nach bestehenden Gesetzen und Vorschriften (wie etwa Richtlinienkoordinierung und Notfallplanung), die sich zur Umsetzung dieser Empfehlungen eignen.
(b) Die Arbeitsgruppe konsultiert gegebenenfalls Vertreter der verschiedenen Börsen, Clearinghäuser, Selbstverwaltungsorgane sowie bedeutende Marktteilnehmer, um möglichst zu Lösungen im Rahmen des privaten Sektors zu gelangen.
(c) Die Arbeitsgruppe berichtet dem Präsidenten zunächst innerhalb von 60 Tagen (und danach in regelmäßigen Abständen) über ihre Fortschritte und äußert gegebenenfalls ihre Ansicht zu jeglichen potenziell empfohlenen Gesetzesänderungen.
Abschnitt 3. Verwaltung. (a) Die Leiter der Exekutivabteilungen, -behörden und unabhängigen Einrichtungen stellen der Arbeitsgruppe im gesetzlich zulässigen Umfang jeweils die Informationen zur Verfügung, die diese zur Durchführung der vorliegenden Anordnung verlangen.
(b) Die Mitglieder der Arbeitsgruppe üben ihre Funktion ohne zusätzliche Vergütung für ihre Tätigkeit in der Arbeitsgruppe aus.
(c) Im gesetzlich zulässigen Umfang und vorbehaltlich der Verfügbarkeit von Mitteln gewährt das Department of the Treasury (Finanzministerium) der Arbeitsgruppe die für die Erfüllung ihrer Aufgaben notwendige administrative und sonstige Unterstützung.“
Ronald Reagan
Weißes Haus, 18. März 1988.64
Aus der zitierten Executive Order 12631 geht hervor, dass die Hauptaufgabe des Plunge Protection Teams (PPT) darin bestehen sollte (und wohl nach wie vor darin besteht), die Finanzmärkte zu stabilisieren und das Vertrauen von Investoren zu stärken. Dies allerdings nicht auf eine Art und Weise, die für jedermann ersichtlich ist, sondern durch „verdeckte Einflussnahme“, die hinter den Kulissen stattfindet. Dies entspricht nicht den Gepflogenheiten „freier Märkte“, denn „freiheitliche Systeme bestechen durch ,Checks and Balances‘. Hier sitzen die, die ,checken‘ sollen, mit denen, die ,gecheckt‘ werden sollen, zusammen und machen gemeinsame Sache, die zu eindeutigen Informationsvorsprüngen gegenüber den übrigen Marktteilnehmern führt. So sieht nicht die Grundlage eines freien Marktes aus, sondern die Basis, die der Manipulation Tür und Tor öffnet.“65
Laut dem, was darüber zu hören ist, läuft das Arbeitsschema des PPT auf dreierlei hinaus: 1. Der Gruppe stehen enorm große Geldbeträge zur Verfügung, mit denen es enorm große Käufe von Aktienindex-Futures tätigen kann, um so die Kurse nach oben zu treiben, wenn diese unter Druck geraten; 2. die Käufe laufen vor allem über die großen Investmentbankenhäuser bzw. Mitgliederbanken der Federal Reserve Bank of New York; 3. von dem positiven Sog werden weitere Marktteilnehmer, die nicht wissen, was gespielt wird, zu Investitionen angeregt. Folker Hellmeyer, einer der prominentesten Banker in Deutschland, bestätigte das Schema mir gegenüber, als ich ihn danach befragte: „Sie haben ins Schwarze getroffen. Üppige Liquidität mit Treasury und Fed am Tisch ist der Schlüssel. Derivate wirken mit höherer Durchschlagskraft und sind deshalb das ausgewählte Medium, und es ist die ,Bankenaristokratie‘, die das Spiel betreiben darf und sich dann für die ,hart erarbeiteten‘ Erfolge entsprechende Bonifikationen zugesteht.“66
Im Februar 1997 hatte Brett Fromson für die Washington Post erstmals über diese Gruppe berichtet. Dort erhielt die Working Group on Financial Markets ihren Umgangssprachlichen Namen Plunge Protection Team. Im Hinblick auf den Börsencrash von 1987 merkte Fromson an: „Die Fed hielt die Märkte am Leben, indem sie das Bankensystem mit Reserven überflutete und öffentlich verlautbarte, dass sie, falls nötig, bereit sei, Darlehen an wichtige Finanzinstitutionen zu vergeben.“67 Tatsächlich wird berichtet, dass sich der Fed-Vorsitzende Greenspan am Tag des Börsenkrachs „mit JP Morgan zusammen setzte und JP Morgan als eine Leitung für offenes Scheckbuch-Geld von der Fed verwendete, um in den Aktien-Futures-Markt über Chicago zu gehen. Und am nächsten Tag des offenen Handels kauften sie auf den Terminmärkten, als gäbe es kein Morgen, für minimale Mengen an Geld im Vergleich zu den Kosten, um die tatsächlichen Aktien zu kaufen. Und dadurch, dass die Futures hochgetrieben wurden, begannen die zugrunde liegenden Aktienkurse an der New York Stock Exchange hochzugehen, und dann begann natürlich die Gerüchteküche: JP Morgan kauft, die Big Boys kaufen, das Schlimmste ist vorbei, dies ist eine Überreaktion, Bla-bla-bla-bla-bla.“68
Registrieren ließ sich jedenfalls: nachdem die Preise in den Keller gesackt waren und die Terminbörse in Chicago vorübergehend geschlossen wurde, kletterten die Kurse bald wieder steil nach oben. „Diese Rallye wurde durch Maßnahmen der Federal Reserve unterstützt, die den Finanzmärkten umfangreiche Liquidität zur Verfügung stellte, um eine Bankenkrise abzuwenden. Mehrere große Unternehmen kündigten auf Drängen des Weißen Hauses an, dass sie ihre Aktien zurückkaufen würden. Später wurde von Verschwörungstheoretikern behauptet, der Aufschwung sei von den Behörden eingefädelt worden, die den Terminmarkt an der [Chicago Mercantile Exchange] geschlossen hatten, um die Aktienkurse zu manipulieren. Was auch immer die Ursachen waren, die Erholung beendete die Panik effektiv.“69
Zu bedenken gilt: „Wie viel Macht die Arbeitsgruppe ausüben durfte, wurde nie öffentlich klargestellt. Ein Jahr nach ihrer Gründung schrieb Robert Heller, ein ausscheidendes Mitglied des Fed-Vorstands, in einem viel diskutierten Meinungsbeitrag für das Wall Street Journal, dass es in Notfällen eine bessere Alternative als eine Zinssenkung gäbe: ,Anstatt die gesamte Wirtschaft mit Liquidität zu überschwemmen und damit die Inflationsgefahr zu erhöhen, könnte die Fed den Aktienmarkt direkt stützen, indem sie auf dem Terminmarkt Durchschnittskurse aufkauft und so den Markt insgesamt stabilisiert.‘ Abgesehen davon, dass dies relativ kostengünstig war, war die Konzentration auf Terminmarktaktivitäten sinnvoll. Schriftliche Schlussfolgerungen wurden nie gezogen, aber Hellers Empfehlungen wurden möglicherweise im Hintergrund akzeptiert. In den folgenden zwei Jahrzehnten war dies ein Hauptbestandteil der kursierenden Gerüchte darüber, was die Arbeitsgruppe tatsächlich tat.“70
Im Oktober 2000 richtete der Goldaktivist David Guyatt mit Hinweis auf Informationen des Vorsitzenden des Gold Anti-Trust Action Committee (GATA) in den USA, Bill Murphy, den Blick auf das Plunge Protection Team: „Die Handschrift des Plunge Protection Teams (PPT) wird zum ersten Mal erkennbar“, mutmaßte Guyatt. „Das ganze Spiel mit den Leerverkäufen von Gold in den letzten Jahren ist eine Methode, um ,wichtige Aktien zu stützen‘ und ,zukünftige Operationen zu finanzieren´. Im einfachsten Fall funktioniert das folgendermaßen: Man leihe sich [zu geringfügigem Zinssatz] jemandes (…) Gold und verkaufe es auf dem Markt. Das ergibt eine ansehnliche Menge fast zinsfreier Dollars. Wo auch immer der Aktienmarkt unruhig erscheint oder wichtige Aktien unter Druck geraten, reintauchen und kaufen, kaufen, kaufen… Um Erfolg zu haben, reicht es aber nicht aus, den Aktienmarkt zu manipulieren. Es ist zusätzlich erforderlich, den Goldpreis zu manipulieren und den Preis des Goldes unter jenem Preis zu halten, zu dem PPT das geliehene Gold verkauft hat.“71
Mitte 2002 wurde die vermeintliche Handschrift des Plunge Protection Teams in Australien registriert. „Progressive Review-Redakteur Sam Smith zitierte kürzlich einen Bericht von Richard Bromby im Australian Financial Review: ,Am Mittwoch [26. Juni] um 14 Uhr 32 New Yorker Zeit, ereignete sich etwas Außergewöhnliches an der Wall Street, Ecke Broad Street. Der Dow Jones Industrial Index der New Yorker Wertpapierbörse – der seit der Eröffnung des Handelstages wegen der Enthüllung des WorldCom-Betruges zu kämpfen hatte – ließ seine Probleme hinter sich. Von einem Tagestief bei 8,926.6 schoss der Dow himmelwärts auf ein Hoch von 9,160 um 15 Uhr 29. … Könnte dies das Werk des vieldiskutierten, aber nie gesehenen Plunge Protection Teams gewesen sein? Manche sind der Auffassung, dieses Team stelle eine mächtige und geheimnisvolle Hand dar, die bereit ist, immer dann in Aktion zu treten, wenn der Dow auf Grund zu laufen droht. (…) Die Londoner Zeitung Observer berichtete vergangenen Oktober, ihr lägen Informationen vor‘“, wonach sich das Plunge Protection Team darauf vorbereite, „,Milliarden von Dollar´ auszugeben, um eine Wiederholung von 1929 und 1987 zu verhindern.‘“72
Marktteilnehmer und -kommentatoren, die die „unsichtbare Hand“ des Plunge Protection Teams öffentlich thematisierten, wurden in der Mainstreampresse als nicht weiter ernstzunehmende „Verschwörungstheoretiker“ abgeschrieben,73 und „die meinungsbildenden Journalisten in den Vereinigten Staaten ließen die Operationen der Gruppe im Allgemeinen ohne ernsthafte Nachforschungen oder Kommentare vor sich gehen“.74 Fakt ist, dass der damalige Finanzminister der USA Hank Paulson (ehemals Goldman Sachs) in einem Interview vom August 2007 äußerte, dass das PPT wieder aktiv sei, um daran zu arbeiten, „dass wir die gleichen Fragen sehen, die gleichen Probleme, und an den gleichen Lösungen arbeiten“.75 An der Existenz der Working Group on Financial Markets gibt es wenig zu deuteln. „Interessant ist die Frage, ob es sich nach US-Recht um ein Kartell handelt. Schlussendlich stellen diese Verabredungen Vorteile der anwesenden Banken gegenüber dem Rest des US-Bankenmarkts dar.“76 Durch die Existenz einer solchen Gruppe wurde ferner de facto zugegeben, „dass die US-Finanzmärkte weit davon entfernt waren, rational und effizient zu sein, und dass sie von Zeit zu Zeit volatil und instabil waren – kaum wünschenswerte Eigenschaften für den wichtigsten Wirtschaftssektor der Nation.“ Sollte das PPT den „verdeckten Auftrag“ haben, „bei Bedarf die Interventionen zu wiederholen, die in den angespannten Tagen des Crashs vom Oktober 1987 eingesetzt wurden“, würde das „auf eine Verhöhnung der strengen freien Marktwirtschaft schließen“ lassen.77
Außer Frage steht, dass das PPT alarmiert wurde, als LTCM am Rande des Kollapses stand und die Banken an der Wall Street in Panik gerieten. Sogleich nachdem er davon erfahren hatte, was sich in New York zutrug, begann US-Finanzminister Robert Rubin (ehemals Goldman Sachs) Mitglieder des PPT zu kontaktieren. „Den Mitgliedern der Arbeitsgruppe wurde an diesem Wochenende mitgeteilt, dass die gesamte amerikanische Wirtschaft in der Schwebe hinge.“78 Der operative Arm des Federal Reserve Systems in den Finanzmärkten, die Federal Reserve Bank of New York, „übernahm die Rolle als Super-Verhandlungsführer“, um mit einer Reihe von Banken – darunter Goldman Sachs, Merrill Lynch, JPMorgan, Chase Manhattan und UBS – 3,6 Milliarden US-Dollar zu berappen, sodass LTCM gekauft und dessen Schulden zurückgezahlt werden konnten.79 Die New Yorker Fed ist die einflussreichste Bank des Federal Reserve Systems, „sehr zur Freude der Wall Street – die ihre Aufmerksamkeit leichter auf die reichste Fed-Bank in ihrer Heimatstadt konzentrieren konnte“.80 Ferner unterhält das gesamte Federal Reserve System seit jeher „eine viel engere Beziehung zu Privatbanken als zur Öffentlichkeit. Der Grund dafür liegt darin, dass die Mitgliedsbanken” – sowohl jene, die von den einzelnen Bundesstaaten, als auch jene, die vom Office of the Comptroller of the Currency (OCC) zugelassen wurden – „als Voraussetzung für ihre Mitgliedschaft im Federal Reserve-System Anteile der Federal Reserve Bank ihres Distrikts zeichnen müssen. Die Höhe dieser Pflichtzeichnung entspricht 6 Prozent des Kapitals und Überschusses der Bank. Davon müssen 3 Prozent unmittelbar, die restlichen 3 Prozent auf Abruf durch das Board of Governors der Federal Reserve eingezahlt werden. Das bedeutet, dass die größeren Banken mehr Anteile an der Fed halten. Außerdem erhalten Mitgliedsbanken eine 6-prozentige Dividende auf ihre Anteile – nicht gerade schäbig in Zeiten von Aktienmarktturbulenzen, in denen das keine Bank ihren Privataktionären bietet.“81
Um mit der Dynamik der negativen Marktpsychologie fertig zu werden und „eine Entkrampfung an den Kreditmärkten herbeizuführen“, ließ der Fed-Vorsitzende Greenspan im Zuge der LTCM-Krise die Geldpolitik kräftig lockern.82 Die entscheidende Rettungskonferenz vom 23. September 1998 leitete unterdes der damalige Präsident der Federal Reserve Bank of New York, William J. McDonough. An ihr nahmen „die Vorsitzenden der Traveler’s Group, von Goldman Sachs, Merrill Lynch, Chase Manhattan, Banker‘s Trust, Smith Barney, Bear Stearns, Lehman Brothers, Morgan Stanley, JP Morgan, von der Deutschen und der Dresdner Bank teil. Mit anderen Worten war die internationale Bankenaristokratie umfänglich versammelt. Unter Alan Greenspans Führung griff der US-Offenmarktausschuss dann auch noch zum Breitbandantibiotikum Zinssenkung. Hinsichtlich der Definition des Auftrags des PPT war dieses Team zwingend in irgendeiner Form an der Intervention beteiligt. Inwieweit aktive Kursbeeinflussung eine Rolle spielte, lässt sich heute nur vermuten. Fakt ist, dass per September 1998 Tiefstkurse des Dow Jones bei 7.400 Punkten markiert wurden und es dann in den beiden folgenden Monaten Oktober und November 1998 zu Befestigungen des Dow Jones bis auf 9.380 Punkte kam. Ein Anstieg um knapp 27% in zwei Monaten ist fraglos unüblich und nährt Vermutungen einer aktiven Teilnahme des PPT am Marktgeschehen.“83
Der feine, aber wichtige Unterschied zwischen der Rettungspolitik der Fed im Zeichen der Finanzkrise, die sich ab 2007/08 auf die USA niederschlug, und ihrem Agieren im Jahre 1998: „die Regierung orchestrierte eine private Rettung von LTCM und setzte keine öffentlichen Mittel ein, um einen Risikofonds zu retten. Außerdem war das Volumen der LCTM-Rettung nichts im Vergleich zur Rettungsmission im Rahmen der zweiten großen Bankenkrise: tatsächlich entsprach es nur etwa der Höhe der 2008 an die Führungskräfte von Merrill Lynch ausgezahlten Boni. Dennoch zeigte die LTCM-Rettung, dass die Fed willens war zu intervenieren, um einen Weg zu finden“ genau jene Banker herauszuhauen, die „schlechte Geschäftspartner gewählt hatten. Dieser Präzedenzfall wurde 2008 und 2009 bis zum Maximum ausgereizt.“84
Konkrete, wirklich stichfeste Belege für Goldaktivitäten der Arbeitsgruppe für Finanzmärkte liegen bislang nicht vor; sie mag jedoch koordinierend tätig geworden sein, und von gewisser Bedeutung ist sie allemal, „denn sie sollte Lösungen favorisieren, die Marktteilnehmer privatwirtschaftlich durchführen, eine Vorgehensweise, die man während des Börsencrashs 1987 praktizierte, die aber nie offiziell bestätigt wurde. Es ist ja genau diese Kooperation, wie sie 1987 stattfand, die als Vorbild bei den Goldinterventionen diente.“ Woraus sich ein „spezielles Problem“ ergibt: „Wenn Marktinterventionen privatwirtschaftlich durchgeführt werden, dann müssen die privaten Häuser auf Dauer auch Gewinne erzielen. Wenn sie aber Gewinne erzielen, … dann ist die Versuchung einfach ziemlich hoch, diese Intervention mehr oder minder eigenständig zu betreiben und zu forcieren.“85
Am Plunge Protection Team wäre nicht nur das US-Schatzamt, sondern auch die U.S. Federal Reserve Bank beteiligt. Weiters ist von Relevanz, dass in den Tresoren der Federal Reserve Bank of New York mehrere Tausend Tonnen an ausländischem Zentralbankgold lagern (und die Verleihungen, die von New York aus stattfanden, stiegen seit dem Jahre 1993 bis circa 2001 zweifelsohne beträchtlich an86).
Im Zuge meiner Recherchen zum Goldmarkt schrieb ich im August 2012 dem Pressebüro des US-Schatzamtes und der damaligen Pressesprecherin des Exchange Stabilization Fund, Kara Alaimo, eine Presseanfrage, in der ich um Antworten auf diese Fragen bat:
1.) Hat die US-Regierung in den letzten 20 Jahren versucht, den Preis von Gold zu beeinflussen, offen oder heimlich, direkt oder über Mittler? Wenn ja, wann, wie und zu welchem Zweck?
2.) Hat das Schatzamt oder eine andere Behörde der US-Regierung, darunter der Exchange Stabilization Fund, Gold-Swaps oder Gold-Swap-Vereinbarungen oder andere Goldtransaktionen in den letzten 20 Jahren eingesetzt?
3.) Sind die Aufzeichnungen der US-Regierung, die sich auf Gold beziehen, darunter die des Finanzministeriums und des Exchange Stabilization Fund, vollständig für die Öffentlichkeit zugänglich? Wenn nicht, warum?
Drei Tage später erhielt ich zwar eine Antwort von Kara Alaimo, die ein wenig Information enthielt; mir wurde allerdings untersagt, aus ihrem Antwortschreiben zitieren zu dürfen. Gleichwohl darf ich aus dem Antwortschreiben zitieren, das ich ihr daraufhin zurückschickte:
„Sehr geehrte Frau Alaimo,
vielen Dank für die schnelle Antwort, auch wenn sie ausweichend zu sein scheint. Darf ich um eine Klarstellung in Bezug auf alle drei Punkte bitten?
1.) Natürlich ist die Aussage einer Beamtin des Schatzamtes, die nicht identifiziert werden kann und sagt, dass ihr Goldtransaktionen ,nicht bewusst‘ sind, keine Antwort. Von daher, wer kann, dabei offiziell für das Schatzamt sprechend, mit Bestimmtheit sagen, ob das Schatzamt in irgendeiner Weise im Goldmarkt engagiert ist?
2.) Die zweite Antwort spricht für den ESF, aber nicht für das gesamte Schatzamt selbst. Was ist mit dem gesamten Ministerium?
3.) Das Gleiche in Bezug auf die dritte Antwort. Es spricht für den ESF, aber nicht für das ganze Ministerium.“
Ein paar Sekunden später erhielt ich eine automatische Abwesenheitsnotiz von Frau Alaimo:
„Out of office. I am working from Russia (EDT + 8 hours). I’ll respond as soon as possible, but if you require immediate assistance please call the Treasury press office.“
Seitdem habe ich keine Nachricht mehr von Frau Alaimo bekommen. Und das US-Schatzamt hat auf meine Fragen bis heute gar nicht erst reagiert.87
Am gleichen Tag, als ich dem US-Schatzamt und dem ESF schrieb, ging gleichermaßen eine Presseanfrage von mir bei Michelle Smith, einer Pressesprecherin des Board of Governors des U.S. Federal Reserve System in Washington DC, ein. Darin enthalten waren diese vier Fragen:
1.) Was sind die Gold-Swap-Vereinbarungen der Fed mit ausländischen Banken, die von Fed-Gouverneur Kevin M. Warsh in seiner Antwort auf GATAs Klage auf Informationsfreiheit im September 2009 eingeräumt wurden? 88
2.) Wer sind die anderen Parteien bei diesen Gold-Swap-Vereinbarungen?
3.) Wurden solche Arrangements jemals umgesetzt? Wenn ja, wann, wie und warum?
4.) Was sind die anderen gold-bezogenen Dokumente, deren Offenlegung die Fed im Zuge von GATAs Informationsfreiheitsklage gegen die Fed im Februar 2011 erfolgreich verhinderte? Wird die Fed sie nun zugänglich machen? Wenn nicht, warum?89
Meine Anfrage wurde von Frau Smith an einen ihrer Kollegen, Joe Pavel, weitergereicht, der mir einige Tage darauf zurückschrieb:
„Leider sind wir nicht in der Lage, den Informationen, die Sie bereits haben, etwas hinzuzufügen. Die meisten Ihrer Fragen sollten durch die Dokumente beantwortet sein, die mit dem Gerichtsfall, auf den Sie verweisen, verbunden sind (Gold Anti-Trust Action Committee, Inc. v. Board of Governors of the Federal Reserve System). Diese sind bei den Bundesgerichten öffentlich. Insbesondere könnte Ihnen die eidesstattliche Erklärung von Timothy Fogarty der Federal Reserve Bank of New York hilfreich sein. Ich habe dieses Dokument einfachheitshalber für Sie angehängt.“90
Hierauf schrieb ich wieder zurück:
„Ich will nicht unangenehm Ihnen gegenüber sein, aber ich fürchte, dass dies keineswegs eine Antwort ist. Die Gold-Swap-Dokumente, die in Warshs Brief zitiert werden, sind bei den Bundesgerichten nicht verfügbar. Das Gericht im GATA-Fall erlaubte der Fed, diese Dokumente zurückzuhalten. Darf ich Sie darum bitten, offiziell zu Protokoll zu geben, dass die Fed weder mir noch der Öffentlichkeit die Gold-Swap-Dokumente, die in Warshs Brief zitiert werden, zugänglich machen wird, ebenso wenig wie die Dokumente, bei denen es das Gericht unterließ, ihre Veröffentlichung gegenüber GATA durch die Fed zu veranlassen?“
Ich habe darauf keine weitere Antwort mehr erhalten.91
Die bilanztechnische Vermehrung von Gold
Reichweitenstarke Nachrichtenorganisationen scheuen davor zurück, überhaupt derlei Fragen zum Thema Goldpreismanipulation zu stellen. Obwohl man eventuell annehmen könnte, dass dieser Gegenstand ein journalistischer Glücksfall für sie darstellen sollte, herrscht diesbezüglich auf den Seiten der Financial Times, des Wall Street Journal, der New York Times, Reuters, Bloomberg News, der Associated Press und anderen gähnende Leere. Statt selbst an Regierungsbehörden und Banken kritische Fragen zu richten, was das Mindeste wäre, werden die Verdachtsmomente der Goldmarktmanipulation vom Schreibtisch aus allenfalls bequem als „die verrückten Gold-Verschwörungstheorien“ abgetan.92
Diese „verrückten Gold-Verschwörungstheorien“ gehen unter anderem davon aus, dass die westlichen Zentralbanken nicht annähernd so viel Gold zur Hand haben, wie sie behaupten. Manche Markt-Beobachter hegen den Verdacht, es sei in beträchtlichem Umfang westliches Zentralbankengold heimlich verkauft oder verliehen worden, um den Goldpreis seit über zwei Jahrzehnten zurückzuhalten. Eine Erklärung wurde mir von dem kanadischen Finanzanalysten und Goldfondsmanager Marshall Auerback im Jahre 2011 gegeben, als ich ihn fragte: „Glauben Sie, dass die Zentralbanken / der IWF das Gold in ihren Tresoren liegen haben, von dem sie sagen, dass sie es haben?“ Auerback erklärte: „In einem strikten buchhalterischen Sinne könnten sie es, aber das könnte womöglich irrelevant sein. … Ich vermute, dass die Zentralbanken in den vergangenen Jahren nicht viel Gold seit der Gründung des Washington Accord verkauft haben, aber ich denke, sie haben immer noch erhebliche Mengen in den Goldmarkt verliehen. Von einem FLOW-Standpunkt aus ist es unerheblich, ob das Gold verkauft oder verliehen wurde, da es als Angebot auf dem Markt erscheint. Die Kernfrage ist also, kann das verliehene Gold durch die Zentralbanken wieder zurückgewonnen werden? Die Arbeit von GATA und anderen Leuten wie Bob Landis und Reg Howe legt nahe, dass sie es nicht können.“ Es sei anzunehmen, dass das Gold, das ausgeliehen wurde, nicht zurück in den Markt kommen werde. Daraus folge, „dass die Zentralbanken dies in einem buchhalterischen Sinn durch eine Neueinteilung des geleasten Golds als verkauft bestätigen, so dass von einem STOCK-Standpunkt das GATA-Argument bestätigen werden wird, dass die Zentralbanken weit weniger Gold halten, als allgemein angenommen.“93
In Hinblick auf die Frage, ob der Goldpreis manipuliert werde, entgegnete mir Auerback: „Jeder, der die Edelmetall-Märkte in den letzten 15 Jahren beobachtet hat, kann nicht umhin, von dem Niveau der Intervention, das auftritt, erstaunt zu sein. … Die Zentralbanken haben seit Jahren an den Devisenmärkten interveniert, den Anleihemärkten, und es gibt reichlich Spekulationen, dass sie es an den Aktienmärkten genauso tun. Warum sollte da ausgerechnet Gold anders sein? Wenn überhaupt, dann ist das der einfachste Markt, um manipuliert zu werden, angesichts der erheblichen oberirdischen Bestände, die die Zentralbanken an Goldlagerbeständen haben, und der relativ geringen Größe dieses Marktes (im Vergleich zu, sagen wir, den Devisenmärkten).“94
Für die These, dass ein Eingriff ins Goldmarktgeschehen zunächst vor allem über das Gold der Zentralbanken organisiert gewesen sein dürfte, gilt es folgender Tatsache Beachtung zu schenken: Zentralbanken ist es erlaubt, Gold, das sie in ihren Beständen halten, und Gold, das sie aus ihren Beständen an Dritte entliehen haben, in ihren Bilanzbüchern als eine Position zu führen. Selbstredend entspricht das nicht den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung und eine Mehrfacherfassung des gleichen Golds wäre Betrug. Wo solche Intransparenz herrschen darf, kann Betrug aber nicht ausgeschlossen werden. Fakt ist, dass die Zentralbanken, die die Mengen des von ihnen verliehenen Goldes in ihren Bilanzen offenlegen, an einer Hand abgezählt werden können. „Damit gibt es über die weltweit verliehene Menge Gold keine auch nur halbwegs genauen Angaben im Unterschied etwa zu den Devisenreserven oder auch zum Goldbestand, obwohl diese Zahl grundsätzlich von entscheidender Bedeutung für den Goldmarkt ist.“95
Ein vertraulicher interner Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom März 1999 zeigt auf, dass Zentralbanken „Informationen über Gold-Verleihungen und -Swaps als höchst markt-sensibel“ erachteten. Der Bericht wurde geschrieben, als IWF-Mitarbeiter eine Verschärfung der Bilanzberichtstandards für Zentralbanken vorschlugen. Die befragten Zentralbankenmitarbeiter brachten gegenüber dem IWF zum Ausdruck, dass die sogenannte „Special Data Dissemination Standard“-Vorlage „keine separate Offenlegung solcher Informationen erfordern sollte, sondern stattdessen alle Währungsgoldvermögenswerte, einschließlich Gold, das verliehen oder Gegenstand von Swap-Vereinbarungen ist, als ein einzelnes Datenelement behandeln sollte“.96
Auffällig ist nicht minder, dass bei den Goldbeständen der Zentralbanken keine ordentlichen Inventuren stattfinden. „Generell gibt es bezüglich der Goldlager der Zentralbanken und anderer staatlicher Stellen im Wesentlichen keine unabhängigen Überprüfungen, und es werden auch nur wenige Mengenangaben infolge interner Überprüfungen publiziert. Es gibt somit auch keine Angaben über den Tresorbestand, aus dem sich fundierte Rückschlüsse auf die genaue Menge des verliehenen Goldes ziehen ließen.“97
Das mutet insofern etwas befremdlich an, da der Internationale Währungsfonds physisch vorhandenes Gold als das höchste Reserve-Asset von Zentralbanken einstuft, höher noch als seine eigenen Sonderziehungsrechte. Der IWF schreibt: „Der Goldbarren-Anteil des monetären Goldes ist der einzige Fall einer Finanzanlage ohne Ausfallrisiko.“98 Will heißen: Der Teil des monetären Goldes, der in Form von Goldbarren vorliegt, ist die einzige Finanzanlage ohne jedes Risiko, dass ein Vertragspartner seiner Verpflichtung nicht nachkommt.
Beim verliehenen Gold handelt es sich aber nicht mehr länger um ein Sachvermögen, über das man jederzeit und uneingeschränkt verfügt, sondern lediglich um eine Forderung; der Nimbus, der dem Gold vom IWF zugeschrieben wird, geht somit verloren. Überdies vermag sich das Gold bilanztechnisch zu vermehren. Wenn eine Zentralbank 100 Tonnen Gold an eine Privatbank verleiht und diese Privatbank verkauft die 100 Tonnen an eine andere Zentralbank weiter, geschieht in den Bilanzen der beiden Zentralbanken dieses: die Zentralbank, die das Gold verliehen hat, führt die 100 Tonnen nach wie vor als Aktivposten unter der Rubrik „Gold und Goldforderungen“, während die Zentralbank, die das verliehene Gold von der Privatbank gekauft hat, ebenfalls 100 Tonnen in ihrer Bilanz stehen hat. „Aus 100 Tonnen wurden 200 Tonnen. In den Bilanzen beider Notenbanken stehen jetzt unter Aktiva je 100 Tonnen, das macht zusammen 200 Tonnen.“99
Das Verschleiern der Verleihmengen entspricht nicht den Gepflogenheiten internationaler Bilanzierungsrichtlinien – darf aber als indirektes Eingeständnis der Notenbanker gewertet werden, „dass es eine – und sei es in Teilen stillschweigende – Übereinkunft der Zentralbanken gibt, die Mengen nicht zu nennen, damit nicht bekannt wird, wie viel Gold von den Zentralbanken weltweit verliehen wurde“.100
Warum ist das ein Problem? Nun, der Goldpreis kann von Zentralbanken durch Goldverkäufe und Goldverleihgeschäfte beeinflusst werden. Und in der Tat brachten die westlichen Zentralbanken zwischen 1993 und 2001 einen stattlichen Betrag an Gold auf beiderlei Weise auf den Markt, um den Goldpreis und damit die Inflationserwartung niedrig zu halten. Hierzu griffen sie auf ihre eigenen Goldreserven zurück. Beim Verleihgeschäft wanderte das Gold von den Zentralbanken an die Bullionbanken – das sind jene Privatbanken, die mit Goldbarren Handel treiben. Das Gold tauchte also im Markt auf – was letztlich den gleichen Effekt hat wie ein direkter Verkauf: der Preis geht nach unten. Von dem fallenden Preis profitierten die Bullionbanken durch das Zinsdifferenzgeschäft des sogenannten Gold-Carry-Trades.
Hierbei leiht man sich „Gold von einer Zentralbank und legt es besser verzinslich an, um die Differenz als Gewinn zu erzielen. Das Gold muss allerdings zuvor verkauft werden, um den Erlös beispielsweise in festverzinsliche Anleihen investieren zu können. (…) Die Bullionbank (…) leiht sich Gold zu sehr günstigen Zinsen, verkauft es im Markt und legt den Erlös höher rentierlich an. Da die Zinsdifferenz zwischen Goldleihezins und Anleihezins meist viel höher ist, ist es auch der daraus resultierende Gewinn. Wie bei jedem Carry-Trade haben die Bullionbanken nun aber ein eigenes Interesse, dass der Goldpreis fällt. Denn sie sind das Gold schuldig, und je niedriger sie es im Markt zurückkaufen können, desto mehr verdienen sie. Wenn es steigt, verlieren sie hingegen. Der Gold-Carry-Trade ist somit eine besondere Geschäftsart, da es bei ihm nur ein Interesse an fallenden Preisen gibt.“101
Von Interesse: Im Juli 1998 hatte der Fed-Vorsitzende Alan Greenspan bei einem Auftritt vor dem US-Repräsentantenhaus erklärt, dass „die Zentralbanken bereit sind, Gold in zunehmenden Mengen zu leasen, wenn der Preis steigt“.102 Womit Greenspan deutlich anklingen ließ, dass der Zweck des Goldleasings durch die Zentralbanken, sollte er sich materialisieren, darin bestünde, den Goldpreis nach unten zu drücken.
Zum Ursprung des Gold-Carry-Trade erklärte mir Bill Murphy, der GATA-Vorsitzende: „Bevor er CEO von Goldman Sachs und dann US-Finanzminister wurde, arbeitete Robert Rubin in London für Goldman Sachs. Eine seiner Aufgaben war die Beaufsichtigung der Goldhandelsgeschäfte des Unternehmens. Das wissen wir, weil der CEO des GATA-Unterstützers Kirkland Lake Gold, Brian Hinchcliffe, damals in London für Goldman Sachs gearbeitet und direkt an Robert Rubin berichtet hat. Das ist viele Jahre her, und die Zinsen in den USA waren sehr hoch, so zwischen 8 und 12 %. Rubin ließ Goldman Sachs Gold von den Zentralbanken leihen, am physischen Markt verkaufen und die Erlöse zur Finanzierung der eigentlichen Geschäftsaktivitäten von Goldman Sachs einsetzen. Das konnte das Unternehmen zu einem Zinssatz von 1% tun. Es war wie KOSTENLOSES Kapital, solange der Goldpreis nicht für eine beliebige Zeit auf ein nachhaltiges Niveau stieg. Bald erkannten andere große Finanzinstitute, was GS da trieb und machten es nach. Rubin führte diese Geschäfte als CEO von Goldman Sachs fort und übertrug sie dann als US-Finanzminister auf eine neue Ebene. Die Goldpreismanipulation wurde Dreh- und Angelpunkt seiner gefeierten ,Politik des starken Dollar‘.“103
Im August 2017 schickte ich eine Presseanfrage an das kanadische Bergbauunternehmen Rupert Resources Ltd., wo Brian Hinchcliffe inzwischen den Vorsitz innehatte. In meinem Schreiben fragte ich Herrn Hinchcliffe, ob er die Aussagen von Bill Murphy bezüglich Goldman Sachs bestätigen könne. Außerdem zeigte ich Herrn Hinchcliffe ein Statement von William Hamilton, dem Gründer der US-Softwarefirma Inslaw. Hamiltons Unternehmen hatte eine Software namens PROMIS entwickelt, die von 1981 an durch die National Security Agency (NSA) eingesetzt wurde, um das westliche Bankensystem in Echtzeit zu überwachen.104 Im Zusammenhang mit diesem NSA-Programm, „Follow the Money“ genannt, erzählte mir Hamilton, dass eine seiner Geheimdienstquellen ihm gegenüber einst gesagt habe, dass das Londoner Büro von Goldman Sachs zu den Privatfirmen gehörte, die die NSA-Banküberwachungsversion von PROMIS verwendet haben sollen. In meiner Anfrage wollte ich von Herrn Hinchcliffe erfahren, ob er irgendetwas dazu wisse.
Meine Fragen blieben unbeantwortet.
Verschiedene Phasen des Goldpreis-Managements
Die durch Leihgeschäfte von Privatbanken aufgebauten Goldpositionen wurden ab dem Jahre 2001 zunehmend zurückgeführt. Das Goldangebot, das dem Markt aus Zentralbankbeständen zur Verfügung gestellt worden war, um zunächst einen Goldpreisanstieg zu verhindern (1993-1996) und danach sogar einen fallenden Kurs zu bewirken (1996-2001), nahm real ab. Der Preis begann nun allmählich emporzuklettern, im Gegensatz zu den Jahren zuvor, als „nämlich viel Gold durch Verleihungen auf den Markt“ gelangt war, während nunmehr „dem Markt durch die Rückabwicklung von Verleihgeschäften Gold entzogen“ wurde. „Die Zentralbanken hatten also erkannt, dass diese es regulär nicht mehr zurückliefern konnten.“ Um die Bullionbanken und sich selbst aus dem Dilemma hinauszumanövrieren, waren die Zentralbanken gezwungen, das Gold selber zu beschaffen: „Sie mussten aus ihren eigenen Beständen Gold verkaufen, damit die Bullionbanken den Zentralbanken das geliehene Gold zurückzahlen konnten.“ So geschah es auch: „sie erhöhten insgesamt die Verkäufe“, die eigentlich nach dem Washington Agreement on Gold (WAG) hätten begrenzt werden sollen, „und führten die Verleihungen zurück. Damit machten sie vorherige Verleihungen zu vorgezogenen Verkäufen.“105 Einher ging dies mit einer Verlagerung der Preis-Managementpraxis: „Die Interventionen sind seitdem nicht mehr durch physisches Angebot durch die Goldleihe dominiert, sondern haben ihren Schwerpunkt an den Terminmärkten. Wegen des fehlenden zusätzlichen Zentralbankgold-Angebots steigt zudem der Goldpreis. Der Preis wird seitdem nicht mehr gehalten, lediglich der Anstieg gebremst.“106
Datieren lässt sich diese Trendumkehr mit Mai 2001.107 Seither besteht das „pragmatische Ziel“ lediglich darin, „den Goldpreis nicht zu schnell steigen zu lassen. Man lässt den Anstieg zu, weil man nicht noch mehr Gold verlieren möchte. Der Preisanstieg bedeutet somit nicht, dass keine Interventionen mehr stattfinden. Es handelt sich vielmehr um ein Abbremsen, in Verbindung mit einem geordneten Rückzug.“ Bestimmte Preismarken, an denen man sich orientiert, werden nun weniger, sie sind temporärer Art: „so sollte der Goldpreis in der Finanzmarktkrise nicht über die psychologisch wichtige runde Zahl 1000 … steigen“.108
Der Verdacht, dass es beim Goldpreis nicht immerzu mit rechten Dingen zugeht, besteht seit langem. Erstmals war es wohl der Investmentberater Frank Veneroso, der die systematischen Goldinterventionen gegenüber einem größeren Publikum thematisierte. Unter der fragenden Überschrift What’s holding gold down? schrieb der Gründer von Veneroso Associates am 5. Juni 1995 im Forbes Magazine: „Erneut traf der Goldpreis bei 400 Dollar je Unze auf Widerstand. Die Märkte sind erfüllt mit Gerüchten, dass die Zentralbanken den Preis gedeckelt haben.“109
1998 trug Veneroso seine Forschungsergebnisse zum Goldmarkt zusammen, als Bill Murphy für ihn als Rohstoffmakler in New Hampshire arbeitete. Zu dieser Zeit arbeitete auch Marshall Auerback für Veneroso. Ein Kernbefund, den Veneroso 1998 in The Gold Book publik machte, bestand in der damals erstaunlichen Aussage, dass die Zentralbanken weit mehr Gold verliehen hatten, als sie öffentlich zugaben. Diese Information, so teilte mir Bill Murphy mit, stammte von der Bank of England.110 Ebenfalls 1998 gründete Bill Murphy zusammen mit dem Journalisten Chris Powell das Gold Anti-Trust Action Commitee (GATA), um die Goldpreisintervention öffentlich zu machen. Den Einfluss von Frank Veneroso verdeutlichte mir Marshall Auerback, als ich ihn in einem Interview danach befragte, ob die Wirtschaftswissenschaften und die Finanzpresse ein gutes Verständnis beim Gold besäßen. „ Ich denke, nur wenige Leute verstehen es tatsächlich gut. Ich bin durch eine Reihe von Leuten beeinflusst worden, die es gut verstanden, insbesondere durch jemanden wie Frank Veneroso, der in der Goldwelt sehr bekannt ist. Frank half mir wirklich, die Rohstoff-Dynamiken dahinter zu verstehen. Schauen Sie, die beteiligten Ökonomen und Finanzleute sind bisweilen etwas theologisch bei der Sache, sie betrachten es immer noch als eine Form von Geld und sie denken, wir werden zu einer Welt des Goldstandards zurückkehren. Ihrer Ansicht entspricht es, dass es freies Geld ist, im Gegensatz zur furchtbar regierten Fiat-Währung. Ich hege diese theologischen Überzeugungen nicht. Ich glaube, dass es vom derzeitigen Investmentumfeld zu einer interessanten Investmentgelegenheit gemacht wird, aber ich erachte dies nicht als ein existentielles Problem von Leben und Tod, so wie das manche Leute tun. Die Leute, die es einfach ignorieren, sind in anderer Weise ebenfalls voreingenommen. Sie neigen dazu, es als etwas wegzuwischen, das keinerlei Wert besitzt. Aber es verhält sich ziemlich so, wie mit einer Versicherungspolice: man denkt, das sei reine Zeitverschwendung, bis man ein Erdbeben oder eine Flut erlebt, und auf einmal muss man diese Police einlösen; deswegen ist es weder das eine noch das andere.“
Meine Frage, ob der Goldmarkt ein wirklich freier Markt sei, wurde von Auerback mit der Antwort quittiert: „Nein, es ist kein freier Markt, aber Gold selbst als Anlagegut ist in dem Sinne frei, dass es von den Schuldverbindlichkeiten unbelastet ist, die mit Papiergeld verbunden sind. Aber nein, natürlich ist das kein freier Markt. GATA und Bill Murphy haben dazu die beste Arbeit geleistet, und ich denke, es ist ziemlich offensichtlich, dass er in hohem Maße vom offiziellen Sektor kontrolliert wird. Selbstverständlich sollten wir darüber nicht überrascht sein. Sie intervenieren derzeit in jedem anderen Markt – in den Währungsmärkten, Bondmärkten und Aktienmärkten. Warum sollten wir also überrascht sein, wenn sie sich bei den freien Funktionsweisen des Goldmarkts einmischen, insbesondere dann, wenn sie selber einen so großen oberirdischen Bestand davon haben, der ihnen reichlich Möglichkeit dazu gibt, diesen Markt zu manipulieren.“111
Shock & Awe
Preisschocks, das heißt: „überraschende, schnelle Kursrückgänge“, sind eine bevorzugte Methode des Goldpreismanagements. „Sinn dieser Interventionsmethode ist es, Anleger und Interessenten abzuschrecken. Sie sollen dem Markt fernbleiben.“112 Man spreche von einer Übertragung der Shock & Awe-Praxis, welche im Irakkrieg Anfang 2003 Anwendung fand, auf das Terrain der Finanzmärkte.113 Die „schockartigen Fallbewegungen“, die beim Goldpreis auftreten, können im Sinne von „Ausmaß, Art und Dauer“ jedoch „individuell recht unterschiedlich“ ausfallen: „Manche Schocks ziehen sich über viele Minuten hin und betreffen einen größeren Rückgang, andere finden deutlich schneller statt, wobei die Kurse weniger stark fallen.“114 Solche Abwärtsschocks sind fernerhin „nur eine Interventionsmethode von mehreren“. Andere wären „das Abfangen steigender Kurse“ bzw. „Begrenzungen von Kursanstiegen im Innertagesverlauf“ und „das Zur-Verfügung-Stellen physischen Goldes durch Verkäufe und Verleihungen (insbesondere bis 2001)“.115
Statistisch lässt sich darüber hinaus belegen, dass der Goldpreis vor allem dann fällt, wenn der Terminmarkthandel an der New Yorker Rohstoffbörse COMEX läuft. „Er tut dies dann meist auch schockartig. Dabei fällt er in kurzer Zeit, oft ohne jeden Anlass, um nennenswerte Beträge.“116 Die Wirkung, die vom Terminmarkt auf Gold ausgeht, wird zumeist unterschätzt. Tatsächlich lassen sich über den Terminmarkt jedoch „plötzliche und extrem schnelle Abwärtsbewegungen über massive Verkäufe“ einleiten, und diese Einflussnahme vermag die Preisentwicklung dauerhaft zu beeinträchtigen, „ohne dass dazu physisches Material auf den Markt kommen muss. Damit aber werden die schockartigen Verkäufe am Terminmarkt eine dritte wichtige Säule der Interventionen am Goldmarkt, neben den Verkäufen und Verleihungen. Sie wirken ähnlich wie diese im physischen Markt. Obwohl diese auffälligen Rückgänge seit Jahren bekannt sind und von Marktbeobachtern diskutiert werden, wird die Dauerhaftigkeit des Effekts oft unterschätzt, vor allem aber seine Bedeutung für den physischen Markt. Man braucht weniger physisches Gold, um den Preis zu beeinflussen. Umgekehrt bedeutet das aber, dass relativ wenig Gold aus Verleihungen ausreichend sein kann, um den Preis in dem Ausmaß zu beeinflussen, wie es geschehen ist. Es muss nicht die Hälfte des Zentralbankengoldes in den Markt gelangt sein, um die Entwicklung am Goldmarkt in den letzten Jahren erklären zu können.“117
Leerverkäufe am Terminmarkt in großen Umfängen führen zu einem fallenden Preis des Golds. Das Gold wird theoretisch ausgeliehen (existiert aber praktisch nur auf dem Papier), und kommt anschließend zum Weiterverkauf. Das, was verkauft wird, befindet sich beim Leerverkauf also nicht im Besitz des Verkäufers. Theoretisch kann der Verkäufer bei einem gefallenen Preis das Gold im Markt kaufen und es dem Leihgeber zurückerstatten. Aus der Preisdifferenz zwischen dem vorherigen Verkauf und dem späteren Kauf ergibt sich dann der Gewinn.
Für eine Kursbeeinflussung bietet der Terminmarkt „die beste und günstigste Möglichkeit“, insofern man dort „mit geringem Kapitaleinsatz, bruchteilig in Relation zum vollen Preis, große Positionen einzugehen“ in der Lage ist. „Damit kann auch der finanzielle Aufwand deutlich reduziert werden.“118
Im November 2015 bestand zwischen jeder Unze Gold, die im registrierten Inventar der COMEX als lieferbar geführt wurde, und jenen Unzen, die lediglich auf gehandeltem Papier existierten, ein Verhältnis von 1:298.119 Mit anderen Worten, die COMEX erlaubte, dass über 290-mal so viel Gold auf dem Papier gehandelt wurde, als an wirklichem Gold an der Börse vorhanden war. Würden die Beteiligten auf physische Gold-Lieferungen bestehen, müsste die COMEX dicht machen. Da es aber zumeist nur zu Barausgleichen kommt, wenn die gehandelten Papierverträge fällig werden, kann das Spiel problemlos weitergehen. Überdies ist es möglich, die Goldfuturekontrakte, die an der COMEX gehandelt werden, abseits der Börse zu begleichen. Dies bedeutet: steht tatsächlich die Auslieferung von physischem Gold an, muss zu diesem Zweck nicht das Gold herangezogen werden, das von der COMEX vorrätig gehalten wird, sondern es kann sich direkt um Gold überall auf der Welt handeln.120
Anfang 2016 legten die Forscher Jonathan Battena, Brian Lucey und Maurice Peat in einer wissenschaftlichen Arbeit (namens Gold and Silver Manipulation – What Can Be Empirically Verified?) nahe, dass die Wahrscheinlichkeit höher liegt, dass jemand an den Preisen für Gold und Silber manipulierend herumdoktert, wenn an den Terminmärkten der Fälligkeitstermin für Optionskontrakte ansteht, als dies an anderen Tagen der Fall ist.121
Eine „vertrauliche Kooperation“ unter Bankern
Gewöhnlich hängen akademische Historiker und Ökonomen der Neigung an, die Beeinflussung des Weltgeschehens durch Gruppen von Individuen, die zusammen auf vertraulicher Basis einen Plot entwickeln, abzustreiten und ins Reich der Fabeln zu verweisen, obwohl ein ganz offensichtlicher Weg, um erwünschte Dinge erledigt zu bekommen, darin besteht, mit Verbündeten Pläne auszudenken, die man anschließend umsetzt, währenddessen man seine Konkurrenten so lange wie möglich darüber im Dunkeln tappen lässt. Man mag das vielleicht „Verschwörung“ nennen; „vertrauliche Kooperation“ trifft es eher.122 Zentralbanken etwa handeln nicht allein im Goldmarkt, „sondern kooperieren mit privaten Instituten. Solche Kooperationen gibt es auch in anderen Bereichen, etwa bei der Übernahme angeschlagener Bankhäuser. Auch beim 2012 aufgedeckten Libor-Skandal, bei dem Privatbanken langjährig den Referenzzinskurs manipulierten, scheint mit der Bank of England eine Zentralbank involviert zu sein. Motive für solche Kooperationen gibt es viele, etwa das Delegieren von Tätigkeiten. Außerdem können Kooperationen Aufwand und Zahl der unmittelbar involvierten Personen reduzieren, denn nicht jeder, der an einer Intervention mitwirkt, dürfte wissen, dass er sich an einer Intervention beteiligt. Viele dürften einfach ihre Arbeit im Gewinninteresse der Bank machen. Die involvierten Privatbanken agieren dabei nicht so nur als Agenten, sondern verfolgen aus Gewinnstreben dasselbe Ziel wie die Zentralbanken.“123
Eine „Verschwörung“ zeichnet sich im Wesentlichen dadurch aus, dass sich mindestens zwei Personen vertraulich hinsichtlich einer bestimmten Angelegenheit zusammentun, um gemeinsam diesbezüglich tätig zu werden. Anders erklärt: „Eine Verschwörung bezeichnet einen heimlichen Bund zur Durchführung eines Planes mit entweder egoistischer Zielsetzung zum Schaden Dritter oder mit dem Ziel, Missstände zu beseitigen. Diese Definition belegt, dass Mobbing in der Firma, dass Kartellabsprachen bei Siemens, dass die Irreführung der UN im Fall des Irak durch die USA oder auch ein Seitensprung eines Ehepartners alle diese Voraussetzungen erfüllen. Ergo ist die Verschwörung weitaus häufiger die Norm, als es diejenigen behaupten, die bei dem Begriff Verschwörungstheoretiker in verächtlicher Manier ein Schlagwort bemühen, um eine sachliche Debatte über harte Indizien im Keim zu ersticken. So etwas ist übrigens nicht mehr als gelebte Arroganz.“124
Letztlich stellt eine Verschwörung „nichts anderes als eine geheime Übereinkunft einer Reihe von Männern zur Verfolgung von Vorhaben“ dar, „die sie sich in der Öffentlichkeit nicht zuzugeben trauen”.125 Wenn Zentralbanken, wie der BIZ-Ökonom White im Jahre 2005 nahelegte, zusammenarbeiten, und dies heimlich geschieht, vermag gesagt zu werden, dass sie sich im vorangegangenen Sinne „verschwören“, um die Gold- und Devisenmärkte verdeckt zu beeinflussen, namentlich in eine Richtung, die ihnen beliebt. Den Begriff „Verschwörung“ rationalisierend, ließe sich formulieren, dass sich der „Verschwörungs“-Prozess durch Konsensbildung und der anschließenden Ausführung des erzielten Konsens im jeweils vertraulichen Rahmen auszeichnet. In diesem Lichte betrachtet war es wohl eine „Verschwörung“, als sich Mitglieder der Europäischen Zentralbank vertraulich trafen, um ihre Abmachungen zum Zentralbankengold abzuschließen und mehrfach zu erneuern. Ziel: durch koordinierte Goldtransaktionen zur Verhinderung von Marktturbulenzen beizutragen.126 Das sogenannte Washington Agreement on Gold vermag durchaus als Absprache und Einrichtung zur Preiskontrolle betrachtet werden.127 Und als sich das G-10-Gold- und Währungskommitee im April 1997 im Geheimen bei der BIZ in der Schweiz traf, um seine vertrauliche, mit der Öffentlichkeit nicht weiter kommunizierte Goldpolitik zu koordinieren, handelte es sich wohl auch um eine Art von „Verschwörung“.128
Interventionen im Goldmarkt stehen nach wie vor auf der Agenda. Alexandre Gautier, der damals die Marktoperationen der Banque de France leitete, teilte auf einem Treffen der London Bullion Market Association (LBMA) im September 2013 mit, dass die französische Zentralbank „nahezu täglich“ mit Gold Handel treibe und „aktiv im Goldmarkt für andere Zentralbanken und öffentliche Institutionen“ sei.129 Im Januar 2015 wurde Gaultier gefragt, welchen Zweck der Goldhandel der Banque de France erfülle. Gaultier entgegnete, dass die französische Zentralbank ihre Operationen im Goldmarkt nie erkläre.130 Abermals auf einem Treffen der LBMA ließ Gautier im November 2014 durchblicken, dass die Zentralbanken ihre Goldreserven in letzter Zeit „aktiver“ handhabten. Die Folien, die er präsentierte, deuteten darauf hin, dass dieses aktivere Management hauptsächlich über Goldswaps, ein Instrument für heimliche Marktinterventionen, erfolgt. In einer augenscheinlichen Bezugnahme auf die jüngsten Forderungen nach einer Goldrückführung in Deutschland und der Schweiz äußerte sich Gautier gegenüber seinen Zuhörern von der LBMA, dass das, was er als „Auditierbarkeit“ bezeichnete, sich „derzeit zu einem kritischen Punkt“ für Zentralbankgoldreserven entwickele.131
James G. Rickards, ein Goldmarktanalyst, der in der Vergangenheit u.a. zur Organisation und Durchführung einer Finanzkrieg-Simulation des Pentagon beitrug, der ersten ihrer Art,132 erklärte mir in einem Interview, die Zentralbanken würden von sich gerne behaupten, sie unterhielten keinerlei Aktivitäten im Goldmarkt, und sie beliebten, die Rolle von Gold in internationalen Finanztransaktionen herunterzuspielen.133 „Doch tatsächlich sind sie aktiv. Dafür haben wir unlängst Belege gefunden, und zwar im letzten Jahresbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der BIZ mit Sitz in Basel (Schweiz). Dort wurden in einer Fußnote zum Abschluss Goldrückkaufvereinbarungen, im Prinzip Golddarlehen, über wenigstens mehrere hundert Tonnen Gold ausgewiesen.134 Wir wissen, dass die BIZ als Agent ihrer Mitglieder auftritt, darunter Deutschland und die Vereinigten Staaten. Das heißt, es finden Zentralbank-Goldaktivitäten über die Einrichtungen und die Zwischenschaltung der BIZ statt. Das ist definitiv nachweisbar, aber wir wissen nicht, welche Länder dahinterstecken. Ob es die Vereinigten Staaten oder Deutschland sind, darüber habe ich keine Informationen. Aber sie haben die beiden größten Bestände und es erfolgen Zentralbankaktivitäten über die BIZ. Daher könnte man vermuten, dass die Vereinigten Staaten und Deutschland etwas damit zu tun haben, aber ich habe keine Beweise dafür. Wir haben nur indirekte Belege.“ In puncto Geheimniskrämerei, auf die man bei Zentralbanken im Goldbereich stößt, sagte Rickards: „[W]enn Sie versuchen, den Markt zu manipulieren, gilt: Je mehr Geheimhaltung, desto besser.“ Die Manipulation, die vor sich ginge, „machen sie seit mindestens 60 Jahren“, so Rickards weiter. „Die Zentralbanken betrachten es nicht als Manipulation, sie halten es für einen Teil ihrer Aufgabe oder Politik. Aber aus Marktsicht lässt es sich am besten als eine Form der Marktmanipulation betrachten.“
Als ich ihn auf die Goldpolitik von China und Russland ansprach, kommentierte Rickards diese mit den Worten: „Nun, ihre Politik ist sehr klar, sie müssen Gold kaufen. Betrachten Sie irgendeine Messgröße: das absolute Eigentum an Gold, Gold als Prozentsatz der Reserven, Gold in Prozent des BIP – wenn Sie eine beliebige Messgröße nehmen, bei der Gold mit der Wirtschaftsaktivität verglichen wird, sind Länder wie die Vereinigten Staaten und Deutschland sehr stark und Länder wie China und Russland sehr, sehr schwach. China ist auf dem Papier ein Tiger, aber bei Gold ein Zwerg. Ich schätze, dass Russland über 1.000 Tonnen und China über 3.000 Tonnen kaufen muss, um eine Goldparität mit den Vereinigten Staaten von Amerika herzustellen.“
Angenommen, das Goldpreismanagement des Westens sorgt dafür, dass der Goldpreis nach unten beeinflusst wird, dann kaufen China und Russland das Gold, welches sie nunmehr seit Jahren stetig erwerben, zum Diskontpreis. Wie beim Jiu-Jitsu wird die Energie, die der Widersacher aufwendet, gegen ihn gerichtet, um ihn zu Boden zu bringen. In China scheint man sich der Gold-Gegnerschaft westlicher Zentralbanken bewusst zu sein, wie ein Kommentar nahelegt, der im April 2013 im chinesischen Journal Global Finance veröffentlicht wurde. In dem Kommentar, verfasst vom stellvertretenden Herausgeber Zhang Jie, der auch als Berater der China Gold Association fungiert, hieß es: „Wenn man Gold kontrollieren will, ist es eine Notwendigkeit, die Fähigkeit zu haben, es leerverkaufen zu können. Eine Zentralbank, die Gold direkt unterdrückt, würde als Marktmanipulator verdächtigt werden. Das Gold-Leasing durch die Zentralbank könnte dagegen unbemerkt stattfinden. Während einer Finanzkrise würde Gold sowohl mehr Geldkraft als auch Vertrauen haben. Die Staaten müssen das Vertrauen in ihre nationalen Währungen kontrollieren und deshalb den tatsächlichen Marktpreis von Gold drücken, der die Wechselkurse beeinflusst.“135
Für dieses Buch fragte ich den US-Ökonom Michael Hudson, ob er glaube, dass der Goldpreis manipuliert sei. Daraufhin Hudson: „Ja, der Goldpreis ist manipuliert. Er wird dadurch niedrig gehalten, dass die Fed Gold auf dem Terminmarkt zu einem niedrigen Preis verkauft. Das hat den Preis am Steigen gehindert.“136
Als ich ihn in einem Interview befragte, ob es Anreize für Zentralbanken gäbe, den Preis für Gold, dem Konkurrenten des Papiergelds, zu deckeln, antwortete mir der belgische Währungsexperte Bernard Lietaer bereits im Jahr 2012: „Ja, ich würde sagen, dass es insbesondere für den US-Dollar, für die USA, so ist, ja, und dass es Anzeichen für einige Manipulationen gab, ja.“137
Ausfallrisiko
Mit Blick auf China und Russland sollte die von Peking und Moskau angetriebene Shanghai Cooperation Organization (SCO) erwähnt werden, deren Ziel es ist, „die Zusammenarbeit in Politik, Handel und Wirtschaft zu fördern. Als interessante Randnotiz: die Region macht einen signifikanten Anteil an der weltweiten Goldproduktion aus.“138 Die Mitgliedsstaaten der im Sommer 2001 gegründeten SCO neigen dazu, im Goldmarkt auf der Käuferseite zu stehen und die einheimische Goldproduktion zu großen Teilen im eigenen Lande zu behalten. Die chinesische Zentralbank ist seit Jahren ein überaus emsiger Käufer auf dem physischen Goldmarkt (etwa über den staatlichen Fonds namens SAFE) – und wird es auch bleiben. Zudem arbeitet China sehr eng mit Russland zusammen – ebenfalls ein großer Nettokäufer physischen Golds –, wenn es um Investitionen in gemeinsame Energieprojekte und den Aufbau begleitender Währungs-Swaps geht.
Während China der größte Goldproduzent der Welt ist, steht Russland in dieser Rangliste auf dem dritten Platz. Zusammen produzieren beide Länder 25 Prozent der weltweiten Goldproduktion.139 Allerdings gilt es der Tatsache Aufmerksamkeit zu schenken, dass das Gold, das in China und Russland produziert wird, nur in geringen Maßen, wenn überhaupt, auf dem internationalen Markt landet.
Im Frühjahr 2016 veröffentlichte der irische Goldmarktanalyst Ronan Manly ein Profil von 25 verschiedenen Goldmärkten der Welt.140 Kurz darauf fragte ich Manly in einem Interview, welcher der Märkte, die er untersuchte, künftig am interessantesten sein werde. „Ich denke, es gibt einige interessante Märkte. Aber derjenige, der mich am meisten fasziniert hat und von dem ich denke, dass er künftig sehr wichtig sein wird, ist der in Russland. Und das hat mehr damit zu tun, dass der russische Goldmarkt in den letzten Jahren von Käufen der russischen Zentralbank dominiert wurde. Ihre Schwestern-Organisation heißt Gokhran, sie ist der staatliche Fonds für Edelmetalle. Ich hatte darüber nicht wirklich nachgedacht, bis ich das zu erforschen begann, doch im Augenblick wird die Mehrheit der Goldproduktion, die jedes Jahr aus Russland kommt, von der Zentralbank aufgekauft. Sie tun das aber über einen sehr cleveren Prozess, bei dem die Geschäftsbanken als Zwischenglied dienen. So finanzieren die Geschäftsbanken die Goldproduzenten, die das Metall abbauen, das dann an die Raffinerien geschickt wird, allerdings wird es von den Geschäftsbanken wie Sberbank, NOMOS, VTB und Gazprombank gekauft. Und dann verkaufen sie es entweder an die Gokhran oder an die Zentralbank. Was man also beispielsweise sieht ist, dass die russische Zentralbank vor ungefähr sieben oder acht Jahren bloß 400 Tonnen Gold in ihren offiziellen Reserven hatte, und nun hat sie knapp über 1.400 Tonnen. Und ich denke, ein anderer Teil der Gleichung, den die Leute nicht begreifen, und es ist ziemlich undurchsichtig, ist die Tatsache, dass die Gokhran auch Gold kauft. Deswegen denke ich, dass manchmal, wenn die Zentralbankreserven aktualisiert werden, es Übertragungen von der Gokhran gibt, in der Weise, die wir vermuteten, dass die PBoC in China Metall von anderen chinesischen Staatsentitäten überträgt. Von einer Angebotsperspektive betrachtet ist es auch interessant, denn wenn das russische Staatssystem eine Menge der russischen Goldproduktion verschlingt, bedeutet das, dass es weniger Gold fürs Weltangebot gibt. Darum denke ich, dass es wirklich wichtig sein wird, diesen fortgesetzten Trend zu beobachten, bei dem eine Menge der russischen Goldproduktion vom Staat übernommen wird. Und das wird definitiv Auswirkungen auf das weltweite Goldangebot haben, wenn die Nachfrage das Angebot weiterhin übertrifft.“141
Die von Manly angesprochene Gokhran, eine Abteilung des russischen Finanzministeriums, ist buchstäblich die staatliche Schatzkammer der Russischen Föderation, die 1996 etabliert wurde, um Edelmetalle, Edelsteine, Juwelen und Mineralien zu erwerben, zu verkaufen und zu lagern. Als solche ist die Gokhran auch verantwortlich für den Staatsfonds für Edelmetalle und Edelsteine Russlands.
In Anbetracht der Sanktionen, die der Russischen Föderation ob der Ukrainekrise auferlegt wurden, mochten die ziemlich konstanten Goldkäufe auffallen, die Russland in dieser Zeit tätigte. Bei Einschränkungen im internationalen Zahlungsverkehr dürfte Gold, über das man souverän, uneingeschränkt und physisch verfügt, nach wie vor die beste Währung darstellen, auf die Nationalstaaten zurückgreifen können. Im Mai 2015 war über den Zuwachs der russischen Goldbestände zu vernehmen, dass dieser bei der russischen Zentralbank explizit als Versicherung gegen „politische Risiken“ angesehen wurde.142
Ende Oktober 2014, als er beim Council on Foreign Relations (CFR) auftrat, sagte der ehemalige Vorsitzende der U.S. Federal Reserve Alan Greenspan: „Gold ist eine Währung. Es ist immer noch, nachweislich, eine erstklassige Währung. Keine Fiat-Währung, einschließlich des Dollar, kann es mit ihr aufnehmen.“143
Wenige Wochen später fand man den Sinn von Russlands Absichten und Greenspans Worten in der Tageszeitung Die Welt aus dem Hause Springer gespiegelt, als es dort hieß: „Während Amerika mit seiner Leitwährung die eigenen politischen Interessen durchsetzen kann und damit auch Sanktionen, gibt es beim Gold keinen derartigen Hegemon. Der Aufbau von Goldreserven ist damit auch eine Art Unabhängigkeitserklärung gegenüber Amerika.“144
Mit Blick auf die Goldreserven Russlands sei zuletzt erwähnt, dass diese zwar insgesamt noch immer geringer sind als die der Bundesrepublik Deutschland. Allerdings lagert Russland inzwischen mehr Goldreserven auf eigenem Boden als es die Deutschen auf ihrem Terrain tun.
Der eine große Vorteil, den Gold im Vergleich zu allen anderen finanziellen Vermögenswerten aufweist – kein Ausfallrisiko -, ist nur dann gegeben, wenn man es physisch im eigenen Besitz hat, das heißt: dass es einem jederzeit uneingeschränkt zur eigenen Verfügung steht. Deutschland lagert ungefähr 49 Prozent seiner Goldreserven in New York City und in London. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass sich nur die Hälfte von insgesamt circa 3.300 Tonnen auf deutschem Boden befindet – und damit keinem Ausfallrisiko unterliegt. Russland lagert seine Goldreserven zu 100 Prozent daheim (2/3 in Moskau, 1/3 in Sankt Petersburg).145 Dementsprechend mag Russland weiterhin mit knapp 2.300 Tonnen alles in allem weniger Gold als Deutschland besitzen; trotzdem befindet es sich gegenüber den Deutschen klar im Vorteil.
Bereits vor einiger Zeit unterhielt ich mich darüber mit dem Goldmarktanalysten Jan Niewenhuijs (früher bekannt unter dem Alias Koos Jansen), indem ich erwähnte, die Bundesbank beabsichtige, ungefähr die Hälfte ihrer Goldposition in New York und London zu lassen. Niewenhuijs meinte dazu, dass man es im Fall einer Währungskrise doch eigentlich „lieber zu Hause“ und „nicht in England oder in New York“ haben möchte. „Nur wenn es eine Krise gäbe und man beabsichtigte, Gold zu verkaufen, würde man Gold gerne in London haben, aber wie ich es sehe, denke ich, dass es angesichts der heraufziehenden wirtschaftlichen Turbulenzen besser ist, das Gold zu Hause zu haben.“ Daraufhin sprach ich Niewenhuijs auf die Eigenschaft physischen Barren-Goldes an, keinem Ausfallrisiko zu unterliegen, und meinte: „Aber um ein solches finanzielles Gut zu sein, muss es sich wirklich im eigenen Besitz befinden, auf dem eigenen Boden, richtig?“ Antwort Niewenhuijs: „Richtig, Sie haben absolut recht. Wenn man über Gold spricht und Gold ist der einzige Vermögenswert ohne Ausfallrisiko, dann benötigt man es zu Hause, und natürlich besteht ein Ausfallrisiko, wenn es sich in London oder in New York befindet. So einfach ist das. Ja, Sie haben recht.“146
Das deutsche Gold muss in New York City nicht unbedingt besonders sicher sein, wie uns ein Blick in die Memoiren von Hjalmar Schacht über eine Begebenheit in den 1920er Jahren verrät. Der ehemalige Präsident der Reichsbank: „Ein anderes heiteres Ereignis ergab sich aus der Tatsache, dass die Reichsbank ein nicht unbeträchtliches Golddepot bei der Federal Reserve Bank in New York unterhielt. [NY-Fed-Vorstand Benjamin] Strong war stolz darauf, uns im tiefsten Keller des Gebäudes die Tresore zeigen zu können, und erwähnte dabei: ,Dr. Schacht, jetzt sollen Sie auch mal sehen, wo das Gold der Reichsbank aufbewahrt wird.‘ Wir durchschritten die Tresore, während die Beamten den Aufbewahrungsplatz des Reichsbank-Goldes suchten. Wir warteten viele Minuten lang, bis schließlich die Auskunft kam: ,Mr. Strong, wir können das Gold der Reichsbank nicht finden.‘ Strong war sehr bestürzt, aber ich tröstete ihn: ,Lassen Sie gut sein, ich glaube Ihnen, dass das Gold da ist. Selbst wenn es nicht da sein sollte, sind Sie mir gut für den Ersatz.‘“147
Über den weiteren Verbleib des deutschen Golds in Übersee schwieg sich Schacht in seinen Memoiren aus.
1 Vgl. Peter Warburton: The debasement of world currency – It’s inflation but not as we know it. GATA, 6. Februar 2010; http://www.gata.org/node/8303. Der Essay von Warburton wurde im April 2001 veröffentlicht. Im Sinne des Szenarios, das Warburton ausbreitet, ist ein Zitat von Interesse, welches Eddie George, ehemals Gouverneur der Bank of England, für September 1999 zugeschrieben wird. Demnach soll George gesagt haben: „Wir hätten in den Abgrund geblickt, wenn der Goldpreis weiter gestiegen wäre. Ein weiterer Anstieg hätte ein oder mehrere Handelshäuser in den Ruin getrieben, was wiederum alle anderen in den Ruin hätte treiben können. Deshalb mussten die Zentralbanken den Goldpreis um jeden Preis dämpfen, ihn managen. Es war sehr schwierig, den Goldpreis unter Kontrolle zu bringen, aber jetzt ist es uns gelungen. Die US-Notenbank war sehr aktiv bei der Senkung des Goldpreises. Das Gleiche gilt für Großbritannien.” Es handelt sich um ein Zitat, das in einem Gerichtsverfahren gegen die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) im Jahr 2001 eingeführt wurde. “… The plaintiff states that ‚according to reliable reports received by the plaintiff,‘ Edward A.J. George, Governor of the Bank of England and a director of the BIS, stated that, upon a rise in the price of gold in 1999 in the wake of an agreement by fifteen European central banks to limit their gold sales: ‚We looked into the abyss if the gold price rose further. A further rise would have taken down one or several trading houses, which might have taken down all the rest in their wake. Therefore at any price, at any cost, the central banks had to quell the gold price, manage it. It was very difficult to get the gold price under control but we have now succeeded. The U.S. Fed was very active in getting the gold price down. So was the U.K.’” Siehe Howe v. Bank for Intern. Settlements, 194 F. Supp. 2d6 (D. Mass. 2002); https://law.justia.com/cases/federal/district-courts/FSupp2/194/6/2577618/. Zur Klage gegen die BIZ siehe Jan Dirk Herbermann: Edelmetalle – Konspiration im Herrenclub? Der Spiegel, Nr. 2, 7. Januar 2001, S. 78-79; https://www.spiegel.de/wirtschaft/konspiration-im-herrenclub-a-bfe3dccd-0002-0001-0000-000018204238.
2 Ebd.
3 Vgl. Kevin Warsh: The ”Financial Repression” Trap – In Capitals Worldwide, Policy Makers Deliberately Obscure Market Prices and Prevent Informed Judgments. The Wall Street Journal, 6. Dezember 2011; http://online.wsj.com/article/SB10001424052970204770404577080181384917926.html. 2016 schrieb Warsh übrigens, dass die Fed die Finanzmärkte oft wie ein Tier behandle, das gezähmt werden müsse, oder – und hier wird’s interessant – „als ein zu manipulierender Markt“. Vgl. Kevin Warsh: The Federal Reserve Needs New Thinking. The Wall Street Journal, 24. August 2016; https://www.wsj.com/articles/the-federal-reserve-needs-new-thinking-1472076212.
4 Vgl. Lars Schall: Lots Of Questions, Few Answers. LarsSchall.com, 25. Oktober 2015; http://www.larsschall.com/2012/10/25/lots-of-questions-few-answers/
5 Vgl. Lars Schall: Governments impose prices on markets; there is no price discovery anymore. Interview mit Philippa Malmgren, GoldSwitzerland, 23. Februar 2015; https://goldswitzerland.com/dr-pippa-malmgren-governments-impose-price-on-markets/
6 Chris Powell: BIS president in 1981: We’ve got to start rigging the gold market. GATA, 22. April 2015; http://www.gata.org/node/15282
7 Chris Powell: Dutch central banker’s memoirs confirm gold price suppression. GATA, 29. April 2012; http://www.gata.org/node/11304. Beachte hierbei auch die Goldmarkt-Aktivitäten eines BIZ-Mitglieds, der Bank of England, in diesem Zeitraum. Kommentare eines hohen Offiziellen der Bank of England in einer Ausgabe des Magazins Central Banking legten die Vermutung nahe, dass die Bank of England auf geheimer Basis Gold in den 1980er Jahren handelte, um den Preis zu kontrollieren und dabei einen kleinen Profit für sich herauszuschlagen. Vgl. Ronan Manly: The Bank of England and the London Gold Fixings in the 1980s. Bullion Star, 28. Februar 2015; https://www.bullionstar.com/blogs/ronan-manly/bank-england-london-gold-fixing-1980s/. Zur Frage, wie der Goldpreis von den frühen 1980er Jahren bis Mitte der 1990er Jahre kontrolliert wurde, siehe Jan Nieuwenhuijs: How the Fed Controlled the Price of Gold From 1982 Until 1995. Gold Observer, 15. August 2020; https://thegoldobserver.substack.com/p/how-the-fed-controlled-the-price-of-gold-from-1982-until-1995.
8 William R. White: Past and Future of Central Bank Cooperation / Opening Remarks. Fourth Annual BIS Conference – Past and Future of Central Bank Cooperation, Bank for International Settlements, Basel, Switzerland, 27.-29. Juni 2005; http://www.bis.org/publ/bppdf/bispap27.pdf
9 Chris Powell: BIS official: Central banks cooperate to influence gold price. GATA, 9. März 2006; http://www.gata.org/node/4279
10 Vgl. Jean-François Rigaudy: The Bank for International Settlements: An introduction. GATA, 19. Februar 2012; http://www.gata.org/files/BISAdvertisesGoldInterventions.pdf
11 Chris Powell: BIS annual report is a reminder of who really makes the gold market. GATA, 24. Juni 2013; http://www.gata.org/node/12717
12 Vgl. Ronan Manly: Central Banks‘ Secrecy and Silence on Gold Storage Arrangements. Bullion Star, 29. September 2015; https://www.bullionstar.com/blogs/ronan-manly/central-banks-secrecy-and-silence-on-gold-storage-arrangements/
13 Dimitri Speck: Geheime Goldpolitik: Warum und wie die Zentralbanken den Goldpreis steuern. FinanzBuch Verlag, 2014, S. 21.
14 Vgl. ebd., S. 9.
15 Persönliche Auskunft gegenüber dem Autor im Juli 2015. Der GFMS Gold Survey 2015 von Thomson Reuters steht hier online: https://forms.thomsonreuters.com/gfms/
16 Vgl. Chris Powell: Another smoking gun of market rigging, but Warburton saw it all back in 2001. GATA, 5. September 2014; http://www.gata.org/node/14411, und ders.: Central banks get discounts for trading EVERYTHING through CME Group and Comex. GATA, 30. August 2014; http://www.gata.org/node/14385
17 Zit. wie Christopher Leonard: The Lords of Easy Money – How the Federal Reserve Broke the American Economy. Simon & Schuster, 2022, S. 242. Im Oktober 2022 schrieb ich der New Yorker Fed eine E-Mail (GeneralInfo.NYFed@ny.frb.org), in der ich vortrug: „According to the book, ,The Lords of Easy Money – How the Federal Reserve Broke the American Economy‘ by Christopher Leonard (Simon & Schuster, 2022), the Federal Reserve Bank of New York is said of not just having a trading room in New York City, but also a trading room in Chicago – ,in a Fed satellite office near the important Chicago Mercantile Exchange.‘ May I ask: if true, why is this the case, and what is the NY Fed trading in either trading room?“ Ich erhielt keinerlei Antwort. Interessant ist nun, dass die New Yorker Fed keine reine staatliche Einrichtung ist, sondern sich im Besitz privater Geschäftsbanken wie JPMorgan Chase und Citibank befindet. Pikant an dieser Konstellation, wenn man den Goldmarkt betrachtet: 90% aller von US-Banken gehaltenen Derivate auf Gold und andere Edelmetalle wurden Mitte 2022 von zwei Banken gehalten: JPMorgan Chase und Citibank. Vgl. Pam Martens / Russ Martens: Report: JPMorgan Chase and Citibank Hold 90 Percent of All Gold and Other Precious Metals Derivitives Held by All U.S. Banks. Wall Street on Parade, 29. Juni 2022; https://wallstreetonparade.com/2022/06/report-jpmorgan-chase-and-citibank-hold-90-percent-of-all-gold-and-other-precious-metals-derivatives-held-by-all-u-s-banks/. Zur Tatsache, dass JPMorgan Chase und Citibank die größten Eigner der New York Fed sind, vgl. Richard Teifelbaum: Conspiracy Theorists Ask ‚Who Owns the New York Fed?‘ Here’s the Answer. Institutional Investor, 24. Februar 2020; https://www.institutionalinvestor.com/article/b1kh4p10qysrhv/Conspiracy-Theorists-Ask-Who-Owns-the-New-York-Fed-Here-s-the-Answer
18 Vgl. Speck: Geheime Goldpolitik, S. 15. Der Goldmarktexperte Ronald Stöferle meldete bei den offiziellen oberirdischen Allzeit-Goldbeständen von 170.000 Tonnen in einem Interview mit mir Zweifel an: „Die Zahl basiert auf den Berechnungen eines Artikels von National Geographic von 1998. Seitdem haben fast alle Institute, Zeitschriften und Analysten ihre Modelle und Annahmen auf diese Zahl gegründet. Das Fazit des Artikels war, dass nur 10.000 Tonnen in den ganzen 5850 Jahren vor dem kalifornischen Goldrausches produziert wurden. Das entspricht nur 1,7 Tonnen pro Jahr, was ein großes Fragezeichen zu der Schätzung übrig zu lassen scheint. Hinzu kommt, dass wir glauben, dass fast 30% der jährlichen Goldproduktion eher im Privat- / Schwarzmarkt landet, statt im offiziellen Markt. Die Volumina des handwerklichen Bergbaus sollte nicht unterschätzt werden, vor allem in Lateinamerika, Afrika und Asien. Deshalb hegen wir Zweifel an den 170.000 Tonnen und denken, dass es sinnvoll ist, die Zahl zumindest in Frage zu stellen und die Idee in Erwägung zu ziehen, dass wesentlich mehr Gold im Umlauf sein könnte, als behauptet wird. Auf der anderen Seite würde dies nur die Kraft des Stock-to-Flow-Verhältnisses von Gold bestärken.“ Vgl. Lars Schall: Gold wird weiter gedeihen. Interview mit Ronald Stöferle, Goldseiten, 12. Juli 2011; http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=16695&seite=0
19 Speck: Geheime Goldpolitik, S. 15.
20 Ebd.
21 Lars Schall: Gold wird weiter gedeihen.
22 Lars Schall: Gold gibt einem extrem wichtige Signale. Interview mit David P. Goldman, LarsSchall.com, 18. Februar 2013; http://www.larsschall.com/2013/02/18/gold-gibt-einem-extrem-wichtige-signale/
23 Vgl. Speck: Geheime Goldpolitik, S. 49-50.
24 Durch die gesetzliche „Finanzrepression“ gegenüber manchen Akteuren, vor allem in Staatspapiere investieren zu müssen, kommt es zustande, dass knapp zwei Drittel der Schulden der Vereinigten Staaten letztlich von Entitäten innerhalb der USA gehalten werden. Vgl. Simran Khosla: These countries own most of US foreign debt. Business Insider, 10. Februar 2015; http://www.businessinsider.com/these-countries-own-most-of-us-foreign-debt-2015-2?IR=T. Der Anteil, der von ausländischen Entitäten gehalten wird, ist seit den 2000er Jahren substanziell gestiegen – nicht zuletzt durch die Nachfrage aus China. Allerdings geht nur ein Drittel der US-Schulden, die von Ausländern gehalten werden, auf das Konto fremder Regierungen; die Mehrheit wird von privaten Investoren gehalten. Vgl. Glenn Kessler: No, China does not hold more than 50 percent of U.S. debt. The Washington Post, 29. Dezember 2014; http://www.washingtonpost.com/blogs/fact-checker/wp/2014/12/29/no-china-does-not-hold-more-than-50-percent-of-u-s-debt/.
25 Vgl. Speck: Geheime Goldpolitik, S. 28.
26 Ebd.
27 Ebd.
28 Vgl. Transkript Meeting of the Federal Open Market Committee, 18. Mai 1993; http://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/files/FOMC19930518meeting.pdf.
29 Vgl. ebd.
30 Vgl. ebd.
31 Ebd.
32 Vgl. Speck: Geheime Goldpolitik, S. 125-126.
33 Vgl. ebd., S. 126.
34 Vgl. ebd., S. 126, 127.
35 Vgl. ebd., S. 128.
36 Vgl. ebd., S. 129.
37 Ebd., S. 134.
38 Ebd.
39 Vgl. ebd., S. 33.
40 Vgl. ebd., S. 33-36.
41 Vgl. ebd., S. 37.
42 Vgl. ebd., Seite 33.
43 Ebd., S. 39.
44 Vgl. ebd., S. 41.
45 Ebd., S. 35-36.
46 Ebd., S. 10.
47 Ebd., S. 117.
48 Ebd., S. 193.
49 Ebd., S. 194.
50 Vgl. ebd., S. 139-140.
51 Vgl. ebd., S. 141-142.
52 Ebd., S. 130.
53 Ebd.
54 Zur Auditierung des US-Goldhorts siehe bspw. Koos Jansen: A First Glance At US Official Gold Reserves Audits. BullionStar, 27 März 2014; https://www.bullionstar.com/blogs/koos-jansen/a-first-glance-on-us-official-gold-reserves-audits/, ders.: Second Thoughts On US Official Gold Reserves Audits. BullionStar, 9. Februar 2015; https://www.bullionstar.com/blogs/koos-jansen/second-thoughts-us-official-gold-reserve-audits/, und ders.: US Government Lost 7 Fort Knox Gold Audit Reports. BullionStar, 2. Juni 2015; https://www.bullionstar.com/blogs/koos-jansen/us-government-lost-7-fort-knox-gold-audit-reports/. Zu Beginn des Federal Reserve Systems waren die privaten Geschäftsbanken gezwungen, das von ihnen gehaltene Gold an die Fed-Regionalbanken abzugeben, um Mitglieder dieser Fed-Regionalbanken werden zu können. 1933/34 konfiszierte die US-Bundesregierung nicht nur das Gold seiner Bürger, indem es den Privatbesitz von Gold verbot, sondern auch das Gold, das die U.S. Federal Reserve hielt. Siehe hierzu Sebastian Edwards: American Default – The Untold Story of FDR, the Supreme Court, and the Battle over Gold. Princeton University Press, 2018. Seit jener Zeit wird das US-Gold vom U.S. Treasury gehalten. Im Gegenzug erhielt die Federal Reserve Gold-Zertifikate (seit 1971 kontinuierlich mit 42.22 US-Dollar pro Feinunze auf der Aktiva-Seite der Fed-Bilanz angegeben).
55 Vgl. US Department of the Treasury, Resource Center, Exchange Stabilization Fund; https://www.treasury.gov/resource-center/international/ESF/Pages/esf-index.aspx. Siehe zum Exchange Stabilization Fund auch Eric deCarbonnel: THE ESF AND ITS HISTORY (Part 1-5), eine 5-teilige Videoserie zur Geschichte des Exchange Stabilization Fund, veröffentlicht auf MarketSceptics.com, 3. Juni 2011; http://www.marketskeptics.com/2011/06/the-esf-and-its-history.html.
56 Vgl. Speck: Geheime Goldpolitik, S. 187.
57 Ebd.
58 Ebd., S. 187-189.
59 Vgl. Michael Kirk: The Warning. Public Broadcasting Service, 20. Oktober 2009; http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/warning/etc/script.html
60 Zit. wie Marc Chesney: Vom Großen Krieg zur permanenten Krise – Der Aufstieg der Finanzaristokratie und das Versagen der Demokratie. Versus Verlag, 2014, S. 51-52.
61 Vgl. Lars Schall: Plunge Protection Team in Aktion. Interview mit Folker Hellmeyer, LarsSchall.com, 11. August 2009; http://www.larsschall.com/2009/08/11/plunge-protection-team-in-aktion/
62 Zit. wie Ferdinand Lips / Jacques Trachsler: Geld, Gold und die Wahrheit – Anlagestrategien von der Antike bis zur Neuzeit. Fortuna Finanz-Verlag, 1994, S. 97.
63 Vgl. Schall: Plunge Protection Team in Aktion. Zu den Gründen und dem Verlauf des Crashs von Oktober 1987 siehe bspw. auch Edward Chancellor: Devil Take the Hindmost – A History of Financial Speculation. Plume, 2000, S. 266-271.
64 Website der Präsidentenbibliothek von Ronald Reagan; http://www.reagan.utexas.edu/archives/speeches/1988/031888d.htm
65 Vgl. Schall: Plunge Protection Team in Aktion.
66 Vgl. ebd.
67 Zit. wie Michael C. Ruppert: The Gathering Storm. From the Wilderness, 7. Juli 2002; http://www.fromthewilderness.com/free/ww3/070802_alert.html
68 Vgl. Lars Schall: Wir sind inmitten einer epochalen tektonischen Verschiebung – Teil 2. Interview mit F. William Engdahl, LarsSchall.com, 30. März 2011; http://www.larsschall.com/2011/03/30/wir-sind-inmitten-einer-epochalen-tektonischen-verschiebung-%E2%80%93-teil-2/
69 Edward Chancellor: Devil Take the Hindmost, S. 270.
70 Kevin Philips: Bad Money – Reckless Finance, Failed Politics, and the Global Crisis of American Capitalism. Penguin, 2009, S. 58-59.
71 Zit. wie Ruppert: The Gathering Storm.
72 Zit. wie ebd.
73 Vgl. bspw. Caroline Baum: Manipuliert das Plunge Protection Team die Kurse? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. März 2003; http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/amerikanische-finanzmaerkte-manipuliert-das-plunge-protection-team-die-kurse-189176.html
74 Kevin Philips: Bad Money, S. 59.
75 Vgl. Folker Hellmeyer: Endlich Klartext! Ein Blick hinter die Kulissen unseres Finanzsystems. FinanzBuch Verlag, 2008, S. 61.
76 Vgl. Schall: Plunge Protection Team in Aktion.
77 Kevin Philips: Bad Money, S. 203.
78 Vgl. Kirk: The Warning.
79 Nomi Prins: It Takes A Pillage – An Epic Tale of Power, Deceit, and Untold Trillions. John Wiley & Sons, 2009., S. 112.
80 Vgl. ebd., S. 115.
81 Ebd., S. 124.
82 Ebd., S. 112.
83 Vgl. Schall: Plunge Protection Team in Aktion.
84 Prins: It Takes A Pillage, S. 112.
85 Speck: Geheime Goldpolitik, S. 191.
86 Vgl. ebd., S. 84. Nach eigenen Angaben lagerte die NY Fed im Jahr 2010 Goldbestände von 36 Ländern, nachdem es zuletzt 2004 geheißen hatte, sie lagere Gold von circa 60 Ländern. Vgl. Jack Farchy: Chink of light shed on New York Fed gold. The Financial Times, 28. Oktober 2010; https://www.ft.com/content/15bc74ea-e2b0-11df-8a58-00144feabdc0?msclkid=5243485cac2011ec95f2c210e7f940ab
87 Vgl. Lars Schall: Lots Of Questions, Few Answers.
88 Vgl. GATA-Fed-Response. GATA, 17. September 2009; http://www.gata.org/files/GATAFedResponse-09-17-2009.pdf. (Der Link war der ersten Frage hinzugefügt.)
89 Vgl. Chris Powell: Fed can keep most gold secrets but must yield one, judge rules. GATA, 3. Februar 2011; http://www.gata.org/node/9560. (Der Link war der vierten Frage hinzugefügt.)
90 Vgl. Fogarty Declaration. GATA; http://www.gata.org/files/FogartyDeclaration.pdf.
91 Vgl. Schall: Lots Of Questions, Few Answers.
92 Vgl. Christian Euler: Die verrückten Gold-Verschwörungstheorien. Die Welt, 5. Januar 2013; http://www.welt.de/finanzen/article112418743/Die-verrueckten-Gold-Verschwoerungstheorien.html
93 Vgl. Lars Schall: The ”Road To Recovery“ Is A Dead End. Interview with Marshall Auerback, LarsSchall.com, 22. May 2011; http://www.larsschall.com/2011/05/22/the-road-to-recovery-is-a-dead-end/
94 Vgl. ebd.
95 Speck: Geheime Goldpolitik, S. 72.
96 Vgl. S. 6, Punkt Nr. 15 von Second Review of the Special Data Dissemination Standard – Further Considerations. IWF, 10. März 1999; https://www.gata.org/files/IMFGoldDataMemo–3-10-1999.pdf.
97 Speck: Geheime Goldpolitik, S. 72.
98 Zit. wie Koos Jansen: The London Bullion Market And International Gold Trade. BullionStar, 21. September 2015; https://www.bullionstar.com/blogs/koos-jansen/the-london-bullion-market-and-international-gold-trade/
99 Speck: Geheime Goldpolitik, S. 73.
100 Ebd., S. 74. Zur Verschleierung der Goldverkäufe des Internationalen Währungsfonds und dem damit einhergehenden Zurückhalten von Dokumenten siehe Ronan Manly: IMF Gold Sales — Where “Transparency“ Means “Secrecy“. BullionStar, 2. September 2016; https://www.bullionstar.com/blogs/ronan-manly/imf-gold-sales-transparency-means-secrecy/
101 Ebd., S. 60-61.
102 „…central banks stand ready to lease gold in increasing quantities should the price rise.“ Zit. wie Testimony of Chairman Alan Greenspan, The Federal Reserve Board, 24. Juli 1998; http://www.federalreserve.gov/boarddocs/testimony/1998/19980724.htm
103 Lars Schall: They are about to hit the wall. Interview mit Bill Murphy, LarsSchall.com, 31. August 2009; https://www.larsschall.com/2009/08/31/%e2%80%9cthey-are-about-to-hit-the-wall%e2%80%9d/
104 Vgl. Lars Schall: Follow the Money – The NSA’s real-time electronic surveillance of bank transactions. LarsSchall.com, 2. Februar 2014; http://www.larsschall.com/2014/02/02/follow-the-money-the-nsas-real-time-electronic-surveillance-of-bank-transactions/
105 Vgl. Speck: Geheime Goldpolitik, S. 198.
106 Ebd., S. 206.
107 Vgl. ebd., S. 148, 206-216.
108 Ebd., S. 148.
109 Zitiert ebd., S. 348.
110 Private Mitteilung an den Autor vom Dezember 2015. “A main finding of the book was the central banks had leased out far more gold than they were letting on … nearly 8,000 tonnes when it was thought to be very minor. He got his number from the Bank of England.”
111 Lars Schall: Gold market an interesting subject to follow in years to come. Interview mit Marshall Auerback, LarsSchall.com, 8. Mai 2013; http://www.larsschall.com/2013/05/08/gold-market-an-interesting-subject-to-follow-in-years-to-come/
112 Speck: Geheime Goldpolitik, S. 151.
113 Shock & Awe verfolgt als militärische Taktik das Ziel, auf den Gegner demoralisierend zu wirken: durch den Einsatz überwältigender Gewalt soll der Widerstandswille des Feindes gleich zu Beginn eines Konflikts gebrochen werden.
114 Speck: Geheime Goldpolitik, S. 155.
115 Vgl. ebd., S. 151 und 156
116 Ebd., S. 98.
117 Vgl. ebd., S. 100, 102. Ein Schreiben der US-Botschaft in London aus dem Jahr 1974 legt notabene nahe, dass der Terminhandel von Gold von vornherein in Gang gesetzt wurde, um die Bedeutung des physischen Goldhandels für die Preisfindung zu verringern, den Goldpreis großen Schwankungen auszusetzen und dadurch die Bereitschaft privater Anleger, Gold physisch zu besitzen und daran längerfristig festzuhalten, zu entmutigen. Nach Beratungsgesprächen zwischen US-Diplomaten und Londoner Goldhändlern (Samuel Montagu & Co., Sharps Pixley & Co., Mocatta & Goldsmid sowie Consolidated Gold Fields) hieß es in dem Schreiben aus der Londoner US-Botschaft, welches an das US-Außenministerium in Washington, D.C. geschickt wurde: „The major impact of private U.S. ownership, according to the dealers‘ expectations, will be the formation of a sizable gold futures market. Each of the dealers expressed the belief that the futures market would be of significant proportion and physical trading would be minuscule by comparison. Also expressed was the expectation that large-volume futures dealing would create a highly volatile market. In turn, the volatile price movements would diminish the initial demand for physical holding and most likely negate long-term hoarding by U.S. citizens.“ Vgl. London Wholesale Gold Dealers‘ Views on U.S. Gold Sale and Private U.S. Ownership, datierend vom 10. Dezember 1974, veröffentlicht von Wikileaks; https://wikileaks.org/plusd/cables/1974LONDON16154_b.html.
118 Vgl. ebd., S. 36.
119 Vgl. Turd Ferguson: Bullion Bank Leverage Soars to Near 300:1. TF Metals Report, 4. November 2015; http://www.tfmetalsreport.com/blog/7249/bullion-bank-leverage-soars-near-3001.
120 Vgl. Koos Jansen: COMEX Gold Futures Can Be Settled Directly with Eligible Inventory. Bullion Star, 25. Februar 2016; https://www.bullionstar.com/blogs/koos-jansen/comex-gold-futures-can-be-settled-directly-with-eligible-inventory/. Für eine aktuellere Analyse des Goldpapierhandels an der COMEX siehe Ronan Manly: Is the COMEX Rigged? BullionStar, 18. Juli 2017; https://www.bullionstar.com/blogs/ronan-manly/comex-rigged/.
121 Vgl. Jonathan A. Batten / Brian M. Lucey / Maurice Peat: Gold and Silver Manipulation: What Can Be Empirically Verified? Social Science Research Network, 24. Januar 2016; http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2721250. Im Hinblick auf Methoden, mit denen sich die Manipulation des Goldpreises möglicherweise erkennen lässt, siehe die Angaben von Rosa Abrantes-Metz, Professorin für Wirtschaftswissenschaften an der New York University, in: We’ve Uncovered Patterns of Gold Price Manipulation: Rosa Abrantes-Metz. Smallcap Power, 25. Mai 2017; https://smallcappower.com/videos/videos-top-stories/gold-price-manipulation/. Zwei Auseinandersetzungen mit dem Goldterminkontrakthandel an der COMEX, die zum Ergebnis kommen, dass dort keine Goldpreismanipulationen stattfinden, sind Keith Weiner: Thoughtful Disagreement with Ted Butler. Monetary Metals, 4. Oktober 2017; https://monetary-metals.com/thoughtful-disagreement-with-ted-butler/, und Jan Niewenhuijs: Is the Gold Price Suppressed on the COMEX Futures Exchange? Gold Observer, 9. Dezember 2021; https://thegoldobserver.substack.com/p/is-the-gold-price-suppressed-on-the
122 Bei „Verschwörungstheorien” betonte der Soziologe und Hochschullehrer Hans-Jürgen Krysmanski: „Verschwörungsnarrative haben immer etwas mit Herrschaft und Macht zu tun. Von da her würde ich erst einmal unterscheiden zwischen Verschwörungstheorien der Herrschenden (die sich ‚von unten’ bedroht fühlen) und Verschwörungstheorien der Beherrschten (die sich ein Bild von den Machenschaften ‚derer da oben’ machen wollen). In beiden Fällen gründen diese Theorien auf dem völlig verständlichen Verdacht, dass bei Machtangelegenheiten, ob in der Wirtschaft oder in der Politik, geheime Netzwerke, Intrigen, Absprachen usw. eine Rolle spielen. Heute kommt etwas Weiteres hinzu. Die Welt ist so komplex geworden, dass die politischen und ökonomischen Zusammenhänge selbst von den Herrschenden – den Politikern, den Konzernmanagern, den Denkfabriken der Superreichen – nicht mehr durchschaut werden können. Da hilft dann eine Erkenntnishaltung, die man den ‚allgemeinen Verschwörungsverdacht’ nennen könnte. Dies ist eine durchaus nützliche Haltung des ‚Hinterfragens’ der anderen Seite (derer da unten, derer da oben).“ Wenn man mit Verschwörungstheorien operiere, solle man sie „immer im Plural einsetzen, also mehrere parat halten“, empfahl Krysmanski, denn dann „befreien sie die Phantasie, dann können sie eine Stufe zur Erkenntnis sein, zu wirklichen Theorien über die Handlungen der Mächtigen. Problematisch ist es, wenn man zum Sklaven einer ‚fixen Idee’ wird. Die Dinge sind niemals so einfach, wie sie eine konspirative Erzählung macht. Dennoch ist nicht jeder Anhänger einer Verschwörungstheorie gleich ein ‚Spinner’ – auch die Wissenschaft ist ja voller Menschen, die aus einer falschen Theorie richtige Teilerkenntnisse gezogen haben. Schlimm ist nur der Fanatismus, die Einteilung der Welt in das Gute und das Böse, der Manichäismus. … Unseriöse Verschwörungstheoretiker argumentieren monokausal, sie verkünden, statt zu diskutieren. Auch kümmern sie sich nicht um mögliche alternative Erklärungsansätze. Vor allem sind sie nicht an einer kritischen Auswertung der Belege und Quellen interessiert, machen die Grenze zwischen Wissen und Vermutung nicht deutlich. Der Mangel an seriösen Informationen geht aber letztlich auf den geradezu skandalösen Verzicht etablierter Wissenschaftler – z.B. aus der Soziologie, Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft – zurück, sich mit den meist legitimen und interessanten Fragen zu beschäftigen, welche nicht nur die Verschwörungstheoretiker, sondern auch die Normalbürger umtreiben. Die Menschen wollen wissen, was hinter den Kulissen passiert. Im Übrigen sollte man immer aufmerken, wenn am lautesten gerufen wird: das ist eine Verschwörungstheorie! Dann hat sie meist ein Zipfelchen der Wahrheit erfasst.“ Das Auftreten von Verschwörungstheorien habe mit fehlender Transparenz zu tun, urteilte Krysmanski: „Verschwörungstheorien wird es geben, solange es Macht und Herrschaft und damit auch geheime, nicht-öffentliche Bereiche der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft gibt. Je mehr Demokratie gewagt und der Wissensdurst der Menschen befriedigt wird, umso schneller werden Verschwörungstheorien überflüssig. Bis dahin aber, schreibt der berühmte US-amerikanische Medien- und Literaturwissenschaftler Fredric Jameson, wird die narrative Struktur des Verschwörungsmotivs unsere politische Neugier an unserer eigenen anti-politischen Zensur vorbeischmuggeln und es uns erlauben, auf einer tieferen Ebene unserer kollektiven Phantasie ,das Weltsystem als solches’ zu denken.“ Zit. wie Daniel Leconte: Verschwörungstheorien – Das jüngste Gerücht. ARTE, 13. April 2004. Das Aufblühen von Verschwörungstheorien führte Krysmanski auch an anderer Stelle auf den Wunsch nach mehr Transparenz zurück. „Verschwörungstheorien blühen immer dann, wenn der demokratische Prozess nicht transparent ist. Verschwörungstheorien entstehen dann, wenn die Demokratie versagt, und leider Gottes versagt die Demokratie ja ständig oder immer öfter.“ Deswegen solle man es vermeiden, eine „falsche Front aufzubauen, Verschwörungstheoretiker hier, rationale Erklärer dort – das gibt es eigentlich nicht. Wer als rationaler Erklärer auftritt und gleichzeitig nicht weiß und sagt, dass es unaufgeklärte dunkle, geheimnisvolle Zonen in der Gesellschaft gibt, der ist eigentlich auch kein rationaler Aufklärer, der verdrängt wichtige Bereiche des gesellschaftlichen Lebens.“ Zit. wie Peter Haischer / Christina Janssen: Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Deutschlandfunk, 28. Oktober 2003; https://www.deutschlandfunk.de/wie-wirklich-ist-die-wirklichkeit-104.html.
123 Vgl. Speck: Geheime Goldpolitik, S. 12.
124 Schall: Plunge Protection Team in Aktion.
125 Zit. wie Quote Investigator, 4. Nov. 2016: Conspiracy: The Pursuance of Policies Which They Dare Not Admit in Public; https://quoteinvestigator.com/2016/11/04/conspiracy/
126 Vgl. Presseveröffentlichung zur 4. Auflage der Zentralbankengoldvereinbarung zwischen der EZB und anderen Zentralbanken, Mai 2014; http://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2014/html/pr140519.en.html
127 Vgl. Lars Schall: Is the Washington Agreement on Gold a device of price control? LarsSchall.com, 28. Januar 2013; http://www.larsschall.com/2013/01/28/is-the-washington-agreement-on-gold-a-device-of-price-control/, Rob Kirby: Ted Truman Talks Turkey. LarsSchall.com, 29. Januar 2013; http://www.larsschall.com/2013/01/29/ted-truman-talks-turkey/. Lars Schall: Ted Truman is getting tired of transparency with me real fast. LarsSchall.com, 30. Januar 2013; http://www.larsschall.com/2013/01/30/ted-truman-is-getting-tired-of-transparency-with-me-real-fast/
128 Vgl. Chris Powell: G-10 minutes from 1997 show central bankers conspiring about gold. GATA, 18. Februar 2011; http://www.gata.org/node/9623
129 Vgl. Chris Powell: French central bank secretly trades the gold market almost every day. GATA, 13. Dezember 2013; http://www.gata.org/node/13373
130 Vgl. Chris Powell: French central bank’s chief market rigger says they never explain. GATA, 13. Januar 2015; http://www.gata.org/node/14954
131 Vgl. Chris Powell: Central banks “managing” — that is, rigging — gold ”more actively,” LBMA is told. GATA, 13. November 2014; http://gata.org/node/14716
132 Vgl. James Rickards: Currency Wars – The Making of the Next Global Crisis. Penguin, 2011, S. 3-34. Rickards fungierte zuvor u.a. als Hauptverhandlungsführer, als die New Yorker Fed im Jahr 1998 die Rettung von Long Term Capital Management (LTCM) in die Wege leitete.
133 Vgl. Lars Schall: The central banks don’t consider it manipulation, they consider it part of their job. Interview mit James G. Rickards, LarsSchall.com, 12. Dezember 2010; http://www.larsschall.com/2010/12/12/%E2%80%9Cthe-central-banks-dont-consider-it-manipulation-they-consider-it-part-of-their-job%E2%80%9C/
134 Vgl. Jan Harvey / Veronica Brown: ANALYSIS – BIS footnote unlocks major development in gold use. Reuters, 16. Juli 2010; http://www.reuters.com/article/idINLDE66F13E20100716
135 Vgl. Koos Jansen: Gold Leasing Is A Tool For The Global Credit Game. BullionStar, 31. August 2013; https://www.bullionstar.com/blogs/koos-jansen/gold-leasing-is-a-tool-for-the-global-credit-game/. Zum Bewusstsein in China, dass beim Goldpreis nicht alles mit rechten Dingen zugeht, siehe auch Chris Powell: FLASH – China knows about gold price suppression, and U.S. knows China knows. GATA, 3. September 2011; https://www.gata.org/node/10380, und ders.: More Beijing embassy cables show China sees gold as central in currency war. GATA, 5. September 2011; https://www.gata.org/node/10416. Bzgl. der russischen Position fällt auf, dass Oleg Mozhaiskov, der damalige stellvertretende Vorsitzende der russischen Zentralbank, bereits im Juni 2004 auf einer Konferenz der London Bullion Market Association in Moskau erklärte, er hege den Verdacht, die Vereinigten Staaten würden den Goldpreis drücken. Vgl. Russia’s central bank takes note of GATA and gold price manipulation. GATA, 5. September 2012; http://www.gata.org/node/11723
136 Persönliche Auskunft an den Autor, Dezember 2021.
137 Vgl. Lars Schall: How About Money? Interview mit Bernard Lietaer, LarsSchall.com, 21. August 2012: https://www.larsschall.com/2012/08/21/how-about-money/
138 Vgl. Schall: Gold wird weiter gedeihen.
139 Moscow & Shanghai seek to dominate gold trade. Russia Today, 19. April 2016; https://www.rt.com/business/340189-russia-china-gold-trading/
140 Vgl. Gold University. BullionStar; https://www.bullionstar.com/gold-university/london-gold-market-trading
141 Lars Schall: Economics will dictate that the price of gold is going to rise. Interview mit Ronan Manly, GoldSwitzerland, 1. Mai 2016; https://goldswitzerland.com/ronan-manly-will-economics-dictate-a-gold-price-rise/
142 Vgl. Russia boosting gold holdings as defence against ‚political risks‘ – c.bank. Reuters, 26. Mai 2015; http://www.reuters.com/article/2015/05/26/russia-cenbank-gold-idUSL5N0YH38V20150526
143 Vgl. Alan Greenspan on Central Banks, Stagnation, and Gold – A Conversation With Alan Greenspan. Council on Foreign Relations, 29. Oktober 2014; https://www.youtube.com/watch?v=_mmL8X_2Ces. Zu Greenspans damaligen Gedanken bzgl. der chinesischen Währungs- und Goldreserven siehe Alan Greenspan: Golden Rule – Why Beijing Is Buying. Foreign Affairs, 29. September 2014; https://www.foreignaffairs.com/articles/united-states/2014-09-29/golden-rule
144 Holger Zschäpitz: Edelmetall-Käufe – Russlands verkappte Gold-Attacke auf den Dollar. Die Welt, 24. Dezember 2014; http://www.welt.de/wirtschaft/article135712842/Russlands-verkappte-Gold-Attacke-auf-den-Dollar.html
145 Vgl. Bank of Russia Gold Storage, unter: Bank of Russia, BullionStar; https://www.bullionstar.com/gold-university/central-bank-gold-policies-bank-russia#heading-4.
146 Lars Schall: China understands the Bullion Game. Interview mit Jan Niewenhuijs (alias Koos Jansen), GoldSwitzerland, 5. Dezember 2015; https://goldswitzerland.com/koos-jansen-china-understands-the-bullion-game/. Bzgl. einer Finanzkrise und Gold ist aus Sicht einer Zentralbank wie der Dt. Bundesbank zu beachten: “(I)n highly adverse scenarios, a country’s stock of the precious metal could be one of the ultimate means to ensure confidence in the stability of its finances.“ Zit. wie Omar Zulaica: What share for gold? On the interaction of gold and foreign exchange reserve returns. BIS Working Papers No 906, November 2020; https://www.bis.org/publ/work906.pdf
147 Hjalmar Schacht: 76 Jahre meines Lebens. Kindler und Schiermeyer Verlag, 1953, S. 331.