Der Council on Foreign Relations, die Bilderberg-Gruppe und ein Haufen „fiktives Kapital“

Von Lars Schall
Januar 28, 2019

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Was haben transatlantisch ausgerichtete Konsensschmieden wie der Council on Foreign Relations und die Bilderberg-Gruppe mit „fiktivem Kapital“ zu tun? Eine ganze Menge.

Von Lars Schall

„Fitzgerald hatte gesagt: ,Die Reichen sind anders als wir.‘

Hemingway hatte geantwortet: ,Ja, sie haben mehr Geld.‘“

-— Fußnote in F. Scott Fitzgerald: The Crack-Up -—

CIA, Europa und Bilderberg

Betrachtet man das Voranbringen des Gedankens einer europäischen Einheit nach dem Zweiten Weltkrieg, kommt man nicht umhin, dem 1947 geschaffenen Auslandsgeheimdienst der USA, der Central Intelligence Agency (CIA), eine tragende Rolle zu bescheinigen. Das bevorzugte Instrument, mit dem die CIA operierte, war das 1948 initiierte American Committee for a United Europe (ACUE), das William Donovan anführte, ein Wall Street-Anwalt, der zuvor die CIA-Vorgängerorganisation Office of Strategic Services (OSS) geleitet hatte. Der stellvertretende Vorsitzende des ACUE war Allen Dulles, „der CIA-Direktor in den fünfziger Jahren. Das Gremium umfasste Walter Bedell Smith“, den direkten Vorgänger von Dulles als CIA-Direktor, „und eine Reihe von Ex-OSS-Figuren und -Offizielle, die sich rein und raus aus der CIA bewegten“. Im September 2000 freigegebene US-Geheimdienst-Dokumente „zeigen, dass das ACUE das European Movement finanzierte, die wichtigste föderalistische Organisation in den Nachkriegsjahren. Im Jahre 1958 zum Beispiel kam sie für 53,5 Prozent der Geldmittel der Bewegung auf.“1

Weitere Begünstigte: der belgische Direktor der European Youth Campaign, Baron Boel, ferner Józef Retinger, der Mitbegründer der transatlantischen Bilderberg-Konferenz, und die „Europa-Visionäre“ Robert Schuman und Paul-Henri Spaak – sie alle wurden wie „Tagelöhner durch ihre amerikanischen Sponsoren“ geführt. „Die Rolle der USA wurde als eine verdeckte Operation gehandhabt. Die Finanzmittel des ACUE kamen von den Ford- und Rockefeller-Stiftungen sowie Unternehmensgruppen mit engen Verbindungen zur US-Regierung.“2

Das ACUE war das geistige Kind von Allen Dulles, der die Idee bei Treffen mit anderen OSS-Veteranen entwickelte. Gelder flossen insbesondere von der Ford-Stiftung, welche damals rund „drei Milliarden Dollar an Vermögen“ besaß.3 „Auffällig ist die problemlose Fluktuation des Personals zwischen Geheimdienst, Ford-Stiftung und anderen, ähnlich ausgerichteten Stiftungen (wie etwa der Rockefeller-Stiftung), Posten in der Hochfinanz, im Militär oder direkt in der US-Regierung“ – und die „Kollaboration und Verzahnung“ zwischen Ford-Stiftung und CIA darf mittlerweile als „eine wohldokumentierte Tatsache“ erachtet werden.4

Spätestens 1952 richtete die CIA „eine ganze Reihe privater wohltätiger Stiftungen ein“, von denen manche als reine Tarnorganisationen dienten. „Von diesen Tarnorganisationen flossen die Gelder dann in gemischt finanzierte Stiftungen bekannter Philantropen, die ebenfalls ausschließlich zu dem Zweck gegründet worden waren, die CIA-Mittel weiterzuleiten.“5

Der Politikwissenschaftler Richard J. Aldrich meint, dass „die diskrete Injektion von mehr als drei Millionen US-Dollar“, die zwischen 1949 und 1960 von der CIA verabreicht wurde, eine zentrale Bedeutung für die Anstrengungen gehabt habe, um „die Massenunterstützung für den Schuman-Plan, die Europäische Verteidigungsgemeinschaft und eine Europäische Versammlung mit hoheitlichen Befugnissen anzukurbeln“. Immerhin deckte diese Geheim-Finanzierung stets mindestens die Hälfte des Budgets des European Movement ab, „und nach 1952 wahrscheinlich [zu] zwei Drittel[n]“. Gleichzeitig wurde der Versuch unternommen, den Widerstand der britischen Labour-Regierung gegenüber den Ein-Europa-Ideen zu untergraben. Es seien die gleichen Finanzierungskreise gewesen – „dieselbe kleine Gruppe von hochrangigen Beamten, viele von ihnen aus der westlichen [das bedeutet: US-]Geheimdienst-Community“ stammend –, die ebenso „zentral für die Unterstützung der drei wichtigsten transnationalen Elitegruppen“ waren, welche in den 1950er Jahren entstanden: das European Movement, die Bilderberg-Gruppe und Jean Monnets Action Committee for a United States of Europe.“ Überdies mute es „ironisch“ an, dass einige britische Anti-Föderalisten „eine Fortsetzung der ,besonderen Beziehung‘ mit den Vereinigten Staaten als Alternative zu … dem europäischen Föderalismus“ ansahen, wo doch „einige europäische föderalistische Initiativen mit amerikanischer Unterstützung aufrechterhalten“ wurden.6

Zum Pro-Ein-Europa-Personenkreis, der mit Finanzmitteln der CIA gefördert wurde, gehörte der polnische Literaturwissenschaftler und Exil-Diplomat Józef Retinger (1888–1960). Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs „bildete er eine Schnittstelle zwischen der polnischen und der englischen Regierung und führte zudem Gespräche mit Vertretern anderer Exilregierungen, bei denen bereits 1940 erste Pläne für supranationale Blöcke nach Kriegsende entstanden“.7

Ein Jahr nach dem Ende des Krieges hielt Retinger am 7. Mai 1946 eine Rede am Royal Institute for International Affairs (Chatham House) in London, bei der er seine Vision eines föderalen Europas ausbreitete, welches mit der teilweisen Aufgabe staatlicher Souveränität einhergehen sollte. Im gleichen Jahr zählte Retinger zu den Gründern der bis heute bestehenden Economic League for European Cooperation (ELEC), aus der die Europäische Bewegung (European Movement) und der Europarat (Council of Europe) hervorgingen. „Nahezu die Hälfte des Budgets der Europäischen Bewegung wurde von dem CIA-finanzierten American Committee for a United Europe bereitgestellt.“8 Zudem machte Retinger die Bekanntschaft des US-Botschafters in Großbritannien, W. Averell Harriman. Ein von Harriman organisierter Besuch in den USA brachte ihn unter anderem mit Adolf Berle Jr. und John Foster Dulles zusammen. In den nächsten Jahren fand Retinger immer mehr offene Ohren für sein Ziel, die Eliten der USA und Westeuropas zugunsten einer sowohl atlantischen als auch europäischen Einheit an einen Tisch zu bringen – ein Wunsch, der durch die seit 1954 eingerichteten (und später von der Ford Foundation unterstützten) Bilderberg-Konferenzen in Erfüllung ging.9

Wenn Retinger der vom ACUE finanzierte Impulsgeber zur Einrichtung der Bilderberg-Konferenzen war, so stellte Bernhard Prinz zur Lippe-Biesterfeld (1911–2004), der Prinzgemahl von Juliana von Oranien-Nassau, Königin der Niederlande von 1948 bis 1980, einen wichtigen Makler und Helfer zur Bilderberg-Gründung dar, nachdem Retinger ihn über den Unilever-Topmanager Paul Rijkens – einem späteren Mitglied der Bilderberg-Gruppe  – kennengelernt hatte.10

Prinz Bernhard hatte ab 1935 in leitenden Diensten der I.G. Farben gestanden; im selben Jahr begegnete er erstmals Prinzessin Juliana, Tochter der niederländischen Königin Wilhelmina. Zwei Jahre später ehelichte er sie, ein weiteres Jahr darauf wurde die erste Tochter geboren, Prinzessin Beatrix, von 1980 bis 2013 Königin der Niederlande. Prinz Bernhard, dem Hochadel entstammend, war Mitglied sowohl der NSDAP als auch der Reiter-SS (wie auch später im Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps, NSKK). Die niederländische Historikerin Annejet van der Zijl zog 2010 nach umfangreichen Recherchen das Fazit: „Aufgrund der nun verfügbaren Daten scheint denn auch die Schlussfolgerung gerechtfertigt, dass Bernhards Sympathie und Engagement für nationalsozialistische Organisationen deutlich größer gewesen ist als später von ihm dargestellt.“11

Auf Wunsch Retingers sollte Prinz Bernhard die neue transatlantische Organisation leiten, bei der es darum ging, „führende amerikanische und europäische Persönlichkeiten einmal pro Jahr zu einer unbekümmerten Diskussion ihrer Differenzen“ zusammenzubringen. Später erklärte Retinger dem offiziellen Biographen von Prinz Bernhard, dass der Grundgedanke war, „die meinungsbestimmenden Führer der wichtigsten europäischen Länder“ zu veranlassen, eine Bewertung darüber abzugeben, wo die US-Seite falsch läge, um dann „bei einem vertraulichen Treffen zwischen Top-Leuten beider Kontinente den Vertretern des amerikanischen Standpunktes diese direkte Kritik zu präsentieren und ihnen die Gelegenheit zu geben, sich dieser Anklage zu stellen“.12

Weitere Unterstützer, die Retinger in Europa fand, waren Paul van Zeeland und Colin Gubbins. Der Belgier van Zeeland hatte an den Verhandlungen teilgenommen, aus der die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hervorging, ehe er mehrfach zum Premierminister Belgiens ernannt wurde.13 Der Engländer Colin Gubbins schloss sich im Zweiten Weltkrieg der britischen Geheimdienst-Sondereinsatzgruppe Special Operations Executive (SOE) an, um sie „ab Herbst 1943 bis Kriegsende“ persönlich zu leiten.14 „Dabei knüpfte er zahlreiche Kontakte, die er dann für die Teilnahme an den Bilderberg-Konferenzen fruchtbar machte.“15 Zudem verfasste er „Handbücher zum Guerillakrieg. Er lehrte unter anderem, so wenig wie möglich aufzuschreiben und alle nicht benötigten Dokumente zu vernichten. Retingers Korrespondenz aus der Nachkriegszeit zeugt von einer starken Verinnerlichung dieser Maxime: Er nennt lediglich den Termin seines Besuches in der jeweiligen Stadt und ersucht um ein Treffen. Analog wird auch bei den Bilderberg-Konferenzen – vor allem in ihrem informellen Teil – nicht alles schriftlich festgehalten.“16

Ende 1952 reiste Retinger abermals in die USA, um „alte Freunde“ wie W. Averell Harriman, David Rockefeller und CIA-Direktor Bedell Smith zu treffen, mit denen er seine Absichten besprach. „Nachdem Retinger seinen Vorschlag erklärt hatte, sagte Smith: ,Warum zum Teufel sind Sie damit nicht gleich zu mir gekommen?‘ Er verwies Retinger umgehend an C.D. Jackson, der kurz davor stand, Eisenhowers Sonderberater für psychologische Kriegsführung zu werden.“17 C.D. Jackson war 1951/52 Präsident des National Committee for a Free Europe (NCFE), das mit dem American Committee for a United Europe (ACUE) eng kooperierte. Seit dem Zweiten Weltkrieg als Spezialist für psychologische Kriegsführung geltend, war Jackson zudem „Teil einer CFR-Studiengruppe zum Thema Propaganda“ gewesen, „die 1947 eine Reihe von Berichten zum Nutzen von Propaganda für die Beeinflussung der öffentlichen Meinung verfasste“.18

Eine Weile verstrich, „bis Jackson den amerikanischen Flügel der Gruppe organisiert hatte, aber schlussendlich wurde im Mai 1954 die erste Konferenz im Hotel Bilderberg, einem abgelegenen Hotel in Holland nahe der deutschen Grenze, abgehalten. Prinz Bernard und Retinger stellten eine Liste mit Eingeladenen aus den europäischen Ländern zusammen, während Jackson die amerikanische Liste im Auge hatte. Retinger erklärte später, dass Einladungen ,nur an wichtige und generell respektierte Personen gingen, die die Ziele, die von Bilderberg gesetzt wurden, durch ihr spezielles Wissen oder ihre Erfahrung, ihre persönlichen Kontakte oder ihren Einfluss in nationalen sowie internationalen Kreisen voranbringen konnten.‘“19

Die Gastgeberrolle, die Prinz Bernhard 1954 beim ersten Treffen in Oosterbeek bei Arnheim innehatte, behielt er bis 1976 bei. Ihm folgten als Vorsitzender der Bilderberg-Gruppe für vier Jahre Alec Douglas-Home, der frühere britische Premierminister, und für fünf Jahre Walter Scheel, ehemals Präsident der Bundesrepublik Deutschland. Als Scheel 1985 zurücktrat, übernahm den Vorsitz Lord Roll of Ipsden, der damalige Präsident der Bank S.G. Warburg & Co (heute UBS). 1989 wechselte der Vorsitz für zehn Jahre an Lord Carrington, dem früheren Generalsekretär der NATO. Der nächste Vorsitzende war Étienne Davignon, Ex-Mitglied der Europäischen Kommission, gefolgt von Henri de Castries, dem Vorstandsvorsitzenden des französischen AXA-Versicherungskonzerns. Dem Vorsitzenden stehen zwei Generalsekretäre zur Seite, die in New York (für die USA) und im niederländischen Leiden (für Europa und Kanada) ihre Büros haben. Daneben gibt es einen Lenkungsausschuss (Steering Committee), dessen Mitglieder vom Konferenzvorsitzenden ausgewählt werden. Der Lenkungsausschuss nimmt die Auswahl der Konferenz-Teilnehmer vor und legt die zu besprechenden Punkte auf der Agenda fest. Ein Mitglied des Lenkungsausschusses von der Frühzeit an war beispielsweise George W. Ball, ein US-amerikanischer Politiker und Banker, der unter dem direkten Einfluss von Jean Monnet stand und zur Entstehung der Montanunion beitrug,20 ein anderes Henry John Heinz II, der CEO der 1869 von seinem Großvater gegründeten H. J. Heinz Company, und ein weiteres der Rhodes Scholar George C. McGhee, der Millionen von Dollar im Erdölgeschäft verdient hatte, ehe er zum Diplomaten avancierte. Zusätzliche wichtige Unterstützer der Bilderberg-Gruppe, die aus den USA kamen, waren David Rockefeller, Gabriel Hauge, Paul Nitze, Dean Acheson, Joseph Johnson und der Rhodes Scholar (und zeitweilige Präsident der Rockefeller-Stiftung), Dean Rusk.21 Hervorzuheben wäre auch Arthur H. Dean, ein Co-Vorsitzender des Führungskomitees der Bilderberg-Gruppe, der „seit den 1920er Jahren mit dem amerikanischen Außenminister (1953-59) John Foster Dulles“ gearbeitet hatte und „1949 dessen Nachfolger als Seniorpartner bei Sullivan & Cromwell“ wurde.22

Betrachtet man „ältere institutionseigene Berichte und Papiere“, gibt es organisatorisch noch „einen Honorary Secretary General for Europe and Canada, einen Honorary Secretary General for U.S.A. und einen Honorary Treasurer“, wie auch „eine zusätzliche Gruppierung innerhalb des Steering Committees“, nämlich die 1959 gegründete „Advisory Group“.23 „Im Gegensatz zur Bilderberg-Konferenz, die lediglich in einem jährlichen Turnus stattfindet, trifft sich dieser Club häufiger im Jahr, um die Treffen vorzubereiten. … Folgt man der engen Perspektive der Bilderberg-Gruppe als Summe der Mitglieder des Steering Committees, so waren in der Geschichte der Bilderberg-Gruppe ca. 180 Akteure Mitglieder der Bilderberg-Gruppe. … Im Jahr 2012 gehörten dem Steering Committee 35 Mitglieder an. Die Advisory Group bestand im Jahr 1982 noch aus insgesamt elf Akteuren…, während aktuell nur noch ein Mitglied, David Rockefeller, diesem Gremium zugerechnet wird.“24 Rockefeller verstarb im März 2017. Über ihn heißt es: „Seine bedeutende Position innerhalb der Wirtschaftswelt, der Einfluss seiner Familie und sein besonderes Interesse an internationalen Beziehungen machten ihn zu einem Stützpfeiler der Gruppe. Er nahm beinahe ohne Unterbrechung an allen Konferenzen des Führungskomitees seit 1954 teil.“25

Auf den Bilderberg-Konferenzen wurden jene Vereinbarungen vorbereitet, welche als Römische Verträge aus dem Jahre 1957 bekannt sind – das heißt, die Grundlage für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). George C. McGhee machte später in seinen Memoiren geltend: „Die Römischen Verträge (…), die den gemeinsamen Markt hervorbrachten, wurden von Bilderberg wesentlich mitbestimmt.“26 Das trifft auch auf die Schaffung der Gemeinschaftswährung Euro zu: ihr wurde während der 1990er Jahre bei den Bilderberg-Treffen auf die Beine geholfen, wie Etienne Davignon, ein ehemaliger Mitarbeiter von Paul-Henri Spaak, später erklärte. Man habe bei den Bilderberg-Veranstaltungen Debatten über den Euro geführt, in deren Verlauf „die Leute erklären [konnten], warum es sich lohnt, Risiken einzugehen, und die anderen, für die die offizielle Politik darin bestand, nicht daran zu glauben, … mussten aufstehen und echte Argumente vorbringen“.27 Im Großen und Ganzen „lehnte [Bilderberg] Politikgestaltung ab, strebte aber nach Einfluss“,28 und der Zweck der alljährlichen Treffen war „weniger eine Angelegenheit eines elitären Entscheidungsprozesses, als vielmehr ein weiterer Versuch, den Umfang des atlantischen Konsenses auszuloten. So gesehen waren Prinz Bernhards Treffen nicht viel mehr als eine Erweiterung des Council on Foreign Relations. In der Tat bestand der Lenkungsausschuss der amerikanischen Sektion der Bilderberg-Gruppe ausschließlich aus CFR-Mitgliedern.“29

Historisch lässt sich „die enge personelle Verflechtung zwischen CFR und der Bilderberg-Konferenz“ belegen, sie ist aber auch gegenwärtig noch virulent, „etwa wenn die Interlocks zwischen dem Board of Directors des CFR und der Teilnahme an Bilderberg-Konferenzen zwischen 1991 und 2008 betrachtet werden“. Abseits der Ähnlichkeiten, die zwischen der Bilderberg-Gruppe auf der einen sowie CFR (und dem Londoner Schwesterninstitut Chatham House) auf der anderen Seite bestehen, werden von dem „institutseigenem Think Tank des CFR“, dem David Rockefeller Studies Program, „Positionspapiere in jenen Themenbereichen“ produziert, die auch auf den Bilderberg-Konferenzen besprochen werden.30

Von den zweiundfünfzig US-Bürgern, die in der Bilderberg-Gruppe als Mitglieder des Lenkungsausschusses oder als Ehren-Generalsekretäre fungierten, waren bis auf vier auch Mitglieder des CFR. Von diesen achtundvierzig waren dreizehn auch Direktoren des Rates, namentlich: „Joseph E. Johnson, Kenneth W. Dam, Arthur H. Dean, Louis V. Gerstner, Winston Lord, Charles McC. Mathias, George L. Mitchell, Bill D. Moyers, David Rockefeller, Gabriel Hauge, Richard C. Holbrooke, Henry A. Kissinger und Marina von Neumann Whitman. Hauge, den Präsident Eisenhower als seinen persönlichen Vertreter zu den Bilderberg-Treffen schickte, war auch ein langjähriger Schatzmeister des CFR; Lord war auch Präsident; und natürlich war Rockefeller für fünfzehn Jahre der Vorsitzender des Rates. Offensichtlich betrachtet die Bilderberg-Gruppe, die von einigen der führenden Adeligen Europas zusammen mit ihren multinationalen Unternehmens-Verbündeten organisiert wird, den CFR als die US-Organisation, mit der es in Konsultationen zu stehen gilt“, um bei den wichtigen Themen „das gegenseitige Verständnis“ und – nach Möglichkeit – einen „Konsens zu entwickeln“.31

Medien schweigen

Trotz der Tatsache, dass bei diesen in wechselnden, rigoros abgeschotteten Luxushotels stattfindenden Treffen jahrein-jahraus politische Funktionseliten der westlichen Welt mit Bankvorständen, Wirtschaftskapitänen, Medienkonzernchefs, Militärs, Geheimdienstdirektoren, High-Tech-Unternehmern, Hedgefonds-Managern, Wissenschaftlern, Alpha-Journalisten, Repräsentanten des europäischen Hochadels sowie Abgesandten der führenden Beratungsfirmen und Anwaltskanzleien der Welt zusammenkommen, wird darüber in den großen Medien mit der entsprechenden Reichweite arg wenig berichtet. Zwar hat sich etwa die Mainstreampresse in Deutschland dem „Phänomen Bilderberg“ gegenüber seit 2010 merkbar geöffnet; doch bewegt sich die Berichterstattung in den Massenmedien nach wie vor „auf einen relativ niedrigen quantitativen Niveau. Häufig berufen sich die Berichte auf dieselben Pressemitteilungen, die nahezu identisch kopiert werden. Viele Berichte thematisieren Bilderberg zudem nur in einer kurzen Passage. Als Ursache für diese Knappheit wird stets auf die Macht der Geheimhaltung der Gruppe verwiesen, die ihrerseits jedoch dadurch relativiert wird, dass Wissen über verschiedene Dokumente der Gruppe zugänglich ist, die vor allem in der jüngeren Vergangenheit von der Bilderberg-Gruppe veröffentlicht wurden.“32 Vielfach wird in der massenmedialen Berichterstattung „der Gruppe bezüglich der Geheimhaltung Macht zugesprochen und die Teilnehmer der Konferenz werden als Machthabende charakterisiert, vor allem auf Grund ihrer Machtposition in spezifischen Organisationen und Funktionssystemen. Die zugeschriebene Macht wird in der Regel allerdings durch eine Abgrenzung von der verschwörungstheoretischen Allmachthypothese relativiert, ganz nach dem Motto: ,Sie sind mächtig, aber nicht allmächtig, und deshalb ohnmächtig‘ bzw. relativ ohnmächtig.“33

Ein wenig seltsam mutet es jedenfalls schon an, wenn es die Massenmedien seit nunmehr Jahrzehnten meiden, ihre Reporter zu den Bilderberg-Konferenzen ausschwärmen zu lassen, „obwohl diese Ereignisse sich sowohl mit der Logik des Feldes, das heißt der Suche nach dem Spektakulären und Sensationellen, sowie dem Streben nach möglichst hohen Auflagenzahlen bzw. Einschaltquoten oder Klicks durchaus vereinbaren lassen“.34

(Vielleicht auch erwähnenswert: Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, sitzt im Lenkungsausschuss der Bilderberg-Gruppe. Zugleich ist er von 2016 bis 2022 Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger gewesen, das heißt also jener Medienorgane, die über Bilderberg-Treffen eigentlich berichten müssten, es aber nicht tun. Im Lenkungsausschuss der Bilderberg-Gruppe sitzt zudem als Co-Vorsitzende Marie-Josée Kravis, die Ehefrau des Mitinhabers der Wall Street-Investmentfirma Kohlberg, Kravis & Roberts, KKR – welche ein Großinvestor des Hauses Axel Springer ist.)

Das „Missverhältnis zwischen der medialen Aufmerksamkeit, die der Bilderberg-Konferenz zuteil wird, und ihrer Bedeutung, wird augenscheinlich, wenn man die Berichterstattung über den Elitezirkel mit der über das World Economic Forum in Davos oder die Münchener Sicherheitskonferenz vergleicht.“ Wenn diese beiden Ereignisse stattfinden, herrscht in der „gesamten Medienmaschinerie“ Hochbetrieb, „keine Hauptnachrichtensendung, die nicht immer wieder über die Konferenz mit Live-Schaltung und allem was dazugehört berichtet. Kein Qualitätsmedium, das nicht genau hinhört, wenn die Weltenlenker bei der Zusammenkunft in München oder Davos reden. Die Anzahl der Artikel und Berichte, die vor, während und nach den Elitetreffen erscheinen, sind wegen ihrer Masse kaum alle zu sichten.“35

Die Produktion der wenigen Bilderberg-Berichte, die in Deutschland entstehen, bleibt „in den meisten Fällen intransparent“, und wie sich die Journalisten, die über Bilderberg in den Massenmedien veröffentlichen, Wissen über die Bilderberg-Gruppe angeeignet haben, „ist in breiten Fällen nicht nachvollziehbar“. Gleichwohl „lassen sich mit Blick auf das gesamte Material spezifische Strategien der Wissensaneignung ableiten, wobei insbesondere eine Strategie herausragt: die Übernahme von Meldungen von Presseagenturmeldungen und/oder anderen massenmedialen Artikeln, wobei mehr als ein Drittel der erfassten Artikel explizit unter diese Kategorie fällt. Die Häufung der Artikel im Jahr 2010 erklärt sich unter anderem dadurch, dass Presseagenturen zwei Meldungen zur Bilderberg-Gruppe produzierten. … Diese zwei Agenturmeldungen … wurden von Journalisten folglich wahrgenommen und verarbeitet und zwar in einer Art und Weise, die sich mit dem Begriff des Abschreibens, oder, um eine neuere Formulierung zu wählen, mit dem Schlagwort ,copy and paste‘, adäquat beschreiben lässt.“36

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Bilderberg-Gruppe ist ähnlich unterentwickelt. „Nimmt man die wissenschaftlichen Thematisierungen in Gänze in den Blick, so fällt auf, … dass auch in den wissenschaftlichen Beiträgen deutlich wird, dass zahlreiche implizite Wissensbezüge in die Erzählungen integriert werden und expliziertes Wissen auch hier über weite Strecken unbelegt bleibt.“37

Die Teilnehmer der Bilderberg-Konferenzen selbst unterliegen der sogenannten Chatham House Rule, die im Royal Institute of International Affairs in London entstand und besagt, dass den Teilnehmern einerseits gestattet wird, die erhaltenen Informationen frei zu nutzen, andererseits aber auch nur, wenn dabei weder die Identität noch die Zugehörigkeit derer offenbart werden, von denen die Informationen stammen. „Es erfolgen demnach keine formalen Redeverbote, sondern über die Chatham-House-Regel und die Vermittlung von Erwartungshaltungen gelingt es, weitgehend Verschwiegenheit zu produzieren.“38

„Fiktives Kapital“

Beachtenswert bei alledem wäre auch: Geld kann geistreich sein, und dadurch sein Besitzer, selbst wenn er es sonst nicht ist, insofern Geld Geist zu erwerben vermag, wie Karl Marx beobachtete. Denn: „[I]ch bin geistlos, aber das Geld ist der wirkliche Geist aller Dinge, wie sollte sein Besitzer geistlos sein? Zudem kann er sich die geistreichen Leute kaufen, und wer die Macht über die Geistreichen hat, ist der nicht geistreicher als der Geistreiche?“39

Seinem Wesenskern nach strebt der Kapitalismus dabei immerzu nach der „Akkumulation von Kapital zum Zwecke der Anhäufung von noch mehr Kapital“.40 Einmal durch „ursprüngliches Kapital“ in Schwung versetzt, „hält diese Akkumulation bis heute an. Sie ist ein Selbstläufer geworden“, und zwar einer, der mehr und mehr beschleunigt: „Im Laufe der Zeit rennt die Akkumulation den tatsächlichen Produktionsmöglichkeiten davon. Es gibt mehr Kapital, als sich in die Produktion stecken lässt. Marx schreibt: ,Ein Teil des Großkapitals, der sonst als Reservefonds schlummert, wird ausgeliehen, fungiert als zinstragendes Kapital.‘ Dieses Kapital wird schließlich ,fiktiv‘, wenn sein Zweck nur noch darin besteht, sich über eine Verzinsung zu vermehren und gar nicht mehr für eine Produktion welcher Art auch immer gedacht ist. Das fiktive Kapital, dessen Volumen heute das ,Realkapital‘ der Produktion um ein Vielfaches übertrifft, ist eine logische Folge aus fortgesetzter Akkumulation und einer immer leistungsfähigeren Produktion über 200 Jahre“ – will letztlich bedeuten: „Fiktives Kapital ist kein Fehler im Kapitalismus, kein Ausdruck von Gier, sondern ein zwangsläufiges Element des Kapitalismus.“41 Nutznießer dieses Elements sind die Rentiers, welche nicht arbeiten müssen, da sie ihren Lebensunterhalt von den Einkünften bestreiten können, die der Besitz von großen Kapitalmengen mit sich bringt.

Neben „fiktivem Kapital“ gibt es weitere Formen von Kapital, wenn wir Pierre Bourdieus Konzept des „sozialen Raums“ miteinbeziehen, das von verschiedenen Kapitalsorten spricht. In diesem sozialen Raum gibt es ein Oben und ein Unten. „Oben im sozialen Raum waren jene Akteure verortet, die über das meiste Gesamtkapital verfügen und somit der herrschenden Klasse angehören. Diese herrschende Klasse umfasst sowohl jene Machteliten, die über besonders viel ökonomisches Kapital verfügen (z. B. Unternehmer und Führungskräfte aus der Privatwirtschaft) als auch jene, die über besonders viel kulturelles Kapital verfügen (z. B. Hochschullehrer). Diese zwei Dimensionen können um die einzelnen gesellschaftlichen Felder erweitert werden, sodass diejenigen, die besonders viel Kapital im wissenschaftlichen, journalistischen, politischen, militärischen oder auch zivilgesellschaftlichen Feld verfügen, ebenfalls dieser funktional differenzierten herrschenden Klasse zugerechnet werden können.“42 Die Bilderberg-Konferenzen sollen „zur Akkumulation von sozialem Kapital und zum Austausch des inkorpierten kulturellen Kapitals in der herrschenden Klasse dienen, um hierdurch den Zusammenhalt der transatlantischen Machtelite zu stärken. Auf der Basis ihres diversifizierten Kapitalstocks, gelingt es der Bilderberg-Gruppe seit über 60 Jahren die Machteliten der westlichen Welt für ihr Anliegen zu mobilisieren und hierdurch systematisch ihr soziales, kulturelles, wissenschaftliches, journalistisches und symbolisches Kapital zu reproduzieren und vermehren.“ Bei ihren Konferenzen trifft „privater Reichtum … auf diverse Funktionseliten“, wodurch „fraktionsübergreifende Kommunikations- und Interaktionsbeziehungen auf höchster machtstruktureller Ebene in Gang gesetzt werden, die für die Bilderberg-Gruppe und die Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz Profite generieren. Über Formen der weichen Machtausübung (Soft Power), hat die Kerngruppe einen sozialisierenden Mechanismus errichtet, der die transatlantische Politik stabilisiert und zugleich Impulse für Veränderungen setzt. Dieser Mechanismus integriert also nicht nur neue Teilnehmer in die Elitestruktur und -kultur der transatlantischen Welt, er koordiniert ihre Diversität und simuliert die Grenzen legitimer Strategien und Aktivitäten für die diskutierten weltpolitischen Probleme und Krisen.“43

„Fiktives Kapital“, wenn wir es mit privatem Superreichtum verbinden, findet ein Betätigungsfeld, das zur „Formierung fungibler globaler Herrschaft“ drängt, die auf „eine bislang nicht denkbare Privatisierung des Universellen“ hinausläuft, „die alles, was der Feudalismus zuwege brachte, in den Schatten stellt“. Ein begünstigender Faktor hierbei: „Das letzte Geheimnis des Ultrareichtums ist seine Privatheit.“ Wer an der Spitze der Reichtumspyramide steht, das heißt: in rauen Mengen über „fiktives Kapital“ frei verfügt und somit zu den „ultimativen Kapitaleignern“ zählt, vermag sich mit anderen Ultrareichen an der Umwandlung großer Geldmengen aus der Warenform in die Machtform zu üben.44 Das kann bisweilen bei „ultimativen Kapitaleignern“ zu Gefühlen von „Gottgleichheit“ führen.45

Dem Dasein und Tun der Superreichen kommt – es nimmt nicht wunder – die Ausrichtung der Finanzmärkte entgegen. Das zugrundeliegende System, so lautete der Befund, den Doug Henwood bereits 1997 publizierte, „ist wahnsinnig teuer, gibt eigentlich falsche Signale zur Lenkung der Kapitalströme und hat überhaupt kaum etwas mit wirklicher Investitionstätigkeit zu tun. Auf der anderen Seite aber macht der Finanzmarkt eines sehr gut: Er bewirkt die Konzentration von Reichtum. Der Mechanismus ist einfach: Mit Hilfe staatlicher Verschuldung werden Einkommen von unten, von den einfachen Steuerzahlern, nach oben zu den reichen Bondholdern, verschoben. Statt die Reichen zu besteuern, borgt die Regierung von ihnen und bezahlt für dieses Privileg auch noch Zinsen. Auch die Konsumentenkredite bereichern die Reichen; wer bei stagnierenden Löhnen und Gehältern seine VISA-Karte benutzt, um über die Runden zu kommen, füllt mit jeder Monatsrate die Brieftaschen der Gläubiger im Hintergrund. Unternehmen des produktiven Sektors zahlen ihren Aktionären Milliarden an jährlichen Dividenden, statt ins Geschäft zu investieren. Kein Wunder also, dass der Reichtum sich auf spektakuläre Weise immer mehr ganz oben zusammenballt.“46

Dort oben lässt sich dann für die „ultimativen Kapitaleigentümer“, wenn sie wollen, nicht nur allein Macht monetarisieren, „sondern durch die Geldelite werden umgekehrt Geldwerte auch vermachtet“.47 An und für sich nichts neues; durch die Möglichkeiten der Wissens- und Informationsgesellschaft, die sich die Geldelite quasi dienstbar machen kann, um „geistreicher als der Geistreiche“ zu sein, beschleunigt sich aber auch dieser Prozess, allzumal den „ultimativen Kapitaleignern“ ja noch weitere elitäre Schichten zuzuordnen sind, „welche der Geldmacht zuarbeiten beziehungsweise von ihr abhängen“.48 Mit der Freiheit, die Reichtum in Form einer „abgesicherten Distanz zur Not(-wendigkeit)“ schafft, geht die Befähigung einher, sich „exklusive, seltene Güter, Räume, Symbole und Werte“ anzueignen – oder gar gleich „die exzellenteste Form von Macht“ zu kontrollieren: „die Beherrschung der Zeit vermittels der Dinge (wie etwa Antiquitäten oder Immobilien), die nur im Laufe der Zeit, mit ihr, erworben werden können“.49 Auf Dauer verfestigt sich der ungleiche Zugang zu den Quellen, Positionen und Instrumenten der Macht, so dass der Begriff von der „sozialen Ungleichheit“ mithin bedeutet, „dass eine soziale Klasse oder Gruppe aufgrund ihrer Stellung im System der Produktion und Aneignung es vermag, sich Güter, Räume, Symbole, Werte, Zeit und gesellschaftliche Praxen exklusiv anzueignen und ihnen erst dadurch die Eigenschaft sozialer Seltenheit und Singularität zu verleihen, vermittels derer wiederum gesellschaftliche Macht begründet und ausgeübt werden kann“.50

Die Allianz aus privatem Reichtum und den ihm zur Verfügung stehenden Funktionseliten veranschaulicht der Soziologe Hans Jürgen Krysmanski mit einem „Ringburg“-Modell konzentrischer Kreise. Vom innersten Kern, der primären Machtelite, ausgehend, sehen wir folgende Hierarchie abgebildet:

1.) Die Superreichen (Geldmacht);

2.) Die Konzern-, Finanz- und Militäreliten (Verwertungsmacht);

3.) Die politischen Eliten (Verteilungsmacht);

4.) Die technokratischen Funktions- und Wissenseliten (Wissensmacht).

„Der Geldelite am nächsten operieren sicherlich die Konzern- und Finanzeliten, die Spitzenmanager der verschiedenen Wirtschaftssektoren und so weiter“, erläutert Krysmanski. „Diese Gruppen fungieren als Spezialisten der Kapitalverwertung beziehungsweise der Absicherung und Expansion von Akkumulationsmöglichkeiten. Manche von ihnen steigen selbst in die eigentliche Geldelite auf, werden also zu Milliardären – aber erstaunlicherweise gar nicht so viele, obwohl High Tech und High Finance die Mobilität drastisch erhöht haben.“51 Sie gehören zwar zur Elite, haben aber nur „Dienstklassenstatus“ inne, denn im Gegensatz zu den „ultimativen Kapitaleigentümern“ können sie „entlassen werden oder ,stürzen‘“.52 Dem nächsten Funktionsring ordnet Krysmanski die Akteursgruppe der politischen Eliten zu. „Man kann sie als Spezialisten der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums bezeichnen“ – und zwar der „Verteilung des Reichtums von unten nach oben“.53 Die Akteursgruppe der Funktions- und Wissenseliten aller Art bildet den äußersten Ring der aufgezeigten Burg, „von Wissenschaftlern über Techno- und Bürokraten bis zu den Wohlfühleliten der Medien, der Kultur, des Sports. Sie sind alle für den Erhalt des Gesamtsystems unerlässlich.“54 In diesem äußersten Ring wirkt „in allen seinen Bereichen ein Rankingsystem“, das die Mitglieder dieser Gruppe „nach ihrer Nützlichkeit für die ökonomischen, sozialen und kulturellen Interessen der Geldelite bemisst“.55

Wirklich souverän, stellt Krysmanski – dabei Carl Schmitt variierend – fest, sei, „wer über Geldmacht verfügt“. Und er fällt für die Vereinigten Staaten von Amerika das Urteil, dass diese „eine Plutokratie, keine Demokratie“ darstellten.56 Plutokratie wird von Krysmanski schlicht als Antonym zur demokratischen Herrschaftsform benutzt, genauer als eine privatisierte Form von Herrschaft: Die Ultrareichen, die von den Privatisierungsprozessen, die allenthalben vonstattengehen, am meisten profitieren, „werden immer privater und sie werden immer reicher. Es sieht so aus, als würde ihnen bald die Welt gehören. Die Herrschaft der Reichen nennt man Plutokratie.“57 Diese sei „in gewisser Weise nichts andres als ,Privatisierung der Politik‘ oder ,Politik als Privatangelegenheit‘, und zwar Privatangelegenheit einer kleinen Gruppe von Superreichen, denen es als einzigen noch gelingt, wirklich privat zu bleiben und aus dieser Privatheit heraus die öffentlichen Angelegenheiten nach eigenem Wunsch und Willen zu formen“.58

Denkfabriken

Nicht nur die Monetarisierung von Macht und die Vermachtung von Geldwerten sind uralt; auch viele Einflussgremien wie Think Tanks, die sich die Geldelite hält, und Stiftungen, die sie einrichtet, „sind altertümliche, quasifeudale Gebilde und keineswegs Beispiele für glänzende, moderne Netzwerke. In den USA werden Think Tanks immer mehr zu Bastionen im Kampf zwischen konservativen und liberalen Milliardären um Einfluss auf die Außen- und Innenpolitik.“ So halten sich „die superreichen liberalen Laiendenker des US-amerikanischen Establishments“ seit Anfang der 1920er Jahre den Council on Foreign Relations, während „die konservativen Milliardäre … eigene Denk-Supertanker“ unterhalten, allen voran das American Enterprise Institute.59

Diese Einflussgremien sind nicht demokratisch bestellt, sondern laufen in Wahrheit an der Demokratie und ihrer Kontrolle vorbei. Wesentlich für Kontrolle ist Transparenz; an gerade der hapert es aber eklatant – womit die Dinge, die in solchen Elitezirkeln verhandelt werden, „dem öffentlichen Diskurs entzogen“ sind.60 Stattdessen bezeugen wir „Tendenzen der Re-Feudalisierung“, wie der Münchner Mediensoziologe Rudolf Stumberger meint: „Das heißt, dass neben den offiziellen Strukturen, neben den demokratischen Strukturen, dass die inoffiziellen Strukturen zunehmend wieder an Gewicht gewinnen. Und diese Eliten, diese selbst ernannten Eliten, die oben sitzen, die schotten sich zunehmend ab.“61

Ihre Macht erzielen jahrzehntelang gewebte Netzwerke wie das des Council on Foreign Relations nicht zuletzt durch die multinationalen Konzerne, mit denen sie traditionell enge Bande halten. Wobei diese Konzerne wiederum untereinander ebenfalls ein Netzwerk bilden – ein „Netzwerk globaler Unternehmenskontrolle“.62 Der CFR zum Beispiel hat zahlende Unternehmensmitglieder. Zu den einheimischen Firmen, welche den Mitgliederstatus genießen, gehören u.a. Chevron, Exxon Mobil, Bank of America Merrill Lynch, JP Morgan Chase, Goldman Sachs und Citigroup. Daneben gibt es auch über 30 ausländische Unternehmensmitglieder, etwa aus dem Ölsektor die Firmen BP, Shell, Total, Eni und Aramco Services, das Tochterunternehmen der Saudi Arabian Oil Company (Aramco), oder aus der Finanzbranche die Firmen Barclyas, Credit Suisse, UBS und Deutsche Bank.63 Von Anfang an stand man außerdem in Verbindung zur 1978 von der Rockefeller Foundation angeschobenen Group of Thirty (G30) – eine Art Finanz-Denkfabrik, der über 30 aktive und ehemalige Topmanager großer Geldhäuser und Zentralbanken angehören. G30-Mitglieder wie Paul A. Volcker, E. Gerald Corrigan, William C. Dudley und Roger W. Ferguson waren und/oder sind auch Mitglieder im CFR.

Neue Kooperationsmöglichkeiten mit ausländischen Institutionen unterschiedlicher Couleur lotete der CFR ab 1995 zunehmend durch das von David Rockefeller geleitete International Advisory Board (IAB) bei jährlichen Zusammenkünften aus.64 Später wurde aus dem IAB das Global Board of Advisors (GBA). Ihm saß David M. Rubenstein, der Mitbegründer der Carlyle Group, vor.65 Der CFR lässt über das GBA wissen: „Das Global Board of Advisers (GBA) besteht aus prominenten Persönlichkeiten, einschließlich Unternehmenslenkern, renommierten Akademikern und ehemaligen Regierungsfunktionären aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Das prestigereiche Gremium liefert dem CFR Einsichten über deren Weltregionen und bietet den Mitgliedern des GBA außerdem einen Mechanismus, an Diskussionen über internationale Beziehungen und die Rolle der USA in der Welt mitzuwirken.“66 Die Repräsentanten des GBA stammen überwiegend aus Europa und Asien, gefolgt vom Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika.67

Darüber hinaus gründete der CFR im Jahr 2012 den sogenannten „Council of Councils” („Rat der Räte”). Für das Auftakttreffen in Washington, D.C. kamen Repräsentanten vieler weltweit führender Denkfabriken aus insgesamt 20 Nationen zusammen. Dort identifizierten sie drei Haupttrends, denen es Aufmerksamkeit zu schenken gelte: „Erstens, nationale Regierungen allein können den Herausforderungen der Welt nicht allein erfolgreich begegnen. Zweitens, nationale Politik bestimmt zunehmend internationale Bedingungen und damit die Aussichten für die Koordination multinationaler Ansätze für transnationale Probleme. Drittens, aufstrebende Mächte werden mit ihrer wirtschaftlichen Stärke zunehmend die geopolitische und geoökonomische Situation verändern, was die Umstrukturierung internationaler Institutionen und Initiativen erforderlich machen wird.“68 Als Ziel des „Rats der Räte“ wurde seither artikuliert, dass man in Fragen der Weltpolitik auf einen Konsens – „eine gemeinsame Ebene” – hinarbeiten wolle, um „Lösungsvorschläge in die öffentlichen Debatten und politischen Prozesse der Mitgliedsstaaten“ einzubringen.69

Neben den privatwirtschaftlichen Organisationen, die Mitglieder beim CFR sind, gibt es die Mitgliedschaft für Einzelpersonen. Die Einzelmitgliedschaft wurde 1984 vom damaligen CFR-Präsidenten Winston Lord als „unsere wichtigste und unerlässliche Ressource“ beschrieben.70 In den CFR-Rängen befinden sich herausragende Persönlichkeiten, die der CFR-Jahresbericht 2011 als „unerreicht in Sachen Erfolg und Vielfalt im Bereich internationaler Beziehungen“ charakterisierte.71 Der CFR-Jahresbericht für 2014 stellte fest: „Die Mitglieder des CFR sind und waren schon immer dessen wertvollstes Gut, eine tragende Säule der Stärke dieser Institution, und ein Zeichen für dessen Einfluss. Das Mitgliederverzeichnis zählt heutzutage zwei ehemalige US-Präsidenten und zwei Vize-Präsidenten (es gab insgesamt jeweils sieben beider Kategorien in der Geschichte des CFR); sechsundzwanzig Pulitzerpreis-Gewinner, neun Nobelpreisträger, sechsundneunzig Rhodes-Scholars, zweiundfünfzig Direktoren von Fortune-500-Firmen, zweiundvierzig Sondergesandte und zweiundsechzig Admiräle und Generäle in den US-Streitkräften. Seit der Gründung des CFR haben dreißig Außenminister als Mitglieder fungiert.“72

Der CFR bezieht Stärke aus dem grundlegenden Merkmal, dass er sowohl eine Mitgliederorganisation als auch eine Denkfabrik ist, „die Aktion und Reflektion miteinander verbindet – Menschen der ,Tat‘ mit Menschen der ,Ideen‘.“ Die Aktivitäten, die der CFR entfaltet, werden durch eine Mitgliedschaft ermöglicht, „welche sich bildet aus einer ausgewogenen Mischung von Leitern marktwirtschaftlicher Organisationen, besonders aus dem Finanzsektor, aber auch aus der Industrie, Telekommunikation und dem Rechtsbereich; Größen des intellektuellen Lebens, besonders aus führenden Universitäten, aber auch aus dem Journalismus und anderen Denkfabriken, und Anführern der Regierung, vor allem der (US-)Bundesregierung, aber auch aus den einzelnen Bundesstaaten und Gemeinden.“73 Der Council on Foreign Relations operiert nicht isoliert, sondern bildet vielmehr das Zentrum „eines weitreichenden Netzwerks von Schlüsselinstitutionen“, die das öffentliche Leben der USA in verschiedenen Bereichen bestimmen. „Die kapitalistische Klasse der USA hat einen Kern und eine Peripherie. Der CFR und dessen Mitglieder sind Teil des Kerns des dominanten Bereichs dieser Klasse, aber das Netzwerk reicht weit. Die fast 5000 Einzelpersonen, die Mitglieder und Führungspersönlichkeiten des Councils sind, haben zusammen genommen hunderttausende Verbindungen – gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Beziehungen, welche sie in eine Gemeinschaft der Mächtigen zusammenweben. Dies ist ein Grund dafür, warum so viele Menschen dem Council beitreten und bei seinen Aktivitäten mitwirken wollen. Diejenigen im Kern dieser großen Clique, welche den inneren Kreis des CFR darstellt, haben gemeinsame Eigenschaften, Zugang zur gleichen allgemeinen Information und zumeist homogene Ansichten. Ihre Interaktionen untereinander sind eng und zahlreich – eine Verkettung von Verbindungen zu verschiedenen Organisationen –, was in starken Verbindungen und Beziehungen untereinander sowie mächtigen Positionen in ihren jeweiligen Bereichen, der Volkswirtschaft sowie der Gesellschaft als Gesamtheit, resultiert.“74

Um neue Verbindungen zu schaffen, an neue Informationen zu kommen und zu neuen Einsichten zu gelangen, müssen die Mitglieder der Kern-Clique über die Grenzen des Kerns hinausgehen. So treten einerseits weniger eng vernetzte Leute in ihren Kreis, andererseits werden Verbindungen, die zunächst schwach sind, dadurch stärker. „Das Endergebnis ist eine Bestätigung der alten Weisheit, dass es, um im Leben voranzukommen, ,nicht darauf ankommt, was du weißt, sondern wen du kennst‘.“75

In einem Interview fragte ich den CFR-Historiker Laurence Shoup, wie sehr der militärisch-industrielle Komplex im CFR vertreten sei. Daraufhin Shoup: „Nicht so stark repräsentiert wie die Finanzkapitalisten, was ich als ,Finanzkapitalisten-Komplex‘ bezeichnen könnte – Wall Street. Wenn Sie sich die Spitzengruppe der Mitglieder des Council on Foreign Relations ansehen, die Unternehmen sind, finden Sie dort alle großen Finanzkapitalgesellschaften der Wall Street ‒ Citibank, Bank of America, JPMorgan Chase, Morgan Stanley, Goldman Sachs und so weiter, und viele Ölgesellschaften wie Chevron, Shell und Exxon Mobil. Es gibt eine Rangfolge der Firmenmitglieder nach ihren Spenden, und zur Spitzengruppe gehören diese Öl- und insbesondere Finanzgesellschaften. Zu den anderen 175 Firmenmitgliedern gehören unter anderem Lockheed Martin, Boeing, DynCorp, General Electric, Northrop Grumman, Raytheon, United Technologies, Fluor, Booz Allen Hamilton. Sie sind alle Teil des militärisch-industriellen Komplexes und Firmenmitglieder. Und wenn Sie sich das Board of Directors ansehen, sind die Leiter dieser Unternehmen in den meisten Fällen auch Mitglieder des Council on Foreign Relations. Zum Beispiel ist der Haupteigner von General Dynamics, einer der größten Aktionäre und der führende Gesellschafter, Lester Crown, Mitglied des Council on Foreign Relations. Robert J. Stevens, von 2004 bis 2012 CEO von Lockheed Martin, ist Mitglied des Council on Foreign Relations. Bei Boeing sind viele der Mitglieder des Board of Directors auch Mitglieder des Council on Foreign Relations, und so weiter – es gibt viele Verzahnungen. Die Unternehmen, die zum militärisch-industriellen Komplex gehören, sind nicht einfach nur Council-Mitglieder. Ihre Führungspersönlichkeiten, CEOs und Vorsitzende, und viele Board-Mitglieder sind auch Council-Mitglieder; deshalb gibt es an dieser Stelle viele Berührungspunkte. Und dann gibt es eine Menge dieser Militärs. Einer von ihnen, der gerade aktuell dem Council angehört, ist General Abizaid, der eine Zeitlang der verantwortliche General im Irakkrieg war. Er ist nun Direktoriumsmitglied für den Council on Foreign Relations, und man hat ihn eingeladen, sich einigen dieser Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes anzuschließen. Es gibt daher zahlreiche Kontaktstellen zwischen dem militärisch-industriellen Komplex und dem Council, jedoch sind die Finanzkapitalisten diejenigen, die die Kontrolle über den Council haben.“

Laut Shoup dominieren im CFR „die Wall Street und die kapitalistische Klasse, aber der militärisch-industrielle Komplex spielt zusammen mit den Intellektuellen der Top-Universitäten ebenfalls eine Schlüsselrolle…, weil sie die geopolitische bzw. intellektuelle Seite repräsentieren, die der Council haben möchte. Die Wall Street dominiert, aber diese anderen Leute spielen eine wichtige subsidiäre, kooperative Rolle.“

Auf meine Frage, was den CFR im Vergleich zu anderen Think Tanks wie beispielsweise die Brookings Institution oder das American Enterprise Institute einzigartig mache, antwortete Shoup: „Nun, als Erstes müssen Sie beim Council on Foreign Relations bedenken, dass es sich um eine Mitgliederorganisation handelt, der fast 5.000 Personen angehören ‒ Intellektuelle, aus der Medienbranche, der akademischen Lehre, von gemeinnützigen Organisationen und führenden Unternehmen. Der Council vermag daher auf ein großes Reservoir an Wissen und Fachkompetenz in so vielen Gebieten zurückzugreifen, die für die Studiengruppen und Mitgliederaktivitäten herangezogen werden können. Diese anderen Organisationen haben diese Mitgliedsstruktur nicht – Brookings oder American Enterprise oder sonst irgendeine. Die anderen Organisationen sind entweder ein Think Tank oder eine Mitgliederorganisation, aber nicht beides. Der Council on Foreign Relations ist beides, und er ist die einzige Organisation dieser Art.

Er hat außerdem einen größeren prozentualen Anteil an Spitzenkräften, die zwischen einer Tätigkeit bei der Regierung und beim Council on Foreign Relations hin- und herpendeln. Bill Clinton ist ein Beispiel dafür. Er war Präsident, ist Mitglied des Council on Foreign Relations und nimmt an dessen Aktivitäten teil. Jimmy Carter ist ebenfalls Mitglied des Council on Foreign Relations. Ebenso George H. W. Bush. Das sind die Präsidenten. Es gibt auch eine Reihe von Vizepräsidenten, die dem Council on Foreign Relations angehören, und fast jeder Außenminister. Wenn sie die Regierung verlassen, sind sie immer noch Council-Mitglied. Und selbst wenn sie in der Regierung sind, bleiben sie Mitglied des Council. Dick Cheney, der in der Administration von George W. Bush eine so wichtige Rolle spielte, gehört dem CFR an, bekleidete zweimal das Amt eines Direktors und ist immer noch dabei, das heißt, er kann zum Council gehen, dort die anderen treffen, Empfehlungen abgeben und so weiter. Sie haben somit einen sehr viel höheren Anteil an Top-Führungspersönlichkeiten, die im Council organisiert sind, und dadurch Verbindungen zu zahlreichen anderen Institutionen.

Was die anderen, von Ihnen erwähnten Institutionen betrifft, ist insbesondere die Brookings Institution eng mit dem Council of Foreign Relations verflochten. Der Präsident der Brookings Institution ist Strobe Talbott. Er war Direktor des Council on Foreign Relations und ist dort immer noch Mitglied. Richard Haass war Fellow bei der Brookings Institution und hielt eine Rede beim CFR, in der er sagte: ,Wir bei Brookings erkennen an, dass der CFR der Blue-Chip-Think Tank ist, und wir folgen der Richtung, die Sie vorgeben‘. Er wurde später Präsident des Council on Foreign Relations. Diese Aussage machte er, während er für Brookings arbeitete, das heißt, selbst Leute bei Brookings erkennen die Führungsrolle des Council an. Nicht alle, die Think Tanks studieren, wissen das, denn es gab einmal jemanden, der Think Tanks untersuchte und Brookings an erster, Carnegie Endowment an zweiter und den Council on Foreign Relations an dritter Stelle in der Rangfolge der US-Think Tanks platzierte. Als Beleg dafür gab er an, Brookings habe mehr Fellows als der Council. Naja, der Council hat ungefähr 100 Fellows und Brookings etwa 300, aber dafür hat der Council fast 800 Professoren als Mitglieder (lacht) und 500 ehemalige Regierungsmitarbeiter in Spitzenpositionen, einschließlich sämtlicher Verteidigungsminister, und all diese anderen Leute. Damit hat der Council on Foreign Relations eine weitaus höhere Durchschlagskraft als Brookings und auch als das American Enterprise Institute, und er hat international wie national sehr viel mehr Verbindungen zu mächtigen Institutionen als die anderen Think Tanks in den USA. Ich bezeichne den Council on Foreign Relations als die mächtigste private Organisation in den USA, will heißen, er ist die mächtigste private Organisation in der Weltgeschichte.“76

Den letzten Punkt präzisiert Shoup in seinem Buch Wall Street’s Think Tank, indem er dort schreibt: „Der CFR ist die mächtigste private Organisation der Welt, weil es die einflussreichste US-Denkfabrik in einer Welt unter US-ideologischer Hegemonie ist, und weil es eine sehr aktive Mitgliedschafts- und Begegnungsorganisation mit engen Beziehungen zur US-Regierung und zu einer großen Anzahl anderer mächtiger Institutionen darstellt. Diese Charakteristika vergrößern die Macht des Council und des kleinen Bevölkerungsanteils, welchen er vertritt, indem er die Verbindungen zwischen den Mächtigen intensiviert und es ihnen erlaubt, Konsens und Einheit in Interessens- und Strategie-Fragen zu finden, und dann ihre Macht in zahlreiche Institutionen und Bereiche des amerikanischen Lebens zu projizieren.“77

In einem wenig beachteten Spiegel-Artikel, den Wilhelm Bittorf 1975 verfasste, hieß es über den Council on Foreign Relations, dieser sei „das entscheidende Verbindungsglied zwischen den großen Konzernen und der Regierung“, und man könne die „Wichtigkeit dieser Vereinigung für das Verständnis der Grundmotive und Grundlinien amerikanischer Weltpolitik (…) kaum hoch genug“ veranschlagen. „Dennoch haben die allermeisten Bürger dieses Landes, das sich für das bestinformierte Gemeinwesen aller Zeiten hält, keine Ahnung von der Existenz eines solchen Gremiums.“78 Einen Grund für die weitgehende Ahnungslosigkeit benannte der Forscher G. William Domhoff im gleichen Spiegel-Artikel: „Die freie Presse dieses Landes nimmt sich die Freiheit, ein Gremium, in welchem die mächtigsten Männer dieses Landes sich mit Weltpolitik befassen, als eine Art privaten Bridge-Club zu betrachten, der niemand tangiert und niemand etwas angeht.“79 Und daran hat sich im Wesentlichen bis heute nichts geändert.

Quellen:

1 Vgl. Ambrose Evans-Pritchard: Euro-federalists financed by US spy chiefs. The Telegraph, 19. September 2000; http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/europe/1356047/Euro-federalists-financed-by-US-spy-chiefs.html. Was den Kopf des ACUE, William („Wild Bill“) Donovan, angeht, der den Vorgänger der CIA – das Office of Strategic Services (OSS) – im Laufe des Zweiten Weltkriegs leitete: dieser hatte während der 1920er Jahre die bis 1998 bestehenden Wall Street-Anwaltskanzlei Donovan, Leisure, Newton & Irvine gegründet. Als Bindeglied zwischen der Weltkriegsorganisation OSS und der Nachfolgebehörde CIA verstand er es nach dem Zweiten Weltkrieg, geschäftliche und nachrichtendienstliche Tätigkeiten miteinander zu verquicken: er gründete ein privates Geheimdienstunternehmen, bei dem Ex-Agenten aus dem Zweiten Weltkrieg Beschäftigung fanden. Donovan, der nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor den Auslandsnachrichtendienst OSS aufbaute, sollte zur Gründung dieser privaten Geheimdienstfirma mit einem kanadischen Geschäftsmann zusammenarbeiten, den Winston Churchill im Sommer 1940 beauftragt hatte, von New York City aus pro-britischen Einfluss in den USA auszuüben: William Stephenson (alias „Intrepid“). “Two days after OSS was disbanded in September 1945, [Donovan] had become partners with former British Security Coordinator William Stephenson in a Panamanian-registered venture called the World Commerce Corporation, which soon placed former OSS and MI6 officers as representatives in forty-seven countries. According to its prospectus, the corporation trafficked in ‚botanical drugs in bulk, waxes, gums, seeds, spices, and oils‘ – just the sort of business that Stephenson’s friend Ian Fleming later attributed to a fictional firm called Universal Export, which provided commercial cover for James Bond. According to one Donovan associate, the old OSS chief actually kept a secret office in Manhattan, which he made the nexus of a mercenary intelligence system, and appointed a sharp young Armenian exile to maintain contact with secret agents around the world. The uptown office would disseminate reports to Donovan, who returned them after underlining points for the staff to persue in depth: the marked passages were reportedly typed onto index cards and stored in secret drawers.“ Zit. wie Mark Riebling: Wedge – From Pearl Harbor to 9/11. Touchstone, 2002, S. 97. Ein weiterer Partner von Donovan bei der World Commerce Corporation war übrigens der aus einer britischen Banker-Familie stammende Geheimdienstmann Charles J. Hambro, der von 1928 an für 35 Jahre im Direktorium der Bank of England saß. Sir Charles Hambro was joint head with the former chiefs of the BSC, Sir William Stephenson, and the OSS, ‚Bill‘ Donovan, of the World Commerce Corp (WCC). Set up in 1946, the Panama-based WCC was intended as a ‚bridge over the breakdown in foreign exchange and to provide the tools, machinery and ‘know how‘ to develop untapped resources in different parts of the world,‘ particularly re-equipping German industrial plant. A director claimed that ‚if there were several WCCs, there would be no need for a Marshall plan.‘ There was also an intelligence role. Stephenson’s BSC deputy, John Pepper, succeeded him as chair, while on the board were OSS officers Richard Sicre and William Horrigan. Sister corporations included the Transamerica Corp. under James F. Cavagnaro and the British-American-Canadian Corp., chaired by Hambro with former MI6 officer Sir Rex Benson and former US Secretary of State Edward Stettinus. Under its vice-president, Satiris ‚Sonny‘ Fasboulis, who was linked to a number of Mafia-related scandals, Commerce International (China) sponsored military assistance to Taiwan.“ Stephen Dorril: MI6 – Inside the Covert World of Her Majesty’s Secret Intelligence Service. Simon and Schuster, 2002, S. 814. Charles Hambro sollte später Robert Maxwell beim Aufbau seines internationalen Medien-Imperiums unter die Arme greifen – nämlich anlässlich des Kaufs von Butterworth-Springer im Jahr 1951. Der dem Geschäft zugrundeliegende Kredit dürfte wohl von Count Frederick „Fanny“ Vanden Heuvel maßgeblich mit eingefädelt worden sein. Vanden Heuvel hatte dem MI6 im Zweiten Weltkrieg in Bern gedient, wo Allen Dulles seinerzeit die Geschäfte des OSS führte. Wir lesen bei Stephen Dorril über das Dreieck Hambro-Vanden Heuvel-Maxwell: „…There followed protracted negotiations organized by Vanden Heuvel and, in May 1951, Butterworth agreed to sell its interest to Maxwell for £13,000. Agreeing also to a change of name to Pergamon Press, Butterworth set aside a considerable debt of £10,000. As his official biographer, Joe Haines, acknowledge, this was ‚more money than Maxwell possessed at that moment, so he borrowed. He first went to Sir Charles Hambro.‘ Who introduced Maxwell to Hambro varies with the different accounts. Haines says it was via the Board of Trade (BoT); Maxwell said it was Whitlock; Betty Maxwell claims it was Vanden Heuvel, Hambro’s business ‚fixer‘. Whoever it was, the meeting gave rise to a City legend that Hambro had been so impressed by the forward-looking Maxwell and sufficiently persuaded of his business acumen that he ordered the chief cashier to give Maxwell a cheque book with authority to draw cheques up to a total of £25,000. In fact, the legend was no more than a cover story. The meeting certainly took place, but the matter of money had already been fixed by MI6.“ Zit. wie Dorril: MI6, S. 141.

2 Evans-Pritchard: Euro-federalists financed by US spy chiefs. Zur finanziellen Unterstützung, welche von der CIA gegenüber der europäischen Einigungsbewegung erbracht wurde, siehe auch Klaus Wiegrefe: Die CIA zahlte. Der Spiegel, 10. August 1997;  https://www.spiegel.de/politik/die-cia-zahlte-a-08ce7786-0002-0001-0000-000008757194. Bei einer treibenden Kraft der europäischen Einigung nach 1945, Jean Monnet, des Urhebers des sogenannten „Schuman-Plans“, ist die personifizierte Brückenrolle im Rahmen der bereits im Sommer 1941 von den USA und Großbritannien formulierten Atlantic Charter zu beachten, die Monnet lange vorzüglich gespielt hat – und die der OSS- und CIA-Mischpoke gar nicht bedurfte. Siehe hierzu Andreas Bracher: Europa im amerikanischen Weltsystem – Bruchstücke zu einer ungeschriebenen Geschichte des 20. Jahrhunderts, Perseus Verlag, 2007. Als Ergänzung dazu kann man auch den Bericht von Max Kohnstamm lesen – siehe hier (auf Französisch): https://www.larsschall.com/wp-content/uploads/2021/10/Kohnstamm-INT741.pdf. Kohnstamms Bericht über seine Zusammenarbeit mit Monnet (und davon abgeleitet seine Tätigkeit bei den Bilderbergern etc.) ist insoweit von Belang, als man daraus einen klareren Blick auf die 1960er Jahre der Hallsteinkommission bekommt. Und in den Jahren ist es zur „Konstitutionalisierung“ der Rechtsprechung des Gerichtshofs der EWG gekommen. Zu letzterem Gesichtspunkt siehe Dieter Grimm: Europa ja – aber welches? Zur Verfassung der europäischen Demokratie. C.H. Beck, 2016. Zu Monnets Wall-Street-Hintergrund siehe Adam LeBor: The EU Godfather’s Wall Street Roots. The Critic, 20. Oktober 2020; https://thecritic.co.uk/issues/october-2020/the-eu-godfathers-wall-street-roots/

3 Vgl. Friederike Beck: Das Gutenberg-Dossier – Das Wirken transatlantischer Netzwerke und ihre Einflussnahme auf deutsche Eliten. Zeitgeist Print & Online, 2011, S. 116.

4 Ebd. Als Allen Dulles unter dem neuen US-Präsidenten Eisenhower ob seiner Zukunft bei der CIA unsicher war, traf er sich im Januar 1953 mit seinem Freund David Rockefeller zum Lunch. Rockefeller ließ durchblicken, dass Dulles im Fall eines Rückzugs von der CIA gewiss erwarten dürfe, zum Präsidenten der Ford-Stiftung gemacht zu werden. Allein, „Dulles brauchte sich nicht um seine Zukunft zu fürchten. Zwei Tage nach diesem Lunch brachte die New York Times die Geschichte, dass Allen Dulles der Director of Central Intelligence werden würde.“ Vgl. Peter Dale Scott: The Road To 9/11 – Wealth, Empire, and the Future of America. University of California Press, 2007, S. 278. Der damalige Vorsitzende der Ford-Stiftung, Paul Hoffmann, wurde in den späten 1950er Jahren hauptverantwortlich für das American Committee on a United Europe. Unter Hoffmann wurde ein „All-Star Cast“ in die Ford-Stiftung berufen, zu dem unter anderem John J. McCloy, Shepard Stone, McNeil Lowry und Richard Bissell gehörten.

5 Die Gelder flossen bspw. in Richtung des Congress for Cultural Freedom (CFF). Weitere Gelder in diese Richtung kamen abgesehen von der Ford Foundation auch von den Carnegie-, Guggenheim- und Rockefeller-Stiftungen. Vgl. Beck: Das Gutenberg-Dossier, S. 137-138. Die Angaben stammen von Michael Hochgeschwender: Freiheit in der Offensive? Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1998.

6 Zit. wie Richard J. Aldrich: OSS, CIA and European Unity – The American Committee on United Europe, 1948-60. Diplomacy & Statecraft, Volume 8, Issue 1, 1997, S. 184-227; http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/09592299708406035#.V2exrU36voo.

7 Aleksander Miłosz Zieliński: Mosaiksteine zu einer Archäologie der Bilderberg-Konferenzen, in Björn Wendt / Marcus B. Klöckner / Sascha Pommrenke / Michael Walther (Hrsg.): Wie Eliten Macht organisieren – Bilderberg & Co.: Lobbying, Thinktanks und Mediennetzwerke, VSA, 2016, S. 159.

8 Kai Bird: The Chairman: John J. McCloy – The Making of the American Establishment. Simon and Schuster, 1992, S. 471.

9 Zur Unterstützung der Bilderberg-Gruppe durch US-Stiftungen wie der Ford Foundation siehe bspw. Valérie Aubourg: Transatlantische Geschäftsbeziehungen – Die Bilderberg-Gruppe, in Michael Gehler / Wolfram Kaiser / Brigitte Leucht (Hrsg.): Netzwerke im Europäischen Mehrebenensystem – Von 1945 bis zur Gegenwart. Böhlau, 2009, S. 75-76.

10 Paul Rijkens diente der Bilderberg-Gruppe bis 1965 als Schatzmeister.

11 Annejet van der Zijl: Nieuwe feiten over Prins Bernhard in Annejets promotieonderzoek. 6. März 2010; http://www.annejetvanderzijl.com/nieuws-over-boeken-annejet/nieuwe-feiten-over-prins-bernhard-in-annejets-promotieonderzoek.html.

12 Bird: The Chairman, S. 471.

13 Vgl. Zieliński: Mosaiksteine zu einer Archäologie der Bilderberg-Konferenzen, S. 160.

14 Vgl. ebd. Die Special Operations Executive wurde im Januar 1946 aufgelöst. Einige ihrer Agenten arbeiteten danach aber in der Special Operations Branch des Secret Intelligence Service (SIS) weiter. Vgl. Sanchia Berg: Churchill’s secret army lived on. BBC, 13. Dezember 2008; http://news.bbc.co.uk/today/hi/today/newsid_7780000/7780476.stm. John Sawers, der Chef des SIS von 2009 bis 2014, wurde übrigens Ende 2015 in den Lenkungsausschuss der Bilderberg-Gruppe berufen.

15 Zieliński: Mosaiksteine zu einer Archäologie der Bilderberg-Konferenzen, S. 160.

16 Ebd. Als Randnotiz: Im Milieu des Sicherheitsstaats und des Tiefen Staats lässt sich das Muster „ungeschriebener Geheimnisse“ bis heute weiterverfolgen. Der schwedische Friedensforscher Ola Tunander erzählte dem US-Politikwissenschafter Aaron Good: „Der von den USA beherrschte tiefe Staat kommt in den ausländischen Staat durch sehr geheime Vereinbarungen und in vielen Fällen durch mündliche Absprachen, denn diese Verbindungen können so geheim sein, dass keine formale Vereinbarung möglich ist. Diese geheimen Absprachen sind es vielleicht, die den tiefen Staat ausmachen. Die Hierarchien des tiefen Staates sind so geheim, dass nichts über sie durch rechtsverbindliche Vereinbarungen geregelt werden kann. Das macht die Aktivitäten des tiefen Staates zwangsläufig zu extralegalen Aktivitäten. Der ehemalige Vorsitzende der Generalstabschefs, General John Vessey, sagte mir bei einem Abendessen in Oslo, dass es für die Beziehungen der USA zu Schweden nur eine Regel gebe: ,Nichts auf dem Papier‘. Mehrere andere hochrangige Offiziere sagten dasselbe, darunter der ehemalige Chef der Marineoperationen Admiral Elmo Zumwalt und Verteidigungsminister Caspar Weinberger. Der Vorsitzende des Militärausschusses der NATO, General Herman Fredrik Zeiner-Gundersen, sagte, dass dies eine allgemeine Regel sei: Wenn etwas auf dem Papier stehe, sei es nicht mehr geheim. Es könnte einem Journalisten zugespielt werden, sagte er. Nach dieser Logik gibt es ,wirklich geheime Informationen‘ oder zumindest das, was extrem geheim (und auch das Wichtigste) ist, nur als mündliche Information; das bedeutet aber, dass ein Verstoß gegen die Disziplin nicht nach einem Gesetz geahndet werden kann.“ Zit. wie Aaron Good: American Exception – Empire and the Deep State. Skyhorse Publishing, 2022, S. 258-59.

17 Bird: The Chairman, S. 471.

18 Zieliński: Mosaiksteine zu einer Archäologie der Bilderberg-Konferenzen, S. 162. Laut W.H. Auden ist Propaganda notabene „der Einsatz von Magie durch diejenigen, die nicht mehr daran glauben, gegen diejenigen, die noch daran glauben“. Zit. wie Joseph Campana: Auden’s Art. Kenyon Review Blog, 18. November 2007; https://kenyonreview.org/2007/11/audens-art/.

19 Bird: The Chairman, S. 471.

20 Vgl. Valérie Aubourg: Transatlantische Geschäftsbeziehungen, S. 74.

21 Der ehemalige Investmentbanker Paul Nitze (Dillon, Reed & Co.) nahm 1954 an der ersten Bilderberg-Konferenz teil, als er unter Vertrag der CIA stand. CIA-Direktor Allen Dulles wurde u.a. von Joseph Johnson, dem Präsidenten des Carnegie Endowment for International Peace, der seit Beginn an im Bilderberg-Lenkungsausschuss saß, über die Konferenzen auf dem Laufenden gehalten. Vgl. Emma Best: A look through CIA’s declassified Bilderberg files. Glomar Disclosure, 27. Februar 2017; https://www.muckrock.com/news/archives/2017/feb/27/bilderberg-cia/.

22 Valérie Aubourg: Transatlantische Geschäftsbeziehungen, S. 74.

23 Vgl. Björn Wendt: Die Bilderberg-Gruppe – Wissen über die Macht gesellschaftlicher Eliten. Optimus Verlag, 2015, S. 136.

24 Ebd., S. 137.

25 Valérie Aubourg: Transatlantische Geschäftsbeziehungen, S. 74.

26 Vgl. Marcus B. Klöckner: Machtelite hält dicht. AG Friedensforschung, 11. Juni 2010; http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Weltordnung/bilderberg.html.

27 Vgl. Andrew Rettman: “Jury’s out“ on future of Europe, EU doyen says. EU Observer, 16. März 2009; https://euobserver.com/political/27778.

28 Valérie Aubourg: Transatlantische Geschäftsbeziehungen, S. 69.

29 Bird: The Chairman, S. 472. Alfred Herrhausen von der Deutschen Bank nutzte bspw. 1988 das Bilderberg-Forum, um seine Idee eines Schuldenerlasses für arme Länder vorzutragen. „Herrhausen hatte auf der Bilderberg-Konferenz, einem ebenso einflußreichen wie elitären Zirkel von Politikern und Wirtschaftsführern aus aller Welt, wahrhaft Ketzerisches vorgetragen: Der Banker empfahl, über einen Schuldennachlaß für die Dritte Welt nachzudenken.“ Zit. wie Die „Schnapsidee“ des Alfred Herrhausen. Der Spiegel, 2. Oktober 1988; https://www.spiegel.de/wirtschaft/die-schnapsidee-des-alfred-herrhausen-a-51fab6a7-0002-0001-0000-000013529883. Mit dem Vorschlag stieß Herrhausen freilich auf wenig Gegenliebe: „Den Vorschlag des Schuldenerlasses für arme Länder tat Hilmar Kopper als ,intellektuelle Bemerkung‘ ab. Die Bankenszene war damals fassungslos.“ Zit. wie Harald Freiberger: Der gute Mensch aus dem Bankenturm. Sueddeutsche Zeitung, 17. März 2010; https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/alfred-herrhausen-der-gute-mensch-aus-dem-bankenturm-1.128149-0

30 Vgl. Wendt: Die Bilderberg-Gruppe, S. 167-168.

31 Laurence H. Shoup: Wall Street’s Think Tank – The Council on Foreign Relations and the Empire of Neoliberal Geopolitics, 1976-2014. Monthly Review Press, 2015, S. 135.

32 Wendt: Die Bilderberg-Gruppe, S. 66-67.

33 Ebd., S. 70.

34 Ebd., S. 72.

35 Marcus B. Klöckner: Journalisten und die Bilderberg-Konferenz: Nichts wissen, nichts hören, nichts sehen – und doch mittendrin sein, in: Wendt/Klöckner/Pommrenke/Walter (Hrsg.): Wie Eliten Macht organisieren, S. 213. Von Interesse: zu Beginn des WEF in Davos fand ein wichtiges Treffen statt, welches „unter der Ehrenschirmherrschaft Seiner Königlichen Hoheit Prinz Bernhard der Niederlande“ stand, dem damaligen Vorsitzenden der Bilderberg-Gruppe. Bei dieser Versammlung beschäftigte sich die WEF-Gruppe um Klaus Schwab, zu dessen Mentoren Henry Kissinger gehörte, im Jahr 1973 mit den Thesen des Club of Rome („Grenzen des Wachstums“) und brachte das „Davos Manifest“ zu Papier. Vgl. The World Economic Forum – A Partner in Shaping History – The First 40 Years 1971-2010. World Economic Forum, 2009, S. 15; https://www3.weforum.org/docs/WEF_First40Years_Book_2010.pdf. Klaus Schwab, der Gründer des WEF, ist ein früheres Mitglied des Lenkungsausschusses der Bilderberg-Gruppe. Vgl. Former Steering Committee Members; https://web.archive.org/web/20140202095633/http://www.bilderbergmeetings.org/former-steering-committee-members.html. Dem WEF wird vom Thinktank Transnational Institute bescheinigt, dass es sich bei seinen Zusammenkünften um „keine lächerlichen Milliardärsspielplätze“ handelt, sondern vielmehr um „die Zukunft der globalen Governance. Es ist nichts weniger als ein stiller globaler Staatsstreich.“ Zit. wie Nick Buxton: Davos and its danger to Democracy. The Transnational Institute, 18. Januar 2016; https://www.tni.org/en/article/davos-and-its-danger-to-democracy. Übrigens heißt es in einem Buch, das der Club of Rome in den 1990er Jahren herausbrachte, der gemeinsame Feind der Menschheit sei der Mensch: „Auf der Suche nach einem gemeinsamen Feind, gegen den wir uns vereinen können, kamen wir auf die Idee, dass Umweltverschmutzung, die drohende globale Erwärmung, Wasserknappheit, Hungersnöte und Ähnliches dafür in Frage kämen. In ihrer Gesamtheit und ihren Wechselwirkungen stellen diese Phänomene tatsächlich eine gemeinsame Bedrohung dar, der wir uns alle gemeinsam stellen müssen. Aber wenn wir diese Gefahren als Feind bezeichnen, tappen wir in die Falle, vor der wir bereits gewarnt haben, nämlich Symptome mit Ursachen zu verwechseln. Alle diese Gefahren sind durch menschliche Eingriffe in natürliche Prozesse verursacht und können nur durch veränderte Einstellungen und Verhaltensweisen überwunden werden. Der wahre Feind ist also der Mensch selbst.“ Zit. wie Alexander King / Bertrand Schneider: The First Global Revolution – A Report by the Council of the Club of Rome. Pantheon Books, 1991, S. 115.

36 Wendt: Die Bilderberg-Gruppe, S. 61.

37 Ebd., S. 130-131.

38 Ebd., S. 154.

39 Zit. wie Karl Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte, 1844. Als kleine Randnotiz: Marx, der in Armut lebte, erinnerte in einem Brief, den er anlässlich seines 50. Geburtstags an Friedrich Engels schrieb, an die Worte seiner Mutter: „wenn Karl doch nur Kapital gemacht hätte, statt bloß darüber zu schreiben.“ Zit. wie David McLellan: Karl Marx – His Life and Thought. Macmillan, 1973, S. 356.

40 Niels Boeing: Von Wegen – Überlegungen zur freien Stadt der Zukunft. Edition Nautilus, 2015, S. 23. Boeing zitiert aus Imanuel Wallerstein: Stirbt der Kapitalismus? Campus, 2014, S. 17.

41 Ebd., S. 82-83. Laut David Harvey (The Limits to Capital) ist „fiktives Kapital“: „Geld, das als Kapital in Umlauf gebracht wird, ohne eine materielle Grundlage in Form von Waren oder produktiver Tätigkeit.“ Auch der US-Ökonom Michael Hudson verwendet den Begriff „fiktives Kapital“, siehe Michael Hudson: From Marx to Goldman Sachs – The Fictions of Fictitious Capital. MichaelHudson.com, 30. Juli 2010; https://michael-hudson.com/2010/07/from-marx-to-goldman-sachs-the-fictions-of-fictitious-capital1/, sowie ders.: The Bubble and Beyond – Fictitious Capital, Debt Deflation and Global Crisis. ISLET, 2012.

42 Wendt: Die Bilderberg-Gruppe, S. 189.

43 Ebd., S. 189-190.

44 Vgl. Hans Jürgen Krysmanski: 0,1% – Das Imperium der Milliardäre. Westend Verlag, 2012, S. 30, 37.

45 Ein Großkapitalist, der regelmäßig Bilderberg-Treffen zu besuchen pflegte und bis heute CFR-Mitglied ist, erachtet sich jedenfalls als eine Art von Gott, nämlich George Soros. In einem Bericht der Los Angeles Times hieß es dazu: “It seems that Soros believes he was anointed by God. ‘I fancied myself as some kind of god …‘ he once wrote. ‘If truth be known, I carried some rather potent messianic fantasies with me from childhood, which I felt I had to control, otherwise they might get me in trouble.‘ When asked by Britain’s Independent newspaper to elaborate on that passage, Soros said, ‘It is a sort of disease when you consider yourself some kind of god, the creator of everything, but I feel comfortable about it now since I began to live it out.‘ Since I began to live it out. Those unfamiliar with Soros would probably dismiss the statement out of hand. But for those who have followed his career and sociopolitical endeavors, it cannot be taken quite so lightly. Soros has proved that with the vast resources of money at his command he has the ability to make the once unthinkable acceptable. His work as a self-professed ‘amoral‘ financial speculator has left millions in poverty when their national currencies were devaluated, and he pumped so much cash into shaping former Soviet republics to his liking that he has bragged that the former Soviet empire is now the ‘Soros Empire.‘ (…) Despite his reputation as an international philanthropist, Soros remains candid about his true charitable tendencies. ‘I am sort of a deus ex machina,‘ Soros told the New York Times in 1994. ‘I am something unnatural. I’m very comfortable with my public persona because it is one I have created for myself. It represents what I like to be as distinct from what I really am. You know, in my personal capacity I’m not actually a selfless philanthropic person. I’ve very much self-centered.‘ Soros was more succinct when he explained his life philosophy to biographer Michael Kaufman. ‘I am kind of a nut who wants to have an impact,‘ he said. But the speculator’s visions don’t end there. ‘Next to my fantasies about being God, I also have very strong fantasies of being mad,‘ Soros once confided on British television.“ Zit. wie Rachel Ehrenfeld / Shawn Macomber: The “God“ Who Carries Around Some Dangerous Demons. Los Angeles Times, 4. Oktober 2004; https://www.latimes.com/archives/la-xpm-2004-oct-04-oe-ehrenfeld4-story.html. Bzgl. Gefühlen der „Gottgleichheit“ wäre auch interessant zu erwähnen, dass Henry Kissinger bei einer CFR-Veranstaltung zu Ehren von Wall Street-Anwalt John Jay McCloy, des ehem. CFR-Vorsitzenden, sagte, man wisse, „wenn wir in seine Fußstapfen treten, sind wir auf dem Weg, Gottes Werk zu tun“. Zit. wie Robert Sherrill: The Real McCloy. Los Angeles Times, 19. April 1992; https://www.latimes.com/archives/la-xpm-1992-04-19-bk-588-story.html. Apropos „Gottes Werk“: Ein CFR-Mitglied, der damalige Goldman Sachs-CEO Lloyd Blankfein, sagte in einem Interview mit der Londoner Sunday Times über seine Branche: „,Wir helfen den Unternehmen zu wachsen, indem wir ihnen helfen, Kapital zu bekommen. Unternehmen, die wachsen, schaffen Wohlstand. Und das wiederum ermöglicht es den Menschen, Jobs zu haben, die noch mehr Wachstum und noch mehr Wohlstand schaffen.‘ Banken, so seine Schlussfolgerung, haben einen gesellschaftlichen Zweck und verrichten ,Gottes Werk‘.“ Zit. wie „Banken verrichten Gottes Werk“, Manager Magazin, 9. November 2009; https://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/a-660140.html.

46 Krysmanski: 0,1%, S. 34-35. Krysmanski zitiert aus Doug Henwood: Wall Street – How It Works and for Whom. Verso, 1997, S. 6. (Die von Henwood erwähnten Kreditkarten-Schulden, welche die Bürger bedienen, machen einen Teil dessen aus, wie das Wirtschaftswachstum – Bruttoinlandsprodukt, BIP – zustande kommt. So erläuterte der US-Ökonom Michael Hudson Anfang April 2023: „In dieser Woche gab die Federal Reserve bekannt, dass die durchschnittliche Kreditkartenschuld in den Vereinigten Staaten 10.000 Dollar beträgt. Der durchschnittliche Kreditkarteninhaber hat also 10.000 Dollar Schulden. Wenn Sie Ihre Kreditkarte regelmäßig bezahlen, liegt der Zinssatz bei 20 %. Wenn Sie eine Säumnisgebühr zahlen oder im Rückstand sind, steigt der Satz auf etwa 30 %. All dies wird als Wachstum des BIP gezählt. Die Säumnisgebühren, die die Banken erheben – und sie verdienen sogar mehr an den Säumnisgebühren und Vertragsstrafen als an den Zinsen von 20 % – werden im BIP als ,Finanzdienstleistungen‘ bezeichnet. Als ob die Banken eine Dienstleistung erbringen würden, indem sie ihren Karteninhabern viel höhere Zinsen und Strafgebühren berechnen.“ Zit. wie Michael Hudson: All or Nothing Foreign Policy, MichaelHudson.com, 4. April 2023; https://michael-hudson.com/2023/04/all-or-nothing-foreign-policy/.) Die Nutznießer des Systems gehören natürlich zu den größten Vertretern der Ideologie vom freien Markt – dem von seinen Anhängern bisweilen gottgleiche Qualitäten zugesprochen werden. Vgl. Harvey Cox: The Market as God. Harvard University Press, 2016. Doch Obacht: „(D)er freie Markt … hat nichts mit Freiheit zu tun“, sondern worum es hier geht ist Macht. „Das Denken des freien Marktes ist erfolgreich, … weil es die Sprache der Freiheit benutzt, um die Anhäufung von Macht zu verschleiern. … Die ,Freiheit‘ des freien Marktes ist in Wirklichkeit … eine Form der Macht.“ Während Könige von ehedem Macht ausübten, üben moderne Kapitalisten heutzutage „Freiheit“ aus. Nicht Kleinunternehmer, sondern die Besitzer von Großunternehmen sind die lautstärksten Befürworter des freien Marktes – „reiche Kapitalisten, die versuchen, ihre Macht zu vergrößern. Sicher, sie werben für ,Freiheit‘ … aber eigentlich wollen sie keinen freien Markt. Stattdessen besteht die ,Freiheit‘, welche die Unternehmensführer anstreben, in der .Freiheit‘ zu befehlen. Das ist eine Doppeldeutigkeit für Macht. Macht im Namen der Freiheit.“ Zit. wie Blair Fix: Why Free Market Ideology is a Double Lie. Evonomics, September 2021; https://evonomics.com/why-free-market-ideology-is-a-double-lie/. Per Gesetz in einer Demokratie gewährte Freiheiten stehen indes immer „unter dem staatlichen Vorbehalt des Dürfens“ – was bedeutet, dass „selbst die politische Meinungsäußerung eine Frage der staatlichen Erlaubnis ist“. Diese Tatsache, so der Rechtswissenschaftler Albert Krölls, „erscheint niemandem weiter fragwürdig. Vielmehr herrscht eine grundsätzliche Dankbarkeit, dass man in der freiheitlichsten aller Gesellschaften leben darf.“ Die Frage nach den Vorteilen „der staatlich konzessionierten Freiheit … wird denn auch von denjenigen, die darunter zu leben haben, ganz im Sinne der Instanz beantwortet, die alle diese schönen Freiheiten gewährt. Die vom demokratischen Rechtsstaat in Kraft gesetzten Zwänge des kapitalistischen Wirtschaftslebens erscheinen den Bürgern nämlich wie naturgegebene Lebensbedingungen, die sie als Mittel begreifen, um in aller Freiheit daraus das Beste für ihr Lebensglück zu machen. Vom Geld, über den Arbeitsmarkt bis hin zum Sozialstaat und zur Familie und Schule gelten dementsprechend alle staatlich unterhaltenen gesellschaftlichen Einrichtungen als eine Welt voller Chancen für die Verwirklichung der eigenen Anliegen. Merkwürdig ist freilich nur, dass aus den schönen Gelegenheiten für die freie Entfaltung der selbstbestimmten Persönlichkeiten für die große Mehrheit der Bevölkerung wenig bis gar nichts wird und heutzutage bereits die Verfügung über einen Arbeitsplatz mit wenig Lohn und dafür umso mehr Leistung das Optimum dessen bildet, was der normale Sterbliche im Reich der Freiheit erreichen kann.“ Vgl. Albert Krölls: Das Grundgesetz – ein Grund zum Feiern? Eine Streitschrift gegen den Verfassungspatriotismus, VSA, 2009. In diesem Zusammenhang sei vielleicht auch daran erinnert, dass im Fall des Dt. Grundgesetzes ursprünglich angedacht war, „dass die Grundrechte nicht wie in der Weimarer Reichsverfassung als Zierrat dienten, sondern als einklagbares Fundament. All das sollte gleich der erste Satz der Verfassung signalisieren.“ Dieser war auf Betreiben von Adolf Süsterhenn und dem ehemaligen KZ-Häftling Hermann Louis Brill in die Worte gefasst worden: „Der Staat ist um des Menschen willen da, nicht der Mensch um des Staates willen.“  Der Satz wurde aber sogleich in der ersten Sitzung des Plenums des Parlamentarischen Rats abgelehnt – angeführt vom späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss. Er wandte sich u.a. gegen den Satz, da er „eine Beleidigung der Staatsauffassung seines Landsmanns, des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, witterte. ,Wir dürfen mit einem solchen Satz die innere Würde des Staates nicht kränken.‘ Brill schreibt: ,Als er dann mit großem Pathos sagte: ,Streichen Sie diesen Satz und …‘ entfuhr es mir: ,… gehen Sie zurück ins KZ’“. Vgl. Jasper von Altenbockum: „Gehen Sie zurück ins KZ“. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. August 2018; https://www.faz.net/aktuell/politik/70-jahre-herrenchiemsee-gehen-sie-zurueck-ins-kz-15730658.html.

47 Krysmanski: 0,1%, S. 37-39.

48 Ebd.

49 Rainer Rilling: Auf der Suche nach der verlorenen Bourgeoisie; http://www.academia.edu/27067062/Auf_der_Suche_nach_der_verlorenen_Bourgeoisie_1982_.pdf.

50 Krysmanski: 0,1%, S. 39.

51 Ebd., S. 39-40.

52 Ebd., S. 40.

53 Vgl. ebd., S. 40. Einen gewissen Insider-Blick hinter die Kulissen des politischen Geschäfts gewährt uns indirekt ein CFR-Mitglied und Besucher von Bilderberg-Treffen, Larry Summers. Yanis Varoufakis schreibt in seinem Buch Adults in the Room, wie er im Frühjahr 2015 in Washington, D.C. in eine Bar ging, um sich einen Insider-Rat abzuholen. Der Mann, den er hierfür traf, war Larry Summers, ehemaliger Finanzminister der USA. Es entwickelte sich ein freundschaftliches Treffen, während dem der erfahrene Insider dem griechischen Politik-Neuling erklärte: „Es gibt zwei Arten von Politikern: Insider und Außenseiter. Die Außenseiter legen Wert auf ihre Freiheit, ihre Version der Wahrheit auszusprechen. Der Preis für ihre Freiheit ist, dass sie von den Insidern, die die wichtigen Entscheidungen treffen, ignoriert werden.“ Die Insider, so fuhr er fort, gehorchen einem unumstößlichen Verhaltenskodex: Sie dürfen sich niemals gegen andere Insider wenden und mit Außenstehenden nicht darüber sprechen, was Insider sagen oder tun. Im Gegenzug für diese Loyalität erhalten die Insider Zugang zu Insiderinformationen und die Möglichkeit, Menschen und Ergebnisse zu beeinflussen. „Also, Yanis“, fragte Summers, „wer von den beiden sind Sie?“ Zit. wie Stan Persky: The In and Outs of Europe’s Deep Establishment. Los Angeles Review of Books, 17. Okt. 2017; https://lareviewofbooks.org/article/the-ins-and-outs-of-europes-deep-establishment/. Die US-Politikerin Elizabeth Warren erzählt in einem Buch von einem Abendessen, das sie im April 2009 mit Larry Summers hatte, der damals US-Präsident Obama als oberstem Wirtschaftsberater diente. „Larry lehnte sich in seinem Stuhl zurück und gab mir einen Rat. … Er formulierte es folgendermaßen: Ich hätte eine Wahl. Ich könnte ein Insider sein oder ein Außenseiter. Außenseiter können sagen, was sie wollen. Aber die Insider hören ihnen nicht zu. Insider hingegen erhalten viel Zugang und die Möglichkeit, ihre Ideen durchzusetzen. Menschen – mächtige Menschen – hören auf das, was sie zu sagen haben. Aber Insider kennen auch eine unumstößliche Regel. Sie kritisieren andere Insider nicht.“ Zit. wie Zachary A. Goldfarb: Elizabeth Warren was told to stay quiet, but she didn’t – and it’s paying off. The Washington Post, 14. Dezember 2014; https://www.washingtonpost.com/news/wonk/wp/2014/12/14/elizabeth-warren-is-changing-washington-without-giving-up-her-outside-status/?utm_term=.6808511df256.

54 Krysmanski: 0,1%, S. 41.

55 Ebd.

56 Hans Jürgen Krysmanski: Hirten & Wölfe – Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen. Verlag Westfälisches Dampfboot, 2009, S. 156.

57 Ebd., S. 10

58 Ebd., S. 159.

59 Krysmanski: 0,1%, S. 221-222.

60 Vgl. Beck: Das Gutenberg-Dossier, S. 181.

61 Detlef Grumbach: Re-Feudalisierung und Privatisierung der Macht? Deutschlandfunk, 2. Juni 2010; http://www.deutschlandfunk.de/re-feudalisierung-und-privatisierung-der-macht.724.de.html?dram:article_id=99848.

62 Es darf mit akademischen Weihen versehen gelten, dass „ein kleines, engmaschiges“ Unternehmensnetzwerk die Weltwirtschaft beherrscht, namentlich ein „Netzwerk globaler Unternehmenskontrolle“. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Forschungsarbeit der Systemtheoretiker Stefania Vitali, James Glattfelder und Stefano Battiston, die unter dem Titel The network of global corporate control (zu Deutsch: „Das Netzwerk globaler Unternehmenskontrolle“) im Laufe des Jahres 2011 veröffentlicht wurde. Vgl. Lars Schall: Die Gruppe der 147. LarsSchall.com, 28. Oktober 2011; http://www.larsschall.com/2011/10/28/die-gruppe-der-147/.

63 Vgl. Laurence H. Shoup: Wall Street’s Think Tank, S. 155.

64 Vgl. ebd., S. 143-144.

65 Vgl. ebd., S. 144.

66 Ebd., S. 144.

67 Vgl. ebd.

68 Ebd., S. 156.

69 Ebd. Im „Council of Councils“ wirkten 2012 mit: Australien, Lowy-Institut für internationale Politik; Belgien, Zentrum für europapolitische Studien; Brasilien, Getulio-Vargas-Stiftung; Kanada, Center for International Governance Innovation; China, Schanghaier Institut für Internationale Studien; Frankreich, Französisches Institut für internationale Studien; Deutschland, Stiftung für Wissenschaft und Politik; Indien, Zentrum für Politikforschung; Indonesien, Zentrum für strategische und internationale Studien; Israel, Institut für nationale Sicherheitsstudien; Italien, Institut für internationale Angelegenheiten; Japan, Genron NPO; Mexiko, Mexikanischer Council of Foreign Relations; Polen, Polnisches Institut für internationale Angelegenheiten; Russland, Institut für zeitgenössische Entwicklung; Singapur, S. Rajaratnam School of International Affairs; Südafrika, Südafrikanisches Institut für internationale Angelegenheiten; Südkorea, Ostasieninstitut; Türkei, Forum für globale Beziehungen; Großbritannien, Königliches Institut für internationale Angelegenheiten und Internatonales Institut für strategische Studien; Vereinigte Staaten von Amerika, Council on Foreign Relations.

70 Vgl. ebd., S. 58.

71 Vgl. ebd.

72 Ebd.

73 Ebd.

74 Ebd., S. 91.

75 Vgl. ebd., S. 92.

76 Lars Schall: The CFR is ‘the most powerful private organization in the United States. Interview mit Laurence Shoup, LarsSchall.com, 12. August 2016; https://www.larsschall.com/2016/08/12/the-cfr-is-the-most-powerful-private-organization-in-the-united-states/.

77 Laurence Shoup: Wall Street’s Think Tank, S. 92.

78 Wilhelm Bittorf: Ein Politbüro für den Kapitalismus? Der Spiegel, Ausgabe 50, 8. Dezember 1975; http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41389590.html

79 Ebd.

 

 

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