Die USA unter Donald Trump stehen davor, mit dem Iran eine Übereinkunft zu treffen, die aus US-Sicht schlechter ist als die, welche Barack Obama ganz ohne Krieg erzielte, nämlich im Rahmen des JCPoA von 2015.
„An attack in force on Iran will likely be viewed in retrospect as a similar poor decision as Operation Barbarossa.“ — Jesse’s Café Américain, 19. Februar 2026
Bezüglich der Meeresenge von Hormus, den Regimewechsel-Absichten und dem Verhindern eines atomar aufgerüsteten Iran sieht der ehemalige Präsident des Council on Foreign Relations (CFR), Richard Haass, die USA in einer schlechteren Position als vor dem Krieg mit dem Iran – siehe und höre hier.
Wenn das stimmt, sind die USA dabei, eine Niederlage wie nach dem Vietnamkrieg einzustecken – denn auch damals erreichten sie mit kriegerischen Mitteln weniger als das, was zuvor auf diplomatischem Wege im Rahmen der Genfer Abkommen von 1954 erreicht worden war.
Um diese Ansicht zu prüfen, habe ich mich darüber ein wenig mit „Perplexity“ unterhalten, indem ich diese Frage stellte: „Was den Vietnamkrieg betrifft: Haben die USA letztendlich weniger erreicht als das, was infolge der Genfer Abkommen von 1954 erreicht worden war?“
„Perplexitys“ Antwort besagte unter anderem: „Ja – die USA haben letztlich weniger erreicht als das, was der Genfer Rahmen von 1954 bereits geschaffen hatte. Im Vergleich zum Genfer Rahmenabkommen stellte das Endergebnis keine Verbesserung gegenüber dem dar, was 1954 erreicht worden war; es war vielmehr ein Zusammenbruch der Regelung von 1954.“
Frage: „Ist das, was Trump 2026 mit Krieg gegen den Iran erreicht vis-à-vis dem, was Obama diplomatisch 2015 mit JCPoA erzielte, eine vergleichbare Fehlleistung im Sinne von Vietnamkrieg erreichte weniger als das Genfer Rahmenabkommen 1954?“
Perplexity: „Ja — in dieser Logik ist der Vergleich gut tragfähig: Beim Vietnamkrieg war der Maßstab nicht, ob die USA ‚irgendetwas‘ erreicht haben, sondern ob das Endergebnis besser war als die schon bestehende Genfer Ordnung von 1954; die Antwort war nein, weil der Krieg die Regelung eher zerstörte, als sie zu verbessern. Analog dazu wäre die Frage hier nicht, ob Trump militärisch Schäden verursacht hat, sondern ob das Resultat den JCPOA in seiner politischen Qualität übertrifft. Wenn das Ergebnis schwächer ist als der frühere diplomatische Zustand, spricht man plausibel von einer Fehlleistung im relativen Sinn.
Wie in Vietnam kann man sagen, dass der Krieg am Ende weniger brachte als die vorherige Regelung schon hergegeben hatte.
Wenn man die Logik von ‚Vietnam: USA erreichten weniger als die Genfer Ordnung bereits geschaffen hatte‘ auf Iran überträgt, dann lautet die nüchterne Antwort: Ja, Trumps Krieg gegen Iran kann als vergleichbare Fehlleistung erscheinen, sofern man den JCPOA als den besseren Ausgangspunkt und das Kriegsende als strategisch schwächeres Ergebnis bewertet.“
„Wo wir bei Vergleichen sind, was hältst du von dieser Prophezeiung vom 19. Februar 2026: ,Ein groß angelegter Angriff auf den Iran wird im Nachhinein wahrscheinlich als ebenso schlechte Entscheidung angesehen werden wie die Operation Barbarossa.‘“
Perplexity: „Die Analogie ist rhetorisch stark, aber historisch nur begrenzt tragfähig. Barbarossa war ein ideologisch getriebener Vernichtungskrieg mit geplantem Eroberungs-, Ausbeutungs- und Vernichtungsprogramm; ein Angriff auf Iran kann ähnliche Risiken von Eskalation, Gegenmobilisierung und strategischer Selbstschädigung haben, ist aber nicht automatisch dasselbe Ereignis. Warum der Vergleich trotzdem zieht:
- Barbarossa steht als Chiffre für einen Angriff, der den Gegner unterschätzt, die Front überdehnt und am Ende den Angreifer selbst in die Katastrophe führt.
- Im Iran-Fall gibt es ebenfalls starke Hinweise auf Fehleinschätzungen: Die 2026er Eskalation führte zu einer Ausweitung des Konflikts, zu Angriffen auf Schifffahrt und Infrastruktur sowie zu massiven Störungen im Golfraum.
- Solche Dynamiken machen den Vergleich als Warnbild verständlich: ,militärischer Erfolg im ersten Moment, strategisches Debakel im Rückblick‘.
Ich würde die Prophezeiung als zugespitzte Warnung lesen. Ihr sinnvoller Kern ist: Ein großer Angriff auf Iran könnte die Lage massiv verschlimmern und den Angreifer langfristig schwächen.“
„Wo liegt die Ähnlichkeit in puncto ,Unterschätzung des Gegners‘?“
Perplexity: „Die Ähnlichkeit liegt vor allem darin, dass der Angreifer den Gegner für schwächer, langsamer oder weniger widerstandsfähig hält, als er tatsächlich ist. Bei Barbarossa zeigte sich das daran, dass die deutsche Führung die Leistungsfähigkeit, Tiefe und Zähigkeit der Sowjetunion massiv unterschätzte; das führte zu überdehnten Linien, fehlender Gesamtstrategie und schließlich zu hohen Verlusten.
Auf die Iran-Analogie übertragen heißt das: Wer einen großen Schlag gegen Iran führt, könnte annehmen, die Gegenseite breche schnell zusammen oder sei nach den ersten Angriffen strategisch gelähmt. Wenn der Gegner aber weiterkämpft, asymmetrisch zurückschlägt, die Versorgungslage stört und den Konflikt regional ausweitet, dann kippt der scheinbare Anfangserfolg in eine Selbstüberforderung.
Der Kern der Parallele ist also nicht ,gleiche Geschichte‘, sondern gleicher Denkfehler: Man hält den Gegner für berechenbarer und schwächer, als er ist. Genau diese Fehleinschätzung ist historisch bei Barbarossa zentral und macht den Vergleich als Warnung plausibel.“